Max-Planck-Campus: Tag der offenen Tür ohne Affenversuche?

Heute war „Tag der offenen Tür“ auf dem Tübinger Max-Planck-Campus. Die Max-Planck-Institute für Entwicklungsbiologie, für biologische Kybernetik und für Intelligente Systeme sowie das Friedrich-Miescher-Laboratorium präsentierten sich von 14 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit – in der Einladung hieß es: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Tübinger Max-Planck-Campus laden alle Interessierten herzlich ein, Einblick in die aktuelle Forschung und die Arbeit an den Instituten zu gewinnen.“ In Vorträgen und Ausstellungen drehte sich alles um die Themen Genetik, Evolution, künstliche Intelligenz und – Hirnforschung. Die invasive Forschung am Gehirn von Affen, welche das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik betreibt, wurde dabei allerdings komplett ausgespart. An einem Tag, bei dem „Forschung rund um Gene und Gehirn – zum Sehen, Hören und Mitmachen“ und „Vorträge für Kinder und Erwachsene“ geboten werden, hielt man eine Konfrontation der Besucherinnen und Besucher mit den Bedingungen, unter welchen diese Experimente durchgeführt werden, wohl nicht für angebracht: Durch Durst werden die Affen gezwungen, stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Über ein Bohrloch im Schädel werden Elektroden ins Gehirn eingeführt. Die Qual der Tiere kann Jahre dauern (hier gibt es Videoaufnahmen von den Versuchen).
Prof. Nikos Logothetis, Direktor des Max-Planck-Instituts (MPIs) für biologische Kybernetik, rechtfertigte gegenüber dem ZDF-Magazin Frontal 21 die Gewalt, mit der die Affen, welche in den Experimenten „verbraucht“ werden, zur Teilnahme an den Versuchen gezwungen werden, mit der Aussage, „wir“ würden auch gegenüber Heimtieren und Kindern Zwang ausüben. Heute präsentierte das MPI sich dafür ganz kindgerecht, mit blauen Luftballons auf dem gesamten Campus – Kinder konnten z.B. DNA aus Bananen isolieren oder Zebrafisch-Babys „ganz groß“ unter dem Mikroskop betrachten.
Den „Tag der offenen Tür“ nahmen wir zum Anlass, auch über die Schattenseiten des MPIs aufzuklären. Mit dem Banner der Kampagne „Stoppt Affenversuche in Tübingen!“, Flugblättern und kreativen Kreideaktionen informierten wir auf dem Campus über die Affenversuche in Tübingen, die nicht nur am MPI, sondern auch noch an zwei anderen Instituten in Tübingen1 durchgeführt werden.
Am 18. Oktober 2011 überreichen Vertreter der bundesweiten Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“ dem Ministerialdirektor Wolfgang Reimer stellvertretend für zahlreiche BürgerInnen und UnterstützerInnen der Kampagne gegen die Affenversuche in Tübingen 60.000 Unterschriften verbunden mit der Aufforderung, dem Beispiel anderer Bundesländer zu folgen und der Hirnforschung an Affen in Baden-Württemberg die rote Karte zu zeigen.

  1. Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen; Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen. [zurück]




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