Archiv für September 2009

Aufruf zu Demonstrationen gegen den Zirkus Universal Renz

Von 3.-6. September gastiert der Zirkus Universal Renz in Tübingen. Dabei handelt es sich um einen besonders berüchtigten „Skandalzirkus“.
Universal Renz ist nicht nur bekannt für den katastrophalen Umgang mit den Tieren, sondern auch für besondere Härte im Vorgehen gegen Menschen, die diese Zustände anprangern. In diesem Zusammenhang wurde Zirkusdirektor Daniel Renz 1995 und 2000 wegen Körperverletzung, 2007 wegen Beleidigung und im April 2009 wegen versuchter Nötigung zu Geldstrafen verurteilt. Im Mai 2009 versuchte in Hannover ein Zirkus-Mitarbeiter, Tierschützer mit einem LKW anzufahren; während dieser Tat applaudierten die versammelten ZirkusmitarbeiterInnen. Ein Strafverfahren wegen versuchter Körperverletzung wurde eingeleitet. Bereits beim letzten Gastspiel in Tübingen im Jahr 2000 stellte das hiesige Veterinäramt Mängel bei Tierhaltung und Dokumentationspflicht fest.
Die Beanstandungen der Veterinärämter und die gegen Renz erlassenen Ordnungsverfügungen sind überaus zahlreich. Die Organisation PeTA – von der wir uns als Gruppe ansonsten aufgrund sexistischer und holocaustrelativierender kulturindustrieller Kampagnen distanzieren – hat alle bekannten Vorkommnisse gesammelt.
Beim Zirkus Universal Renz ist vor allem viel Fantasie – etwa der Mythos von „artgerechter Tierhaltung“: Universal Renz wirbt mit „hohe[n] qualitative[n] Standards […], die die artgerechte Haltung aller Tiere im Universal Renz gewährleisten.“ Weiter will der Zirkus sein Publikum mit folgender Aussage beruhigen: „In allen Bereichen der Versorgung, Pflege und Unterkunft unserer Tiere überschreiten wir die Anforderungen der vom Verbraucherministerium herausgegebenen Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Circusbetrieben.“
Doch nicht einmal diese dürftigen Leitlinien, die nur ein Mindestmaß an Tierschutz in Zirkusbetrieben gewährleisten sollen, werden erfüllt. Die Tierfreunde e.V. berichten von Recherchen im Zirkus Universal Renz, die die Haltung als „katastrophal“ bezeichnen und beobachteten Tiere, u.a. die Elefanten und Tiger, mit erheblichen Stereotypien und Verhaltensstörungen (stundenlang anhaltende Bewegungsabläufe wie z.B. Kopfdrehen, hin und herlaufen in festen Bahnen). Zuletzt im Januar 2009 fand eine Tierärztin des Veterinäramtes des Kreises Borken bei einer Kontrolle massive Tierschutz- und Sicherheitsmängel vor. Daniel Renz, Direktor des Zirkusses, drohte der zuständigen Veterinärin. Bei einer Nachkontrolle durch das Veterinäramt wurde dann tatsächlich Gewalt gegen die zuständige Veterinärin angewandt, indem ihr ihre Kamera gewaltsam entwendet wurde, als sie Mängel fotografieren wollte. Daniel Renz wurde wegen Nötigung verurteilt, da er durch Androhung zukünftiger Gewaltanwendung weitere Kontrollen durch die dafür zuständige Veterinärin verhindern wollte.
Die Haltung von Tieren in Zirkussen kann niemals „artgerecht“ sein. Extremer Raum- und Bewegungsmangel, unnatürliche und gelenkschädigende Kunststücke, ständiger Ortswechsel, häufige Transporte und ungeeignete klimatische Verhältnisse belasten die Tiere stark. In fast allen Zirkussen und Zoos sind bei Tieren Stereotypien und Selbstverstümmelungen zu beobachten. Dies sind Symptome für Stress und Langeweile.
Recherchen der Tierfreunde e.V., PeTA, und selbst BesucherInnen des Zirkusses deuten auf Anwendung von Gewalt gegen die Tiere des Zirkusses Universal Renz. So Tanja Günther, Vorstandsmitglied der Tierfreunde e.V.: „Die Elefantenkühe „Maya“, „Mausi“ und „Baby“ zeigten bei Proben extremes Droh- und Fluchtverhalten, waren nervös und verstört […].“ Weiter berichtet sie von Trainingsmethoden während der Proben, die von Gewalt beherrscht gewesen seien: der ständige Einsatz von Elefantenhaken und Peitschen spreche nicht für Vertrauen zwischen Zirkustieren und Dompteuren, sondern zeuge davon, dass hier mittels Gewalt die Tiere gefügig gemacht werden sollen, um zweifelhafte „Kunststücke“ in der Manege aufzuführen.
Tiere sind keine Objekte. Sie sind schon gar nicht zum Zweck unserer Belustigung da. Nichtmenschliche Tiere, genauso wie der Mensch, haben ein Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung. Ein Leben in Gefangenschaft und unter ständiger Beherrschung durch Dompteure kann ihnen dies niemals gewährleisten.

In einer Zeit, in welcher der Mensch mehr Vergnügungsmöglichkeiten hat denn je, sollte die Unterhaltung auf Kosten unfreiwilliger Tierakteure längst abgelehnt und abgeschafft werden. Erfolgreiche tierfreie Zirkusse wie der „Cirque du Soleil“ oder der Zirkus „Flic Flac“ sind ein vorbildliches und lobenswertes Beispiel dafür. Es liegt an uns allen als potentielle BesucherInnen von Zirkussen, den Missbrauch von Tieren für unsere Belustigung abzulehnen und abzuschaffen.
Wir, die Antispeziesistische Aktion Tübingen, rufen daher dazu auf, Zirkusse mit Tierhaltung zu boykottieren, denn ohne Publikum keine Vorstellung! Artgerecht ist nur die Freiheit! Die Tierbefreiungsbewegung fordert Freiheit und Lebensrecht für alle fühlenden Lebewesen. Gerade die traditionellen Tierschauen werden auch von einer breiteren kritischen Öffentlichkeit zunehmend als das entlarvt, was sie sind: Lebensverachtende Spiele. Die Zeit ist reif, dass Unterhaltung, die auf der Misshandlung von Tieren basiert, nicht mehr toleriert wird!
Wir begrüßen ausdrücklich die bisher von unabhängigen AktivistInnen der Tierbefreiungsbewegung durchgeführten Aktionen im Vorfeld der Zirkus-Aufführungen (z.B. wurden bereits massiv Werbeplakate für die Aufführungen entfernt oder überklebt mit großen gelben Aufklebern, auf denen „Abgesagt wegen Tierquälerei“ zu lesen ist).
Außerdem laden AntiSpe Tübingen und unabhängige AktivistInnen für Samstag von 14 bis 16 und 18 bis 20 Uhr, für Sonntag von 10 bis 11.30 und 18 bis 20 Uhr zu Demonstrationen am Veranstaltungsort ein.


Aktuelle Aufnahmen von den Haltungsbedingungen der Tiger in Tübingen (31.8.09). Sie leben in viel zu kleinen Käfigen und legen offenkundige psychische Störungen wie stetiges unruhiges Gehen auf ewig gleichen Kreisen an den Tag.




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