Archiv für März 2009

Ankündigung: Infostände auf dem Holzmarkt

Samstag, 21. März, ab 11 Uhr:

Im Rahmen von „Meatout 2009″ werden wir am kommenden Samstag auf dem Holzmarkt über „Fleisch“ informieren.
Meatout gibt es seit 1985, wurde von „Farm“ (Farm Animal Reform Movement) in den USA initiiert und findet auf der ganzen Welt immer mehr UnterstützerInnen.
Lokal werden die Antispeziesistische Aktion und das Tierrechtstreffen Tübingen einen Infostand und kleinere Aktionen auf dem Holzmarkt machen.
Es wird außerdem einen Informationsstand im Rahmen der Kampagne „Stoppt Affenqual in Tübingen“ geben.

Antispeziesistische Aktion Tübingen: Bisherige Aktivitäten

Dies ist die neue Internetpräsenz der Antispeziesistischen Aktion Tübingen; die Adresse http://antispe-tuebingen.de.am ist fortan nicht mehr gültig.
Wir sind eine Gruppe von Menschen aus der Tübinger Linken. Im Jahr 2007 schlossen wir uns mit dem Ziel zusammen, auf unser gemeinsames Anliegen aufmerksam zu machen: Dem Streben hin zu einer emanzipierten Gesellschaft. Der Schwerpunkt unserer politischen Arbeit ist dabei die Kritk am Speziesismus – das bedeutet, am materiellen Ausbeutungsverhältnis gegenüber Tieren und an jeder Ideologie, mit der dieses legitimiert wird –, denn wir wollen darauf hinwirken, dass die Solidarität mit Tieren endlich integraler Bestandteil linker Programmatik und Praxis wird. Wir finden, das Formulieren der Utopie einer befreiten Gesellschaft ohne Ausbeutung sollte die Forderung nach der Befreiung der Tiere mit einschließen – denn direkter und gewalttätiger kann sich Ausbeutung nicht äußern als durch vollständige Entindividualisierung, Verdinglichung, Zerstückelung und Einverleibung der Herrschaftsobjekte.
Bereits kurze Zeit nach unserer Gründung sahen wir uns mit der Ankündigung von „Universelles Leben“ (UL) konfrontiert, am 27. Oktober 2007 in Tübingen unter dem Motto Menschen, esst kein Fleisch! Weg mit den Tierghetto-Wärtern! Nieder mit den Schlachthöfen! zu demonstrieren. Etwa 300 Anhänger des ULs zogen an diesem Samstag mit Schildern und Bannern durch die Tübinger Altstadt. Auch der Schweizer Verein gegen Tierfabriken sprach ein Grußwort: „Es ist schön, daß wir, d.h. der Verein gegen Tierfabriken Schweiz, der Verein der Schweinefreunde Schweiz und der Tierschutzbund Innerschweiz, gemeinsam mit dem Universellen Leben für Gottes wunderbare Geschöpfe auf die Straße gehen dürfen!“ – Der Schweizer Verein gegen Tierfabriken wurde 1989 von Erwin Kessler gegründet, der bereits in den 1970er Jahren Mitglied der Nationalen Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat (den heutigen Schweizer Demokraten) war. Kessler, der den Verein bis heute präsidiert, wurde 1998 zu einer Haftstrafe von 45 Tagen verurteilt, aufgrund von Sätzen wie: „Wenn Juden massenhaft Tiere durch Schächten umbringen, dann sind sie nicht besser als ihre früheren Nazi-Henker, dann zeigen sie den gleichen Überlegenheitswahn gegenüber anderen Lebewesen und fühlen sich in gleich verwerflicher Weise berechtigt, diese brutal umzubringen.“
Sowohl die Antifaschistische Aktion als auch wir mobilisierten gegen die Demonstration. Wir verteilten Flugblätter, auf denen u.a. die autoritären Strukturen innerhalb des ULs, der Antisemitismus in den Schriften von Gabriele Wittek, der „Prophetin“ von UL, und in dessen Zeitschrift „Christusstaat“, sowie die Instrumentalisierung von Tierleid durch die Sekte angegriffen wurde.


Aus der UL-Zeitschrift „Christusstaat“ (9/1991)

Unter der Überschrift „Sekte oder Tierschützer?“ berichtete das „Schwäbische Tagblatt“ am 29. Oktober: „Wegen der Handzettel, denen ein presserechtlicher Hinweis fehlte, erstatte das UL Anzeige. Gegen Ende der Kundgebung explodierten am Rand des Markplatzes einige Böller. Polizisten verfolgten die Zündler, erwischten sie aber nicht. Den Demonstranten griffen die acht Polizisten nicht hart genug durch.“
Wie seither in jedem Jahr, so beteiligten wir uns auch am 24. November 2007 an der Demonstration Stuttgart Pelzfrei (hier ein kurzer Bericht). Beim Jugendaktionskongress 2007 veranstalteten wir am 28. November außerdem einen Workshop mit Vortrag zum Thema „Aktionen für Menschen und andere Tiere – Antispeziesismus, Politik und Tierrechte“, in welchem wir auf die Notwendigkeit hinwiesen, die Arbeit für nichtmenschliche Tiere in den Kontext anderer politischer Arbeit – wie Umweltpolitik, Antisexismus und Antifaschismus – zu stellen, um zu verhindern, dass die verschiedenen Bewegungen sich gegenseitig entgegenarbeiten. Passend zum Thema des JAKs 2007, das „Energie“ lautete, wiesen wir außerdem auf die Umweltprobleme, die Schädlichkeit fürs Klima und die Energieverschwendung, welche mit Tierhaltung verbunden ist, hin.
Zu Beginn des Jahres 2008 waren wir vor allem gegen „Pelz“ aktiv – am 19. Januar bei „Wiesbaden Pelzfrei“, wo der Schwerpunkt auf Geschäften der ESCADA-Gruppe lag, und noch mehrmals in Reutlingen und Stuttgart vor Breuninger-Filialen.
Beim selbstorganisierten globalisierungskritischen Festival „Sturm & Klang“ am 15. März 2008 in Reutlingen waren wir mit einem Infostand vertreten. Weitere Infostände in Tübingen hatten wir im Rahmen der Aktionswoche Meatout 2008 vom 28.-30. März, anlässlich des Weltvegantags am 1. November, außerdem, wie seither in jedem Jahr, im Rahmen des „Alternativen Dies Universitatis“ am 16. Oktober, und, wie auch im Jahr darauf, beim RACT!festival, wo wir am 30. Mai 2008 auch einen Workshop zum Thema Speziesismus veranstalteten, unter der Ankündigung: „Praktische Tipps für einen antispeziesistischen Alltag.“
Am 19. Mai organisierten wir zusammen mit AktivistInnen aus Ulm eine Filmvorführung von „Earthlings“ in der Neuen Aula der Universität, die auf großes Interesse stieß, wie auch unsere Party am 9. Juli in der Hausbar des Wohnprojekts Schellingstraße. Im Mai waren neun Aktivisten und eine Aktivistin der Tierrechtsbewegung in Österreich inhaftiert und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation beschuldigt worden, sie befanden sich zum Zeitpunkt der Party in Untersuchungshaft, fünf davon in Hungerstreik. Der Erlös der Party ging an sie. Neben Essen, Cocktails und der Vorführung des Films „Behind the Mask“, der einen Einblick in die US-amerikanische und britische Tierbefreiungsbewegung gibt und erklärt, weshalb das FBI diese als terroristische Bedrohung bezeichnet, hielten wir einen Vortrag zu (Anti-)Speziesismus und Tierbefreiung.
Vom 7.-10. August fand in Hannover der Antispe-Kongress 2008 statt, bei dem auch wir mit einigen VertreterInnen präsent waren.
Herbst und Winter 2008 waren geprägt durch Aktivitäten gegen „Pelz“. Das größte Ereignis war dabei die Antispe-Großemo Animal Liberation! Escada aus dem Pelzhandel kicken! am Samstag, dem 15. November, in Berlin. Ein Bericht der „tageszeitung“ findet sich hier. Der Ankündigungstext der Demonstration lautete:

Ausbeutung und Mord an nichtmenschlichen Tieren sind Grundlagen unserer Gesellschaft. Die Abspaltung des „Tieres“ vom Menschen und die Tatsache, dass Tiere zum Objekt gemacht werden, beginnt in der Haustierhaltung, den Zirkussen und Zoos, den Pelzfarmen, den Versuchslaboratorien und endet in den Schlachthöfen, wo aus den Körpern der tierlichen Individuen „Fleisch“ produziert wird. Die Individualität sowie die Wünsche und Bedürfnisse nichtmenschlicher Tiere werden missachtet oder geleugnet. In dem speziesistischen Herrschaftsverhältnis ist nur die Verwertbarkeit der Tiere bzw. das Interesse, das Menschen an ihnen haben, von Bedeutung. Tiere sind aber eigenständige Wesen, die ganz allein um ihrer selbst Willen existieren, und nicht für uns.
Mit unserer Großdemo am 15.11.08 in Berlin wollen wir ein Zeichen setzen gegen diese speziesistischen Verhältnisse. Zudem beteiligen wir uns an einer internationalen Kampagne gegen die Pelzindustrie – die Demo soll einer der Höhepunkte der Aktionen im heißen Herbst gegen den Modekonzern ESCADA werden. Beteiligt euch an der Demo! Es soll eine Demo zum mitmachen sein. Macht mit bei der Vorbereitung und organisiert kreative Vorfeldaktionen und Infoveranstaltungen in euren Städten! Wandelt Trauer und Wut in Widerstand! Für die Befreiung von Tier und Mensch!

Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember, demonstrierten wir außerdem gegen Echtpelzverkauf vor der Escada-Filia in Metzingen. Zuvor hatte bereits am 7. Dezember eine Aktion bei „Deutschlands größtem Schokoladenfest“, dem ChocolArt in Tübingen, stattgefunden, im Zuge derer wir ein Flugblatt mit der Überschrift „Zarter Genuss – Bittere Herstellung. Finanzieren Sie gerne Kinderarbeit und Sklavenhaltung?“ verteilten; außerdem gab es bereits am 19. Dezember, noch vor dem offiziellen Start der Kampagne gegen die Affenversuche in Tübingen, einen Infostand über Tierversuche auf dem Holzmarkt.
Bereits im November hatten wir uns außerdem anlässlich der Drückjagd im Schönbuch und in Reaktion auf einen euphemistischen Artikel darüber im „Schwäbischen Tagblatt“ mit folgendem Leserbrief (erschienen am 26. November) geäußert:

Kein „blutiges Schauspiel“ sei die Drückjagd im Schönbuch gewesen, vielmehr sorge sie „für Ruhe im Wald“ – verwunderlich, werden doch bei dieser Jagdform die Opfer durch Lärm und Hunde aufgeschreckt, um sie zu töten und schließlich in einem feierlichen Zeremoniell zu zerstückeln. Die euphemistische Berichterstattung des TAGBLATTS veranlasst uns, Stellung zu nehmen. Jagd ist ins unserer Gesellschaft nichts anderes als ein blutiger Freizeitsport (…). Ihre Grausamkeit und Sinnlosigkeit ist offensichtlich.
Sie ist verantwortlich für die Ausrottung zahlreicher Arten sowie für gravierende Umweltschäden. Die Behauptung der Jäger/innen, sie töteten für den Erhalt des „ökologischen Gleichgewichts“, ist längst widerlegt. Vielmehr ist inzwischen klar, dass durch Maßnahmen wie etwa Wildfütterung massiv in das natürliche Ökosystem eingegriffen wird. Daher geben (…) Waidmänner und -frauen zunehmend offen zu, dass es bei der Jagd vorrangig umd die „Lust am Töten“ oder die „Freude am Beute machen“ geht.
Jagdsport ist Teil eines überhöhten Weltbilds der Naturbeherrschung, nach welchem unsere Umwelt als Bedrohung gilt, die wir überwinden müssen, als Objekt mit nur wenigen eigenen Bedürfnissen oder gar Rechten. Der Versuch der okzidentalen Kultur aber, eine unantastbare Autorität gegenüber dem als „Natur“ definierten Bereich auszuüben, hat bekanntlich zu gesellschaftlichen und ökologischen Katastrophen geführt. Gegen die Fortführung dieser Tradition wehren wir uns als Teil einer emanzipatorischen Bewegung für Mensch und Tier.

Ein Jäger namens Hanns Plasa war nach der Lektüre unserer Stellungnahme, wie er es in seinem Leserbrief vom 4. Dezember ausdrückte, der Meinung, dass „dem Kenntnisstand der Leser etwas nachgeholfen werden“ müsse. So informierte er die Leserschaft des „Schwäbischen Tagblatts“ darüber, dass „Anhänger dieser Weltsicht“ – also des Antispeziesismus – „die Vormachtstellung des Menschen über alles nicht-menschliche Leben“ ablehnten; „nach dieser Logik müssten sich zum Beispiel antispeziesistische Eltern am offenen Grab ihres beim Hausbrand umgekommenen Kindes lobend und anerkennend über den Feuerwehrmann auslassen, der den Familienhund rettete um sich nicht dem Vorwurf des Speziesismus seitens solcher Eltern auszusetzen“, so Plasa weiter, und schließlich: „Solange sich die Anhänger dieser Weltsicht von tierischer Nahrung, Pelzen und Stierkämpfen fernhalten, tun sie keinem weh. Wenn sie aber mit ihrer Einstellung der Gleichrangigkeit allen Lebens die besondere moralische Verantworung des Menschen gegenüber aller empfindungsfähigen Kreatur in Frage stellen wollen, ist ihnen auf das Deutlichste entgegenzutreten. Jäher sind auch Heger, denen die Tiere in ihre Obhut gegeben sind.“

Das Jahr 2009 war, bis zum jetzigen Zeitpunkt, geprägt von der Kampagne „Stoppt Affenqual in Tübingen“. In Kooperation mit Ärzte gegen Tierversuche initiierten wir die Kampagne im Januar. In der Regionalpresse stieß die Kampagne bereits auf reges Intersse; sowohl das „Schwäbische Tagblatt“, als auch der „Reutlinger Generalanzeiger“ und der „Schwarzwäder Bote“ berichteten über deren Start. Dem „Tagblatt Anzeiger“ war das Thema am 25. Februar sogar ein ganzzeitiger Artikel auf der Titelseite unter der Überschrift „Affen als Versuchstiere der Wissenschaft“ wert. Auch die Pressestellen der Universität reagierten mit einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung, in welcher sie die Versuche verteidigten.
Am 17. Januar und am 27. Februar veranstalteten wir die ersten beiden Aktionstage im Rahmen der Kampagne auf dem Holzmarkt in Tübingen. Der „Reutlinger Generalanzeiger“ berichtete am 28. Februar:

Protest gegen Tierversuche

TÜBINGEN. »Befreit mich! Ich bin hier festgeschnallt und kann mich kaum bewegen!«, ruft der Mann mit Affen-Maske und wedelt hilflos mit den Händen. »Unterschreibt, damit ich hier rauskomme.« Passanten bleiben stehen, gehen zum Stand, fragen nach.
»Wir sind gegen jede Art von Tierversuchen«, sagt Matthias Rude, der mit anderen von der Tübinger Anti-Spe-Gruppe an diesem Freitag den Stand betreut, Unterschriften sammelt und Flugblätter verteilt. »Stoppt Affenqual in Tübingen« verlangt auch die Organisation Ärzte gegen Tierversuche, deren Info-Material ausliegt.
»In Baden-Württemberg wird an drei Instituten am Hirn von Rhesusaffen experimentiert. In Berlin, Bremen und München wurden vergleichbare Versuche untersagt«, schreibt die Initiative. Die Tübinger Labors zu besichtigen, sei ihnen verwehrt worden, lässt Presse-Sprecherin Silke Bitz wissen. Der Nutzen für kranke Menschen bei diesen Experimenten sei gleich Null, betont sie.
Für 18. April haben die Tierschützer in Tübingen eine Kundgebung und Demonstration angekündigt. Die Aktion auf dem Holzmarkt soll wiederholt werden. (-jk)

Berichte und Bilder von den Aktionstagen von Ärzte gegen Tierversuche gibt es hier und hier.
Am 21. März und am 11. April werden wir noch mit Infoständen auf dem Holzmarkt präsent sein, bevor am 18. April ein Aktionstag mit Großdemonstration stattfinden wird.




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