Archiv für Juli 2014

Neuerscheinung: „Antifa heißt Luftangriff!“

Ende Juni ist ein Sammelband erschienen, dessen Beiträge aktuelle Entwicklungen eines Antifaschismus analysieren, der sich zwar revolutionär gibt, doch zunehmend systemfromm und affirmativ ist. Die Herausgeber, Susann Witt-Stahl und Michael Sommer, weisen darauf hin, dass Antifaschismus und Antikapitalismus für die Linke traditionell zusammengehören. Doch, so heißt es in der Buchbeschreibung, „seit den 1990er-Jahren verschieben sich die Fronten: Nazi-Gegner unterstützen die imperialistischen Kriege der NATO. Historische wie gegenwärtige antikapitalistische Bewegungen – von KPD bis Blockupy – dagegen diskreditieren sie mit abstrusen Antisemitismusvorwürfen. Den Ausbau des Westens zu einem autoritären Hochsicherheits- und Überwachungsregime erkennen sie nicht als reale Gefahr. Wenn Nazis morgen, wie im Fall NSU, reicht die Fantasie meist nur für ein NPD-Verbot. Auf die drohende Machtübernahme von militanten Nationalisten in der Ukraine und die Kollaboration der Bundesregierung reagiert die Mehrheit der deutschen Anftifaschisten bestenfalls mit Schweigen. Susann Witt-Stahl, Michael Sommer und andere marxistische Autoren unterziehen diese Regression einer genuin revolutionären Bewegung einer gründlichen Analyse und Ideologiekritik.“

Mit Beiträgen von Moshe Zuckermann, Jürgen Lloyd, Wolf Wetzel, Eberhard Schulz, Matthias Rude, Maciej Zurowski.

Im Beitrag unseres Aktivisten Matthias Rude, „Nie wieder Faschismus“ – immer wieder Krieg. Ein bürgerliches Trauerspiel in drei Akten wird nachgezeichnet, wie seit dem Ende des realsozialistischen Experiments einige deutsche Linke selbst eine politische „Wende“ vollzogen und in den Chor der neoliberalen Kriegstreiber eingestimmt haben, die längst gelernt haben, die Durchsetzung ihrer Interessen als „humanitäre Interventionen“ zu kaschieren; seither werden uns die Kriege der Herrschenden als „antifaschistisch“ verkauft.

Auf kritisch-lesen.de findet sich eine Rezension des Bandes: Christin Bernhold: Killing Antifaschismus softly.

Das Buch ist in der Theorie-Reihe des Laika-Verlags erschienen.

Sexistische Grillsaison


Lidls sexistische Werbung: Profit auf Kosten von Frauen und Mädchen, mithilfe der Triebe manipulierter Hetero-Männer.

Die Themen Sexismus und Fleischkonsum haben eine traditionelle Verbindung. Es ist nur eine Facette davon, dass doppelt soviele Frauen im deutschsprachigen Raum vegetarisch leben wie Männer. Die Sprache des Jägers, der dem zum Objekt gemachten Wildtier nach dem Leben trachtet, wird seit jeher vom patriachalen und sexistischen Mann, der die Frau zum Objekt im sexuellen Verhältnis machen will, verwendet: Ledige Frauen und Mädchen sind dann „Freiwild“, im Männerbund der „Schürzenjäger“ wird von „Hasenjagd“ gesprochen usw. Andersherum kommen einige sexistische Schimpfworte aus der Jagd, so ist das „Luder“ ein als „Lockmittel“ verwendetes weibliches Wildtier und die ebenfalls als Lockmittel verwendete „Schnalle“ ist das aus ihr herausgeschnittene Geschlechtsteil.

Heute wird der Fleischkonsum durch die massive Bewerbung des „Grillens“ massiv gesteigert. Auch da wird an „ur-männliche“ Werte appeliert. So ist Sexismus und Grillen in der diesjährigen Lidl-Werbung eine prominente Kombination (siehe Bierfass).

Lidl geriet über die sexistische Bierfassgestaltung in Kritik, den Verlauf und Umgang damit kommentierte die antisexistische Initiative Pinkstinks. Lidl wirbt in ihrem Prospekt mit alten Männerbildern: harte Cowboys, die „ihr“ Fleisch grillen und dabei männertypische Preise gewinnen können. Für Frauen wird extra mageres Fleisch oder Fisch angeboten.

Ein weiteres Kuriosum jenseits des Abgrundes männlicher „Fleischeslust“ ist das Männermagazin Beef!. Während es zu 90% einfach nur Fleischwerbung darstellt, wird auch mit anderen „Männerthemen“ in Verbindung mit Feisch gelockt.

Diese Männerzeitschrift macht selbst nochmal ihre Verbindung zwischen Sexismus und Speziesismus überdeutlich: Die Frau wird ebenso wie das Fleisch als (Konsum-)Objekt des männlichen Subjekts nahegelegt.

Wer gerne etwas tiefer in dieses Thema einsteigen will, dem seien die großartigen Broschüren der inzwischen leider verstorbenen Birgit Mütherich, die im Jahre 2004 von der Autonomen Tierbefreiungsaktion Hannover herausgegeben wurden, wärmstens empfohlen. Mit einem Schwenk über die Geschichte der monotheistischen Religionen bis ins 19.Jahrhundert arbeitet sie elegant und unterhaltsam geschrieben die Grundzüge der drei bekanntesten Unterdrückungsideologien – Rassismus, Sexismus und Speziesismus – und den diesen zugrunde liegenden Geist-Natur-Dualismus heraus.



Auch wenn die Broschüren sich teilweise überschneiden sind sie doch jeweils sehr lesenswert:
Die soziale Konstruktion des Anderen (.pdf)hier auch als Fließtext befasst sich eher explizit noch mit Rassismus und Sexismus, während „Speziesismus, soziale Hierarchie und Gewalt (.pdf)“ mit extra Kapiteln zu Speziesismus und der westlichen Kultur aufwartet. Beide sind im Broschürenformat gespeichert und daher zwar druckfertig aber am Bildschirm etwas schwerer zu lesen.




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