Offener Brief an Mode Zinser u.a.

Mode Zinser Tübingen
– Geschäftsleitung –
Karlstr. 5-9
72072 Tübingen

Sehr geehrter Herr Graul,

dieser offene Brief richtet sich an Sie als Tübingens größtes Modehaus, sowie an Tübinger Boutiquen wie Pur Pur, St. Tropez, Bellababs, Marbello/Gossip, Erika Frommelt GmbH, Le Amiche und Hot Couture.1 Sie alle verkaufen Kleidung mit „Pelz“.
In Ihrem Geschäft haben wir Anfang dieses Monats Jacken und Mäntel mit „Pelz“-Besatz vorgefunden. Folgende von Ihnen angebotene Marken haben entweder einen „Racoon-“ – wohl einen vom Marderhund, der von der Pelzindustrie verschleiernd als „Waschbär“ bezeichnet wird –, oder einen von Kaninchen stammenden Besatz oder bestehen komplett aus Kaninchenfell: Napapijri, Milestone, Cinque, Blacky Dress, St. Emile, Airfield, Boss.
Wir möchten Sie bitten, sich über die Bedingungen, unter welchen „Pelz“ produziert wird, zu informieren. Zwei Texte mit kurzen Informationen zu Marderhund und Kaninchen legen wir bei. Fotos, welche zeigen, unter welchen Bedingungen in der Pelzindustrie Kaninchen gehalten und geschlachtet werden, finden Sie unter der Internetadresse http://www.rabbitfur.org/d/resources.htm.

Zur Herstellung von „Pelz“ müssen Gewalthandlungen begangen werden; diese sind systematische Praxis und keine Ausnahmeerscheinung der Pelzindustrie. Die Gefangenschaft und Tötung tierlicher Individuen verletzt und zerstört, unabhängig von der Art der „Haltung“ und Tötung, die betroffenen Individuen. Auch die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften oder von der Pelzwirtschaft selbst aufgestellter Regeln (z.B. der Verweis auf bestimmte selbst erstellte Zertifikate) können diese Tatsache nicht ändern. Solche Hinweise sind lediglich ein Versuch, die KonsumentInnen zu täuschen und das mit der „Produktion“ von Pelz notwendigerweise verbundene Leid tierlicher Individuen, deren Haut zur Ware gemacht wird, zu verschleiern. Gewalt gegen Tiere ist nicht ästhetisch. „Pelz“ ist die abgezogene Haut eines geschundenen Tieres – diese Tatsache wird von einem bestimmten KonsumentInnenkreis, innerhalb dessen „Pelz“ als „Luxus“ gilt, noch immer in Kauf genommen.
Dabei ist die Ablehnung von Echtpelz und der damit einhergehenden Gewalt gegen Tiere längst gesellschaftlicher Konsens; verbunden damit ist die Ächtung von Unternehmen, welche sich durch den Verkauf von Echtfellprodukten am tausendfachen Mord fühlender Individuen beteiligen.

Unternehmen, die am Verkauf von Echtpelzen festhalten, müssen heute mit der Unzufriedenheit und mit Protesten einer aufgeklärten Zivilgesellschaft gegenüber dieser Unternehmenspolitik rechnen.
Aus dieser gesellschaftskritischen Sicht stellt die Beendigung des Pelzverkaufs eine notwendige Mindestanforderung an Unternehmen dar. Die Respektierung der körperlichen Integrität und Freiheit tierlicher Individuen liegt außerhalb des Ermessensspielraums jedes Einzelnen und ist somit keine Frage persönlicher Entscheidung oder des persönlichen Geschmacks, sondern ein unverzichtbarer Grundsatz einer freien und solidarischen Gesellschaft. Der Verkauf von Echtpelzen kann somit weder mit unternehmerischer Freiheit noch mit der Wahlfreiheit der KonsumentInnen begründet werden, denn dies würde Willkür statt Freiheit und Ignoranz gegenüber dem Leben betroffener tierlicher Individuen bedeuten.

Marderhund, lebendig gehäutet.

Als Teil der Offensive gegen die Pelzindustrie (OGPI) wenden wir uns deshalb heute an Sie. Die Offensive gegen die Pelzindustrie ist ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen und Einzelpersonen der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Pelzhandel in all seinen Erscheinungsformen abzuschaffen (Pelzverkaufstopp in einzelnen Waren- und Modehäusern, Schließung von Pelzläden und sog. Pelztierfarmen, gesetzliches Verbot der Pelztierhaltung) und somit die Gewalt, die von diesem gegenüber Tieren ausgeübt wird, endgültig zu beenden. Seit die Offensive gegen die Pelzindustrie im Jahre 2000 mit dem strategischen Campaigning gegen den Pelzverkauf einzelner Modehäuser begonnen hat, haben unter anderem folgende Unternehmen im Angesicht der massiven Proteste den Verkauf von Echthaarfellen/Tierpelzen beendet:

2001: Otto-Versand,
2002: Karstadt-Quelle AG,
Nerzfarm Roßberger (geschlossen),
2003: C&A,
2006: Peek & Cloppenburg, Appelrath-Cüpper, Schöps, Turek, Kaufhof,
2007: Adler Modemärkte, Gerry Weber Sinn Leffers, Bonita,
2008: Globetrotter, Vögele,
2009: BiBA.

Zuletzt hat Escada als Reaktion auf permanente Proteste angekündigt, auf den Verkauf von Zuchtpelz zu verzichten. Teilweise haben diese Unternehmen den unbefristeten Verzicht auf Echtpelze in ihren Code of Conduct aufgenommen und sich damit zur notwendigen unternehmerischen Verantwortung gegenüber Tieren bekannt.
Wir möchten Sie bitten, es ihnen gleichzutun und ebenfalls auf den Verkauf von Echtpelz in Zukunft zu verzichten.

Mit freundlichen Grüßen,

Antispeziesistische Aktion Tübingen und die gesamte Offensive gegen die Pelzindustrie.

Antispeziesistische Aktion Tübingen
c/o Infoladen
Schellingstr. 6, 72072 Tübingen
asatue.blogsport.de

Offensive gegen die Pelzindustrie
c/o Tommy Weißbecker Haus
Wilhelmstraße 9, 10963 Berlin
offensive-gegen-die-pelzindustrie.net

  1. Modehaus Zinser GmbH & CO. KG, Friedrichstraße 6, 72072 Tübingen, E-Mail: contact@mode-zinser.de, Tel.: 07071-1520;
    Pur Pur, Metzgergasse 4, 72070 Tübingen, Inh. Hannelore Birlinger, Tel.: 07071-550138;
    Designer-Boutique St. Tropez, Froschgasse 5, 72070 Tübingen, E-Mail: st.tropezdesign@yahoo.de, Tel.: 07071-6895070;
    Bellababs, Markgasse 4, 72070 Tübingen, Inh.: Rainer Tondera, Tel.: 07071-21238;
    Marbello/Gossip Modeboutique, Neue Str. 16/17, 72070 Tübingen, E-Mail: monicaberglund@web.de, Tel.: 07071-928449;
    Boutique Erika Frommlet GmbH, Lammhofpassage, Hirschgasse 13, 72070 Tübingen, Tel.: 07071-23010;
    LE AMICHE, Marktgasse 3, 72070 Tübingen, E-Mail: katjaleamiche@web.de, Tel.: 07071-252612;
    Hot Couture, Lange Gasse 38, E-Mail: hot.couture@t-online.de, Tel.: 07071-550579. [zurück]

11 Antworten auf „Offener Brief an Mode Zinser u.a.“


  1. 1 Tomas Andersson 16. Oktober 2010 um 12:18 Uhr

    Gibt es für den Text auch Belege? Weblinks? Bücher?

  2. 2 Administrator 16. Oktober 2010 um 21:14 Uhr

    Der Weblink zur CAFT-Recherche ist im Text angegeben:
    http://www.rabbitfur.org/d/resources.htm

    Die Bilder des Marderhundes stammen aus einem Video, das bei einer Recherche des Schweizer Tierschutzes STS entstand:
    http://www.tierschutz.com/pelz/

    Allgemeine Informationen über die Pelzindustrie:
    http://offensive-gegen-die-pelzindustrie.net/wordpress/pelzindustrie/

    Recherche über Pelzfarmen in Deutschland:
    http://www.die-tierfreunde.de/inhalte/recherchen/pelzfarmen/pelzfarmen.htm

    Recherche von „Die Tierbefreier e.V.“ über Pelz:
    http://www.tierbefreier.de/pelz/

    Buch:
    Dr. Edmund Haferbeck: Pelztierzucht – Das sinnlose Sterben, ISBN: 3-926914-09-2 (hier bestellbar: http://www.tierbefreiershop.de/epages/62029960.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/62029960/Products/bu008)

  3. 3 Burberry Schal 25. Oktober 2010 um 5:33 Uhr

    oh my god

  4. 4 Administrator 05. November 2010 um 19:56 Uhr

    5. November 2010, „Schwäbisches Tagblatt“:

    Fell ist Fell

    Mail-Aktion schreckt Bekleidungs-Geschäfte

    Tübingen. Mechthild Schulz löscht gerade besonders viele E-Mails. So wie der Besitzerin der Boutique „Hot Couture“ in der Langen Gasse geht es einigen Ladeninhaberinnen die letzten Tage. Sie bekommen Mails von der „Antispeziesistischen Aktion Tübingen (AAT)“. In denen werden sie aufgefordert, keine Pelze zu verkaufen. Schulz, die selbst regelmäßig das Tübinger Tierheim unterstützt, hat nachgezählt und gerade „drei Kleidungsstücke mit Pelzkrägelchen“ gefunden. „Das ist alles, was wir gerade im Laden haben.“
    Ähnlich wie ihre Kolleginnen versteht sie deshalb nicht, wieso sich die Mails an sie richten. „Pelzmäntel ist was anderes“, sagt zum Beispiel Hannelore Birlinger vom „Pur Pur“ in der Metzgergasse. „Das würde ich nie verkaufen.“ Eine kleine Pelzapplikation am Saum müsse aber doch erlaubt sein. „Das ist wirklich minimal.“ Sie richtet sich da auch nach den Wünschen der Kundinnen. Kunstpelz würde niemand haben wollen. „Dann lieber gar nichts.“
    Auch Katja Eberhardt von „Le Amiche“ in der Marktgasse fühlt sich eigentlich gar nicht angesprochen. So wie die beiden Kolleginnen würde sie auf jeden Fall keine Pelze von exotischen Tieren verkaufen. Aber Kaninchen und Lamm? „Wie viele Leute essen Lammfleisch?“, fragt Eberhardt. Da könne es doch nicht falsch sein, auch das Fell zu verarbeiten. „Vielleicht werde ich aber bei der nächsten Bestellung mehr drauf schauen.“
    Das würde der Tübinger Matthias Rude als Erfolg verbuchen. Er steht hinter der Mail-Aktion der AAT. Die Tierschützer haben sich auf eine Kampagne gegen Pelze verlegt, weil das „absolut verzichtbar ist und ganz einfach ersetzt werden kann“. Er und seine Mitstreiter seien grundsätzlich gegen „Tierfabriken“ und die damit verbundene großtechnische Schlachtung. Auch Kaninchenfelle würden oft auf grausame Weise gewonnen. Das belege eine Untersuchung, die das Bündnis zur Abschaffung des Pelzhandels über die europäische Kaninchen-Industrie antellte.
    Das Argument, dass die Zustimmung zum Verzehr von Kaninchenbraten, die Ablehnung der Verwendung von Kaninchenfellen ausschließe, stimme deshalb nicht ganz. Für seine Mitstreiter gelte das ohnehin nicht, „weil wir keine Tiere essen“. Einen prinzipiellen Unterschied zwischen einem exotischen Tier wie einem Leoparden und einem Stallhasen sieht Rude nicht. „Wir denken nicht so sehr an den Artenschutz. Es geht um jedes einzelne Tier.“

    Vgl. zu diesem Artikel: „Schwäbisches Tagblatt“: Zensur für Zinser.

  1. 1 ESCADA beendet Pelzhandel « Antispeziesistische Aktion Tübingen Pingback am 15. Oktober 2010 um 21:10 Uhr
  2. 2 „Schwäbisches Tagblatt“: Zensur für Zinser « Antispeziesistische Aktion Tübingen Pingback am 06. Dezember 2010 um 0:06 Uhr
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  6. 6 Mode Zinser „ermittelt“ gegen Tierrechtsverein « Antispeziesistische Aktion Tübingen Pingback am 26. April 2012 um 13:38 Uhr
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