Brown Dog Riots: Allianzen zwischen Arbeiter-, Antivivisektions- und Frauenbewegung

Im Jahr 1906 wird das erste „Brown Dog“-Denkmal in Battersea enthüllt, jenem Stadtteil Londons, der damals als Hochburg der Gewerkschafts- und anderen sozialen Bewegungen sowie als Wiege für radikale Klassenpolitik gilt. Das Denkmal, das symbolisch für die Opfer der Vivisektion errichtet wird, wird schnell zum Ausgangspunkt für die heftigsten und militantesten Auseinandersetzungen, welche die britische Tierrechtsbewegung bis zu diesem Zeitpunkt geführt hat.

Die englische Antivivisektionsbewegung im 19. Jahrhundert ist mit der feministischen Bewegung der Zeit derart überlagert, dass die Medizinstudenten des University College, die ab 1906 gegen die Aufstellung des Denkmals protestieren, Antivivisektions- und Frauenwahlrechtsbewegung gleichsetzen: Sie stören zahlreiche Veranstaltungen letzterer, um gegen erstere vorzugehen. Medizinstudenten versuchen immer wieder, das Denkmal zu zerstören, stoßen dabei aber auf den vehementen Widerstand der Vivisektionsgegner sowie der Bevölkerung des Arbeiterviertels, die in dem Hund offenbar ein Symbol für ihre eigene Unterdrückung sieht. Über Jahre hinweg, zwischen 1903 und 1910, wird der Konflikt, bekannt als Brown Dog Riots, ausgetragen. Ort der Auseinandersetzungen ist sowohl Battersea als auch das Londoner Zentrum, wo auf dem Trafalgar Square Demonstrationen mit mehreren Tausend Teilnehmenden stattfinden. Unter dem Druck der Kontroverse wurde die Statue 1910 vom Bezirksrat geheim entfernt.
Die neue Statue, die man hier auf den Fotos sieht, wurde erst 1985 im Battersea Park errichtet – gestiftet von der British Union for the Abolition of Vivisection und der National Anti-Vivisection Society. 1992 wurde die Statue innerhalb des Parks an den Rand eines Pfades nahe des Old English Garden versetzt, wo sie kaum auffindbar ist. Auf dem Sockel finden sich unter anderem folgende Inschriften: In Memory of the Brown Terrier Dog Done to Death in the Laboratories of University College in February 1903 after having endured Vivisection extending over more than Two Months and having been handed over from one Vivisector to Another Till Death came to his Release. Also in Memory of the 232 dogs Vivisected at the same place during the year 1902. Men and women of England how long shall these things be?, und: Animal experimentation is one of the greatest moral issues of our time and should have no place in a civilised society.

Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert existieren nicht nur bemerkenswerte Allianzen zwischen der Antivivisektions- und der Arbeiterbewegung – prominente Vertreter der Arbeiterbewegung unterzeichnen 1896 ein Manifest gegen die Vivisektion, in dem es heißt: „such experimentaion on living animals is opposed to the right feelings and true interests of the working classes“ –, auch zwischen der Frauen- und der ersten Tierrechtsbewegung bestehen enge Verbindungen. Der Begriff „Suffragetten“ bezeichnet zu Anfang des 20. Jahrhunderts jene Frauenrechtlerinnen in Großbritannien und den USA, die mit verschiedenen Methoden für das Frauenwahlrecht kämpfen. In ihrer militanten Erscheinungsform übernimmt die Frauenwahlrechtsbewegung in diesen Jahren Methoden, die den Protestformen der radikalen Arbeitertradition entliehen sind und auf die sich wiederum die Tierrechtsbewegung bezieht. Die erklärte Absicht der militanten Suffragetten war, niemals Menschen oder Tiere zu gefährden – aber, so Emmeline Pankhurst (1858-1928), Mitglied der Independent Labour Party und Mitbegründerin der Women’s Social and Political Union (WSPU), im Jahr 1913: „Wenn es dafür notwendig ist, um das Wahrecht zu erhalten, werden wir soviel Schaden an Eigentum anrichten, wie wir können.“ Die Maßnahmen reichen von der Durchführung von Demonstrationen und der Störung von Parlamentssitzungen über Streikposten, Ankettungen und Angriffe auf Regierungsmitglieder bis hin zur Zerstörung von Fensterscheiben, Briefkästen und Briefsendungen, dem Einsatz von Brandbomben und der Brandstiftung an Häusern, Bahnhöfen und Schlössern. Des Weiteren verweigern sich einige der Zahlung von Steuern. „Es gibt etwas, um das sich Regierungen viel mehr Sorgen machen, als um menschliches Leben, und das ist die Sicherheit des Eigentums. Und so ist es durch das Eigentum, dass wir den Feind bekämpfen werden. Seid militant, jede auf ihre Art“, lässt Emmeline Pankhurst verlautbaren, und weiter: „Das Argument der zerbrochenen Fensterscheibe ist das wertvollste Argument moderner Politik.“ Ab 1912 ist die WSPU praktisch eine illegale Organisation, ihre Anführerinnen befinden sich entweder im Gefängnis oder im Exil in Paris, von wo aus sie die Leitung aus dem Untergrund weiterführen.
Abgesehen von der Wahl der Mittel, bestehen auch personelle Überschneidungen zwischen der Frauenwahlrechts-, der Tierrechts- und der Arbeiterbewegung. Frances Power Cobbe (1822-1904) etwa ist nicht nur Teil des Exekutivkomittees der 1868 gegründeten National Society for Woman Suffrage, sondern auch Begründerin der Victoria Street Society – der Vorgängerorganisation der noch heute bestehenden National Anti-Vivisection Society – sowie der British Union for the Abolition of Vivisection. Die Sozialistin Isabella Ford (1855-1924) engagiert sich für die Rechte der Frauen aus der Arbeiterklasse und ist gleichzeitig gegen Vivisektion und andere Tierausbeutung in der von Henry Salt (1851-1939) gegründeten Humanitarian League aktiv. Zwischen der League und der sozialistischen Bewegung bestehen wechselseitige Verbindungen, die Arbeit der Gesellschaft und die Themen Vegetarismus und Tierrechte werden auch in sozialistischen Zeitungen wie The Labour Annual, Clarion oder Justice vorgestellt und unterstützt. Kropotkin präsentiert sein Werk Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (1902), in dem er die Rolle des Konzepts der Solidarität im Gegensatz zum populären des Überlebens des Stärkeren in der Evolution betont, auf einer Veranstaltung der League. Salt ist der Meinung, dass es einer Veränderung hin zu einer Ökonomie bedarf, die nicht auf Profit ausgerichtet ist, damit sich das Verhalten gegenüber den Tieren überhaupt grundlegend ändern kann. In einem Artikel mit der Überschrift The Animal Question and the Social Question (1898) schreibt er: „So long as pecuniary profit and self-interest are accepted as guiding principles of trade, it will remain impossible to secure the right treatment for animals; because it is absurd to suppose that mankind will agree to exempt the lower races from the results of an economic tyranny of which men are also victims.“ Die Forderung nach der Befreiung der Tiere sieht er als Fortsetzung der menschlichen Emanzipationsbestrebungen. In Animals‘ Rights. Considered in Relation to Social Progress (1892) schreibt er hierzu: „The emancipation of men will bring with it another and still wider emancipation – of animals“, und: „It is not human life only that is lovable and sacred, but all innocent and beautiful life: the great republic of the future will not confine its beneficence to man.“ Die Befreiung von Mensch und Tier sind für Salt untrennbar miteinander verbunden, eine ohne die andere gar nicht möglich. In der Autobiografie des Engländers, die den ironischen Titel Seventy Years among Savages (1931) trägt, heißt es: „The emancipation of men from cruelty and injustice will bring with it in due course the emancipation of animals also. The two reforms are inseparably connected, and neither can be fully realized alone.“ Entsprechend gelte es Folgendes zu überwinden: „The exploitation of one race by another race, of one class by another class, of the lower animals by mankind.“
Die Humanitarian League wird auch von Louise Lind-af-Hageby (1878-1963) unterstützt; sie ist Mitglied der Women’s Freedom League (WLF), 1909 gründet sie die Animal Defence and Anti-Vivisection Society, außerdem ist sie, in ihren eigenen Worten, militante Vegetarierin – für ihren strengen Vegetarismus wird sie ab 1944 in der durch Donald Watson (1910-2005) gegründeten Vegan Society Gleichgesinnte finden.
Emily Wilding Davison (1872-1913), eine der militantesten Suffragetten, ist der Meinung, dass Tierrechte die logische Erweiterung feministischer Forderungen sein müssen. Sie initiiert zahlreiche Brandanschläge und bekennt sich außerdem zum Anschlag auf das Privathaus des Premierministers Lloyd George im Jahr 1913. Zur Märtyrerin der Frauenwahlrechtsbewegung wird sie, als sie noch im selben Jahr beim Derby vor das Pferd des Königs läuft und an den Folgen ihrer Verletzungen stirbt. Zu ihrem Freundeskreis zählen andere Suffragetten, die ihr Tierrechtsinteresse teilen, etwa ihre spätere Biografin Gertrude Baillie Weaver (1857-1926). Sie und ihr Ehemann Harold, aktives Mitglied der Men’s League for Women Suffrage, gründen gemeinsam das National Council for Animals‘ Welfare Work. Für Harold Baillie Weaver ist Tierausbeutung die „abscheulichste Form der Ausbeutung der Schwachen durch die Starken“.
Die Sozialistin und spätere Sinn Féin-Aktivistin Charlotte Despard (1844-1939) fungiert zunächst als führendes Mitglied der WSPU und ist 1907 Mitbegründerin der WLF. Im Alter von 47 Jahren wird sie, inspiriert von Texten von Percy Shelley, Vegetarierin und tritt der London Vegetarian Society bei; 1920 übernimmt sie die Präsidentschaft der Gruppe. Im Jahr 1906 begleitet Despard die Enthüllung des Brown Dog-Denkmals in Battersea. Dort ist noch heute eine Straße nach ihr benannt, die „Charlotte Despard Avenue“.

Für Teile der Frauenbewegung im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Feminismus und der Aktivismus gegen Tierausbeutung Teile desselben Kampfes gegen Unterdrückung. „Nichts könnte mich dazu bringen, ein Huhn zu essen oder die grausame Behandlung unschuldiger Tiere um ihres Pelzes willen stillschweigend zu dulden. Es läuft mir entsetzlich kalt über den Rücken, wenn ich auf einer Versammlung zum Wahlrecht für Frauen sehe, wie Frauen grässliche Trophäen von Schlachtopfern mit sich herumtragen“ – so eine Wortmeldung bei der Versammlung der National American Woman Suffrage Association im Jahr 1907. Es handelt sich um eine von vielen Stimmen, welche von jenen, die Geschichte geschrieben haben, zum Schweigen verurteilt worden sind: In der späteren Literatur über die Suffragettenbewegung findet sich das Zitat kaum noch irgendwo. Carol J. Adams, die Autorin des Buches The Sexual Politics of Meat: A Feminist-vegetarian Critical Theory (1990) merkt dazu an: „Die Allianz von Frauen und Vegetarismus in der Geschichte und in der Literatur wurde verzerrt und das aufschlussreiche Netzwerk von Feministinnen und VegetarierInnen daher überhaupt nie dargestellt. Teile der Theorien von vegetarischen Feministinnen wurden verschwiegen. Wir haben es also mit einer doppelt verschwiegenen Geschichte zu tun: der verschwiegenen Geschichte von Frauen und der verfälschten Geschichte des Tierrechtsaktivismus.“

Die hier wiedergegebenen historischen Informationen stammen aus dem in Kürze in der theorie.org-Reihe erscheinenden Buch Antispeziesismus unseres Aktivisten Matthias Rude, der auch die hier gezeigten Fotos der neuen Brown Dog-Statue im Londoner Battersea-Park gemacht hat (ein Foto der Original-Statue von 1906 findet sich z.B. hier). Mehr Fotos, auch von den aufschlussreichen Inschriften am Sockel, finden sich hier.

Vortrag zum Geist-Natur-Dualismus

Kritik des Geist-Natur-Dualismus from Errico Malatesta on Vimeo.

Den Vortrag zum Geist-Natur-Dualismus und seinen Erscheinungsformen von Susann Witt-Stahl von der Assoziation Dämmerung (ehemals Tierrechts Aktion Nord) gibt es nun als Video – das Richtige für alle, die sich einführend mit antispeziesistischer Theorie, der Grundlage einer kritischen Theorie der Tierbefreiung, Adorno und Horkheimer beschäftigen wollen. Nebenbei streift Susann als Beispiel für Ideologie auch die Aktion Kirche für Tiere (AKUT) und die sogenannten „Antideutschen“. Der Vortrag wurde 2007 auf den Tierrechtstagen Recklinghausen aufgenommen.
Vielleicht ist für den einen oder die andere dieser Vortrag auch eine gute Einstimmung zur Herbstakademie der Assoziation Dämmerung „Tierbefreiung und revolutionäre Realpolitik“.

Soli-Sampler erschienen

Wenn ihr uns und unsere politische Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr dies durch den Kauf des am 4. Mai erschienenen Benefit-Soli-Samplers tun, den das Label Black Rose Records für uns gemacht hat. 13 Künstler, 23 Tracks, 80 Minuten. Es handelt sich um eine schwarze CD (in Schallplatten-Optik) in handgemachter Hülle, die Auflage ist auf hundert, einzeln nummerierte Stücke limitiert. Den Sampler könnt ihr hier bestellen.

Weshalb wir gegen Tierversuche sind

Unser Redebeitrag bei der gestrigen Demonstration gegen Affenversuche:

Wir, die Antispeziesistische Aktion Tübingen, sind eine Gruppe von Menschen aus der Tübinger Linken. Als Schwerpunkt unserer politischen Arbeit haben wir die Kritik am Speziesismus gewählt – dem Ausbeutungsverhältnis gegenüber Tieren und jeder Ideologie, die dieses legitimiert und verschleiert. Weshalb? Wir finden, es ist an der Zeit, die Forderung nach gesellschaftlicher Befreiung und nach einem Ende von Ausbeutung nicht länger auf die Menschen zu beschränken, denn damit trifft man eine willkürliche Auswahl aus dem Kreis leidensfähiger Wesen, der weit über die menschliche Spezies hinausreicht. Wir sind damit keineswegs die ersten; wir sehen uns in einer langen linken Tradition von Ansätzen für die Befreiung von Mensch und Tier. Die Bewegung zur Befreiung der Tiere sieht ihre Forderungen traditionell als logische Fortsetzung und Konsequenz der großen emanzipatorischen Imperative. Die Geschichte zeigt, dass diejenigen Menschen, die sich organisierten, um eine Verbesserung der elenden Situation der Tiere in der menschlichen Gesellschaft zu bewirken, durchweg auch Teil anderer Befreiungskämpfe waren: Sie stritten etwa gegen monarchistische Willkürherrschaft, für Menschenrechte, gegen die Sklaverei, für die Emanzipation der Frauen, für die Belange der lohnabhängigen Massen oder waren im antifaschistischen Widerstand aktiv. Aber sie gingen weiter, für sie war klar: Befreiung hört nicht beim Menschen auf. Im Gegensatz zu vielen visionären Kämpferinnen und Kämpfern früherer Generationen wären wir heute in der Lage, den Gedanken der Tierbefreiung zur gesellschaftlichen Wirklichkeit zu machen, denn die Ausbeutung von Tieren ist auf dem technischen Stand unserer Gesellschaft objektiv unnötig geworden. Dennoch wird sie fortgesetzt und sogar zum industriell rationalisierten, durchorganisierten System gesteigert.

Die kapitalistische Gesellschaft gleicht einer riesigen Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der Natur; diese findet ihren sinnfälligsten Ausdruck im Herrschaftsverhältnis gegenüber den Tieren. Das Mensch-Natur- und das Mensch-Tier-Verhältnis der westlichen Kultur, das im Zuge der Europäisierung der Erde dominant geworden ist, ist ein in seinem Ursprung patriarchales, und ist durch und durch von Herrschaft geprägt. Die Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno drücken dies in ihrer Schrift Dialektik der Aufklärung folgendermaßen aus: „Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist, sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen. Nichts anderes gilt.“ Die disqualifizierte Natur wird zum chaotischen Stoff bloßer Einteilung: Sie wird von der menschlichen Vernunft, die zum bloßen Instrument der Herrschaft degradiert worden ist, geordnet, kategorisiert, eingeteilt, um sie besser beherrschen und ausbeuten zu können. Andere Tiere treten der menschlichen Wahrnehmung zunehmend weniger als Individuen, als vielmehr nur noch als bloße Vertreter ihrer Gattung gegenüber. So geht etwa das Versuchstier „verkannt als bloßes Exemplar durch die Passion des Laboratoriums“, wie Adorno und Horkheimer schreiben.

Die Autoren der Dialektik der Aufklärung, die viel Einfluss etwa auf die Studentenbewegung und damit auf die Neuen Sozialen Bewegungen hatten, analysieren, dass der Mensch im Prozess seiner Befreiung das Schicksal mit der übrigen Welt teilt. So ist die Geschichte der Anstrengungen des Menschen, die Natur zu beherrschen, auch die Geschichte der Herrschaft des Menschen über den Menschen. In die Sphäre des Natürlichen, die es zu beherrschen gilt, fallen nicht nur die Tiere, sondern traditionell auch die zu beherrschende Frau und der zu unterjochende Fremde: Sexismus, Rassismus und Speziesismus hängen untrennbar miteinander zusammen und bedürfen einer gemeinsamen Lösung. Eine befreite Gesellschaft zu erreichen, ohne auch die Tiere zu befreien, ist deshalb ein Widerspruch in sich. Tatsächlich ist Tierbefreiung Voraussetzung und Resultat menschlicher Befreiung. Aus diesem Grund kämpfen wir gegen jegliche Tierausbeutung, die im Tierexperiment mit ihren grausamsten Ausdruck findet.
Die Abgrenzung zu anderen Tieren war besonders wichtig für das Heraustreten des Menschen aus der Natur: „Die Idee des Menschen in der europäischen Geschichte drückt sich in der Unterscheidung vom Tier aus“, heißt es in der Dialektik der Aufklärung. Mit solcher Beharrlichkeit und Einstimmigkeit sei dieser Gegensatz „von allen Vorvorderen des bürgerlichen Denkens“ immer wieder bestätigt worden, dass dieser Gegensatz wie nur wenige weitere Ideen bis heute zum Grundbestand der westlichen Anthropologie geworden sei. Diejenigen, die die Ablösung der Beobachtung freilebender Tiere durch das Laborexperiment vorgenommen haben, haben diesen Gegensatz „bloß scheinbar vergessen“. In Wahrheit aber bestärken sie ihn – denn das Tierexperiment vermag weder etwas über das Tier in Freiheit, noch etwas über den Menschen an sich auszusagen; tatsächlich offenbart diese Praxis vor allem, wie sehr der Mensch im Kapitalismus sich selbst und der Natur entfremdet wurde.

Horkheimer und Adorno schreiben über Tierexperimentatoren: „Daß sie auf die Menschen dieselben Formen und Resultate anwenden, die sie, entfesselt, in ihren scheußlichen physiologischen Laboratorien wehrlosen Tieren abzwingen, bekundet den Unterschied auf besonders abgefeimte Art. Der Schluß, den sie aus verstümmelten Tierleibern ziehen, paßt nicht auf das Tier in Freiheit, sondern auf den Menschen heute. Er bekundet, indem er sich am Tier vergeht, daß er, und nur er in der ganzen Schöpfung, freiwillig so mechanisch, blind und automatisch funktioniert, wie die Zuckungen der gefesselten Opfer, die der Fachmann sich zunutze macht. […] Dem Menschen gehört die Vernunft, die unbarmherzig abläuft; das Tier, aus dem er den blutigen Schluß zieht, hat nur das unvernünftige Entsetzen, den Trieb zur Flucht, die ihm abgeschnitten ist. […] Dem blutigen Zweck der Herrschaft ist die Kreatur nur Material. […] Die Menschen sind einander und der Natur so radikal entfremdet, daß sie nur noch wissen, wozu sie sich brauchen und was sie sich antun. Jeder ist ein Faktor, das Subjekt oder Objekt irgendeiner Praxis, etwas mit dem man rechnet oder nicht mehr rechnen muß.“
Wir danken euch, dass wir heute mit euch und eurem Protest „rechnen“ konnten. Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Einblick in unsere Theorie zeigen konnten, weshalb es für uns unabdingbar ist, die Befreiung der Tiere nicht unabhängig von jener des Menschen zu betrachten und andersherum. Tierexperimente sind ein Ausdruck einer Form von Herrschaft, die uns alle verletzt – diese Praxis ist Teil unserer Unfreiheit, da sie dazu beiträgt, unser Verhältnis zu den Tieren und jenes zu anderen Menschen zu verstümmeln. Sie gehört deshalb, ohne Wenn und Aber, abgeschafft.

Mehr Fotos von der Demonstration auf unserer Facebook-Seite.

Ein Video von der Demonstration gibt es hier.

Wir haben die Antispeziesistische Aktion Tübingen im Jahr 2007 gegründet, um unserem Anliegen, die Befreiung von Mensch und Tier voranzutreiben, effektiveren Ausdruck zu geben. Wir beteiligen uns nicht nur seit 2009 an der Kampagne gegen die Tübinger Affenversuche, sondern arbeiten auch an der linken Theorie der Tierbefreiung und auf eine größere Organisierung der Tierbefreiungsbewegung hin. Ein Buch zum Thema, geschrieben von einem unserer Aktivisten, erscheint in Kürze.

Wenn ihr Interesse daran habt, bei unserer Gruppe mitzumachen, kommt zum offenen Treffen am Donnerstag, 16. Mai 2013, um 19 Uhr im Infoladen im Keller der Schellingstraße 6.

Ankündigung: „Raum für Experimente“

„Adorno hatte recht“, kommentiert das Schwäbische Tagblatt unseren Leserbrief, in dem wir nicht nur auf die morgige Demonstration gegen Affenversuche hinweisen, sondern auch darauf, dass Tierversuche eine Praxis darstellen, „die Teil menschlicher Unfreiheit ist, da sie dazu beiträgt, unser Verhältnis zu den Tieren und jenes der Menschen untereinander zu verstümmeln.“
Auch in der Stadtzeitung Tübingen im Fokus wird in der aktuellen Ausgabe, die heute erschienen ist, kritisch auf das Verhalten der Grünen gegenüber ihrem Wahlversprechen, die Affenversuche abzuschaffen, eingegangen, in einem Kommentar mit dem Titel Demokratie? „Hochgefährlich“.
Wir hoffen, morgen mit unserer Demonstration ein starkes Zeichen zu setzen! Ab 11 Uhr gibt es Infostände auf dem Marktplatz, ab 12 Uhr beginnt der Demonstrationszug durch die Innenstadt gegen die Experimente an Primaten, die in Tübingen an drei Instituten betrieben werden. Danach bieten wir in der Hausbar im Keller des Wohnprojekts Schellingstraße 6 „Raum für zwischenmenschliche Experimente“.

Ankündigung: Demonstration gegen Affenversuche

„Der Schluß, den sie aus den verstümmelten Tierleibern ziehen, paßt nicht auf das Tier in Freiheit, sondern auf den Menschen heute. Er bekundet, indem er sich am Tier vergeht, daß er, und nur er in der ganzen Schöpfung, freiwillig so mechanisch, blind und automatisch funktioniert, wie die Zuckungen der gefesselten Opfer, die der Fachmann sich zunutze macht. Der Professor am Seziertisch definiert sie wissenschaftlich als Reflexe, der Mantiker am Altar hatte sie als Zeichen seiner Götter ausposaunt. Dem Menschen gehört die Vernunft, die unbarmherzig abläuft; das Tier, aus dem er den blutigen Schluß zieht, hat nur das unvernünftige Entsetzen, den Trieb zur Flucht, die ihm abgeschnitten ist. […] Dem blutigen Zweck der Herrschaft ist die Kreatur nur Material. […] Die Menschen sind einander und der Natur so radikal entfremdet, daß sie nur noch wissen, wozu sie sich brauchen und was sie sich antun. Jeder ist ein Faktor, das Subjekt oder Objekt irgendeiner Praxis, etwas mit dem man rechnet oder nicht mehr rechnen muß.“
– Max Horkheimer, Theodor W. Adorno.

4. Mai 2013: Demonstration gegen Primatenversuche:

In nur einer Stadt in Baden-Württemberg werden Tierversuche mit Primaten betrieben, aber das gleich an drei Instituten: In Tübingen. Es handelt sich um invasive Hirnforschung; dabei werden Rhesusaffen durch ein Bohrloch im Schädel Elektroden ins Gehirn geführt. Sie werden täglich stundenlang fixiert, ohne den Kopf bewegen zu können. Durch Wasserentzug werden sie gezwungen, Aufgaben an einem Bildschirm zu lösen, wodurch die Forscher sich Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns erhoffen. Seit 2009 ist mit der Kampagne „Stoppt Affenversuche in Tübingen!“ einiges dagegen unternommen worden: Mahnwachen, kreative Aktionen und Großdemonstrationen in Tübingen und Stuttgart, 60.000 Unterschriften gegen die Versuche wurden gesammelt. Schließlich nahm die grüne Partei die Forderung nach dem Ende der Versuche in ihr Wahlprogramm zur Landtagswahl 2011 auf. Jetzt geht es darum, diese Forderungen gegenüber der Tierversuchslobby durchzusetzen, die im Moment mit allen Mitteln versucht, die Landesregierung am Verbot der Versuche zu hindern. Gerade jetzt gilt es, ein deutliches Zeichen zu setzen, um den drohenden Bruch des Wahlversprechens zu verhindern!

Samstag, 4. Mai 2013: Große Demonstration gegen die Affenversuche in Tübingen. Ab 11 Uhr Infostände auf dem Marktplatz, ab 12 Uhr Demonstration durch die Innenstadt!

Antispeziesismus: Strukturell antifaschistisch?

Vor allem die dem Neokonservatismus zugewandten Teile der (Noch-)Linken würden am liebsten die antispeziesistische Strömung mitsamt der ganzen Tierbefreiungsbewegung und so manchen anderen sozialen und Umweltbewegungen in die tendenziell rechte Ecke stellen.1 Offensichtlich ist jedoch, dass die Tierbefreiungsbewegung, ebenso wie die Anti-AKW-Bewegung, Anti-Kohlekraft-Bewegung, Antira-Bewegung, Anti-Kriegsbewegung und die Arbeiter*innenbewegung, großteils linke Ideen vertritt. Der Tierbefreiungsgedanke an sich ist genuin links. Im in Bälde erscheinenden Buch Antispeziesismus: Eine Einführung heißt es dazu in der Hinführung: „Die Bewegung zur Befreiung der Tiere sieht ihre Forderungen traditionell als logische Fortsetzung und Konsequenz der großen emanzipatorischen Imperative, und die Geschichte zeigt, dass diejenigen Menschen, die sich organisierten, um eine Verbesserung der elenden Situation der Tiere in der menschlichen Gesellschaft zu bewirken, durchweg auch Teil anderer Befreiungskämpfe waren – sie stritten etwa gegen monarchistische Willkürherrschaft, für Menschenrechte, gegen die Sklaverei, für die Emanzipation der Frauen, für die Belange der lohnabhängigen Massen oder waren im antifaschistischen Widerstand aktiv. Aber sie gingen weiter, für sie war klar: Befreiung hört nicht beim Menschen auf.“ Die moderne antispeziesistische Strömung nimmt durchweg linksradikale, anarchistische und kommunistische Positionen ein.2 Dieser Offensichtlichkeit versuchten Leute aus der Tübinger „linken Szene“ seit 2007 über Antifa-Verteiler, in Vorträgen im Epplehaus (Input), auf dem Hardcore-Festival New Direction in Herrenberg (2011) und in zahlreichen Blogeinträgen entgegenzuwirken, um unser Anliegen, auf die Befreiung von Mensch und Tier hinzuwirken, zu diskreditieren.3 Leider scheinen einige Nachwuchslinke auf diese Propaganda hereingefallen zu sein.

Ein überraschender Beitrag zu diesem Thema kommt von der Aussteigerhilfe Bayern. Der 2011 gegründete Verein versucht unabhängig von Staat, Polizei und Verfassungsschutz Ausstiegshilfe für Neonazis zu leisten. Aussteiger*innen müssen ihre Zeit in der Nazi-Szene intensiv reflektieren und können dann in den Verein einsteigen – so wie Sebastian Angermüller, der nach zehn Jahren in der Neonazisszene ausstieg. Angermüller war zuletzt bei den Autonomen Nationalisten aktiv gewesen, hatte Redebeiträge auf Demonstrationen gehalten und Nazi-Homepages betrieben. Als Autonome Nationalisten 2007 das Thema „Tierrechte und Antispeziesismus“ aufgriffen, beschäftigte Angermüller, damals noch bei den Nazis, sich intersiver damit. Durch die Reflexion, die seine Beschäftigung mit dem Antispeziesismus nach sich zog, erkannte er, wie widersprüchlich die faschistische Argumentation war. Er stieg aus der Nazi-Szene aus und trat der Aussteigerhilfe bei – nicht ohne vorher die Homepages zu löschen und Propagandamaterial zu vernichten.


Wie auch das Antifa-Logo kopieren Neonazis das Antispelogo (rechts): Das Logo wirkt radikal, die Beschriftung („Tier- und Umweltschutz“) dagegen schon konservativ.

Nun veröffentlichte Angermüller eine Broschüre mit dem Titel „Geht mal gar nicht: Nazis und Tierrechte“ bei der Aussteigerhilfe, in der er den grundsätzlichen Widerspruch von Tierbefreiung und Faschismus aufzeigt. Weiterhin werden einige Klischees und Propagandalügen der Nazis entlarvt, etwa, dass Hitler Vegetarier gewesen sei; außerdem wird der Gegensatz zwischen der einschließenden Herrschaftskritik des Antispeziesismus und der ausschließenden Hetze gegen Minderheiten der Faschisten deutlich gemacht. Angermüller zeigt in der 25-seitigen Broschüre auch auf, dass Antispeziesismus einen qualitativen Vorteil gegenüber Tierschutz oder Tierrechten inne hat, wenn es um antifaschistische Positionierung geht. Durch die rundweg herrschaftskritische Konzeption, welche die Befreiung der Menschen erweitern möchte, ist Antispeziesismus gegen eine Vereinnahmung von Rechts besonders gefeit. Zum Schluss betont Angermüller, dass die Tierbefreiungsbewegung sich weiterhin konsequent gegenüber dem Faschismus abgrenzen muss. Er hofft allderdings, dass die Nazis bei diesem Thema bleiben, da es dazu beitrage, dass sie sich selbst logisch zerlegen würden. Diese Hoffnung scheint sich aber nicht so recht zu erfüllen: Nachdem Autonome Nationalisten 2007 und 2008 mit ihrer „AG-Tierrecht“ kurz für Aufmerksamkeit sorgten, ist inzwischen nichts mehr davon zu hören.
Wir empfehlen die Broschüre Angermüllers, auch wenn die doch eher moralphilosophischen Position des Autors nicht unsere Herangehensweise darstellt, und hoffen, dass sie nur den ersten Teil einer „Geht mal gar nicht: Nazis und …“-Serie darstellt.


Nazis für Tierrechte: Kurz da, wieder weg, nichts mehr von gehört. Zumindest in Deutschland scheint das Thema bei den Nazis nicht anzukommen. Die Gesinnung dieser beiden ist hier nur im Kleingedruckten ihres Transparents zu erkennen.

Während die Tierbefreiungsbewegung und der Antispeziesismus über einen emanzipatorischen Ansatz ihre Politik bestimmen, sieht es leider mit dem Tierschutz und seinen neueren Erscheinungsformen anders aus. In Deutschland wurde Tierschutz erstmals von den Nazis rechtlich verankert – um, wie Angermüller darlegt, die Menschen jüdischen Glaubens als Unmenschen darzustellen: Verboten und dämonisiert wurde nur die jüdische rituelle Schlachtung, während die übliche verharmlost wurde. Tierschutz wurde also schon früh von Nazis rassistisch vereinnahmt; das dabei von ihnen verwertete Moment der Abwertung Anderer aufgrund ihres Umgangs mit Tieren ist dabei heute noch aktuell.


Neuer Trend aus Peking: Lebende Tiere als Schlüsselanhänger in einer Nährlösung. Europäer*innen genießen das sanfte Grauen und die digitale Rückmeldung beim Verbreiten solcher Bilder im Internet. Europäische Grausamkeiten dagegen sind für sie Alltag und daher uninteressant.

Dem Tierschutz geht es, anders als der Tierbefreiung, nicht darum, Tier(zwangs)haltung als Herrschaft und Ausbeutung zu begreifen und generell abzuschaffen, sondern eher darum, die scheinbar grausamsten Auswüchse der Tierhaltung zu reglementieren. Dieser Schein spielt im Tierschutz, aber auch bei immer mehr Tierrechtler*innen, eine große Rolle: Die exotisch anmutenden Haltungs- und Nutzungsbedingungen von Tieren in anderen Ländern scheinen häufig grausamer als die hiesigen, an die man sich das ganze Leben lang gewöhnt hat. So wird beispielsweise das Halten, Schlachten und Essen von Hunden als grausam angeprangert, während dieselbe Behandlung der ebenso intelligenten und fühlenden Schweine europäischen Tierschützer*innen als akzeptabel errscheint.


Bei Facebook ist nicht überall Antispe drin, wo Antispe draufsteht!

Diese unreflektierte Tradition von Tierschutz findet heute leider neue Erscheinungsformen, die bis in die vorgeblich linken Strömungen reichen. Die Betreiber*innen der Facebook-Seiten „Antispe“ oder „Für Tierrechte kämpfen“ etwa haben sich offensichtlich kaum mit dem Thema beschäftigt, welches sie vorgeben zu behandeln. Die Seite mit dem Titel „Antispe“ schmückt sich zwar mit schwarz-grüner Flaggenkombi und verweist in ihren Kontaktinformationen unter „Website“ auf die Initiative antispe.org, eine „Plattform für herrschaftskritischen Antispeziesismus“, die Betreiber*nnen der Facebook-Seite aber zeigen mit ihren Äußerungen „für die Tiere“, dass sie überhaupt nicht verstanden haben, worum es sich beim Antispeziesismus und beim Tierbefreiungsgedanken handelt; so werden beispielsweise Aussagen gepostet wie: „Der Mensch kann wirklich widerlich sein“, und wenn dies jemand mit den Worten „Diese Asis müssten an den Galgen“ kommentiert, wird das von „Antispe“ „geliked“ – ebenso die beiden Kommentare „Bestie Mensch!“ und „Eine gerechte Strafe bekommen diese Bastarde ja nicht, wenn man sie erwischt. Ich wüsste schon was ich mit so einem machen würde.“ – Noch deutlicher wird dieses Missverhältnis bei der Seite „Für Tierrechte kämpfen“, deren Betreiber*innen sich offenbar gar keine Mühe geben, ihrem Faust-Pfote-Logo mit dem Spruch „Für die Befreiung von Mensch und Tier“ gerecht zu werden. So wird eine exotische Tierausbeutung nach der anderen zerpflückt, die hiesige massive Tierausbeutung kommt nur am Rande vor. Kein Wunder, dass nach Meldungen über Gallensaftgewinnung aus Bären in China und über lebende Schlüsselanhänger in Peking rassistische Kommentare über „die Chinesen“ gepostet werden – das geht bis hin zu Vernichtungsfantasien: „Die Schlitzaugen, sind eins der abartigsten, perversesten Völker, was die Eßkultur anbelangt! Die quälen in ganz vielen Bereichen wehrlose Tiere zu Tode. Die Bombe damals, war viel zu klein.“ – Selbst aber, wenn solche „Kritik“ an Tierausbeutung nicht, wie in diesem Beispiel, rassistisch konnotiert sein sollte, so muss man sich die Frage stellen, wo beim moralischen Fingerzeig nach woanders die Berücksichtigung der Menschen abbleibt – vor allem, da gleichzeitig die BRD dabei ist, sich zum Geflügelexportweltmeister zu mausern und in den hiesigen Schlachthöfen die Ausbeutung von Mensch und Tier offenkundig ist.4
Auch wenn der Tierbefreiungsgedanke also offenbar von seiner Struktur her antifaschistische Positionen nahelegt, erübrigt sich für die linke Tierbefreiungsbewegung keineswegs die Abgrenzung und der Kampf gegen alle reaktionären und bürgerlichen Positionen in diesem Themenfeld. „Der sich links wähnende Teil der Tierrechtsbewegung hat es bisher versäumt, sich ein eigenes Profil zu geben. Stattdessen eifert er in Optik und politischen Phrasen der ,autonomen Szene‘ nach“ – damit trage er aber nicht eine radikal linke Politik in die Bewegung hinein, sondern bürgerliche Ideologie, so die damalige Tierrechts-Aktion-Nord bei einer Veranstaltung am 6. Juni 2009 zum Thema Well adjusted people. Die „autonome Szene“ auf dem rechten Weg der bürgerlichen Gesellschaft. Will die Tierbefreiungsbewegung von einer „Szene“ zu einer wirklichen politischen Bewegung werden, so muss sie sich von bürgerlicher Ideologie, die in sie eingeflossen ist, trennen. In ihrer Ankündigung für die im November 2013 stattfindende Herbstakademie zum Thema Tierbefreiung und revolutionäre Realpolitik macht die Hamburger Gruppe, die sich inzwischen in Assoziation Dämmerung umbenannt hat, darauf aufmerksam, dass die Auswüchse kapitalistischer Lebensmittel-, insbesondere der Fleischproduktion, in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch diskutiert werden; weiter heißt es: „Veganismus als ,Lifestyle‘ erlebt einen regelrechten Boom, und die Chancen für prominent platzierte Hinweise auf das Elend der industriellen Massentötung von Tieren standen schon schlechter. Für die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung eine günstige Situation, um gemeinsam mit ökologischen und sozialen Bewegungen radikale antikapitalistische Forderungen zu stellen.“ Doch das geschehe nicht: Die Tierbefreiungsbewegung verfüge über kein politisches Theoriekonzept, über keine Gesellschaftsanalyse, und sei sich über den gemeinsamen Nenner mit anderen linken Bewegungen nicht im Klaren. Daraus folgt: „Ihre Kritik an der Massenproduktion der Ware Tier bleibt bürgerlich und moralisch und wahrt Distanz zu antikapitalistischen Ansätzen – auch der ,autonome Antispeziesismus‘ ist dazu keine Alternative. Wird die Bewegung aktiv, handelt sie vielfach unmittelbar systemkritisch – macht sich das aber nicht bewusst.“ Auf der anderen Seite hätten traditionell sozialistische Bewegungen oftmals prinzipielle Vorbehalte gegen die Tierbefreiungsbewegung. Es müsse nun darum gehen, die falsche beiderseitige Distanz zu verringern: „Wir wollen deutlich machen, warum die Befreiung von Mensch und Tier ohne Kapitalismuskritik nicht zu haben ist und warum andererseits Kapitalismuskritik nicht fundamental ist, wenn sie nicht auch das Verhältnis zur Natur (und zu den Tieren im Besonderen) mit in den Blick nimmt.“ Die anstehende Aufgabe sei, die Grundlagen zu schaffen, auf denen eine revolutionäre Realpolitik „zur Überwindung gesellschaftlicher Zustände, in denen längst nicht nur der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, aufbauen könne. Wir fordern alle Tierbefreiungs- und sonstige linke Gruppen und Strömungen auf, an diesem Anliegen im Allgemeinen mitzuwirken sowie speziell die Hamburger Herbstakademie zu bewerben und zu unterstützen.

  1. http://asatue.blogsport.de/2010/06/13/angriff-von-links [zurück]
  2. Vergleiche etwa Antispe Freiburg, Antispe Leipzig, Vegane Antifa Süd, Assoziation Dämmerung, unsere Wenigkeit usw. [zurück]
  3. Siehe z.B. Input vom 12. Mai 2011: http://input.blogsport.de/input-tuebingen/input-history/ [zurück]
  4. Vergleiche Zeitungsartikel http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/lebensmittel/arbeitsbedingungen-auf-schlachthoefen-das-billige-fleisch-hat-einen-preis-12148647.html [zurück]

Größte Mastanlage Süddeutschlands blockiert – und geräumt

Sieben AktivistInnen und zwei Dutzend UnterstützerInnen des Aktionsbündnisses Mastanlagen Widerstand blockierten am Samstag von 8:30 Uhr bis 14:30 Uhr die Zu- und Ausfahrten der Schlachtfabrik in Bogen (50 Kilometer südöstlich von Regensburg, Bayern), um ein Zeichen gegen das tägliche Leiden der Tiere für den Fleischkonsum zu setzen. Um 14:30 Uhr desselben Tags räumte die Polizei unter Amtshilfe der Feuerwehr. Verletzt oder festgenommen wurde niemand; es wird jedoch Anzeige wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und wegen Hausfriedensbruch erstattet.

Das Aktionsbündnis will den Bau weiterer Mastanlagen und damit weiterer Zulieferbetrieben für die Schlachtfabrik direkt verhindern. Die Schlachtfabrik mit dem Namen Donauthal Geflügelspezialitäten gehört zu Wiesenhof, dem größten Geflügelkonzern Deutschlands. Wiesenhof war letztes Jahr aufgrund mehrfacher Skandale um Haltungsbedingungen bekannt geworden.

Die AktivistInnen bitten nun um Unterstützung, um mit der Repression umgehen zu können. Praktische Solidarität und Spenden sind für diese Arbeit hilfreich und wichtig.

Spendenkonto:

Name: „Spenden & Aktionen“
Konto Nr.: 92881806,
Bank: Volksbank Mittelhessen
Bankleitzahl: 513 900 00
Betreff: ,,MASTANLAGEN WIDERSTAND“ (bitte unbedingt mit angeben!)

Links:

Original Unterstützungsaufruf von „Mastanlagen Widerstand“.

Ausführlicher Artikel mit Bildern auf dem unabhängigen Regionalnachrichtenblog „Regensburg Digital“.

Frauentag 2013: Gedenken an Louise Michel


„Alles, alles muß befreit werden, die Geschöpfe und die Welt, wer weiß, vielleicht die Welten? Wilde, die wir sind!“ – Louise Michel (1830-1905).

Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Seit über 100 Jahren finden im März große Demonstrationen und Veranstaltungen für Frauenrechte statt. Nachdem der Tag in den USA erstmals 1908 ein Erfolg war, wurde er als weltweiter Aktionstag von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen vorgeschlagen.
Wir möchten in diesem Jahr den Tag dazu nutzen, der Feministin, Sozialistin, Anarchistin, Lehrerin und antikolonialen und revolutionären Kämpferin Louise Michel zu gedenken. Die Versailler Bevölkerung nannte sie „La Louve Rouge“, die Rote Wölfin. Louise Michel hat sich nicht nur über das Leid der Tiere politisiert, sie kämpfte auch bis an ihr Lebensende für die Befreiung von Mensch und Tier: Als Lehrerin, zur Verteidigung der Pariser Kommune mit dem Gewehr in der Hand hinter den Barrikaden, im Exil auf Neukaledonien für die Indigenen gegen die Kolonialisierung und den Eurozentrismus und schließlich in Frankreich und England als Agitatorin für die Revolution.

Louise Michel wird am 29. Mai 1830 als Tochter einer Dienstmagd und des Hausherren auf dem Schloss Broucourt im Nordosten Frankreichs geboren. Sie politisiert sich über das direkt erlebte Leid der armen Landbevölkerung sowie der Tiere. In ihren Memoiren (1886) schreibt sie: „Von der Zeit, da ich auf dem Land die Grausamkeiten gegen die Tiere erlebte und das entsetzliche Bild ihrer Lebensbedingungen erfaßte, stammt mein Mitleid für sie und dadurch mein Bewußtsein über die Verbrechen der Macht. So handeln die Führenden mit den Völkern!“ Seit sie das Köpfen einer Gans miterlebt, fällt es ihr schwer, Fleisch zu essen, und sie entwickelt Abscheu sowohl gegen das Schlachten, als auch gegen die Todesstrafe: „Einige Jahre später wurde in einem Nachbardorf ein Vatermörder hingerichtet; zu der Stunde, da er sterben wollte, mischte sich in mein Grauen vor der Todesqual des Mannes meine Erinnerung an die Todesqual der Gans.“
Das Leben auf dem Lande verhilft ihr auch zu ihrem Klassenstandpunkt, da sie die Armut der Bauern miterlebt. Später schreibt sie dazu: „Was die Reichen betrifft, so hatte ich für sie wenig Achtung; und da kam mir der Kommunismus in den Sinn. Die harte Feldarbeit sah ich so, wie sie ist: sie beugt den Menschen wie den Ochsen über die Furchen; das Schlachthaus steht für das Tier bereit, wenn es verbraucht ist; der Bettelsack für den Menschen, wenn er nicht mehr arbeiten kann“.
Michel macht eine Ausbildung zur Lehrerin. Als sie diese 1852 mit einem Eid auf den Staat beenden soll, weigert sie sich – denn Frankreich ist wieder eine Monarchie: Vier Jahre nachdem 1848 Frankreich zum zweiten Mal Republik geworden ist, hat sich Napoleon III. zum Kaiser krönen lassen. Michel ist seit 1867 bei den revolutionären Blanquisten aktiv und demonstriert in Paris gegen Napoleons Krieg gegen das Königreich Preußen – und wird von der Polizei niedergeknüppelt. Das Kaiserreich kollabiert 1870; die danach gebildete bürgerliche Regierung führt den Krieg fort und sieht sich gezwungen, die Bevölkerung von Paris gegen die Preußen mit Kanonen zu bewaffnen. Als 1871 Paris von preußischen Truppen belagert wird, schließt die konservative Zentralregierung Frieden mit Preußen, während Paris seine eigene kommunale Verwaltung wählt, die, unter Einfluss der Blanquisten und der teilweise anarchistisch beeinflussten Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation für eine Fortsetzung des Krieges zur Erhaltung ihrer Freiheiten stimmt. Die Tage der Kommune beginnen damit, dass die bürgerliche Regierung mit Sitz in Versailles der Pariser Bevölkerung die Kanonen wieder abnehmen möchte und dazu zwei Bataillone Soldaten schickt. Pariser Frauen stellen sich zwischen die Soldaten und die Kanonen. Als die Soldaten den Befehl zum Schießen bekommen, wenden sie sich gegen ihre Generäle und stellen sich auf die Seite der Bevölkerung von Paris. Die Pariser Kommune ergreift ihre Autonomie errichtet eine Rätedemokratie, die Anarchisten seither als Vorbild für Basisdemokratie gilt und für Marx und Engels ein Beispiel der Diktatur des Proletariats war. In Paris findet in den folgenden zwei Monaten eine unvergleichliche basisdemokratische und proletarische Revolution statt. Erstmals ergreifen die Arbeiterinnen und Arbeiter direkt die Macht und nehmen u.a. Enteignungen von Teilen des Bürgertums vor und führen die strikte Trennung zwischen Staat und Kirche ein. Es entsteht auch die erste feministische Massenorganisation.


Der Kampf um die Kanonen.

In ihren feministischen Ansichten zieht Michel Verbindungen zur Ausbeutung der Tiere: „Die Engländer züchten Tierrassen für das Schlachthaus; die zivilisierten Menschen bereiten den jungen Mädchen das Schicksal vor, betrogen zu werden, um es ihnen dann als Verbrechen anzurechnen und dem Verführer fast als Ehre. Welch ein Skandal, wenn sich Eigensinnige in der Herde befinden! Wo kämen wir denn da hin, wenn sich die Lämmer nicht mehr schlachten lassen wollten? Es ist wahrscheinlich, daß man sie trotzdem schlachten würde, ob sie den Hals hinhalten oder nicht. Was soll’s! Es ist doch besser, ihn nicht hinzuhalten. Manchmal verwandeln sich die Lämmer in Löwinnen, in Tigerinnen oder Kraken. Recht so! Man hätte die Kaste der Frauen nicht von der Menschheit trennen sollen. Gibt es nicht Märkte, wo die schönen Töchter des Volkes auf der Straße ausgestellt und verkauft werden, und werden nicht die Töchter der Reichen für ihre Mitgift verkauft?“
Nach 71 Tagen wird die Pariser Kommune von der bürgerlichen Regierung, inzwischen im Bunde mit den preußischen Monarchisten, angegriffen und in der „Blutigen Maiwoche“ erstürmt. Louise Michel führt zusammen mit Elisabeth Dimitroff die bewaffneten Frauen von Paris an und verteidigt im 61. Bataillon von Montmartre mit vielen anderen Parisern in Barrikadenkämpfen die Stadt bis zuletzt. Doch die Regierungstruppen siegen; 30.000 Kommunardinnen und Kommunarden werden hingerichtet.


Die Verhaftung der Louise Michel (als Ölgemälde).

Vor Gericht steht Michel zu ihren Taten und verteidigt ihre Vision einer freien Gesellschaft: „Ich habe Paläste angezündet“, gesteht sie. Sie erwartet keine Gnade: „Ich habe getötet, es ist nur gerecht, daß man mich tötet.“ Doch über sie wird kein Todesurteil verhängt – wie 40.000 andere wird sie zu Festungshaft verurteilt, lebenslang. Nach zweieinhalb Jahren im Frauengefängnis wird sie mit vielen anderen nach Neukaledonien, einer zu Frankreich gehörenden Insel östlich von Australien, verbannt. Als im Jahr 1878 die dortige indigene Bevölkerung, die Kanak, unter Häuptling Atai gegen die französischen Kolonialherren revoltieren, stellt sich Michel – im Gegensatz zu vielen anderen verbannten Kommunarden – auf die Seite der Indigenen, mit denen sie bereits Kontakt geknüpft und deren Sprache sie erlernt hat: „Auch sie kämpfen für ihre Unabhängigkeit, für ihr Leben, für die Freiheit. Ich stehe auf ihrer Seite, wie ich auf der Seite des Volkes von Paris stand, das revoltierte, niedergemacht und besiegt wurde“, sagt sie, und, im Rückblick: „Ja, ich liebte sie und liebe sie, und die, die mir zur Zeit der Revolte vorwarfen, ich wünschte, daß sie sich ihre Freiheit erobern mögen, hatten recht. Die Eroberung ihrer Freiheit!“


Aufständische Kanak.

Nach einer Generalamnestie kehrt sie im Jahr 1880 nach Paris zurück, wird drei Jahre später aber schon wieder zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, da sie zur Plünderung von Bäckereien aufgerufen hat. Die Repression macht sie nicht zahmer: „Mein Mitleid für alles, was leidet, für das stumme Tier vielleicht noch mehr als für den Menschen, ging weit; meine Empörung über die sozialen Ungerechtigkeiten ging noch weiter; sie ist gewachsen, immer mehr gewachsen, durch den Kampf hindurch, durch das Gemetzel hindurch; ich habe sie wieder mitgebracht von jenseits des Ozeans, sie beherrscht meinen Schmerz und mein Leben.“ Als sie 1885 erneut begnadigt wird, versucht sie, dies zurückzuweisen. 1888 wird sie von einem Attentäter mit zwei Pistolenschüssen am Kopf verletzt; sie verzichtet auf eine Anzeige.


Das Attentat auf Louise Michel 1888.

Ihr Leben verschreibt sie nach wie vor der Revolution: „Als menschliche Insekten, die wir sind, nagen wir an denselben Abfällen und wälzen uns in demselben Staub, erst in der Revolution werden wir mit unseren Flügeln schlagen. Dann wird die Schmetterlingspuppe ihre Umwandlung hinter sich haben, alles wird für uns vorbei sein, und bessere Zeiten werden Freuden kennen, die wir nicht begreifen.“ – Louise hat keinen Zweifel: „Wenn unsere verfluchte Zeit abgelaufen ist, wird der Tag kommen, da der bewußte und freie Mensch weder Mensch noch Tier quälen wird. Diese Hoffnung ist es wert, durch das Grauen des Lebens hindurchzugehen.“ An anderer Stelle schreibt sie: „Man hat mir oft vorgeworfen, daß ich mehr Sorge für die Tiere als für die Menschen empfinde: warum sollte man die Bestien bedauern, wenn die vernünftigen Wesen so unglücklich sind? Aber es hängt alles zusammen, von dem Vogel, dessen Nest man zertritt, bis zu den Nestern der Menschen, die der Krieg dezimiert. Das Tier krepiert vor Hunger in seinem Loch, der Mensch stirbt daran in fernen Gegenden. Und das Herz des Tieres ist wie das Menschenherz, sein Gehirn ist wie das des Menschen, nämlich fähig, zu fühlen und zu begreifen. Man mag noch so sehr darauf treten, die Wärme und der Funke darin erwachen immer wieder. Bis zur Blutrinne des Laboratoriums vermag das Tier Liebkosungen oder Grausamkeiten zu empfinden.“ In der befreiten Gesellschaft, wie sie sich sie vorstellt, gehören sowohl Tierversuche als auch die Fleischproduktion der Vergangenheit an. Hierbei hofft sie auf den Fortschritt der Wissenschaft: „Vielleicht wird die neue Menschheit statt des fauligen Fleisches, an das wir gewöhnt sind, chemische Verbindungen besitzen, die mehr Eisen und nahrhafte Grundstoffe enthalten als das Blut und das Fleisch, das wir verzehren. O ja, ich träume schon von der Zeit, da alle Brot haben werden, von der Zeit, da die Wissenschaft die Köchin der Menschheit sein wird.“
Sie hält aufstachelnde Vorträge vor der Kundgebung am 1. Mai 1890. Diesmal erfolgt Repression, indem sie für verrückt erklärt wird und in eine Nervenheilanstalt in Lyon eingeliefert wird. Die nächsten Jahre agitiert sie weiter in Frankreich und England; unter anderem hält sie 1904 einen Vortrag zu Feminismus in der Freimaurerloge La Philosophie Sociale. Als sie 1905 stirbt, kommen 120.000 Menschen zu ihrer Beerdigung.
Louise Michel war nicht nur eine große Feministin, Kämpferin, Revolutionärin, Sozialistin und Anarchistin. Für uns antispeziesistische Linke stellt sie eines der konsequentesten Beispiele des Kampfes gegen Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Tier dar.

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An diesem 8. März 2013 wollen wir außerdem an eine Sozialistin und Freundin von Rosa Luxemburg erinnern, die an diesem Tag vor 140 Jahren in Berlin zur Welt kam: Mathilde Jacob. Sie schmuggelte für Luxemburg zahlreiche Briefe und politische Schriften aus dem Gefängnis. Ohne ihren Mut wären viele Schriften Luxemburgs heute verschollen. Als Jüdin wurde sie 1942 ins KZ Theresienstadt verschleppt und starb dort ein Jahr später.
Über das Verhältnis Rosa Luxemburgs zu Tieren, das vor allem in ihren Briefen aus dem Gefängnis Thema ist, haben wir im Jahr 2011 einen Text verfasst: Die Tiere Rosa Luxemburgs. Eine gekürzte Version dieses Textes ist auch in der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland unter dem Titel Leiderfahrung und Solidarität: Die Tiere Rosa Luxemburgs erschienen.

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Veranstaltungstipp: Freitag, 8. März, 19 Uhr, Kulturscheune Mössingen: Weltfrauentag trifft Generalstreiksfrauen.

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Quellen zu Louise Michel:

Louise Michel auf anarchismus.at.

Broschüre zur Pariser Kommune: Auf Krise.Kapitalismus.Kritik.

Michel, Louise: Memoiren. Aus dem Französischen von Claude Acinde. Zweite verbesserte Auflage, Münster 1979.

Kramer, Karin (Hrsg.): Louise Michel: Ihr Leben, ihr Kampf, ihre Ideen (Frauen in der Revolution, Band 1), Berlin 1976.

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Soziale Kämpfe gegen Fleischkonzern in Chile

Laut eines Artikels auf linksunten.indymedia.org vom 1. Februar haben Tierbefreiungsaktivist*innen die Konzernzentrale von Agrosuper in Santiago (Chile) zerstört.1 Dem Artikel nach war die Aktion der zweite Bombenanschlag auf diesen Konzern. Bereits im September 2011 sei die Zentrale durch einen Anschlag zerstört worden. Als typische Aktion von Tierbefreier*innen gab es keine Verletzte bei den Anschlägen. Die Aktivist*innen stellen ihre Aktion in den Kontext sozialer Kämpfe, schließlich gab es eine breitere soziale Bewegung in der Auseinandersetzung um die Schweinefabrik von Freirina in Atacama, welche dem Konzern Agrosuper gehört und weltweit die größte Anlage ihrer Art darstellt.
Dem Internetlexikon Wikipedia zufolge gab es dort von der Inbetriebnahme der Anlage 2011 bis zum 17. Mai 2012 immer wieder kürzere Blockaden durch Anwohner*innen und andere Gegner*innen der Anlage. Gespräche mit der lokalen Regierung scheiterten. Am 17. Mai wurde die Blockade dauerhaft errichtet und mit improvisierten Camps befestigt; am 20. Mai griffen Einheiten der Carabineros die Camps an und verhafteten neun schlafende Personen. Bei spontanen Demonstrationen gab es laut einer peruanischen Tageszeitung 32 Verletzte. Ein Blog berichtet unter Berufung auf Aussagen aus der Bevölkerung vom Abwurf einer nicht identifizierten schwarzen Chemikalie auf die Blockaden durch Polizeihubschrauber und massenhaften Erbrechen der Menschen in der Folge. Ein Communiqué der Bürgerschaft spricht vom Einsatz militärischer Gewalt, insbesondere Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen. Zwei Polizeipanzer brannten nach Angriffen der Dorfbewohner aus.
Das Geschehen zeigt, wie auch außerhalb Europas soziale Kämpfe und Tierbefreiungskämpfe ineinandergreifen – zum aktuellen Anschlag hieß es in einem Bekenner*innenschreiben der Gruppe, die sich Mauricio Morales Incendiary Brigade nennt:

Wir übernehmen die Verantwortung für den Bombenanschlag auf die Bürogebäude von Agrosuper am 02. Januar 2013 um 11,30 Uhr, in der Julio Straße 18 und 10 im Zentrum von Santiago. Dies war eine direkte Attacke gegen die Bourgoisie und alle, die sie unterstützen. Wir entschieden uns diesen Konzern als Ziel zu wählen, weil sie den Agromarkt kontrollieren und Gonzalo Vial gehören, einem Geschäftsmann der den größten Teil seines Vermögens während der Pinochetdiktatur einstrich. Wir gedenken der beharrlichen Haltung der Menschen von Freirinadie die ihren Widerstand in diesem verrückten Spiel von Vial fortsetzen.

  1. Original auf liberaciontotal.lahaine.org. [zurück]


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