Animal Music

Das Thema der neuen Melodie und Rhythmus ist „Tiere & Musik“.

In der Musik dienen Tiere häufig als Sujet- und Metapher-Lieferanten. Elvis‘ „Hound Dog“ wurde ein Hit, Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ weltberühmt. Aber viele Künstler protestieren auch gegen den grausamen Umgang mit Tieren in der kapitalistischen Gesellschaft und waren kulturelle Geburtshelfer der internationalen Animal-Liberation-Bewegung. Und die Wissenschaft hat die Tiere längst als Kunstschaffende entdeckt.

Aus dem Editorial von Susann Witt-Stahl:

In einer allein auf Profitmaximierung gebürsteten Lebens- und Konsumgüterproduktion sind die vitalen Interessen der vielen Milliarden Lebewesen, die als Eier-, Milch- und Fleischmaschinen ausgebeutet und »verbraucht« werden, nicht mal mehr einen Dreck wert. Tiere werden nur noch als amorphe Verfügungsmasse behandelt. Das hat viel mit der Selbstentfremdung des Menschen in der kapitalistischen Industriegesellschaft zu tun. Wir haben schlichtweg vergessen, dass wir selbst eine animalische Spezies sind. Dass das Dasein von Menschen und Tieren gleichermaßen an die unabdingbare materielle Grundbedingung der Existenz eines unversehrten Körpers gebunden ist, haben Popmusiker der Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder ins Gedächtnis gerufen. »Don’t Kill the Animals!«, forderten Lene Lovich und Nina Hagen (der wir übrigens in dieser Ausgabe ein Ständchen zum 60. Geburtstag bringen) 1986. »If they were meant to be eaten / They’d be growing on trees.« Ihr musikalischer Aufstand gegen die alltägliche Tierschinderei wurde zum Welthit. Aber es geht nicht nur um Protest – sondern auch um Verständigung: Der Musicalheld Doktor John Dolittle (seine Expertisen dürfen freilich in diesem Heft nicht fehlen) beherrscht 498 Tiersprachen. Von ihm können wir lernen, wie Menschen und Tiere wieder miteinander »ins Gespräch kommen« können. Neben Liebe und Empathie ist die Musik – die sinnlichste aller künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten – die Sprache, die alle Naturwesen verstehen. Die zu seiner Zeit noch einsame Erkenntnis des Aufklärers (und Vorbilds für den jungen Karl Marx) Hermann S. Reimarus, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere über »Kunsttriebe« verfügen, ist heute nicht mehr zu leugnen. Sie bildet mittlerweile sogar die Grundlage eines neuen Wissenschaftszweiges: Zoomusikologie. Der italienische Semiotik-Professor Dario Martinelli hat M&R von faszinierenden Beobachtungen berichtet.

Hier geht es zur Inhaltsübersicht, hier kann man die Ausgabe durchblättern.

Die Texte des Titelthemas:

Doctor Dolittle: „Rettet die Tiere!“ (Susann Witt-Stahl)
Tiere in Popsongs: „You ain’t nothin’ but a hound dog“
Interview mit Zoomusikologe Dario Martinelli: „Tiere machen bewusst Musik“ (John Lütten)
Hermann S. Reimarus: Animalische Kunsttriebe (Esther Leslie & Ben Watson)
Tiere in der Kunstmusik (Moshe Zuckermann)
Apeman (Colin Goldner)
Tierbefreiung in Punk und Hardcore: „Im Punk geht es um Freiheit – für Menschen und Tiere“ (Matthias Rude)
Musiker gegen Repression (Will Potter)
Künstler fordern: Den Tieren eine Stimme geben! (Adam Sherburne, Amanda Rogers, Maik Weichert, Albino, Lance Ryan, Wick Bambix, Glen Johnson, Masami Akita, Enrico)





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