Angela Davis über Veganismus als Teil einer revolutionären Perspektive

Angela Davis

Im Februar 2012 hat die US-amerikanische Bürgerrechtlerin und marxistische Philosophin Angela Davis öffentlich dafür plädiert, Tierbefreiung als notwendigen Teil linker Gesellschaftskritik zu begreifen. Das entsprechende Video gibt es auf der Website von Assoziation Dämmerung.
Im März desselben Jahres führte sie ein an der University of California in Berkeley ein Gespräch mit Grace Lee Boggs mit dem Titel „On Revolution“, in welchem sie abermals auf das Thema einging. Wir wollen hier einige Sätze daraus übersetzt wiedergeben; der englische Original-Text ist hier einsehbar.

„Ich denke, das Feld der Ernährung wird die nächste große Arena für unsere Kämpfe bilden. Ich bin manchmal wirklich enttäuscht, dass viele unter uns sich für so radikale Aktivisten halten, aber gar nicht darauf kommen, über das Essen nachzudenken, das wir unseren Körpern zuführen. Wir realisieren nicht das Ausmaß, wie sehr wir in den gesamten kapitalistischen Prozess eingebunden sind dadurch, dass wir unkritisch an jener Lebensmittel-Politik partizipieren, welche uns von den großen Konzernen aufgetischt wird. Ich erwähne normalerweise nicht, dass ich vegan bin, aber da habe ich mich entwickelt… Ich denke, dass es der richtige Moment ist, darüber zu sprechen, weil es Teil einer revolutionären Perspektive ist – wie können wir nicht nur zu Menschen ein Verhältnis entwickeln, das von Mitgefühl geprägt ist, sondern wie können wir ein empathisches Verhältnis auch zu den anderen Lebewesen entwickeln, mit denen wir diesen Planeten teilen, und das würde bedeuten, der gesamten kapitalistischen industriellen Art der Nahrungsmittelproduktion eine Kampfansage zu machen. […] Die meisten Menschen denken nicht über die Tatsache nach, dass sie Tiere essen. Wenn sie ein Steak essen oder Hühnerfleisch, denken die meisten Menschen nicht über das enorme Leid nach, das diese Tiere ertragen, nur um Lebensmittel-Produkte zu werden, damit sie von Menschen konsumiert werden können. Ich denke, dass die fehlende kritische Auseinandersetzung mit der Nahrung, die wir essen, demonstriert, wie sehr die Warenform die primäre Art und Weise geworden ist, mit der wir die Welt wahrnehmen. Wir gehen nicht über das hinaus, was Marx den Tauschwert des tatsächlichen Objektes genannt hat – wir denken nicht über die Verhältnisse nach, die dieses Objekt verkörpert und die maßgeblich für den Produktionsprozess dieses Objekts waren, ob es sich dabei nun um unser Essen, unsere Kleidung, unsere iPads oder alle anderen Dinge handelt, die wir verwenden, um eine Ausbildung an einer Institution wie dieser zu erwerben. Das würde wirklich revolutionär sein, eine Gewohnheit zu entwickeln, sich die menschlichen und nichtmenschlichen Verhältnisse hinter all den Objekten, die unsere Umwelt bilden, vorzustellen.“ – Angela Davis.





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