Archiv für Februar 2011

Ankündigung: Informations-Termin zu den Primatenversuchen in Tübingen

Das Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung, ein Zusammenschluss, in dessen Rahmen auch die Antispeziesistische Aktion Tübingen organisiert ist, und der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche laden am Samstag, dem 5. März, ab 14 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen zu einem Informationstermin zum Thema Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg ein. Der Infostand ist Teil der Kampagne „Stoppt Affenqual in Tübingen!“, welche Ärzte gegen Tierversuche e.V. in Kooperation mit der Antispeziesistischen Aktion Tübingen im Jahr 2009 ins Leben gerufen haben. 2009 und 2010 wurden jeweils Großdemonstrationen in Tübingen zum Protest gegen die Hirnforschung an Affen veranstaltet.
Hintergrund der Kampagne ist, dass in Baden-Württemberg an drei Instituten, die sich alle in Tübingen befinden,1 noch immer Tierversuche am Hirn von Rhesusaffen stattfinden, wie sie in anderen Bundesländern seit Jahren nicht mehr genehmigt wurden. So wurden in München, Berlin und Bremen vergleichbare Versuche von den Genehmigungsbehörden aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens abgelehnt. Die Landesregierung in Baden-Württemberg sieht hingegen keinen Handlungsbedarf, die Affenversuche zu unterbinden.
Die Tiere in Tübingen werden mit festgeschraubtem Kopf und durch Flüssigkeitsentzug gezwungen, Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Ihnen wird ein Loch in den Schädel gebohrt und Elektroden sowie ein Metallbolzen darüber implantiert, um Hirnströme zu messen. Nur wenn der Affe dem Forscherwunsch entsprechend reagiert, bekommt er über einen Schlauch einen Tropfen Saft. Die sensiblen Tiere tun in ihrer ausweglosen Situation alles, was der Forscher will. Die Affen müssen diese Prozeduren oft jahrelang über sich ergehen lassen. Neben der ethischen Unvertretbarkeit sind die Versuche für die Behandlung menschlicher Krankheiten vollkommen nutzlos, da das Affenhirn sich wesentlich vom menschlichen Gehirn unterscheidet. So hat das Affenhirn keine Bereiche für Sprache, Lesen oder Musik und das Menschenhirn hat zur Verarbeitung von visuellen Reizen bestimmte Hirnbereiche, die im Affenhirn fehlen. Gemeinsam mit Ärzte gegen Tierversuche fordern wir auch in Baden-Württemberg ein sofortiges Ende dieser grausamen Forschung und die Stärkung der tierversuchsfreien Forschung. Bereits verfügbare Methoden wie die Computertomographie oder die Untersuchung von Gewebe aus medizinisch notwendigen Operation liefern im Gegensatz zum Tierversuch wertvolle Einblicke in das menschliche Gehirn und machen die „Passion des Laboratoriums“, durch das, „verkannt als bloßes Exemplar“,2 tagtäglich Versuchstier nach Versuchstier gezwungen wird zu gehen, unnötig.

Fototermin:
Infostand am Samstag, 5. März 2011, ab 14 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen.

Siehe auch:
Gesund dank Tierversuchen? (Dr. med. vet. Corina Gericke von Ärzte gegen Tierversuche e.V. über das Versagen der Tierversuchs-Forschung).
Interview: Primatenversuche am MPI Tübingen (Interview mit Ex-Diplomandin Gabriele Busse vom Tübinger Bündnis gegen Tierausbeutung über die Versuche am Max-Planck-Institut).
Tierversuchsstadt Tübingen (Aufruf zu einer offenen Aktionsphase gegen Tierversuche in Tübingen).
„Frontal 21″ über Tübinger „Opfer der Forschung“ (Das ZDF-Magazin Frontal 21 über unsere Demonstration im Jahr 2009 und die Affenversuche am MPI).
Störung bei Vorlesung eines Tierexperimentators (Bericht über eine Antispe-Aktion während einer Vorlesung von Prof. Dr. Andreas Nieder).
Tierexperimentatoren widersprechen sich gegenseitig (Nach dem ersten Aktionstag im April 2009 fielen sich Experimentatoren gegenseitig in den Rücken).

  1. Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen; Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen. [zurück]
  2. Die Zitate stammen aus der Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Die Autoren sprechen von „scheußlichen physiologischen Laboratorien“ und vom „blutigen Schluß“, der aus „verstümmelten Tierleibern“ gezogen wird (Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt a.M. 1988, S. 262). Zum Mensch-Tier-Verhältnis in der Kritischen Theorie empfehlen wir folgenden Text von Carsten Haker: Das Mensch-Tier-Verhältnis in der kritischen Theorie Adornos und Horkheimers [zurück]

Erklärung von „Animal Justice“: Kritik an der „International Animal Rights Conference“ 2011

Wir unterstützen folgende Erklärung von Animal Justice:

Tierrechte = Unpolitisch? Kritik an der International Animal Rights Conference 2011. Gegen Abschiebung und Tierausbeutung und jede Form von Unterdrückung!

In diesem Jahr findet die International Animal Rights Conference in Luxemburg vom 19.5.-22.5. im angemieteten Novotel Hotel statt (6, rue Fort Niedergrünewald Quartier Européen Nord Plateau de Kirchberg L-2226). Das Treffen sollte als internationale Vernetzungsplattform dienen und den verschiedenen anreisenden Gruppen und Einzelpersonen die Möglichkeit geben, sich mit anderen auszutauschen. Die Konferenz entspricht jedoch nicht unserem politischen Verständnis von antispeziesistischer Arbeit. Es sind eine ganze Menge Kritikpunkte anzubringen, angefangen mit der Lokalität:

Novotel gehört zur Accor S.A., die heute weltweit eines der größten Hotelunternehmen darstellt (Stand 31. Dezember 2007: Insgesamt 4065 Hotels mit 475,433 Zimmern in 100 Ländern). Zugehörig sind auch noch folgende Hotels/Motels:
• Sofitel (Luxushotel, 182 Hotels)
• Pullman (ab 2008 50 Hotels in 23 Ländern)
• Novotel (weltweit 412 Hotels)
• MGallery
• Mercure (weltweit 750 Hotels)
• Suite Novotel (28 Hotels in 7 Ländern)
• Adagio (21 Hotels in 4 Ländern)
• All Seasons (weltweit 31 Hotels)
• Orbis (27 Hotels)
• Ibis (weltweit 761 Hotels)
• Etap (europaweit 379 Hotels)
• Hotel Formule 1 (373 Hotels in 14 Ländern)
• Motel 6 (USA 884 Hotels)
(http://de.wikipedia.org/wiki/Accor)

Accor nutzt sogenannte „illegale“ MigrantInnen als billige Putzkräfte aus, ist am Chipkarten- und Gutscheinsystem für Flüchtlinge beteiligt, betreibt selber „Abschiebehotels“, bzw. Abschiebeknäste und bietet komplette Abschiebungen als Dienstleistungen an, zum Beispiel mit dem Reisebüro Wagon-Lits-Travel des Accor-Konzerns, das Plätze in Zügen und Flugzeugen für Abschiebungen reserviert ( http://www.vsp-vernetzt.de/soz/9912082.htm).

Hier kommt für uns die erschreckende Erkenntnis, dass verschiedene Menschen antispeziesistische Arbeit wohl nicht als weiterführende Kapitalismuskritik in einem gesamtpolitischen Kontext sehen, sondern versuchen, Tierrechtsarbeit ganz exklusiv zu betreiben und wichtige Fakten über Ausbeutung und Unterdrückung in anderen Kontexten dabei gänzlich ignorieren.

Die Einrichtung und Qualität ist auf die obere Mittelklasse ausgelegt (http://de.wikipedia.org/wiki/Novotel 3. Zeile). Bei den vorliegenden Preisen wird es sicherlich einigen Tierrechts-/Tierbefreiungsgruppen vorenthalten bleiben, einen Infotisch aufzubauen (80 Euro, http://www.arconference.com/exhibits.php), da nicht jede Gruppe über solche finanziellen Ressourcen verfügt, um ihr Infomaterial auszulegen und an dem sozialen Zusammentreffen teilzunehmen. Es wird ganz offensichtlich vorausgesetzt, dass sämtliche Menschen, die teilnehmen wollen, über genügend finanzielle Mittel verfügen, um sich diesen Aufenthalt leisten zu können. Dies entspricht in keinster Weise der Realität und ist klar ausgrenzend. Das Organisations-Team legitimiert die Preise damit, dass Personen ohne ausreichend finanzielle Mittel eine bestimmte Anzahl an Hilfsleistungen auf dem Kongress bringen können um somit billiger oder umsonst teilzunehmen. Dies verurteilen wir, da dies dem Motto der Lohnarbeit entspricht und die Betroffenen bloßstellt. Das ganze Konzept des diesjährigen Kongresses ist auf Konsum ausgerichtet. Die Begründung des Orga-Teams bezüglich der Räumlichkeiten ist die billige Nutzung. Erfahrungsgemäß kennen wir einige Räumlichkeiten, die wesentlich billiger und politisch besser vertretbar sind.

Dies sind so schwerwiegende Gründe, dass wir uns als antikapitalistische/antispeziesistische Gruppe offen gegen die diesjährige Organisation des Treffens aussprechen und auch ganz bewusst nicht daran teilnehmen werden, da wir dieser Art der Verdrängung von Fakten nicht stumpf zustimmen wollen. Wir wollen nicht die Vernetzung von Gruppen und Einzelpersonen kritisieren, denn dies stellt auch für uns einen wichtigen Punkt der politischen Arbeit da. Für uns ist Antispeziesismus herrschaftskritisch, und dies trifft bei der diesjährigen International Animal Rights Conference nicht zu. Abschiebung und Kapitalismus gehören genauso abgeschafft wie Tierausbeutung.

Festung Europa einreißen, Tierfabriken schließen.
Für die Befreiung von Mensch und Tier.

Animal Justice
www.vegan.lu




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