Offener Brief an Cornelie Jäger

Ein offener Brief an Dr. Cornelie Jäger mit der Aufforderung an sie, sich in ihrer Funktion als baden-württemberigsche Landestierschutzbeauftragte von der Pharma- und Tierexperimentatoren-Lobby nicht als nützliche Marionette missbrauchen zu lassen.

An:

Dr. med. vet. Cornelie Jäger,
Landesbeauftragte für Tierschutz
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
Kernerplatz 10
D-70182 Stuttgart

Tel. 0711-126-2450
cornelie.jaeger@mlr.bwl.de

Am 24. Juni lädt das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) zur öffentlichen Veranstaltung „Tiernutzung in der biomedizinischen Forschung: eine verdrängte Notwendigkeit?“ in der Universitäts-Kinderklinik.
Das Ergebnis des „Gesprächs“ steht bereits fest: Die angebliche Notwendigkeit von Tierversuchen wird vorausgesetzt, es soll lediglich darum gehen, „diese Notwendigkeit aus verschiedenen Perspektiven“ zu beleuchten – „auch aus der der Hilfe suchenden Patienten“. Und wer vertritt die „Sicht der Patienten“? Der Leiter des CIN, Prof. Dr. Hans-Peter Thier, sowie ein Seniorprofessor des CIN, Prof. Dr. Eberhart Zrenner – Personen, die persönlich Tierexperimente betreiben und unmittelbar von ihnen profitieren. Für die angeblichen „Belange der Ausbildung“ spricht der Tübinger Affenexperimentator Prof. Dr. Andreas Nieder, „ethische Erwägungen“ soll Dr. Dr. Karin Blumer anstellen, Lobbyistin der Novartis AG, Pharmakonzern und einer der größten Tierversuchs-Betreiber – eine einzige Farce. Und als ob die Lobby noch nicht stark genug verträten wäre, soll für die Industrie Dr. Jörg Luft von der Covance Laboratories GmbH in Münster sprechen. Auch Sie, Frau Jäger, sind eingeladen – Ihre Funktion wird von den Veranstaltern offensichtlich darin gesehen, dass Sie als Landesbeauftragte für Tierschutz einige Strohmann-Argumente anbringen sollen.
Es handelt sich also um eine PR-Veranstaltung wie aus dem Lehrbuch: Nachdem die Universität Tübingen aufgrund des „Exzellenzclusters“ CIN und der dort betriebenen Tierversuche zur „Eliteuniversität“ geworden ist, geht es nun darum, die Bedürfnisse der Massen auf die Interessen der Eliten, die von dieser Forschung profitieren, einzustimmen. Gearbeitet wird dabei mit überaus banalen Mitteln: Der Bevölkerung wird suggeriert, dass die Forschung, die am CIN durchgeführt wird, in ihrem Interesse stattfinde. So heißt es im offiziellen Ankündigungstext der Universität, es gehe „nicht zuletzt auch um Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten für Krankheiten“, und weiter: „Durch die Einbeziehung von Patienten mit ihren Nöten und Hoffnungen soll Menschen Gehör verschafft werden, die in eher theoretischen Grundsatzdiskussionen in aller Regel ausgeklammert bleiben.“ In geradezu perfider Art und Weise wird hier mit der Angst der Menschen vor Krankheit und Tod gespielt. Dies versuchen die Experimentatoren schon seit gegen die Affenversuche vorgegangen wird: Bereits am Tag der ersten Großdemonstration gegen die Experimente, am 18. April 2009, schaltete die „Neurowissenschaftliche Gesellschaft“, ansässig in Berlin-Buch, eine fast ganzseitige Anzeige in der Tübinger Lokalzeitung Schwäbisches Tagblatt, welche die Überschrift trug: „Tierexperimente sind in der neurowissenschaftlichen Forschung unverzichtbar: sie versprechen die Linderung menschlichen Leidens“. In der Anzeige wurde mit einfachen Mitteln – dem Abdruck eines Fotos einer Alzheimer-Patientin – suggeriert, die Alzheimer-Forschung sei auf Versuche mit Affen angewiesen. „Dieser Eindruck ist nicht richtig“, erklärte am 25. April 2009 der Alzheimer-Spezialist Prof. Mathias Jucker vom Hertie-Institut im Interview mit dem Tagblatt, und gab damit die kostspielige Anzeige der „Neurowissenschaftlichen Gesellschaft“ der Lächerlichkeit preis. Jucker selbst ist Tierexperimentator – er forscht über Alzheimer an Fliegen und Würmern.
Seit die Kampagne gegen die Affenversuche in Tübingen läuft, sind die Experimentatoren nicht dazu in der Lage, auch nur ein sachliches Argument für den angeblichen Nutzen ihrer Experimente anzuführen. Stattdessen verkaufen sie die Öffentlichkeit für dumm, indem sie zur Legitimation ihrer Experimente wild irgendwelche Krankheiten anführen – wahlweise Alzheimer, Parkinson, Krebs oder auch Schizophrenie –, die mit ihrer Grundlagenforschung rein gar nichts zu tun haben.
Sieht man von dem Nutzen für das wissenschaftliche Prestige und die Karrieren der Forscher selbst ab, kann keinerlei Begründung dafür angeführt werden, weshalb in Tübingen anderen Primaten das angetan wird, was, würde es beim Menschen passieren, Folter und Mord genannt werden würde. Der Tierarzt für Versuchstierkunde Dr. Franz Gruber kam beim Betrachten der Tübinger Versuchsaufnahmen, die das ZDF im Jahr 2009 gemacht hatte, zu dem Schluss, dass schon alleine das Fixieren im sogenannten „Primatenstuhl“ für einen Laboraffen erhebliches Leid bedeutet: „Er kann den Kopf nicht bewegen […]. Er sitzt eingepfercht im Stuhl. Das ist natürlich eine Belastung. Ich weiß es von Versuchspersonen, denen man den Kopf festgeschraubt hat, die haben alle nach 20 Minuten gesagt: Ich will hier raus! Das geht nicht!“ Was den angeblichen Nutzen ihrer Versuche angeht, so konnten die Experimentatoren nicht überzeugen, im Gegenteil – sie waren bisher nicht einmal in der Lage, sachlich richtige Argumente anzuführen, sondern haben sich mehrmals mit nachweislich falschen Tatsachenbehauptungen selbst diskreditiert. In unverantwortlicher Art und Weise versuchen sie außerdem, die Angst der Menschen vor Krankheiten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Worum es ihnen wirklich geht, darauf hat bereits im Jahr 2009 das ZDF-Magazin Frontal 21 aufmerksam gemacht: Nachdem es auf Erhebungen der Akademie für Tierschutz München hingewiesen hatte, die zeigen, dass die absolute Mehrheit von Tierversuchen keinen Nutzen für den Menschen bringt, urteilte es: „Es geht um viel Geld, wissenschaftliches Prestige und Karrieren. Für die Affen und all die anderen Tiere um ein ganzes Leben unter Qualen – für die zweckfreie Forschung!“ Für elitäre Interessen wird also in perfider Art und Weise mit der Angst von Menschen gespielt!
Unter dem politischen Druck, der durch die Kampagne Stoppt Affenversuche in Tübingen! aufgebaut wurde, nahm Ihre Partei die Forderung nach einem Ende der Affenversuche in Tübingen in ihr Wahlprogramm zur Landtagswahl 2011 auf: Die Experimente sollten „innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ganz beendet werden.“ Am 18. Oktober 2011 – inzwischen befanden die Grünen sich in der Regierungsverantwortung –, wurden die über 60.000 Unterschriften, welche gegen die Experimente gesammelt worden waren, der Landesregierung übergeben. Reinhold Pix, Landtagsabgeordneter und tierschutzpolitischer Sprecher der grünen Regierungspartei, war bei der Übergabe der Unterschriften am 18. Oktober zugegen und meinte: „In unserem Wahlprogramm hatten wir uns klar zu einem Ende der Affenversuche innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ausgesprochen sowie möglichst für eine Abschaffung der Tierversuche generell, zumindest aber eine jährliche Reduzierung um zehn Prozent. Unseren Bürgern und Wählern gegenüber sind wir hierzu nun verpflichtet und müssen diesen Regierungsauftrag umgehend erfüllen“. Am 16. November 2012, bei der Anhörung der Grünen mit dem Titel „Zwischen Tierschutz und Forschungsfreiheit: Primatenversuche und Alternativen“ im Stuttgarter Landtag gab Pix sich dann die Blöße, zuzugeben, dass die Grünen bei der Verankerung der Forderung nach einem Verbot der Affenversuche im Wahlprogramm ja nicht damit gerechnet hätten, in Baden-Württemberg tatsächlich in die Situation der Regierungsverantwortung zu gelangen.
„Eine Facette von Tübingen als Stadt der Affen ist der innere Zwist der grünen Regierungspartei“, hieß es am 23. Mai dieses Jahres, nach der dritten Großdemonstration gegen die Versuche in Tübingen, in einem in der Südwest Presse erschienenen Artikel. Nachdem Sie vom Schwäbischen Tagblatt mit der Aussage zitiert worden waren, Sie würden kein Votum dafür abgeben, dass alle Tierversuche eingestellt werden sollten, meldeten Sie sich per Leserbrief zu Wort, schrieben, Ihre Äußerungen seien „missverständlich wiedergegeben“ worden und stellten klar: „Ich befürworte Tierversuche nicht“.
Mit Ihrer Teilnahme an dem „Gespräch“, für dessen Teilnehmer die angebliche Notwendigkeit von Tierversuchen von vornherein feststeht – diese soll ausdrücklich lediglich noch „aus verschiedenen Perspektiven […] beleuchtet werden“ –, würden Sie Ihre Aussage revidieren und sich klar auf der Seite der Tierversuchsbefürworter positionieren.
Wir haben genug vom Tübinger „Affentheater“! Bevor diese Realsatire am 24. Juni in die nächste Runde gehen kann, fordern wir Sie dazu auf, Ihre Teilnahme an dieser offensichtlichen Propaganda-Veranstaltung des CIN abzusagen, sich in Ihrer Funktion als Landestierschutzbeauftragte nicht als Feigenblatt der Experimentatorenlobby missbrauchen zu lassen, und stattdessen endlich dafür zu sorgen, dass die Grünen ihr Wahlversprechen, die Abschaffung der Affenversuche, wahr machen!


5 Antworten auf „Offener Brief an Cornelie Jäger“


  1. 1 mr. x / mrs. x 18. Juni 2013 um 15:33 Uhr

    ihr miteuren streitereien!

  2. 2 mr. x / mrs. x 18. Juni 2013 um 16:02 Uhr

    lasst das bündnis in frieden

  3. 3 Michael Stoll 25. Juli 2013 um 20:57 Uhr

    Die Grünen sind angekommen. Sie haben ihre Ideale verraten für ein paar Pöstchen.
    Sie sind nicht mehr wählbar genau wie die anderen Parteisoldaten die nach einem Pöstchen drängen.
    Die Primatenforschung ist ein ganz ekelhaftes und verlogenes Thema.
    Tiere werden zu Experimenten herangezogen weil sie sich nicht organisiert wehren können und deshalb vogelfrei sind. Das ist die ethische Grundlage für alle Tierversuche.
    Eine Tierschutzbeauftragte sollte sich genau aus diesem Grund vor Ihre Schützlinge stellen und nicht mit scheinheiligen Argumenten entschuldigen.
    Das Leben eines Menschen ist nicht höherwertig als das eines Tieres. Dafür gibt es keinen einzigen Beweis oder Grund.
    Allein die Tatsache dass der Mensch in der Lage ist das Tier nach Laune zu fangen und zu quälen rechtfertigt ein solches Verhalten noch lange nicht.
    Wer sagt dass Tiere in Gefangenschaft und bei Experimenten nicht leiden ist dumm oder böse.
    Den Menschen unterscheidet vom Tier nur, dass der Mensch in der Lage ist Mitleid zu empfinden. Der Mensch dem das versagt bleibt, ist de Fakto ein Tier.
    Wer die Geschichte des dritten Reiches kennt und studiert hat, der weiß wie die Tierexperimentatoren ticken. Ihre Handlungsweise deckt sich zu 100% mit den Massenmördern der damaligen Zeit. Bis in alle Einzelheiten. Selbst Zyklon B wir noch zur Tötung von Versuchstieren eingesetzt, auch wenn davon abgeraten wird.
    Es ist nicht möglich verhaltensgestörte Menschen au diesem Bereich herauszuhalten sonst würde sich Niemand dazu hergeben.
    Aber man muss die Namen der Beteiligten und Ihre Handlungsweise öffentlich machen. Gerade auf diesem Gebiet ist die allseits eingeforderte Transparenz wichtig.
    Wenn Peta beginnt Stellungnahmen zu ethische Grundlagen von Tierversuchen von der Politik einzufordern, hört das ganz schnell auf.

  4. 4 Ei der Daus 30. Juli 2013 um 15:04 Uhr

    Ihr seid echt solche Spassvoegel. Ich koennte jetzt eine ellenlange Liste mit /tu quoque/ Argumenten anfuehren (von wegen einseitiger Berichterstattung oder Vereinnahmung der Oeffentlichkeit mit unlauteren Mitteln, usw).

    Ich bitte den geneigten Schreiber, nur mal dieses Video anzugucken und den Menschen, der dort spricht, zu fragen woher die Technik, die ihm hilft, gekommen ist.

    Ich hab das Video uebrigens zufaellig neulich auf Reddit gefunden. Das ist, soweit ich das sehen kann, kein Schauspieler der von der Lobby bezahlt wird o.ae. Man weiss ja nie, was fuer Verschwoerungstheorien alles so ins Kraut schiessen in euerlei Kreisen.

    http://youtu.be/uBh2LxTW0s0

    http://www.reddit.com/r/WTF/comments/1grr7c/i_have_had_deep_brain_stimulation_surgery_for/

    Aber nee, das spielt keine Rolle, oder?

  5. 5 Michael Stoll 09. Juni 2014 um 21:29 Uhr

    Hallo Ei der Daus,

    Wer sagt denn dass der Hirnschrittmacher das Ergebnis von Tierversuchen ist.
    Wenns den Flächendeckend gibtdann müsste man ein paar hundert Tierexperimentatoren einsperren die immer noch diesem Hirnschrittmacher hinterher experimetieren.
    Es gibt genauso viele Experten die behaupten, dass sich das Affenhirn für diese Forschung nicht eignet wie umgekehrt.
    Selbst wenn es so wäre hat der Mensch nicht das Recht einfach ein Tier gefangen zusetzten und an Ihm Experimente durchzuführen.
    Woher nimmt er sich das Recht? Er hat kein Recht, aber die Gewaltbereitschaft dazu und die Möglichkeit.
    Und es ist nur eine Frage der Legalität ob er an Menschen oder Tieren herumschneidet. Das zeigt die Geschichte der menschheit ganz allgemein. Das sind für ein zivilisiertes land mit unserer vergangenheit unerträgliche Zustände.
    Das nächste ist, dass Menschen die das Tieren antun können, einfach krank und gefährlich sind.

    Ich will die mit Steuergeldern nicht bezahlt haben.
    Ich bin in keinen Kreisen sondern ein normaler Mensch mit normalen Ansichten. Allerdings glaube ich schon, dass es hier nur schwarz oder weiß gibt.

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