Frigga Haug: Die 4-in-1-Perspektive – Rekapitulation eines Vortrags

Bereits am 7. Mai 2013 veranstaltete iL Tübingen, die hiesige Gruppe des bundesweiten Zusammenschlusses interventionistische Linke, einen Vortrag zur „4-in-1-Perspektive“ von und mit Frigga Haug (hier gibt es den Vortrag zum Nachhören). Die Veranstaltung stand auch im Zeichen der Mobilisierung zu Blockupy 2013.1 Wir wollen den Vortrag an dieser Stelle noch einmal rekapitulieren.

Da die „4-in-1-Perspektive“ den Anspruch hat, feministische wie kommunistische und radikal-demokratische Forderungen zusammenzubringen und weil einige von uns Blockupy-Erfahrung und/oder -Interesse mitbrachten, waren mehrere unser AktivistInnen dort. Was genau hinter der 4-in-1-Perspektive steckt, konnte sich zuvor niemand von uns vorstellen.

Mit dem Untertitel „Block crisis regime, occupy acitivity: Gegen die Verarmungs- und Privatisierungspolitik der EU – Eine andere gesellschaftliche Verteilung von Zeit erkämpfen“ warb die iL Tübingen für ihre Veranstaltung mit der bekannten marxistischen Feministin Frigga Haug. Gemeinsam mit lokalen Gewerkschafts-, Aktions- und Parteigruppen lud sie in die Neue Aula der Universität.

Die mittlerweile 77-jährige Berlinerin war in den 60ern beim SDS (Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband) aktiv, gibt die sozialistische Zeitschrift „Das Argument“ heraus und ist seit 1968 auch in verschiedenen feministischen Zusammenhängen aktiv. Dass sie sowohl das „Historisch-kritische Wörterbuch des Marximus“, wie auch das „Historisch-kritische Wörterbuch des Feminismus“ mitherausgibt, zeigt, dass sie sich mit dem Versuch der Überwindung der Grenzen dieser Ansätze beschäftigt.

Ihren Vortrag begann sie mit einer Interpretation des Marx-Zitates über den Menschen: „Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus.“ Während sie einerseits klarlegte, dass es sich um ein Missverständnis handelt, da Marx im Kontext mit „Zuhause“ die Utopie meint, welche nicht mit „Arbeit“ im heutigen Sinne einhergehen kann, teilt sie auch den feministischen Protest gegenüber der falsch verstandenen Parole, weil deren falsches Verständnis auf einen Arbeitsbegriff hindeutet, der jegliche Hausarbeit, Erziehungsarbeit und Beziehungsarbeit vollkommen ausblendet.
Als aktuelles Beispiel dieser Auffassung erwähnt sie einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), in dem drei Gruppen aufgezählt werden, die noch „beschäftigt“ werden müssten, um die Vollbeschäftigung erreichen zu können: Alleinerziehende Frauen, Frauen mit Kindern bis zu drei Jahren (auch mit PartnerIn) und Frauen zwischen 51 und 64. Es handelt es sich um kein Missverständnis, dass der Autor des FAZ-Artikels gerade die am meisten mit Arbeit belasteten Personengruppen als „arbeitslos“ ansieht.

Da Haug in der einfachen Erweiterung des Arbeitsbegriffs keine Lösung sieht – die vorübergehende feministische Strategie, die sich in der Parole „Bezahlung von Hausarbeit“ niederschlägt, führe nämlich zu einer vollendeten Monetarisierung des Privatlebens und wäre nicht umsonst sogar von der CDU aufgegriffen worden – , suchte sie andere Wege.2 In der 4-in-1-Perspektive versucht sie feministische wie auch marxistische Forderungen zusammenzubringen und daraus eine Perspektive zu konstruieren, unter der Fatima- und Otto-Normal-Mensch sich etwas vorstellen kann.
Aus der ArbeiterInnen-Bewegung nimmt sie die Forderung nach einer radikalen Arbeitszeitverkürzung zu täglich vier Stunden Lohn- oder Produktionsarbeit, wobei sie betont, dass vier Stunden am Tag eigentlich zu viel seien und eine sozialistische Gesellschaft mit weitaus weniger auskommen würde. Als Forderung aus der Frauenbewegung nimmt sie als zweites aber auch den Anspruch von vier Stunden Reproduktionsarbeit für jede und jeden (!) auf. Bisher wird diese Arbeit immernoch großteilig nur von Frauen geleistet, meistens ohne jede Anerkennung und häufig bei zusätzlicher Belastung durch den dazukommenden Zwang zur Lohnarbeit. Da „Reproduktionsarbeit“ aber einen Begriff aus der Perspektive des Kapitals darstellt, vermeidet sie ihn, schließlich ist die Reproduktion von Arbeitskraft gemeint, also sowohl das Entspannen der/des ArbeiterIn um für den nächsten Arbeitstag fit zu sein, als auch das Aufziehen von Kindern als die Arbeitskräfte der Zukunft. Stattdessen spricht sie lieber von „Lieben, Hegen, Pflegen“, wo sonst von Reproduktionsarbeit gesprochen wird und betont, dass Arbeit die heute in der Form von Lohnarbeit geleistet wird, z.B. Krankenpflege, eher in die erste Kategorie von Lohnarbeit gehört, weil sie entsprechend mit Stress und Entfremdung verbunden ist.
Als drittes nimmt sie eine demokratische Forderung mit auf, wobei allerdings nicht der „Demokratie“-Begriff gemeint ist, der durch den Missbrauch durch parlamentarisch-kapitalistische Regimes der EU und USA geprägt ist. Diese real existierenden Demokratien haben mit wirklicher Demokratie ähnlich wenig zu tun, wie der real existierende Sozialismus der UdSSR mit wirklichem Sozialismus, weshalb manche lieber von Basis-Demokratie, Radikaldemokratie, Rätedemokratie oder Anarchismus sprechen. Haug fordert nämlich vier Stunden „Politarbeit“ täglich für alle, was sie als notwendig bezeichnet, damit sich ein System selbst „demokratisch“ nennen kann. Wenn zu Polit-Arbeit gehört, sich vernünftig über die Welt zu informieren, wird klar, wie recht sie hat. Schließlich haben selbst im antiken Griechenland die Bürger*3 mehr demokratische Rechte gehabt und mehr mitbestimmen können, als es heutzutage in modernen „Demokratien“ der Fall ist. Denn dort wurden damals Entscheidungen unter allen Bürgern* der Stadt getroffen, weshalb diese teilweise in riesigen Stadien diskutiert wurden.

Als letzte der vier Forderungen plädiert Haug für vier Stunden Muße, Selbstverwirklichung und Kreativität am Tag. Dazu kann das Lernen von Instrumenten, Sprachen, künstlerische oder kulturelle Projekte, Spiel, Spaß und jede andere Form von Selbstentfaltung gehören. Im Gegensatz zu den drei anderen Forderungen ist diese offenbar nicht einer einzelnen Bewegung zuzuorden, jedoch ein wichtiges Element der Mensch-Werdung, welches zur Zeit breiten Bevölkerunggruppen vorenthalten wird.
Aus der Sicht einesR Einzelnen könnte so jeder Tag (oder Wochentag?) 16 Stunden dieser je vier Wachtätigkeiten umfassen, womit die restlichen acht Stunden Zeit zum Schlafen übrig wären.
Natürlich ist das keine konkrete Forderung, die genau so eingefordert werden kann, und schon gar keine individuelle Forderung, die von einzelnen so umgesetzt werden soll. Vielmehr handelt es sich um eine Art „Richtungsforderung“ (siehe dazu den Artikel in der arranca!) die mehrere Bewegungen zusammenbringen könnte und ihren Einzelforderungen eine gemeinsame Basis verleihen würde. Also als ein mittelfernes Ziel, ein Stück Utopie, auf das aber konkrete Kämpfe eingehen können, um Stück für Stück Befreiung zu erreichen.

Den zweiten Teil ihres Vortrags widmete Frigga Haug dem „Herrschaftsknoten“. Dieses Bild soll verdeutlichen, dass die verschiedenen Herrschaftsstränge nicht hierarchisch angeordnet seien, sondern miteinander „verknotet“ sind. Damit widerspricht Haug der gängigen (aber falschen4) Interpretation der Haupt-Nebenwiderspruchsthese, in der der Widerspruch „Arbeit-Kapital“ der einzige zentrale sei und eventuelle weitere Widersprüche hierarchisch gegliedert nachfolgen würden. Herrschaft sei vielmehr ein Knoten aus mehreren vielfältigen Herrschaftsstrukturen, die gerade durch ihren gegenseitigen Zusammenhalt der Herrschaft die unerfreuliche Stabilität verleihe. Das Bild des Knotens ermöglicht weiter anzudeuten, wie diese Herrschaft auflösbar sei: es muss an den verschiedenen Herrschaftsideologien gleichzeitig gezogen werden, denn das Ziehen an nur einem Strang verfestige den Knoten nur.
Also, konkret gesprochen, wenn nur gegen Sexismus oder nur gegen Kapitalismus gekämpft würde, könnte sich der Herrschaftsknoten dadurch sogar verfestigen. Ein Kampf gegen alle diese Herrschaftsformen gleichzeitig sei daher notwendig.
An dieser Stelle scheint Haug aber selbst wieder vier Widersprüche gewählt zu haben, wobei andere unter den Tisch fallen. Eine Frage aus dem Publikum zielte in diese Richtung: Wo denn bei dieser Überlegung der „Trikont“5 bleibe. Haug scheint diesbezüglich eine modernere Auffassung zu haben. Den Menschen im „Trikont“ würde das Konzept ebenso vorgestellt wie allen anderen und sie hätte viele positive Rückmeldungen dazu auch von dort bekommen.

Eine antispeziesistische Betrachtung

Nun folgt natürlich die Frage, wie wir AntispeziesistInnen und TierbefreiungsaktivistInnen diesen Vortrag bewerten. Zunächst können wir uns ähnlich wie die Nachfrage um die Bewegungen des globalen Südens darüber beklagen, dass die Idee der Tierbefreiung, sowie alle Bewegungen um Ökologie in diesem Konzept einen nur sehr marginalen Platz einnehmen. Aus dem Vortrag kann herausgehört werden, es gehe beim „Lieben, Hegen, Pflegen“ es um die „Reproduktion“ von Mensch und Natur, hier wurde also der Widerspruch Geist-Natur, der oft Kennzeichen speziesistischer Ideologie ist, implizit genannt.6 An dieser Stelle würden wir aber hervorheben, dass es nicht um den Stolz einer Einzelbewegung gehen darf, im Mittelteil genannt zu werden, sondern eher betonen, dass die praktischen Folgen dieser Forderung eine der direktesten Wege zur gesamtgesellschaftlichen Tierbefreiung darstellt, da alle vier Bereiche indirekt zur Tierbefreiung beitragen:
1. Wenn die Ausbeutung der Menschen bekämpft wird, liegt die Bekämpfung der Ausbeutung der nichtmenschlichen Tiere7 nahe. Eine radikale Arbeitszeitverkürzung, die nur über die Aufhebung der kapitalistischen Wirtschaft möglich ist, bringt voraussichtlich auch die kapitalistische Ausbeutung der Tiere ins Wanken.
2. Wenn „Lieben, Hegen und Pflegen“ Teil des Lebens eines jeden Menschen wird, ist die massenhafte Haltung und Tötung von Tieren unwahrscheinlicher, da regelmäßig praktiziertes Einfühlungsvermögen die Menschen prägt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dieses auch auf andere Tiere anzuwenden. Nicht ohne Grund leben Frauen doppelt so häufig vegetarisch als Männer, sind sie doch die, die in dieser Gesellschaft früh auf die unbezahlten Pflegearbeiten in der Familie vorbereitet werden, während Männern früh Empathielosigkeit und Härte (z.B. als „coolness“) als „männliche“ Werte suggeriert wirden.
3. Die Zeit für politische (Selbst-)Bildung und politische Mitbestimmung ermöglicht auch viel größere Verbreitung der Tierbefreiungsidee. Verdeckte Missstände, wie die „Nutztier“-Haltung und -Schlachtung, könnten nicht mehr so leicht der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Erst wenn Entscheidungen auch gemeinsam getroffen werden, können die Menschen Verantwortung für ihre Mitmenschen, Tiere und die Umwelt übernehmen. Wie das heutige parlamentarische Regime funktioniert, wird am Beispiel der Grünen deutlich: Eine Partei wird nur dann für regierungsfähig empfunden und von der Presse entsprechend behandelt, wenn sie fast allen ihren Idealen abschwört. Einmal an der Macht, sorgen dann Lobbygruppen und Korruption dafür, dass kaum was aus dem Wahlprogramm oder dem Koalitionsvertrag übrig bleibt: Auslandseinsätze, Harz IV, Stuttgart21, die Affenversuche in Tübingen…
4. Letztlich gibt auch die Zeit der Muße dem Menschen die Möglichkeit sich über alles mehr Gedanken zu machen und eine – heute sehr seltene – Ausgeglichenheit zu erreichen; das sind zwei Faktoren, die dem Töten und dem Töten-Lassen (auch) von Tieren entgegenstehen. Die ständige Arbeitsüberlastung des Großteils der Bevölkerung begünstigt dessen gewaltvollen Konsum, der sowohl dem eigenen Geist und Körper schadet, als auch die unter schlechten Bedingungen Produzierenden, die Tieren und die Umwelt mehr oder minder zu Grunde richtet.

Die Idee, dass alle Kämpfe zugleich geführt werden müssen, scheint uns in keinster Weise neu zu sein. Bereits in dem von uns organisierten Vortrag mit Andre Gamerschlag zu „Unity of Oppression“ und „Intersektionalität“ im Oktober 2011 wurde von der langen Geschichte dieser Überlegungen, begonnen von den Black Feminists in den 70ern, erzählt. Die Überlegungen scheinen aber in die etablierte Linke, Linkspartei, Attac, Gewerkschaften, in denen Frigga Haug unterwegs ist, noch wenig Eingang gefunden zu haben. Deshalb ist es wohl wichtig diese Idee in diesem Umfeld zu verbreiten und das tut sie ganz elegant mithilfe vieler Zitate von Luxemburg, Bloch und Gramsci.
Im Gegensatz zu Gamerschlag scheint Haug dabei allerdings nicht den Verdacht nahe zu legen, jegliche Aktualität des Kapitalismus zu vernachlässigen und aus einer komplexen Verschachtelung von Herrschaftsformen eine bloße Aneinanderreihung zu unternehmen.
Leider müssen wir allerdings bei Frigga Haug auf die Anerkennung der Ausbeutung der Tiere leider ganz verzichten. Kein einziges Mal wurde Tierausbeutung im Vortrag explizit genannt. Dennoch ist in ihrem Prinzip, wie Kämpfe zusammengebracht werden, die Einbindung von Tierbefreiung möglich und für uns nur logisch und konsequent.

Auch das Bild des Herrschaftsknotens hat für uns etwas Neues und Erfrischendes: Die ‚Lösung des Knotens‘ macht das Zusammenspiel unserer Kämpfe nochmal etwas bildlicher. Wenn es um konkrete Ansätze ging, forderte Haug mehr die Kreativität der Aktiven, als dass sie selbst ausgeklügelte Konzepte anzubieten hatte. „Ihr seid doch in den Bewegungen aktiv; also überlegt ihr doch, wie das funktionieren könnte!“ war ihre Botschaft, sowie der Ansatz, „an allen Punkten gleichzeitig“ anzusetzen. An dieser Stelle hätten wir uns doch mehr Hinweise erhofft.

Tatsächlich ließe sich aber aus unserer Erfahrung als politisch aktive Gruppe einiges zum Problem des Herrschaftsknotens berichten. Das fängt immer dann an, wenn es darum geht alle Bewegungen im Blick zu haben, auch wenn es für die Effektivität einer Gruppe praktisch unabdingbar ist, konkret ein Thema in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. So können wir unsere Bemühungen bei Infotagen und Demonstrationen zu Tierversuchen nennen, die regressiven Tendenzen, die es, wie in jeder auch in unserer Bewegung gibt, zu bekämpfen: gegen die sexistischen Werbeplakate für Tierrechte von Peta, Verhinderung von Holocaustvergleichen durch EinzelaktivistInnen und offensives Vorgehen gegen faschistische Forderungen wie „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder!“.

Außerdem versuchen wir in unseren Texten und Überlegungen, verschiedene soziale und ökologische Kämpfe miteinander zu verbinden und so diesen „Herrschaftsknoten“ zu lösen: So die Verbindung von Tierversuchen und Militärforschung, die vielfältigen gemeinsamen Kämpfe des Feminismus mit dem Antispeziesismus, als auch unsere Versuche Antispeziesismus mit Antikapitalismus zu verbinden. TierrechtsaktivistInnen auf Blockupy Frankfurt mit den Flyern zu Krise und Tierausbeutung, wir auf der Demo zum Mössinger Generalstreik, unsere Redebeiträge und Broschüren zu den letzten Weltfrauentagen und nicht zuletzt das theorie.org-Buch Antispeziesismus sind Beispiele von Versuchen, den „Herrschaftsknoten“ zu lösen, bzw. den Kampf für allgemeine Befreiung vor Ausbeutung und für Selbstbestimmung weiterzuführen.

Über diese Anfänge von Theorie und Praxis sind wir aber noch nicht sehr weit hinaus gekommen. Noch ist Antispeziesismus in den anderen sozialen/ökologischen Bewegungen marginal, und noch sind antikapitalistische Ideen dem Großteil der Bevölkerung fremd. Eine Fortführung unserer Theoriearbeit bei gleichzeitiger Entwicklung von Perspektiven daraus sehen wir als unbedingt notwendig an. Der 4-in-1-Ansatz ist dazu ein guter Schritt in die richtige Richtung und eine Hilfe beim Versuch, sich mit anderen sozialen- und Umweltbewegungen zu einer revolutionären Kraft zu verbinden, ähnlich übrigens wie das Konzept der Commons (siehe den Artikel in der arranca!) oder der Sozialen Infrastruktur. Wie zu erwarten war, ist die 4-in-1-Perspektive für uns allerdings auch nicht mehr als ein Schritt.

  1. Infos zur Veranstaltung auf Homepage der iL-Tübingen: http://il-tue.mtmedia.org/veranstaltungen.
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  2. Zu dieser Diskussion ein interessanter Rückblick in der Zeitschrift „Grundrisse“: http://www.grundrisse.net/grundrisse37/Lohn_fuer_Hausarbeit.htm. [zurück]
  3. Wir schreiben „Bürger*“ um zu betonen dass dier Begriff des Bürgers nicht dem heutigen entspricht und Frauen, Sklaven und Nicht-Griechen ausgeschlossen waren. [zurück]
  4. „Trikont“ meint die drei kolonisierten Kontinente (Latein-)Amerika, Afrika und Asien, wenn die abwertende Bezeichnung „dritte Welt“ vermieden werden soll. Der Begriff ist nicht mehr sehr gebräuchlich, inzwischen wird eher „der globale Süden“ gesagt. [zurück]
  5. Zum Geist-Natur-Dualismus gibt es einen Vortrag von Susan Witt-Stahl unter http://vimeo.com/66107702. [zurück]
  6. Unserer Anschauung nach hierarchisiert die marxistische Basis-Überbau-Theorie nicht die Widersprüche. [zurück]
  7. Obwohl, wenn „Tiere“ gesagt wird, eigentlich „nichtmenschliche Tiere“ gemeint sind – schließlich sind Menschen ja auch Säugetiere –, bleiben wir aus Verständlichkeitsgründen beim in der Gesellschaft etablierten Begriff der „Tiere“. [zurück]
  8. Rein moralisch liegt die gleichwertige, aber aber einfach nebeneinanderliegende Aufzählung aller Herrschaftsformen nahe: Alle sind gleich wichtig und keinem „Opfer“ einer dieser Formen soll erzählt werden, ihr/sein Leid sei unwichtiger. Um aber Analysen und Strategien anfertigen zu können, müssen wir uns deutlich machen, dass die liberale Ideologie und die neoliberalen Akteure selbst ein Interesse daran haben, „Diskriminierungen aller Art“ zu bekämpfen und die Hierachisierung alleine auf Leistungs- und Eigentumsfragen zu verlagern. Deshalb versuchen auch staatlich geförderte Gleichstellungsbeauftragte wie Anti-Diskriminierungs-Ämter daran zu arbeiten, dass nur noch Kapital und Leistung zählt. Wenn Kapitalismus bekämpft werden will, müssen sich andere strategische Prämissen ergeben, als wenn nur die rein moralische Verurteilung das Ziel sein soll. Dafür wäre die bloße Aufeinandereihung ausreichend. Deshalb müssen wir als Linke und Antikapitalisten uns ein Stückweit auf Kapitalismus als dominante und dominanter werdende Herrschaftsform einstellen.[zurück]
  9. Quelle: taz vom 4.1.2014, http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2014%2F01%2F04%2Fa0154. [zurück]

1 Antwort auf „Frigga Haug: Die 4-in-1-Perspektive – Rekapitulation eines Vortrags“


  1. 1 Icke 27. Januar 2014 um 21:04 Uhr

    Im Zusammenhang mit der Lohnarbeit passt das hier:

    „Derweil wünschen sich viele Beschäftigte einer Umfrage der IG Metall zufolge eine 30-Stunden-Woche. Viele würden gern einen Tag weniger in der Woche arbeiten, sagte der Vize-Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, der »Welt« vom Montag. Der deutliche Wunsch nach leicht abgesenkten Arbeitszeiten sei »auffällig« gewesen, die Vereinbarkeit von Beruf und Leben werde immer wichtiger. »Wir brauchen eine neue Debatte über Arbeitszeit.« An der Umfrage beteiligten sich den Angaben zufolge eine halbe Million Menschen – ein Drittel davon waren keine Mitglieder der Gewerkschaft.“

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/922157.ausnahmen-vom-mindestlohn-traefen-zwei-millionen.html

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