Demonstration: Wir haben es satt!

Auch in Tübingen wird am 19. Januar unter dem Motto „Wir haben es satt!“ für eine Agrarwende demonstriert. Los geht es mit einer Kundgebung um 11 Uhr auf dem Marktplatz, es folgt ein Demonstrationszug durch die Stadt. Organisiert wurde die Demonstration vom Bündnis „Zukunftsfähige Landwirtschaft Tübingen“.

„Zum Auftakt der ‚Grünen Woche‘ in Berlin, in der der Agrarministergipfel über unsere Zukunft diskutiert, werden wir laut und stehen für unsere Werte ein! Wir schließen uns damit den tausenden Menschen der Wir-haben-es-satt-Demo in Berlin an. Wir sind eine wachsende, bunte und friedliche Bewegung, die nicht tatenlos zusieht, wie die Erde zu Grunde gewirtschaftet wird, sondern handelt“, heißt es in dem Aufruf zur süddeutschen „Wir haben es satt“-Kundgebung in Tübingen, und: „Mit der derzeitigen Landwirtschaft zerstören wir unsere Lebensgrundlagen! Deshalb kommen wir zusammen, um gemeinsam eine zukunftsfähige Landwirtschaft einzufordern, uns zu vernetzen und Lösungswege aufzuzeigen.“ Unter anderem wird eine Agrarpolitik für eine zukunftsfähige Landwirtschaft – statt Lobbyismus und Subventionen für die Agrarindustrie – gefordert, gesunde Lebensmittel für alle statt Hunger, Nahrungsmittelspekulation und Patentierung von Pflanzen und Tieren, sowie Biodiversität statt Gentechnik und Pestizide. Bei der parallel in Berlin stattfindenden Demonstration zum Thema wird es auch einen „veganen Tierrechtsblock“ geben.

Wir rufen dazu auf, die Demonstration zu unterstützen und auch in Tübingen ein Zeichen zu setzen für eine Agrarwende, die mit einer Transformation der Landwirtschaft hin zu einer veganen Produktion einhergehen sollte. Die Tierindustrie bedeutet nicht nur unermessliches Leiden für „Nutztiere“ und gnadenlose Ausbeutung von Arbeitern, sie vernichtet auch zusehends unsere Lebensgrundlage, indem sie die Umwelt verschmutzt und zerstört und maßgeblich zum Klimawandel beiträgt. Politiker und Lobbyisten der Tierindustrie arbeiten dabei Hand in Hand gegen eine Agrarwende. In einem Artikel, der in der Ausgabe 3/2018 des Nachrichtenmagazins Hintergrund erschienen ist und der seit gestern auch vollständig online einsehbar ist, heißt es dazu:

Der Agrarsektor, speziell die Tierproduktion, ist bekanntlich einer der Hauptverursacher schädlicher Klimagase. Hinsichtlich des Klimawandels stellte das UN-Umweltprogramm bereits im Jahr 2010 fest: «Eine wesentliche Reduzierung der Auswirkungen wäre nur mit einem grundsätzlichen weltweiten Ernährungswechsel möglich, weg von tierischen Produkten.» […] Das BMEL und auch andere maßgebliche Institutionen – wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), deren Ernährungsratschläge stark die Interessen der Beiräte aus der Milch- und Fleischindustrie berücksichtigen – sind aber personell und institutionell derart eng mit der Tierindustrie und ihren Lobbyorganisationen verbunden, dass solche Vorschläge illusorisch sind. Derzeit ist das absolute Gegenteil der Fall: Während etwa Kuhmilch staatlich subventioniert und als «Grundnahrungsmittel» mit dem ermäßigten Satz von 7 Prozent besteuert wird, beträgt der Steuersatz für pflanzliche Milchalternativen 19 Prozent. Und Klöckner führt den Kurs ihres Vorgängers unbeirrt fort. Christian Schmidt hatte in seiner Amtszeit unter anderem damit auf sich aufmerksam gemacht, dass er die Interessensbekundungen des Deutschen Fleischer-Verbandes und des Bauernverbandes, die die beiden Organisationen im April 2016 formuliert hatten, eins zu eins übernahm und lauthals ein Verbot von «Fleischbezeichnungen» für vegetarische und vegane Produkte forderte. […] Wo Schmidt aufgehört hat, macht Klöckner nun weiter: Wie er setzt sie sich beispielsweise für Schweinefleisch in deutschen Schulkantinen ein und […] kündigt an, Tierrechtsaktivisten, die in Ställe eindringen, um Verstöße aufzudecken, härter bestrafen zu wollen – ein Ziel, das die Regierung auch bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat. Der Regensburger Jura-Professor Henning Ernst Müller kritisiert den Plan der Großen Koalition, einen Sonderstrafbestand einzuführen. Eine solche Strafrechtsnorm widerspräche nicht nur dem Interesse der Wählermehrheit und der Verbraucher: «Am meisten besorgt mich», so Müller, «der zu befürchtende Akzeptanzverlust des Strafrechts, sollten künftig regelmäßig auf intransparentem Lobbyisten-Weg Partikularinteressen in strafrechtliche Form gegossen werden.»

Gehen wir gemeinsam auf die Straße und machen wir deutlich, dass wir das menschen- und tierverachtende System, in dem wir leben, satt haben, dass es höchste Zeit ist, der kapitalistischen Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur ein Ende zu setzen und für eine Gesellschaft zu kämpfen, die ein ökologisches und friedliches Zusammenleben der Menschen mit der Natur und den Tieren ermöglicht.

Links:

Wir haben es satt! (Berlin)

Zukunftsfähige Landwirtschaft Tübingen

Hintergrund-Artikel „Agrarpolitik im Dienst der Industrie“


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