Ankündigung: „Green is the New Red“

„Sometimes people who forment violent revolution are terrorists, and sometimes they are freedom fighters. It all depends on those in power.“ – Will Potter.

In den USA und zunehmend in Europa gerät die Ökologie- und Tierbefreiungsbewegung ins Fadenkreuz der Staatsapparate und Chef-Etagen der Konzerne. Der freie Journalist, Autor und Betreiber des Informationsportals greenisthenewred.com Will Potter aus Washington D.C. zeigt in seinem 2011 publizierten Buch Green is the New Red anhand langjähriger Recherchen zur Geschichte der US-amerikanischen Ökologie- und Tierrechtsbewegung, wie ein Netzwerk aus staatlichen Behörden, Medien, Interessenverbänden, Think Tanks und Unternehmen zum konzertierten Schlag gegen den „number one domestic terrorism threat“ (FBI) ausgeholt hat.
Mit vereinten Kräften geht es – ganz im Sinne westlicher „Sicherheits“-Doktrinen – mit einem Bündel aus medialen, rechtlichen, politischen und ökonomischen Kampagnen und Maßnahmen gegen jene „grünen“ Bewegungen vor, die sich nicht mit einem „Green New Deal“ abspeisen lassen wollen. Während die Washington Post sie öffentlich zur „eco-al-Quaeda“ stempelt und das FBI nach „eco-terrorists“ fahndet, diktieren Lobbygruppen der Fleisch- und Holzindustrie den US-Regierungen Gesetze in die Feder, die aus legalem politischem Protest Verbrechen machen. AktivistInnen schmoren unterdessen im Land von Freiheit und Demokratie ohne Kontakt zur Außenwelt in einem Sondergefängnis, das nicht zu Unrecht den Beinamen „Klein-Guantanamo“ trägt.


Die Repressalien in der westlichen Welt treffen heute – wie einst die „roten“ demokratischen und sozialistischen Bewegungen – nahezu jeden Versuch oppositioneller Praxis, gleichgültig wie qualifiziert er ist, und jeden noch so zögerlichen Widerstand, der den kapitalistischen Betriebsablauf nur geringfügig stört.
Will Potter kritisiert aber nicht nur die Reaktionen der politischen Klasse und wirtschaftlichen Eliten auf die erfolgreichen Strategien der Ökologie- und Tierbefreiungsbewegung, die an den Grundfesten eines Systems rütteln, das vor allem eine gigantische Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der Natur ist. Er dokumentiert mit seiner Arbeit auch den Prozess der autoritären Anpassung westlicher Demokratien an die Erfordernisse einer krisenhaften, von gewalttätiger Konkurrenz und Klassenherrschaft getriebenen kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

Will Potter (USA) ist ein unabhängiger Journalist aus Washington D.C., der für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet wurde. Er befasst sich vor allem mit „Ökoterrorismus“, der Ökologie- und Tierrechtsbewegung sowie den Einschränkungen der bürgerlichen Freiheitsrechte nach 9/11. Will schreibt für diverse Zeitungen und Zeitschriften, darunter The Chicago Tribune, The Dallas Morning News und das Journal Vermont Law Review, und hat bei Anhörungen des US-amerikanischen Kongresses über seine Berichterstattung Zeugnis abgelegt. Er ist Urheber der Internetseite GreenIsTheNewRed.com und Autor des Buches Green is the New Red, das bei City Lights Books erschienen ist.

Homepage: Green is the New Red
Das Buch beim Verlag City Lights (englisch)
Will Potter im Interview bei arte.tv (5 Minuten 11 Sekunden; mit deutschen Untertiteln)
Beiträge von Will Potter bei Democracy Now! (englisch)
Radiointerview mit Bildspur (28:45)
Rezension des Buches, erschienen in ak – analyse & kritik Nr. 561 (Juni 2011) (PDF)

Aktionsbericht zum internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Am 24. April jährte sich wieder der internationale Tag der Tierversuche, welcher 1962 ins Leben gerufen wurde. Seitdem wird jährlich vielerorts an diesen Termin auf die Grausamkeiten aufmerksam gemacht, denen verschiedenste Versuchstiere in Laboren weltweit ausgesetzt werden. Dabei wird eine ganze Bandbreite unterschiedlichster Lebewesen „verbraucht“ – von Mäusen über Fliegen, Würmer, Hühner, Katzen bis hin zu Primaten – entweder um den Wissens- und Karrieredurst einer ganzen Wissenschaftsgemeinde zu stillen, oder zur Erprobung von pharmazeutischen oder Kosmetik-Produkten.
Anstelle der Erforschung und Ausweitung alternativer Forschungsmethoden steigt hingegen die Anzahl an tierverbrauchenden Versuchen rapide an. Wie schon berichtet finden auch hinter den Mauern renommierter Tübinger Institute all diese Versuche statt, auch diejenigen an Affen. Daher fand im Rahmen des internationalen Tages zu Abschaffung der Tierversuche und der seit 2009 laufenden Kampagne gegen Affenversuche in Tübingen am Samstag eine Aktion in der Tübinger Innenstadt statt, um auf die sinnlosen Primaten-Versuche an den drei ortsansässigen Instituten aufmerksam zu machen. Dabei wurde nachgestellt, wie die Rhesusaffen in Tübingen unter Wasserentzug bestimmte Aufgaben – z.B. das Erkennen von Zahlen – am Computerbildschirm lösen müssen, wobei ihre Gehirnaktivitäten über ins Gehirn eingeführte Elektroden gemessen werden. In Wirlichkeit sind die Affen dabei in einem sogenannten „Primatenstuhl“ fixiert – Aufnahmen von den Versuchen gibt es hier.
Unsere AktivistInnen informierten interessierte Passantinnen und Passanten mit Flugblättern und Redebeiträgen über den Ablauf der Versuche selbst, die Verteidigung der Experimente durch den regierenden Bürgermeister Boris Palmer, als auch über die Nichteinhaltung der „grünen“ Wahlversprechen im Land Baden-Württemberg trotz Übergabe von rund 60.000 Unterschriften gegen die Affenversuche.
Am selben Tag wurden Hinweise auf die Affenversuche mit Straßenkreide auf den Wegen des Alten Botanischen Gartens und vor der Mensa Wilhelmstraße angebracht – ein Anzeichen dafür, dass die Kampagne inzwischen Aktive mehrerer politischer Gruppen erreicht haben dürfte.
Trotz der Ausweitung der Tierversuche und der Ignoranz von Seiten der Politik – aber auch gerade deswegen – müssen die Proteste weitergeführt werden. Für eine Abschaffung aller Tierversuche!

Mode Zinser „ermittelt“ gegen Tierrechtsverein


Bild: Hans-Joachim Zinser, geschäftsführender Gesellschafter der Zinser-Gruppe, die über sieben Modehäuser und 620 Mitarbeiter in Offenburg, Lahr, Herrenberg, Singen, Reutlingen und Tübingen verfügt.

Wie der Verein Tübingen für Tiere berichtet, setzt die Zinser-Gruppe Menschen, die gegen den Echtpelzverkauf des Unternehmens protestierten, gezielt unter Druck.
Der Verein hatte im Winter regelmäßig Protestaktionen vor der Tübinger Filiale des Modehauses veranstaltet. Nachdem es offenbar keinen Erfolg mit seinem Vorhaben hatte, diese Aktionen auf dem rechtlichen Weg zu unterbinden, griff das Unternehmen zu drastischeren Mitteln. Tübingen für Tiere e.V. berichtet:

Es gab Anrufe und Mails bei der Firma LUSH (LUSH hat unseren Verein im Rahmen ihres Nächstenliebe-Projekts mit einer großzügigen Geldspende unterstützt). Eine Verkäuferin war nach dem anonymen Drohanruf eines Herrn so durcheinander, dass sie weinend zusammenbrach. Es fiel u. a. der Satz „Wer uns kaputt macht, den machen wir kaputt!“. Bei einem unserer Mitglieder wurde 2 x auf dem Arbeitsplatz angerufen. Einmal wurde ein Kollege ausgefragt, ein anderes Mal wurden Sätze gesagt wie „Wir ermitteln gegen Sie“ und „Weiß Ihr Arbeitgeber davon?“.
Dies sind Amtsanmaßungen (denn ermitteln können nur Polizei und Staatsanwaltschaft) und Drohungen, die nicht nur kriminell sind, sondern auch einmal mehr das skrupellose Handeln mancher Unternehmen verdeutlichen, welche ihre Beteiligung an tierausbeuterischen Geschäften um jeden Preis verteidigen wollen.

Ein Brief, den der Verein im März dieses Jahres an den geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens, Hans-Joachim Zinser – „Herr über sieben Mode-Häuser in Baden-Württemberg“ –, sandte, und in dem Dialogbereitschaft signalisiert wurde, blieb unbeantwortet.
Das überrascht nicht: Auch auf unseren offenen Brief, den wir bereits im Oktober 2010 an das Unternehmen sandten, haben wir nie eine Antwort erhalten.
Hans-Joachim Zinser berät übrigens auch die Gothaer Versicherung, welche unlängst dadurch aufgefallen ist, dass sie sich für die „lange Tradition der Jagdkultur“, die vor dem Aus stehe, einsetzt, indem sie zu Geldspenden an eine Jägerstiftung aufruft.

Aufruf zur Beteiligung an Mai-Aktionstagen

Aufruf an Tierbefreiungsgruppen zur Beteiligung an den antikapitalistischen Mai-Aktionstagen in Frankfurt vom 16. bis 19. Mai.

Für den 16. bis 19. Mai ruft ein breites Bündnis verschiedener sozialer und politischer Bewegungen zu Aktionstagen gegen die hegemoniale Krisenpolitik in Frankfurt am Main auf. Es gibt für Initiativen und Akteure der Tierbefreiungsbewegung gute Gründe, die gegenwärtige Krisenproteste nicht an sich vorbei ziehen zu lassen. Machen wir uns keine Illusionen: Dass die Bedürfnisse von Tieren in der gegenwärtigen Gesellschaft einen Dreck gelten, ist nicht nur Folge eines vermeintlich fehlenden moralischen Bewusstseins der Bevölkerungsmehrheit. Vielmehr hat die kapitalistische Wirtschaftsweise, welche gegenwärtig mit sozialen Angriffen und Entdemokratisierungen bis aufs Messer verteidigt wird, für nicht-menschliche Individuen nicht mehr übrig, als Waren oder Produktionsmittel zu sein. Die massenhafte Gefangenhaltung von Tieren und Schlachtungen im Akkord sind die hässlichen Folgen der Inwertsetzung der Tiere. Eine tatsächliche Veränderung des durch Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse geprägten Mensch-Tier-Verhältnisses bedarf stattdessen grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, die vor allem auf der der Überwindung dieser zutiefst destruktiven Ökonomie basiert!

Wenn wir einen Prozess anstoßen wollen, in dem bspw. in der Lebensmittelproduktion andere Aspekte als bloße Profitinteressen geltend gemacht werden sollen, so ist die Teilhabe aller Menschen am Prozess der Produktion und Versorgung eine notwendige Voraussetzung. Nur durch die Überwindung ökonomischer Abhängigkeitsverhältnisse und die Demokratisierung aller Lebensbereiche kann eine Grundlage geschaffen werden, um Bedürfnisse und Interessen von Menschen und auch von Tieren zu berücksichtigen. Die durch das Krisenregime beförderte autoritäre Wende in Europa ist jedoch das konkrete Gegenteil einer bewussten und freiheitlichen Gestaltung der Gesellschaft auf der Grundlage partizipativ-demokratischer Aushandlungsprozesse. Daher ist es von dringlicher Bedeutung, aktiven Widerstand zu leisten gegen die weltweiten Entsolidarisierungs- und Entdemokratisierungsprozesse und die Versuche, den Kapitalismus zu retten. Und es ist notwendig, dass wir uns die Kontrolle über zentrale Lebensbereiche wieder aneignen. Die sofortige Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien wie der Finanzindustrie, dem Energiesektor oder der Agrarkonzerne können erste Schritte darstellen, um die blinde Zerstörungswut kapitalistischer Verwertungsinteressen zu überwinden. Derartige Veränderungen können nicht von einzelnen politischen Bewegungen allein erreicht werden. Sondern es bedarf gemeinsamer Perspektiven und einen breiten und vielfältigen Widerstand. Daher rufen wir alle AktivistInnen und Initiativen der Tierbefreiungsbewegung auf, sich an den Aktionstagen im Mai zu beteiligen – weil Tiere keine Waren sind.

Beteiligen wir uns an der Besetzung zentraler Plätze am 17. Mai und nutzen wir die entstehenden Räume für Diskussionen über gemeinsame Perspektiven mit anderen politischen Bewegungen.

Blockieren wir die EZB und das Frankfurter Bankenviertel am 18. Mai. Setzen wir ein Zeichen der Solidarität mit allen Betroffenen des neoliberalen Krisenregimes und zeigen dass wir gewillt und im Stande sind, das herrschende Machtgefüge zu überwinden.

Gehen wir mit vielen Tausenden Menschen gemeinsam am 19. Mai bei einer internationalen Großdemonstration auf die Straße. Machen wir als AktivistInnen der Tierbefreiungsbewegung gemeinsam deutlich, dass eine Kritik an unfreien Verhältnissen nicht an der Kritik der Ausbeutung und Beherrschung von Tieren halt machen kann.

Wenn ihr euch an den gemeinsamen Protesten beteiligen wollt, oder wenn ihr mehr Informationen erhalten möchtet, meldet euch bitte (möglichst früh) bei
Aktionstage-Frankfurt@riseup.net

Mehr Infos auch unter www.tierbefreiung-hamburg.org/frankfurt.

- Tierbefreiungs-Aktionsbündnis zu den Krisenprotesten in Frankfurt

Demobericht: Frankfurt Pelzfrei 2012

„Es hat gelebt, geamtet so wie wir, Pelz ist ein Stück ermordetes Tier.“ Eine klassische der vielen Parolen, die auf der diesjährigen Demo Frankfurt-Pelzfrei gerufen wurden. Rund 600 TeilnehmerInnen hatten sich nach unseren Schätzungen letzten Samstag auf der größten Antispe-Demo im deutschsprachigen Raum versammelt. Das sind zwar weniger als im letzten Jahr, als ca. 1000 Menschen gegen die Pelzindustrie demonstrierten, aber wie in jedem Jahr fand sich auch in diesem vor allem der politische Antispe-Flügel der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung auf der Demo ein, was wohl in erster Linie auf die Mobilisierung zu einem „Total Liberation Black Block“ (TLBB) durch die Vegane Antifa Süd (VAS) und dem Antifaschistischen Tierbefreiungskollektiv Aachen (Atiko) zurückzuführen ist, die unter dem Motto „Gegen Pelzhandel, Herrschaft und Ausbeutung!“ zu einem schwarzen Block auf der Demo aufgerufen hatten. Auch wenn die Blockbildung an der Spitze der Demo wegen der massiven Polizeipräsenz und den strengen Auflagen schwierig war, schlug sich diese Mobilisierung einerseits gut sichtbar im mehrheitlich schwarzen Kleidungsstil und den vielen Antifa-, Antispe- und schwarzroten Flaggen nieder, wurde andererseits aber auch in Redebeiträgen und Parolen hörbar. So gab es einen Beitrag einer Antifa-Gruppe, der auf Nazis und rechte Tierfreunde aufmerksam machte, was auf der Demo durch Parolen wie „Alerta Antifaschista“ oder „Antispe und Antifa – zusammen sind wir unschlagbar“ bestärkte, dass es eine gemeinsame Front gegen Rechts gibt.

Ein anderer Redebeitrag stellte den Kampf gegen den Kapitalismus als notwendig für die Tierbefreiungsbewegung heraus, weil diesem System die Verwertung von Mensch, Tier und Natur innewohne, und nur ein systemüberwindender Kampf erfolgreich Tiere befreien könne. Vor allem diese Forderung fand sich in der Demo mit den immer wiederkehrenden Parolen „Menschen und Tiere sind kein Kapital“ und „A-, Anti-, Anticapitalista“ breite Unterstützung. Auf der Demo waren keinerlei als sexistisch oder rassistisch/antisemitisch kritisierten Organisationen wie Peta oder das Universelle Leben vertreten.
Der Demonstrationszug marschierte über mehrere Stunden durch die Stadt und belagerte für jeweils kurze Zeit die anliegenden pelzverkaufenden Kaufhäuser und Pelzgeschäfte, aber auch Burger King, McDonalds, Metzgereien und Lederwarengeschäfte. Durch kurze Beiträge, die in regelmäßigen Abständen und bei der Abschlusskundgebung vom Lautsprecherwagen erklangen, wurden die TeilnehmerInnen über den aktuellen Stand der seit 2001 existierenden und relativ erfolgreichen Offensive gegen die Pelzindustrie informiert. So wurde etwa auf den Pelzapplikationsverkauf von Galeria Kaufhof eingegangen – der Warenhausbetreiber hatte jeweils in den Jahren 2005 und 2010 ein Ende seines Pelzhandels versprochen, war 2011 allerdings erneut mit Pelzapplikationen aufgewartet. Die Polizei, die mit mehreren Dutzend Kastenwägen angereist war, schützte die Geschäfte mit Gittern und teilweise mit Schildern. Dennoch blieb die Demo weitgehend friedlich, es wurde kein Farbbeutel geworfen und es ging unseres Wissens nach auch keine einzige Scheibe zu Bruch.

Vor und nach der Demonstration bestand die Möglichkeit, verschiedene Info- und Verkaufsstände von Tierbefreiungsgruppen, Veganversänden und ähnlichen Gruppen zu besuchen, wie der Tierrechtsinitiative Rhein-Main (TIRM), Roots of Compassion (ROC) und der Kreaktivisten.
Im seit 1983 besetzten Haus AU in Rödelheim fand dann die Afterparty mit einer drei Gerichte umfassenden Volxküche und drei Musikern aus der Tierbefreiungsbewegung statt. Erst trat der Rapper Albino auf, der in seinen Texten außer Antispeziesismus viele weitere linkspolitischen Themen behandelt; er stellte sein neues Album vor. Sein in einem Flyer, der auf der Demo umherging, kritisiertes Lied gegen Antideutsche, „Falsches Spiel“, fand beim Publikum, mit Ausnahme eines Gasts, der unter „Zionismus“-Grölen den Raum verließ, viel Zuspruch. Der Liedermacher Faulenza unterhielt das Publikum mit seinen lustigen und emotionalen Liedern über Themen wie Mäuse, welche Häuser besetzen, Veganismus oder freie Liebe – seine Musik kann unter „faulenza.blogsport.de“ kostenlos heruntergeladen werden. Er gab schließlich einige Lieder in der ungewöhnlichen Kombi mit Albino zum Besten, wo dieser auf seine Gitarrenakkorde rappte. Schließlich brachte Trashedy das Publikum mit seiner lauten Elektro-Punk-Rock‘n'Roll-Mischung zum Tanzen.

Bild: Trashedy in Aktion

Eine der Aufrufenden zum TLBB, die VAS, bewertete die Demo in einem Artikel auf linksunten.indymedia heute insgesamt positiv, auch wenn Enttäuschung über die versuchte und offenbar wenig gelungene Verknüpfung von Antifa- mit Antispe-Strukturen zu bemerken ist: „Offenbar scheint in der Tierrechtsszene auch ein geringes Interesse an einer solcher Verknüpfung zu bestehen“. Dass mit 600 TeilnehmerInnen die Demo im Vergleich zum Vorjahr (mit damals 1000 TeilnehmerInnen) relativ schwach besucht war, erklärt sich die VAS hauptsächlich so:

1) Durch die groß beworbene Demonstration in der Woche davor (M31) – auch in Frankfurt – mit ca. 6000 Teilnehmer_Innen, die durch die vielen Festnahmen, wie auch die gewaltsamen Ausschreitungen auf sich aufmerksam machen konnte, waren viele Aktivist_Innen wohl nicht motiviert eine Woche später noch einmal sich auf den, für viele z.T. weiten Weg nach Frankfurt zu machen. 2) Darüber hinaus haben die Oster-Feiertage, der gleichzeitig stattfindende Protest gegen den Naziaufmarsch in Stolberg und das vorausgesagte schlechte Wetter wohl nicht zum Erfolg der Demo beigetragen.

Blutiger Fehlschluss

In Tübingen werden an gleich drei Forschungsinstituten1 Methoden angewandt, die man, am Menschen vollzogen, mit den Begriffen Folter und Mord benennen würde – da für die Experimente aber andere Primaten verwendet werden, ist ihre Anwendung in den Augen der Experimentatoren legitim. Die Affen werden durch Durst gezwungen, stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen; über ein Bohrloch im Schädel werden dabei Elektroden in das Gehirn eingeführt. Schließlich werden sie getötet, damit ihr Gehirn seziert werden kann. Der Tierarzt für Versuchstierkunde Dr. Franz Gruber kam beim Betrachten der Versuchsaufnahmen, die das ZDF gemacht hat, zum Schluss, dass schon alleine das Fixieren im „Primatenstuhl“ für einen Laboraffen erhebliches Leid bedeutet:

Er kann den Kopf nicht bewegen […]. Er sitzt eingepfercht im Stuhl. Das ist natürlich eine Belastung. Ich weiß es von Versuchspersonen, denen man den Kopf festgeschraubt hat, die haben alle nach 20 Minuten gesagt: Ich will hier raus! Das geht nicht!

Nach ihrer Kopfoperation sind die Affen in den Tübinger Instituten aber 14 Tage lang Tag und Nacht derart fixiert! Zur Legitimation dieser Zustände verstiegen die Experimentatoren sich in der Vergangenheit in absurde Rechtfertigungsversuche – so wurde beispielsweise die Vorgehensweise, die Affen durch Flüssigkeitsentzug zur Mitwirkung an den Versuchen zu zwingen, schlicht mit dem Hinweis begründet, „wir“ würden ja auch gegenüber Heimtieren und Kindern Zwang ausüben (vgl. „Frontal 21″ über Tübinger „Opfer der Forschung“). – Auch, was den angeblichen Nutzen von Tierexperimenten im Allgemeinen angeht, konnten die Experimentatoren nicht überzeugen, im Gegenteil – hier waren sie nicht einmal in der Lage, sachlich richtige Argumente anzuführen, sondern haben sich mit nachweislich falschen Tatsachenbehauptungen selbst diskreditiert (vgl. Peinlich: Tierexperimentatoren nennen falsche Fakten).
Seit die Kampagne gegen die Experimente mit Primaten in Tübingen läuft, seit bald dreieinhalb Jahren, sind die Experimentatoren aber sehr darum bemüht, gegenüber der Öffentlichkeit deren angeblichen Nutzen zu betonen. Wild wurden dazu schon irgendwelche Krankheiten angeführt – Alzheimer, Parkinson, Krebs –, deren Bekämpfung durch Erkenntnisse aus den Versuchen ermöglicht werden soll – nun sollen es, wie die Lokalpresse meldet, neuronale Erkrankungen wie etwa Schizophrenie sein. Die Eberhard Karls Universität Tübingen lässt mitteilen, die Experimentatoren um Andreas Nieder im „Labor für Primaten-Neurokognition“ des Instituts für Zoologie hätten durch ihre Forschungen Erkenntnisse erzielt, die „helfen, krankhafte Veränderungen des Denkens und der Wahrnehmung, zum Beispiel bei einer Schizophrenie, besser zu verstehen und langfristig Therapien zu entwickeln“. – Was haben die Forscher gemacht? Zunächst wurden Rhesusaffen am Computer trainiert, Lichtpunkte zu entdecken. Auf der Website der Universität ist der weitere Versuchsablauf beschrieben:

Dabei wurde nur in der Hälfte der Versuchsdurchläufe tatsächlich ein Lichtpunkt gezeigt; in der anderen Hälfte der Fälle war kein Lichtpunkt zu sehen. Die Affen lernten in beiden Fällen die richtige Entscheidung zu treffen: „Ja, Lichtpunkt vorhanden“ oder „Nein, nichts zu sehen“. Nun wurden die Lichtpunkte auf dem Bildschirm so schwach präsentiert, dass sich die Tiere unsicher wurden, ob ein Signal vorhanden war. In solchen Situationen trifft das Gehirn eine von der Helligkeit des Lichtpunktes unabhängige, subjektive Entscheidung.
Während die Tiere die Aufgaben lösten, fanden sich bei Messungen im Bereich des Stirnhirns, des so genannten Präfrontalkortex, Gehirnzellen mit erstaunlichen Reaktionen. Die Nervenzellen signalisierten nicht die Helligkeit der Lichtpunkte, sondern die ja/nein-Entscheidung des Tieres. Besonders interessant war, dass nicht nur die Ja-, sondern auch die Nein-Entscheidung durch eine verstärkte Aktivierung bestimmter Hirnzellen verarbeitet wurde. Anhand der Signale der Nervenzellen ließ sich sogar voraussagen, ob der Affe mit Ja oder mit Nein antworten würde.

Zu Recht kann man sich nun fragen, was das alles mit neurologischen Erkrankungen zu tun haben soll. Andreas Nieder wagt diesen gedanklichen Spagat: „Seit langem ist bekannt, dass krankhafte Veränderungen des vorderen Stirnhirns mit neuropsychiatrischen Erkrankungen einhergehen. So ist beispielsweise die Schizophrenie durch starke Fehlinterpretationen der normalen Wahrnehmung und der Urteilskraft, bis hin zu schweren Halluzinationen, gekennzeichnet“.
Für die Behauptung aber, die Untersuchung der Verarbeitung visueller Reize und subjektiver Entscheidungsprozesse im Hirn von Rhesusaffen helfe, krankhafte Veränderungen des vorderen Stirnhirns beim Menschen zu begreifen, gibt es schlicht keine Grundlage. Affen sind zwar von allen Tieren dem Menschen am ähnlichsten, aber wie groß ist die Ähnlichkeit wirklich? Die US-amerikanische Neurologin Aysha Akhtar hat in ihrer Studie Neurological Experiments: Monkey See… But Not Like Humans neuroanatomische und -physiologische Unterschiede zusammengetragen, die zeigen, dass Gehirne von Rhesusaffen schlicht nicht als Modell fürs menschliche Gehirn herhalten können. So hat beispielsweise ein menschliches Neuron 7.000 bis 10.000 Synapsen (Verbindungen zu anderen Neuronen), beim Affen sind es nur 2.000 bis 6.000. Menschen haben außerdem gerade zur Verarbeitung von visuellen Reizen Hirnbereiche, die es beim Affen gar nicht gibt! Die bundesweite Ärzteereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. ist deshalb der Meinung:

Forschung an Affenhirnen erlaubt Aussagen über die Funktion des Affenhirns – mehr nicht. Will man etwas über das menschliche Gehirn erfahren, muss das »Zielhirn« untersucht werden und nicht das einer anderen Tierart. Ethisch vertretbare Forschung am Zielorgan, dem menschlichen Gehirn, ist möglich. Die heutigen Technologien erlauben den Forschern das Gehirn bis ins kleinste Detail zu untersuchen – ohne Löcher in den Schädel zu bohren. Mit modernen bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanz- oder Positronenemissions-Tomographie kann die Verarbeitung von Nervenreizen im Gehirn von Freiwilligen untersucht werden. Diese Art der Forschung liefert relevante Daten, die menschlichen Patienten, die an Alzheimer, Parkinson oder anderen neurologischen Erkrankungen leiden, tatsächlich helfen können.2

Erst vor Kurzem haben Neurowissenschaftler vom Tübinger Zentrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) relevante Zusammenhänge von Informationsverarbeitungsprozessen im Gehirn entdeckt – aber keineswegs durch Tierexperimente: Während menschliche Versuchspersonen Entscheidungen trafen, wurde ihre Gehirnaktivität mit Hilfe von Elektroenzephalografie (EEG) und Magnetoenzephalografie (MEG) gemessen (unter dem Titel Fingerabdrücke von Hirnleistungen wurde diese Forschung am 15. Februar vorgestellt). – Offensichtlich können Erkenntnisse über das menschliche Gehirn eben am ehesten durch bildgebende Verfahren mit Versuchspersonen erzielt werden, und nicht, wie die Tierexperimentatoren behaupten, durch invasive Verfahren am Gehirn von Rhesusaffen.
Selbst wenn den gemarterten Körpern von Tieren eine Erkenntnis abgerungen werden kann, die Menschen in irgendeiner Weise als „nützlich“ erscheint, so rechtfertigt das in keinem Fall diese Methode. Wer am durch die moderne Wissenschaft seit Darwin widerlegten Mensch-Tier-Dualismus zur Legitimation von Gewalt gegenüber Tieren heute noch festhält, hängt einer Ideologie an – einem falschen gesellschaftlichen Bewusstsein, das sich gegenüber dem gesellschaftlichen Sein verselbständigt hat. Progressive Wissenschaft erkennt längst an, dass der Speziesismus – die Ideologie, welche das Ausbeutungsverhältnis gegenüber Tieren legitimiert –, von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, „unhaltbar“ ist – so etwa Volker Sommer, Professor für evolutionäre Anthropologie am Londoner University College, in seinem Vortrag Vorbei mit den Grenzen. Warum sich der Mensch nur graduell vom Tier unterscheidet. Die Philosophen Max Horkheimer – der die Situation der Tiere als „Tierhölle in der menschlichen Gesellschaft“ beschrieb – und Theodor W. Adorno zeigten sich nicht nur bereits im Jahr 1944 in ihrer Schrift Dialektik der Aufklärung allgemein entsetzt über die „lückenlose Ausbeutung der Tierwelt heute“, sondern verurteilten speziell auch scharf die Vorgehensweise einer von bloß instrumenteller Vernunft geleiteten modernen Wissenschaft, „verstümmelten Tierleibern“ in „scheußlichen Laboratorien“ den „blutigen Schluß“ abzwingen zu wollen. Was die Hirnforschung an Primaten betrifft, kommt hinzu, dass deren Ergebnisse überhaupt nicht auf Menschen übertragbar sind: Die Experimentatoren vollziehen hier an den Tieren einen blutigen Fehlschluss.

  1. Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen. [zurück]
  2. Ärzte gegen Tierversuche e.V.: Hirnforschung an Affen – Grausam und sinnlos.[zurück]

Grün-rote Landesregierung bricht Wahlversprechen – Baden-Württemberg hält an Experimenten mit Primaten fest

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Die erste Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg ist eine Tübingerin, Dr. Cornelie Jäger. Sie wird ihr Amt am 1. April antreten. Der Ministerrat habe der Besetzung des Postens mit Cornelie Jäger zugestimmt, teilte Verbraucher- und Tierschutzminister Alexander Bonde (Grüne) am Sonntag mit. Damit werde ein bedeutendes Anliegen aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt: „Mit dem Amt schafft die Landesregierung eine funktionsfähige sowie nachhaltige Einrichtung für die Belange des Tierschutzes“. Die Tierschutzbeauftragte soll in Zukunft, so das Ministerium, „eine wichtige Ansprechpartnerin für Tierschutzverbände und -vereine sowie für Organisationen und Einrichtungen, die sich mit dem Tierschutz und der Tierhaltung beschäftigen“, sein. – Diese können sich gleich einmal mit der Frage an sie wenden, weshalb die Regierung, von der sie gestern als neue Tierschutzbeauftragte eingesetzt worden ist, ihre Wahlversprechen bricht und die Primatenversuche in Tübingen nicht beendet.
Vor fast genau einem Jahr ist in Baden-Württemberg der neue Landtag gewählt worden. Bündnis 90/Die Grünen, die seither Regierungspartei sind, hatten in ihrem Wahlprogramm auch Tierrechte als Leitidee verankert. Grundsätzlich wurde ein respektvoller und ethisch verantwortbarer Umgang mit Tieren gefordert. In Bezug auf Tierversuche forderte die Partei: Wo immer möglich eine Abschaffung und den Einsatz alternativer Methoden; die Versuche an Primaten, die an drei Instituten in Tübingen durchgeführt werden, sollten innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ganz beendet werden. Auch die SPD hatte wichtige Ziele zur Stärkung der tierversuchsfreien Forschung in ihrem Wahlprogramm festgeschrieben. Im Koalitionsvertrag der beiden Parteien heißt es: „Wir wollen die Zahl der Tierversuche im Land weiter verringern und die Entwicklung von Alternativmethoden besser fördern.“
Von einer „weiteren“ Verringerung konnte allerdings gar nicht die Rede sein. Die Zahl der Tierversuche ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland um 56 Prozent gestiegen – und Baden Württemberg ist führend: Dort werden rund 20 Prozent aller deutschen Versuchstiere „verbraucht“.
Nun ist klar: Das Bundesland hält auch an den Tübinger Tierversuchen mit Primaten fest – wie die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. vermutet, in erster Linie aus elitären Interessen: Die Regierungsparteien wollten die Bestrebungen der Universität im Rahmen der Exzellenzinitiative nicht gefährden. An deren Medizinischer Fakultät ist eines von bundesweit 20 Exzellenzclustern etabliert, das Zentrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN), das von internen und externen Partnern getragen wird, u.a. vom Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik und vom Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung – jenen Instituten, an welchen die Affenversuche durchgeführt werden, die Kritiker für sinnlos halten. – Auf der Website des CIN wird die „Grundlagenforschung mit nichthumanen Primaten“ verteidigt; zwar wird zugegeben: „Grundlagenforschung beschäftigt sich mit Phänomenen und Fragestellungen, für die es bislang keine Erklärungen gibt, daher ist ihre spätere Anwendung nicht planbar“ – dennoch stellen laut CIN „die Experimente mit Rhesusaffen, einen wichtigen Pfeiler der biomedizinischen Forschung dar.“
Die Affen werden durch Durst gezwungen, stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Über ein Bohrloch im Schädel werden dabei Elektroden ins Gehirn eingeführt. Der Tierarzt für Versuchstierkunde Dr. Franz Gruber kam beim Betrachten von Videoaufnahmen, die das ZDF von den Versuchen gemacht hatte, zu dem Schluss, schon alleine das Fixieren im sog. „Primatenstuhl“ bedeute für einen Laboraffen erhebliches Leid: „Ich weiß es von Versuchspersonen, denen man den Kopf festgeschraubt hat, die haben alle nach 20 Minuten gesagt: Ich will hier raus!“ Nach ihrer Kopfoperation sind die Affen in den Tübinger Instituten 14 Tage lang Tag und Nacht derart fixiert. – Prof. Nikos Logothetis, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik, rechtfertigte gegenüber dem ZDF-Magazin „Frontal 21“ die Gewalt, mit der die Affen zur Teilnahme an den Versuchen gezwungen werden, mit der Aussage, „wir“ würden ja auch gegenüber Heimtieren und Kindern Zwang ausüben. „Frontal 21“ kam zu dem Schluss: „Es geht um viel Geld, wissenschaftliches Prestige und Karrieren. Für die Affen und all die anderen Tiere um ein ganzes Leben unter Qualen – für die zweckfreie Forschung!“
Vor drei Jahren hat die Antispeziesistische Aktion Tübingen in Kooperation mit Ärzte gegen Tierversuche e.V. eine Kampagne gegen die Primatenversuche initiiert. 2009 und 2010 wurden jeweils Großdemonstrationen in Tübingen zum Thema veranstaltet. Am 18. Oktober 2011 übergab die Ärztevereinigung dem Stuttgarter Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz stellvertretend für alle Unterstützer der Kampagne gegen die Affenversuche 60.000 Unterschriften, verbunden mit der Aufforderung, dem Beispiel anderer Bundesländer zu folgen und der Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg die rote Karte zu zeigen. Reinhold Pix, tierschutzpolitischer Sprecher der grünen Regierungspartei, war bei der Übergabe der Unterschriften zugegen und meinte: „In unserem Wahlprogramm hatten wir uns klar zu einem Ende der Affenversuche innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ausgesprochen sowie möglichst für eine Abschaffung der Tierversuche generell, zumindest aber eine jährliche Reduzierung um zehn Prozent. Unseren Bürgern und Wählern gegenüber sind wir hierzu nun verpflichtet und müssen diesen Regierungsauftrag umgehend erfüllen.“
Inzwischen aber wollen die Regierungsparteien davon nichts mehr wissen. Es ist sogar eine Ausweitung der Forschung zu befürchten, da derzeit an der Universität Tübingen die Räumlichkeiten für die Haltung von Affen ausgebaut werden. Diplom-Biologin Silke Bitz, Sprecherin von Ärzte gegen Tierversuche e.V., urteilt deshalb nun: „Offensichtlich beugt sich die Landesregierung lieber der mächtigen Experimentatorenlobby, anstatt sich ihren selbst gesetzten Zielen zu widmen. Ein trauriges Bild, das die Politik abgibt, der Wähler nicht zuletzt aufgrund des Vorhabens, Affenversuche auslaufen zu lassen, ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Leserbrief zum Thema in der Tübinger Lokalzeitung „Schwäbisches Tagblatt“: „Ein trauriges Bild“, 16.3.2012.

Zur Psychologie einer Ideologie: „Fleisch“

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Bild: Hartmut Kiewert. Zu unserem Interview mit dem Maler.

Im Zuge ihrer Doktorarbeit hat die US-amerikanische Psychologin Melanie Joy Veganer, Vegetarier, Fleischesser, Schlachter, Fleischhauer und auch Menschen, die ihre eigenen Tiere aufziehen und schlachten, interviewt. Ihre Erkenntnis war, dass wir es mit viel mehr zu tun haben als nur mit individuellen Meinungen, wenn es um das Thema Fleischindustrie geht: Wir folgen einem unsichtbaren Glaubenssystem. Diese Ideologie, welche mit dem Essen von Fleisch verbunden ist, nennt Joy „Karnismus“ – und bezeichnet damit letztlich einen Teil des Speziesismus.
In einem heute veröffentlichten Interview mit der österreichischen Tageszeitung Der Standard finden sich einige bemerkenswerte Sätze, mit denen die Psychologin die speziesistische Ideologie der herrschenden Kultur demaskiert. So sagt sie etwa: „Wir neigen dazu, nur Ideologien zu benennen, die abseits des Mainstreams liegen. Doch auch hinter dominanten Kulturen liegt eine Ideologie verborgen. Es ist diese Mentalität von Dominanz und Unterwerfung, die es ermöglicht, ‚jemanden‘ in ‚etwas‘ zu verwandeln. Oder ein Leben in eine Produktionseinheit zu verwandeln.“ Sie betont, dass die Nutztiere dabei nur die offensichtlichsten Opfer darstellen – doch auch die menschlichen Opfer werden außerhalb des öffentlichen Bewusstseins gehalten: Auch die Arbeiter in Schlachtbetrieben seien teilweise Opfer, in den USA seien es zum Beispiel sehr oft Immigranten. Diese Arbeit ist sehr riskant und so gefährlich, dass Human Rights Watch im Jahr 2005 in einem Bericht einen einzigen Industriezweig kritisiert hat, dessen Arbeitsbedingungen so entsetzlich sind, dass grundlegende Menschenrechte verletzt werden – es handelte sich um die Fleischindustrie.
Joy macht auch auf die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Unterdrückungsformen aufmerksam – sie ist der Meinung: „Wenn wir es nicht schaffen, die Mechanismen zu erkennen, die allen gewalttätigen Ideologien zugrunde liegen, sind wir dazu verdammt, die Gräuel in anderen Erscheinungsformen immer wieder zu reproduzieren.“ – Über die beiden folgenden Sätze Joys dürfen ruhig auch Menschen nachdenken, die sich oftmals für ganz besonders emanzipatorisch und progressiv halten, die Ausweitung des Solidaritätsgedankens auf die Tiere und die Forderung nach einem Ende der Ausbeutungsverhältnisse, in denen sie zu leben gezwungen sind, aber ablehnen und die Tierbefreiungsbewegung deshalb angreifen: „Veganismus und Vegetarismus sind eine Bewegung, die zwar gerade erblüht, aber dennoch von einer Minderheit gelebt wird. Leute können abfällige Bemerkungen über Vegetarier und Veganer machen, die völlig inakzeptabel wären, wenn es um das Thema Religion oder Geschlecht gehen würde.“

Die Psychologin Melanie Joy ist Autorin des Buches „Why We Love Dogs, Eat Pigs and Wear Cows“. Sie studierte in Harvard und ist derzeit Psychologin, Lebenstrainerin und Professorin für Psychologie und Soziologie an der Universität von Massachusetts in Boston.

Zum Interview mit Melanie Joy: derstandart.at

Carnism Awareness & Action Network: Was ist Karnismus?

Tierbefreiungsbewegung wird europaweit überwacht und kriminalisiert

Seit mindestens 2006 wird der grenzüberschreitende Tierrechtsaktivismus durch die EU-Polizeiagentur Europol ausgespäht. Dies hat die Bundesregierung jetzt in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage eines Bundestagsabgeordneten der „Linken“ mitgeteilt – dessen Urteil: Um linke politische Bewegungen in den Mitgliedstaaten auszuspähen, werden diese als „Terrorismus“ eingestuft.

Zum nd-Artikel von Andrej Hunko

Angela Davis über Tiere im Kapitalismus

Angela Davis

Die US-amerikanische Bürgerrechtlerin und marxistische Philosophin Angela Davis plädiert dafür, Tierbefreiung als notwendigen Teil linker Gesellschaftskritik zu begreifen. Das entsprechende Video gibt es auf der Website von Assoziation Dämmerung.



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