Solidaritätskampagne für die Beschuldigten des Mastanlagenbrands in Sprötze

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Bei einem Brandanschlag in Sprötze (südl. von Hamburg) wurde am 30. Juli 2010 eine kurz vor der Fertigstellung stehende Hühnermastanlage komplett zerstört. Dabei entstand laut Betreibern ein Schaden in Höhe von 500.000 Euro. Obwohl weder Menschen noch Hühner verletzt werden, bezeichnet die lokale Presse die Brandstifter teils gar als „Terroristen“. Die Anlage in Sprötze war als der erste von rund 420 Zulieferbetrieben für den in Wietze bei Celle entstehenden größten Hühnerschlachthof Europas der Firma Rothkötter geplant. Alle 33 Tage müssten in jeder Anlage knapp 40.000 Vögel mit einem Platz von weniger als einer DIN-A4 Seite pro Tier eingesperrt und bis zur Unbeweglichkeit gemästet werden, um danach als „Emsland Frischgefügel“ oder „Celler Land Frischgeflügel“ auf dem Markt zu landen, der längst übersättigt ist; ein Großteil soll darum ins Ausland exportiert werden, wo billiges Fleisch aus Europa lokale Märkte überschwemmt. Das Futter, hauptsächlich (Gen-)Sojaschrot, stammt nicht selten aus z.B. südamerikanischen Monokulturen, für die wiederum die örtliche Landbevölkerung vertrieben oder in sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse gezwungen sowie weiterer tropischer Regenwald vernichtet wird.
Neben diesen und anderen Fakten nennt ein am 8. August 2010 veröffentlichtes BekennerInnenschreiben eine grundsätzliche Herrschaftskritik, die auch die Herrschaft der Menschen über Tiere mit einschließt, als Grund für den Anschlag. Dieser wird als eine politische Aktion erklärt, die durchgeführt worden sei, „da alle vorher argumentativ geführten Auseinandersetzungen gescheitert sind“.
Mittlerweile ist bekannt, dass gegen mindestens fünf Personen, die im letzten Sommer im Widerstand gegen Mastanlagen und Schlachthöfe bei öffentlichen Aktionen aufgefallen sind, ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung eröffnet wurde. In einem Fall (Karl-P.) kam es bereits zur Hausdurchsuchung, bei welcher u.a. Ausweisdokumente (Führerschein) sowie Tagebücher entwendet und bis heute nicht wieder ausgehändigt wurden. Wenige Wochen später wurde die selbe Person an einer Autobahnraststätte unter Zwang von der Polizei zur erkennungsdienstlichen (ED) Behandlung mitgenommen. Auch ein anderer Beschuldigter, Karl-Caspar, erhielt bereits eine Vorladung zur ED. In einem Schreiben der Staatsanwaltschaft wird außerdem Karl-Hugo als Beschuldigter erwähnt, der selbst jedoch bislang noch keinen Bescheid diesbezüglich erhalten hat. Beantragte Akteneinsichten werden allen Betroffenen bislang verwehrt, Briefe, auch von AnwältInnen, immer wieder ignoriert. Nachdem der Anwalt einer weiteren ehemals Beschuldigten mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde drohte, stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen diese Person ein. Das willkürliche Vorgehen und die Intention der Staatsanwaltschaft, in jedem Fall Schuldige zu präsentieren, sind mehr als offensichtlich. Über Einschüchterung wird versucht, Einblicke in eine Bewegung zu bekommen, die dem wirtschaftlichen Interesse der maximalen Ausbeutung der Tiere entgegenwirkt und zum Teil auch direkt dagegen vorgeht. Dabei könnte mit diesem Fall die Repression nun auch gegen die deutsche Tierbefreiungsbewegung Ausmaße annehmen, wie sie in anderen Ländern mit mehrjährigen Haftstrafen und totaler Überwachung der AktivistInnen längst Gang und Gäbe sind. Ein Präzedenzfall würde die Strukturen emanzipatorischer Bewegungen insgesamt gefährden.
Die derzeit von der Repression Betroffenen stehen dabei nur zufällig im Fokus der Ermittlungen und sind theoretisch austauschbar mit allen, die sich mit Tieren solidarisieren. Um dies zu verdeutlichen, wurde nun die Soli-Kampagane Kakaka.Du ins Leben gerufen, die mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit versucht, die rechtlichen Folgen des Brandanschlags für alle transparent zu gestalten und im Zusammenhang mit staatlicher Repression anderswo zu betrachten. Einem möglicherweise bevorstehenden Prozess soll dabei nicht einfach tatenlos entgegen gesehen werden. Vielmehr braucht es schon jetzt möglichst viele, die die Kampagne mit eigenen Aktionen und anderen Zeichen der Solidarität mitgestalten, die dem Staat, den Eickhoffs und den Rothkötters dieser Welt die Grenzen aufzeigen.

kakakadu.blogsport.de





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