Tierexperimentatoren widersprechen sich gegenseitig

Am Tag der Demonstration für die Abschaffung von Tierversuchen am 18. April schaltete die „Neurowissenschaftliche Gesellschaft“, ansässig in Berlin-Buch, eine über halbseitige Anzeige im „Schwäbischen Tagblatt“, welche die Überschrift „Tierexperimente sind in der neurowissenschaftlichen Forschung unverzichtbar: sie versprechen die Linderung menschlichen Leidens“ trug.
Bereits zuvor, am 15. April, hatte das „Tagblatt“ Wissenschaftlern der Universität unter der Überschrift „Affenversuche sind unverzichtbar“ ein Forum geboten, breit zu erklären, weshalb aus ihrer Sicht die Affenversuche unverzichtbar seien. Am 18. April erschien, direkt über der riesigen Anzeige der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft, auch der Leserbrief, den wir dazu geschrieben hatten:

Die Abschaffung von Tierversuchen zu fordern, sei unethisch, so Prof. Thier. Ohne Sarkasmus behauptet er also, leidensfähigen Individuen Gewalt anzutun, sei ethisch. Absurd, dass gerade ein Wissenschaftler durch ein solch streng anthropozentrisches „ethisches“ Denken alle anderen Tiere a priori aus dessen Geltungsbereich ausschließt, hat doch gerade die Wissenschaft gezeigt, dass der Mensch ein Teil der Tierwelt ist. Spätestens seit Darwin ist es daher unmöglich, die ideologische Kluft zuwischen Mensch und Tier aufrechtzuerhalten.
Ethik ist unteilbar – es gibt keine ethische Begründung dafür, leidensfähigen Wesen Schmerzen zuzufügen. Gewalt Schwächeren gegenüber kann nicht deshalb als Recht gelten, weil sich der Stärkere etwas davon verspricht. Wäre dies so, würde damit prinzipiell Unrecht legitimiert.
Durch eine Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede wurde auch die Unterdrückung menschlicher Individuen gerechtfertigt. Der Speziesismus – die Diskriminierung aufgrund der Nichtzugehörigkeit zur menschlichen Spezies – bedient sich noch heute derselben Argumentationsmuster. Doch wie schon bei den historischen Emanzipationsbewegungen machen die Ergebnisse der Wissenschaft Vorurteile zunichte, die das Unterdrückungsverhältnis legitimieren sollen, und somit die Befreiung ethisch notwendig, zumindest für Menschen mit Gewissen.
Antispeziesismus ist die logische Fortsetzung der großen geschichtlichen Emanzipationsbewegungen. Antispeziesisten solidarisieren sich mit jeglichen Opfern gewaltsamer Ausbeutung und möchten auch jenen eine Stimme geben, die selber keine haben – so auch bei der Demonstration am Samstag!

In der Anzeige der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft wurde mit sehr banalen Mitteln – dem Abdruck eines Fotos einer Alzheimer-Patientin – suggeriert, die Alzheimer-Forschung sei auf Versuche mit Affen angewiesen. „Dieser Eindruck ist nicht richtig“, erklärte heute der Alzheimer-Spezialist Prof. Mathias Jucker vom Hertie-Institut, selbst Tier-Experimentator, im Interview mit dem TAGBLATT. Er selbst forsche über Alzheimer – an Fliegen und Würmern. Nachdem die TierexperimentatorInnen es bereits im Vorfeld der Demonstration am 18. April mit der Angst zu tun bekamen (s. Foto unten), scheinen sie nun beginnen, sich gegenseitig anzugehen und zu diskreditieren – mit seiner Aussage, dass für die Alzheimer-Forschung überhaupt keine Affenversuche gemacht werden, gibt Prof. Jucker jedenfalls die kostspielige Anzeige der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft vollkommen der Lächerlichkeit preis.


Nachdem die Tübinger Tierexperimentatoren es bereits vor dem Aktionstag mit der Angst zu tun bekamen, fallen sie sich nun gegenseitig in den Rücken.





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