Deutschlandfunk über Tübinger Primatenexperimente

tierversuchsstadt
Im April 2011 veränderte die Animal Liberation Front die Ortsschilder Tübingens: „Tierversuchsstadt Tübingen“: BekennerInnenschreiben der ALF.

Der Deutschlandfunk berichtet über die Tübinger Primatenexperimente: Das Tübinger Zentrum für integrative Neurowissenschaften, CIN, habe in den vergangenen Monaten viel Aufmerksamkeit erfahren: Immer wieder hätten Landespolitiker der Forschungseinrichtung einen Besuch abgestattet – in der Hoffnung, danach besser einschätzen zu können, wie sie zu den Tierversuchen stehen, die dort gemacht werden.
In ihrem Wahlprogramm zur Landtagswahl 2011 hatten die Grünen in Baden-Württemberg ein Ende der Primatenversuche gefordert. Reinhold Pix, der tierschutzpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion, bleibt auch bei dieser Forderung: „Das heißt, dass ich diese Art von Tierversuchen an Primaten in der Neurokognitionsforschung aus ethischen Gründen ablehne und dass mein Ziel es ist, den Ausstieg aus dieser Grundlagenforschung voran zu treiben.“ Boris Palmer, Tübingens grüner Oberbürgermeister, sieht das anders: „Ich habe mich vor Ort davon überzeugt, dass diese Versuche medizinisch sehr wertvoll sind, dass sie Menschen Heilung in Aussicht stellen und auch schon Therapien hervorgebracht haben und dass die Affen nach bestem Wissen und Gewissen dort untergebracht sind. Deswegen kann ich die Kritik an diesen Affenversuchen nicht nachvollziehen.“ – Palmer hat sich längst an die Experimentatorenlobby verkauft – diese sei, nach seinen eigenen Angaben, die er uns gegenüber 2011 gemacht hat, auf ihn „zugekommen“. Daran gedacht, sich auch mit ExpertInnen der Gegenseite zu unterhalten, etwa mit jemandem von Ärzte gegen Tierversuche e.V., hat er nie (vgl. unseren Artikel Boris Palmer: „Affenversuche und Legebatterien sind legitim!).
Auch das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium und das Wissenschaftsministerium stehen beim Thema Affenversuche auf verschiedenen Seiten: Der grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde will sie möglichst abschaffen. Die grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer schützt eher die Forschungsfreiheit. Beide lehnen ein Interview zu dem Thema ab.
Cornelie Jäger, die Landestierschutzbeauftragte, gibt dem Deutschlandfunk gegenüber an, sie wolle im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums versuchen, eine für alle gangbare Lösung zu finden. Dabei sei ihr eines klar: „Im Augenblick besteht nicht die Möglichkeit, diese Tierversuche einfach zu unterbinden.“ Sie hofft aber, die Affenversuche langfristig beenden zu können. Mit der Tierschutzbeauftragten befinden wir uns deshalb zur Zeit in Gesprächen, nachdem sie von sich aus mit diesem Wunsch auf uns zugekommen ist.
Der Deutschlandfunk kommt zum Schluss: „Welche Schritte die Grünen in der Landesregierung in den nächsten Monaten und Jahren vorschlagen und wie sich der Koalitionspartner SPD dazu stellt, ist bundesweit von Interesse. Denn das Tübinger Forschungszentrum ist die größte von insgesamt sechs universitären Einrichtungen, die an den Gehirnen von Affen forschen – und ein Grund, warum Tübingen Eliteuni geworden ist.“
Seit 2009 ist mit der Kampagne Stoppt Affenversuche in Tübingen!“ einiges gegen die Experimente unternommen worden: Mahnwachen und Großdemonstrationen in Tübingen, kreative Aktionen, 60.000 Unterschriften gegen die Versuche wurden gesammelt. Sicher ist es dem politischen Druck, den wir damit aufgebaut haben, zu verdanken, dass die grüne Partei die Forderung nach dem Ende der Versuche in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat. Jetzt geht es darum, diese Forderungen gegenüber der Experimentatorenlobby durchzusetzen, die im Moment mit allen Mitteln versucht, die Landesregierung am Verbot der Versuche zu hindern. Gerade jetzt gilt es, ein deutliches Zeichen zu setzen, um den drohenden Bruch des Wahlversprechens zu verhindern! Am 4. Mai werden wir deshalb zusammen mit anderen Organisationen wieder eine Großdemonstration gegen die Versuche in Tübingen durchführen. Weitere Informationen folgen bald!

Zum Bericht des Deutschlandfunks: Wissenshunger versus Affendurst.





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