Archiv für April 2012

Mode Zinser „ermittelt“ gegen Tierrechtsverein


Bild: Hans-Joachim Zinser, geschäftsführender Gesellschafter der Zinser-Gruppe, die über sieben Modehäuser und 620 Mitarbeiter in Offenburg, Lahr, Herrenberg, Singen, Reutlingen und Tübingen verfügt.

Wie der Verein Tübingen für Tiere berichtet, setzt die Zinser-Gruppe Menschen, die gegen den Echtpelzverkauf des Unternehmens protestierten, gezielt unter Druck.
Der Verein hatte im Winter regelmäßig Protestaktionen vor der Tübinger Filiale des Modehauses veranstaltet. Nachdem es offenbar keinen Erfolg mit seinem Vorhaben hatte, diese Aktionen auf dem rechtlichen Weg zu unterbinden, griff das Unternehmen zu drastischeren Mitteln. Tübingen für Tiere e.V. berichtet:

Es gab Anrufe und Mails bei der Firma LUSH (LUSH hat unseren Verein im Rahmen ihres Nächstenliebe-Projekts mit einer großzügigen Geldspende unterstützt). Eine Verkäuferin war nach dem anonymen Drohanruf eines Herrn so durcheinander, dass sie weinend zusammenbrach. Es fiel u. a. der Satz „Wer uns kaputt macht, den machen wir kaputt!“. Bei einem unserer Mitglieder wurde 2 x auf dem Arbeitsplatz angerufen. Einmal wurde ein Kollege ausgefragt, ein anderes Mal wurden Sätze gesagt wie „Wir ermitteln gegen Sie“ und „Weiß Ihr Arbeitgeber davon?“.
Dies sind Amtsanmaßungen (denn ermitteln können nur Polizei und Staatsanwaltschaft) und Drohungen, die nicht nur kriminell sind, sondern auch einmal mehr das skrupellose Handeln mancher Unternehmen verdeutlichen, welche ihre Beteiligung an tierausbeuterischen Geschäften um jeden Preis verteidigen wollen.

Ein Brief, den der Verein im März dieses Jahres an den geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens, Hans-Joachim Zinser – „Herr über sieben Mode-Häuser in Baden-Württemberg“ –, sandte, und in dem Dialogbereitschaft signalisiert wurde, blieb unbeantwortet.
Das überrascht nicht: Auch auf unseren offenen Brief, den wir bereits im Oktober 2010 an das Unternehmen sandten, haben wir nie eine Antwort erhalten.
Hans-Joachim Zinser berät übrigens auch die Gothaer Versicherung, welche unlängst dadurch aufgefallen ist, dass sie sich für die „lange Tradition der Jagdkultur“, die vor dem Aus stehe, einsetzt, indem sie zu Geldspenden an eine Jägerstiftung aufruft.

Aufruf zur Beteiligung an Mai-Aktionstagen

Aufruf an Tierbefreiungsgruppen zur Beteiligung an den antikapitalistischen Mai-Aktionstagen in Frankfurt vom 16. bis 19. Mai.

Für den 16. bis 19. Mai ruft ein breites Bündnis verschiedener sozialer und politischer Bewegungen zu Aktionstagen gegen die hegemoniale Krisenpolitik in Frankfurt am Main auf. Es gibt für Initiativen und Akteure der Tierbefreiungsbewegung gute Gründe, die gegenwärtige Krisenproteste nicht an sich vorbei ziehen zu lassen. Machen wir uns keine Illusionen: Dass die Bedürfnisse von Tieren in der gegenwärtigen Gesellschaft einen Dreck gelten, ist nicht nur Folge eines vermeintlich fehlenden moralischen Bewusstseins der Bevölkerungsmehrheit. Vielmehr hat die kapitalistische Wirtschaftsweise, welche gegenwärtig mit sozialen Angriffen und Entdemokratisierungen bis aufs Messer verteidigt wird, für nicht-menschliche Individuen nicht mehr übrig, als Waren oder Produktionsmittel zu sein. Die massenhafte Gefangenhaltung von Tieren und Schlachtungen im Akkord sind die hässlichen Folgen der Inwertsetzung der Tiere. Eine tatsächliche Veränderung des durch Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse geprägten Mensch-Tier-Verhältnisses bedarf stattdessen grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, die vor allem auf der der Überwindung dieser zutiefst destruktiven Ökonomie basiert!

Wenn wir einen Prozess anstoßen wollen, in dem bspw. in der Lebensmittelproduktion andere Aspekte als bloße Profitinteressen geltend gemacht werden sollen, so ist die Teilhabe aller Menschen am Prozess der Produktion und Versorgung eine notwendige Voraussetzung. Nur durch die Überwindung ökonomischer Abhängigkeitsverhältnisse und die Demokratisierung aller Lebensbereiche kann eine Grundlage geschaffen werden, um Bedürfnisse und Interessen von Menschen und auch von Tieren zu berücksichtigen. Die durch das Krisenregime beförderte autoritäre Wende in Europa ist jedoch das konkrete Gegenteil einer bewussten und freiheitlichen Gestaltung der Gesellschaft auf der Grundlage partizipativ-demokratischer Aushandlungsprozesse. Daher ist es von dringlicher Bedeutung, aktiven Widerstand zu leisten gegen die weltweiten Entsolidarisierungs- und Entdemokratisierungsprozesse und die Versuche, den Kapitalismus zu retten. Und es ist notwendig, dass wir uns die Kontrolle über zentrale Lebensbereiche wieder aneignen. Die sofortige Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien wie der Finanzindustrie, dem Energiesektor oder der Agrarkonzerne können erste Schritte darstellen, um die blinde Zerstörungswut kapitalistischer Verwertungsinteressen zu überwinden. Derartige Veränderungen können nicht von einzelnen politischen Bewegungen allein erreicht werden. Sondern es bedarf gemeinsamer Perspektiven und einen breiten und vielfältigen Widerstand. Daher rufen wir alle AktivistInnen und Initiativen der Tierbefreiungsbewegung auf, sich an den Aktionstagen im Mai zu beteiligen – weil Tiere keine Waren sind.

Beteiligen wir uns an der Besetzung zentraler Plätze am 17. Mai und nutzen wir die entstehenden Räume für Diskussionen über gemeinsame Perspektiven mit anderen politischen Bewegungen.

Blockieren wir die EZB und das Frankfurter Bankenviertel am 18. Mai. Setzen wir ein Zeichen der Solidarität mit allen Betroffenen des neoliberalen Krisenregimes und zeigen dass wir gewillt und im Stande sind, das herrschende Machtgefüge zu überwinden.

Gehen wir mit vielen Tausenden Menschen gemeinsam am 19. Mai bei einer internationalen Großdemonstration auf die Straße. Machen wir als AktivistInnen der Tierbefreiungsbewegung gemeinsam deutlich, dass eine Kritik an unfreien Verhältnissen nicht an der Kritik der Ausbeutung und Beherrschung von Tieren halt machen kann.

Wenn ihr euch an den gemeinsamen Protesten beteiligen wollt, oder wenn ihr mehr Informationen erhalten möchtet, meldet euch bitte (möglichst früh) bei
Aktionstage-Frankfurt@riseup.net

Mehr Infos auch unter www.tierbefreiung-hamburg.org/frankfurt.

- Tierbefreiungs-Aktionsbündnis zu den Krisenprotesten in Frankfurt

Demobericht: Frankfurt Pelzfrei 2012

„Es hat gelebt, geamtet so wie wir, Pelz ist ein Stück ermordetes Tier.“ Eine klassische der vielen Parolen, die auf der diesjährigen Demo Frankfurt-Pelzfrei gerufen wurden. Rund 600 TeilnehmerInnen hatten sich nach unseren Schätzungen letzten Samstag auf der größten Antispe-Demo im deutschsprachigen Raum versammelt. Das sind zwar weniger als im letzten Jahr, als ca. 1000 Menschen gegen die Pelzindustrie demonstrierten, aber wie in jedem Jahr fand sich auch in diesem vor allem der politische Antispe-Flügel der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung auf der Demo ein, was wohl in erster Linie auf die Mobilisierung zu einem „Total Liberation Black Block“ (TLBB) durch die Vegane Antifa Süd (VAS) und dem Antifaschistischen Tierbefreiungskollektiv Aachen (Atiko) zurückzuführen ist, die unter dem Motto „Gegen Pelzhandel, Herrschaft und Ausbeutung!“ zu einem schwarzen Block auf der Demo aufgerufen hatten. Auch wenn die Blockbildung an der Spitze der Demo wegen der massiven Polizeipräsenz und den strengen Auflagen schwierig war, schlug sich diese Mobilisierung einerseits gut sichtbar im mehrheitlich schwarzen Kleidungsstil und den vielen Antifa-, Antispe- und schwarzroten Flaggen nieder, wurde andererseits aber auch in Redebeiträgen und Parolen hörbar. So gab es einen Beitrag einer Antifa-Gruppe, der auf Nazis und rechte Tierfreunde aufmerksam machte, was auf der Demo durch Parolen wie „Alerta Antifaschista“ oder „Antispe und Antifa – zusammen sind wir unschlagbar“ bestärkte, dass es eine gemeinsame Front gegen Rechts gibt.

Ein anderer Redebeitrag stellte den Kampf gegen den Kapitalismus als notwendig für die Tierbefreiungsbewegung heraus, weil diesem System die Verwertung von Mensch, Tier und Natur innewohne, und nur ein systemüberwindender Kampf erfolgreich Tiere befreien könne. Vor allem diese Forderung fand sich in der Demo mit den immer wiederkehrenden Parolen „Menschen und Tiere sind kein Kapital“ und „A-, Anti-, Anticapitalista“ breite Unterstützung. Auf der Demo waren keinerlei als sexistisch oder rassistisch/antisemitisch kritisierten Organisationen wie Peta oder das Universelle Leben vertreten.
Der Demonstrationszug marschierte über mehrere Stunden durch die Stadt und belagerte für jeweils kurze Zeit die anliegenden pelzverkaufenden Kaufhäuser und Pelzgeschäfte, aber auch Burger King, McDonalds, Metzgereien und Lederwarengeschäfte. Durch kurze Beiträge, die in regelmäßigen Abständen und bei der Abschlusskundgebung vom Lautsprecherwagen erklangen, wurden die TeilnehmerInnen über den aktuellen Stand der seit 2001 existierenden und relativ erfolgreichen Offensive gegen die Pelzindustrie informiert. So wurde etwa auf den Pelzapplikationsverkauf von Galeria Kaufhof eingegangen – der Warenhausbetreiber hatte jeweils in den Jahren 2005 und 2010 ein Ende seines Pelzhandels versprochen, war 2011 allerdings erneut mit Pelzapplikationen aufgewartet. Die Polizei, die mit mehreren Dutzend Kastenwägen angereist war, schützte die Geschäfte mit Gittern und teilweise mit Schildern. Dennoch blieb die Demo weitgehend friedlich, es wurde kein Farbbeutel geworfen und es ging unseres Wissens nach auch keine einzige Scheibe zu Bruch.

Vor und nach der Demonstration bestand die Möglichkeit, verschiedene Info- und Verkaufsstände von Tierbefreiungsgruppen, Veganversänden und ähnlichen Gruppen zu besuchen, wie der Tierrechtsinitiative Rhein-Main (TIRM), Roots of Compassion (ROC) und der Kreaktivisten.
Im seit 1983 besetzten Haus AU in Rödelheim fand dann die Afterparty mit einer drei Gerichte umfassenden Volxküche und drei Musikern aus der Tierbefreiungsbewegung statt. Erst trat der Rapper Albino auf, der in seinen Texten außer Antispeziesismus viele weitere linkspolitischen Themen behandelt; er stellte sein neues Album vor. Sein in einem Flyer, der auf der Demo umherging, kritisiertes Lied gegen Antideutsche, „Falsches Spiel“, fand beim Publikum, mit Ausnahme eines Gasts, der unter „Zionismus“-Grölen den Raum verließ, viel Zuspruch. Der Liedermacher Faulenza unterhielt das Publikum mit seinen lustigen und emotionalen Liedern über Themen wie Mäuse, welche Häuser besetzen, Veganismus oder freie Liebe – seine Musik kann unter „faulenza.blogsport.de“ kostenlos heruntergeladen werden. Er gab schließlich einige Lieder in der ungewöhnlichen Kombi mit Albino zum Besten, wo dieser auf seine Gitarrenakkorde rappte. Schließlich brachte Trashedy das Publikum mit seiner lauten Elektro-Punk-Rock‘n'Roll-Mischung zum Tanzen.

Bild: Trashedy in Aktion

Eine der Aufrufenden zum TLBB, die VAS, bewertete die Demo in einem Artikel auf linksunten.indymedia heute insgesamt positiv, auch wenn Enttäuschung über die versuchte und offenbar wenig gelungene Verknüpfung von Antifa- mit Antispe-Strukturen zu bemerken ist: „Offenbar scheint in der Tierrechtsszene auch ein geringes Interesse an einer solcher Verknüpfung zu bestehen“. Dass mit 600 TeilnehmerInnen die Demo im Vergleich zum Vorjahr (mit damals 1000 TeilnehmerInnen) relativ schwach besucht war, erklärt sich die VAS hauptsächlich so:

1) Durch die groß beworbene Demonstration in der Woche davor (M31) – auch in Frankfurt – mit ca. 6000 Teilnehmer_Innen, die durch die vielen Festnahmen, wie auch die gewaltsamen Ausschreitungen auf sich aufmerksam machen konnte, waren viele Aktivist_Innen wohl nicht motiviert eine Woche später noch einmal sich auf den, für viele z.T. weiten Weg nach Frankfurt zu machen. 2) Darüber hinaus haben die Oster-Feiertage, der gleichzeitig stattfindende Protest gegen den Naziaufmarsch in Stolberg und das vorausgesagte schlechte Wetter wohl nicht zum Erfolg der Demo beigetragen.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: