Archiv der Kategorie 'Ankündigungen'

Demonstration: Wir haben es satt!

Auch in Tübingen wird am 19. Januar unter dem Motto „Wir haben es satt!“ für eine Agrarwende demonstriert. Los geht es mit einer Kundgebung um 11 Uhr auf dem Marktplatz, es folgt ein Demonstrationszug durch die Stadt. Organisiert wurde die Demonstration vom Bündnis „Zukunftsfähige Landwirtschaft Tübingen“.

„Zum Auftakt der ‚Grünen Woche‘ in Berlin, in der der Agrarministergipfel über unsere Zukunft diskutiert, werden wir laut und stehen für unsere Werte ein! Wir schließen uns damit den tausenden Menschen der Wir-haben-es-satt-Demo in Berlin an. Wir sind eine wachsende, bunte und friedliche Bewegung, die nicht tatenlos zusieht, wie die Erde zu Grunde gewirtschaftet wird, sondern handelt“, heißt es in dem Aufruf zur süddeutschen „Wir haben es satt“-Kundgebung in Tübingen, und: „Mit der derzeitigen Landwirtschaft zerstören wir unsere Lebensgrundlagen! Deshalb kommen wir zusammen, um gemeinsam eine zukunftsfähige Landwirtschaft einzufordern, uns zu vernetzen und Lösungswege aufzuzeigen.“ Unter anderem wird eine Agrarpolitik für eine zukunftsfähige Landwirtschaft – statt Lobbyismus und Subventionen für die Agrarindustrie – gefordert, gesunde Lebensmittel für alle statt Hunger, Nahrungsmittelspekulation und Patentierung von Pflanzen und Tieren, sowie Biodiversität statt Gentechnik und Pestizide. Bei der parallel in Berlin stattfindenden Demonstration zum Thema wird es auch einen „veganen Tierrechtsblock“ geben.

Wir rufen dazu auf, die Demonstration zu unterstützen und auch in Tübingen ein Zeichen zu setzen für eine Agrarwende, die mit einer Transformation der Landwirtschaft hin zu einer veganen Produktion einhergehen sollte. Die Tierindustrie bedeutet nicht nur unermessliches Leiden für „Nutztiere“ und gnadenlose Ausbeutung von Arbeitern, sie vernichtet auch zusehends unsere Lebensgrundlage, indem sie die Umwelt verschmutzt und zerstört und maßgeblich zum Klimawandel beiträgt. Politiker und Lobbyisten der Tierindustrie arbeiten dabei Hand in Hand gegen eine Agrarwende. In einem Artikel, der in der Ausgabe 3/2018 des Nachrichtenmagazins Hintergrund erschienen ist und der seit gestern auch vollständig online einsehbar ist, heißt es dazu:

Der Agrarsektor, speziell die Tierproduktion, ist bekanntlich einer der Hauptverursacher schädlicher Klimagase. Hinsichtlich des Klimawandels stellte das UN-Umweltprogramm bereits im Jahr 2010 fest: «Eine wesentliche Reduzierung der Auswirkungen wäre nur mit einem grundsätzlichen weltweiten Ernährungswechsel möglich, weg von tierischen Produkten.» […] Das BMEL und auch andere maßgebliche Institutionen – wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), deren Ernährungsratschläge stark die Interessen der Beiräte aus der Milch- und Fleischindustrie berücksichtigen – sind aber personell und institutionell derart eng mit der Tierindustrie und ihren Lobbyorganisationen verbunden, dass solche Vorschläge illusorisch sind. Derzeit ist das absolute Gegenteil der Fall: Während etwa Kuhmilch staatlich subventioniert und als «Grundnahrungsmittel» mit dem ermäßigten Satz von 7 Prozent besteuert wird, beträgt der Steuersatz für pflanzliche Milchalternativen 19 Prozent. Und Klöckner führt den Kurs ihres Vorgängers unbeirrt fort. Christian Schmidt hatte in seiner Amtszeit unter anderem damit auf sich aufmerksam gemacht, dass er die Interessensbekundungen des Deutschen Fleischer-Verbandes und des Bauernverbandes, die die beiden Organisationen im April 2016 formuliert hatten, eins zu eins übernahm und lauthals ein Verbot von «Fleischbezeichnungen» für vegetarische und vegane Produkte forderte. […] Wo Schmidt aufgehört hat, macht Klöckner nun weiter: Wie er setzt sie sich beispielsweise für Schweinefleisch in deutschen Schulkantinen ein und […] kündigt an, Tierrechtsaktivisten, die in Ställe eindringen, um Verstöße aufzudecken, härter bestrafen zu wollen – ein Ziel, das die Regierung auch bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat. Der Regensburger Jura-Professor Henning Ernst Müller kritisiert den Plan der Großen Koalition, einen Sonderstrafbestand einzuführen. Eine solche Strafrechtsnorm widerspräche nicht nur dem Interesse der Wählermehrheit und der Verbraucher: «Am meisten besorgt mich», so Müller, «der zu befürchtende Akzeptanzverlust des Strafrechts, sollten künftig regelmäßig auf intransparentem Lobbyisten-Weg Partikularinteressen in strafrechtliche Form gegossen werden.»

Gehen wir gemeinsam auf die Straße und machen wir deutlich, dass wir das menschen- und tierverachtende System, in dem wir leben, satt haben, dass es höchste Zeit ist, der kapitalistischen Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur ein Ende zu setzen und für eine Gesellschaft zu kämpfen, die ein ökologisches und friedliches Zusammenleben der Menschen mit der Natur und den Tieren ermöglicht.

Links:

Wir haben es satt! (Berlin)

Zukunftsfähige Landwirtschaft Tübingen

Hintergrund-Artikel „Agrarpolitik im Dienst der Industrie“

Zur Demonstration „Gerechtigkeit für Stella“

Am kommenden Samstag (12. Januar) wird in Tübingen unter dem Motto „Gerechtigkeit für Stella“ wieder gegen Tierversuche demonstriert; los geht’s um 14 Uhr auf dem Marktplatz.

Im konkreten Fall geht es um den fallengelassenen Prozess gegen drei Experimentatoren, denen bei Tierversuchen mit Affen „unnötige Grausamkeit“ vorgeworfen wurde. Darunter befand sich Nikos Logothetis, der beim Max-Planck-Institut (MPI) Versuche mit Affen leitete. Der Prozess war für den 7. Januar vorgesehen, wurde jedoch abgesagt, nachdem Experimentatoren-Kollegen ein geheimes Gutachten aus dem Hut gezaubert hatten. Aus Protest gegen diese nachträgliche Legitimierung der Versuche und der Art ihrer Durchführung ruft die Organisation SOKO Tierschutz zur Demonstration am Samstag auf. Einem Opfer der Versuche, „Stella“, wird auf dieser Demonstration eine zentrale Rolle eingeräumt: „Gerechtigkeit“ für sie wird eingefordert.

Die Demonstrationen gegen die Tübinger Affenversuche haben in den letzten Jahren einige tausend Menschen auf die Straßen gebracht. Die Antispeziesistische Aktion Tübingen hat stets dazu aufgerufen, auch die Demonstrationen der SOKO Tierschutz zu unterstützen, schließlich haben wir – zusammen mit Ärzte gegen Tierversuche e.V. – 2009 mit dem Start einer Kampagne gegen die Versuche erstmals auf diese aufmerksam gemacht und auch selbst mehrere Großdemonstrationen gegen die Versuche organisiert sowie viele kleinere Aktionen zum Thema gemacht. Trotz gewisser Vorbehalte dieser Organisation gegenüber waren wir auch stets bei den Demonstrationen der SOKO Tierschutz dabei; über die mediale Aufmerksamkeit, welche die Tierrechtsorganisation durch Undercover-Filmaufnahmen aus dem MPI, die bei Stern TV gesendet worden waren, geschaffen hat, konnte sie sehr viele Menschen zur Teilnahme mobilisieren. Jetzt scheint die Mobilisierung schlechter zu laufen: Fast schon verzweifelt postet SOKO Tierschutz in die Facebook-Veranstaltung zur Demonstration Sätze wie: „Gebt euch einen Ruck! Dabei statt nur interessiert!“ – Haben zu viele die Affenversuche bereits abgehakt? Tatsächlich hat nur das MPI die Beendigung der Versuche bekannt gegeben – an der Universität und im Hertie-Institut finden nach wie vor ähnliche Experimente statt. SOKO Tierschutz hatte den durch ihre Kampagne aufgebauten Druck aber von vorne herein nur auf das MPI konzentriert.

Was ebenfalls einige von der Beteiligung abhalten könnte, ist der Kommunikations- und Politikstil der SOKO Tierschutz: Es wird sehr moralisch über „das Böse“ und von „Affenquälern“ gesprochen, und so getan, als wäre der „Gerechtigkeit“ genüge getan, wenn diese drei „Täter“ verurteilt worden wären. Die Organisation geriert sich als eine Art Gesetzeshüter – „SOKO“ ist ja die Abkürzung von „Sonderkommission“, welche im Normalfall in Kriminalämtern und anderen polizeilichen Einheiten gebildet wird – und fordert rechtsstaatliche Urteile ein. Zudem gibt sie sich sehr autoritär, will auf „ihrer Demonstration“ alles kontrollieren: Anstatt einem bunten, vielfältigen Protest Raum einzuräumen, kündigt sie an, dass „Off-Topic-Plakate“, etwa mit politischen Botschaften, nicht geduldet werden sollen. Friedrich Mülln, das „Gesicht“ von SOKO Tierschutz, möchte, dass alles genau nach seinen Vorstellungen, wie eine Demonstration auszusehen hat, abläuft; in kurzer, autoritärer Art werden „Regeln zur Großdemonstration“ bekanntgegeben: „Bringt Plakate mit, der Rest bekommt welche von uns. Jeder trägt ein Plakat, Schild.“ Nicht nur uns befremdet dieser Stil: „Ob jemand ein Plakat tragen möchte oder nicht, sollte jedem selber überlassen sein“, kommentierte etwa jemand die „Regeln“.

Durch den bürgerlichen Staat und seine Gesetze wird im Normalfall keine „Gerechtigkeit“ hergestellt – sie sind in erster Linie dazu da, die kapitalistischen Ausbeutungsstrukturen zu schützen und zu regeln. Wirkliche Befreiung wird vielmehr gegen diesen Staat durchzusetzen sein, der sich letztlich stets auf die Seite der Konzerne und des Kapitals stellt, sobald diese bedroht werden. Doch wir verstehen auch die Intention der Organisation, so viele Leute wie möglich auf diese Demonstration zu bringen, und teilen das Ziel, Tierversuche öffentlich zu delegitimieren. Wir sind zwar der Meinung, dass etwas mehr Seriosität der Sache nicht schaden würde und dass es nicht auf die Verurteilung einzelner „Täter“ ankommt, sondern darum gehen sollte, grundsätzlich ein System zu kritisieren, in welchem Tiere und Menschen ausgebeutet und unterdrückt werden. Dennoch rufen wir auf, auch diesmal zur Demonstration zu gehen, weil jede Aufmerksamkeit für das Thema jetzt gut ist.

Doch Tierversuche machen nur einen kleinen Teil der Ausbeutungsindustrie aus. Die Realität der Wissenschaft wie auch der Industrie im Kapitalismus ist die Herabsetzung des Lebendigen selbst zum profitorientierten Erforschungs- und Ausbeutungsobjekt. Fangen wir mit der Befreiung der Affen an, um uns, dem Lebendigen, endlich den Sieg über die Anhäufung von Wissen und Kapital zu erringen!

Zum Hintergrund der Versuche und der Kampagne:

„Tierversuche: Opfer der Forschung“, Frontal 21, 19. Mai 2009.

Aktionsaufruf: Tierversuchsstadt Tübingen“, asatue, 26. März 2010.

„Weshalb wir gegen Tierversuche sind“, asatue, 5. Mai 2013.

„Stoppt Affenversuche! Kampagne und Großdemoonstration in der Tierversuchsstadt Tübingen“, Tierbefreiung, das aktuelle Tierrechtsmagazin, Heft 79 (Juni 2013), S. 14-19.

„Undercover-Aufnahmen: Leiden für die Wissenschaft“, Stern TV, 10. September 2014.

„Stadt der Affen: Undercover-Aufnahmen entfachen Streit um Tierversuche“, hintergrund.de, 15. September 2014.

„Strafbefehl gegen MPI-Mitarbeiter: Die folgenreiche Berichterstattung über Affenversuche am Max-Planck-Institut“, Stern TV, 21. Februar 2018.

Aufruf: Wissenschaft für die Menschen, nicht für Industrie, Überwachung und Krieg

Foto: Kundgebung „Gegen den Ausverkauf der Stadt, der Universität und des Wissens!“, Tübingen, 6. Juli 2018.

Demonstration: 29. November 2018, 17 Uhr, Europaplatz Tübingennocybervalley.de.

Im Dezember 2016 begründeten das Land Baden-Württemberg, die Industrie und die Universitäten Stuttgart und Tübingen das Projekt Cyber Valley. Ziel ist es, die Region zu einem bundesweit führenden und weltweit relevanten „Ökosystem für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz“ zu machen. Land und Industrie haben bereits hohe zweistellige Millionenbeträge investiert, der Technologiepark insbesondere auf der „Oberen Viehweide“ wird massiv ausgebaut, Risikokapital strömt nach Tübingen. Zugleich werden die Mieten immer teurer, der Wohnraum immer knapper, tatsächliche Ökosysteme werden vernichtet, um immer neue Forschungszentren zu errichten. Bildung, Lehre, Sozial- und Geisteswissenschaften sind derweil von Kürzungen, prekären Arbeitsverhältnissen und baulichem Zerfall geprägt.

Die Forschung des Cyber Valley zu maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz soll v.a. der Automobilindustrie zugute kommen und über Patentierungen und Startups enorme private Gewinne ermöglichen. Zugleich schafft sie Möglichkeiten zur Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung von wahrlich dystopischen Ausmaßen. Einer Lösung der sozialen und ökologischen Krisen der Menschheit wird sie uns jedoch nicht näher bringen. Ganz zurecht sind deshalb große Teile der Bevölkerung skeptisch gegenüber den hier entwickelten Technologien, die v.a. auch für die Rüstungsindustrie von Interesse sind. Die zunehmende Gleichsetzung dieser von Politik, Militär und Industrie vorangetriebenen Technologieentwicklung mit „Wissenschaft“ untergräbt deren Glaubwürdigkeit und trägt zur weiteren Entfremdung der Gesellschaft bei.

Beispielhaft für die Kritik am Cyber Valley steht die Beteiligung des Konzerns Amazons. Als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt zahlt es kaum Steuern. Zugleich nutzt es neue Technologien der Automatisierung und Überwachung intensiv, um Arbeitnehmer*innenrechte auszuhebeln und Löhne zu drücken. Auch die Kund*innen des Konzerns werden massiv ausgespäht, u.a. die so gewonnenen Daten sollen dem Cyber Valley zukünftig als Rohmasse für ihre experimentellen Verfahren zum maschinellem Lernen dienen.

Wir lehnen das Projekt Cyber Valley ab, weil es für eine Forschungspolitik im Dienste der Industrie und der Rüstung steht, die Wissenschaft dabei instrumentalisiert und letztlich zu vernichten droht. Zugleich sind wir nicht bereit, die Folgen des Cyber Valleys für die Stadt, die tatsächlichen Ökosysteme, die individuellen und gesellschaftlichen Freiheit zu tragen.

Stattdessen fordern wir …

→ eine solide Grundfinanzierung und Demokratisierung der Universitäten, statt immer größerer Abhängigkeit von Drittmitteln, Stiftungsprofessuren und Industrie;

→ eine „Offenlegung aller Pläne und Strukturen des Cyber Valley“ sowie der Verträge und Zahlungen zwischen Unternehmen wie Amazon und Wissenschaftler*innen der Universität und des MPI;

→ die in Tübingen an Universität und MPI betriebene, mit öffentlichen Mitteln bezahlte Wissenschaft muss der Allgemeinheit dienen, nicht privaten Profitinteressen;

→ ein klares „Nein!“ des Gemeinderats Ende Dezember zum Verkauf von Flächen an die profit-orientierten Akteure des Cyber Valley;

→ Förderung von Initiativen für ein nachhaltiges, gutes Leben für alle – wenn Forschung an Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, dann nur zu diesen Zwecken;

→ keine Ansiedelung des Amazon-Konzerns in Tübingen, da der Konzern für schlechte Arbeitsbedingungen und umfangreiche Ausspähung der Konsument*innen bekannt ist;

→ eine Zivilklausel für die Obere Viehweide, damit dort keine Zusammenarbeit mit Militär und Rüstung stattfindet;

→ sozialen Wohnungsbau und eine Stadt für alle und statt Standort im „Kampf um die besten Köpfe“!

Mitunterzeichner*innen:

Ernst-Bloch-Uni Tübingen
Wohnraumbündnis Tübingen
Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) Landesverband BaWü
Antispeziezistische Aktion Tübingen
Psychiatrie-kritische Initiative Tübingen (PKIT)
Informationsstelle Militarisierung (IMI)
Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen e.V.
ATTAC Tübingen
Wählervereinigung Tübinger Linke TüL e.V.; Gemeinderatsfraktion und Kreistagsfraktion
Die LINKE Tübingen
Frauengruppe Zumutung
Libertäre Gruppe Nürtingen
Gesellschaft Kultur des Friedens
Bündnis Bleiberecht
Interventionistische Linke Tübingen (iL)
Initiative gegen Militärforschung an Universitäten
Grüne Hochschulgruppe
Wohnprojekt Lu15
SDAJ Tübingen

Aktuelle Informationen unter nocybervalley.de.

Cyber Valley: Gegen den Ausverkauf der Stadt, der Universität und des Wissens!

6. Juli, 17-19 Uhr, Holzmarkt, Tübingen: Kundgebung:

Cyber Valley: Gegen den Ausverkauf der Stadt, der Universität und des Wissens!

Allgemeiner Aufruf:

Ohne jede öffentliche Diskussion wurde von der Max-Planck-Gesellschaft, der Landesregierung, der Industrie und den Universitäten Stuttgart und Tübingen das Neckartal zwischen Stuttgart und Tübingen zum Cyber Valley erklärt, das als „Biotop für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz“ fungieren soll. Diese Pläne, die bereits seit etwa zehn Jahren verfolgt werden, führen insbesondere zu einer engen Verquickung zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie und zeigen bereits jetzt deutliche Folgen für die Stadt und den Universitätsstandort Tübingen.

Explizit vorgesehen ist die schnelle Umsetzung neuer Forschungsergebnisse in Praxis und kommerzielle Nutzung. Dabei ist klar, dass die aktuelle Forschung zu Künstlicher Intelligenz und „Big Data“ v.a. Potentiale zur immer intensiveren Überwachung der Bevölkerung und militärischer Nutzung birgt. Bereits jetzt laufen Pilotprojekte zur Gesichtserkennung und intelligenten Videoüberwachung im öffentlichen Raum, obwohl diese Technologien noch keineswegs ausgereift und gesellschaftlich hochumstritten sind. Unternehmen wie Atos, das mittlerweile ebenfalls in Tübingen angesiedelt ist, entwickeln Grenzüberwachungs- und Zielerkennungssysteme auf der Basis multisensorieller Mustererkennung. Die Forschung zu „intelligenten Algorithmen“ soll u.a. auf Kundendaten basieren, weshalb sich das Cyber-Valley-Konsortium über die Beteiligung des Internet-Konzerns Amazon freut, der noch in diesem Jahr mit dem Bau eines Entwicklungszentrums auf der Oberen Viehweide beginnen will. Insgesamt feuert das Cyber Valley die Bautätigkeiten für Forschungseinrichtungen und hochpreisige Wohnimmobilien in Tübingen an und treibt auch damit Preise in die Höhe.

Eine von der Industrie und militärischen Interessen angetriebene KI-Forschung wird uns einer Lösung der drängenden Menschheitsfragen nicht näher bringen, sondern die aktuellen Krisen und die internationale Konkurrenz bei der Entwicklung „disruptiver Technologien“ nur weiter verschärfen. Das von den Universitäten, der Politik und der Industrie im Stillen vorbereitete Cyber Valley zersetzt die Freiheit der Wissenschaft, die letzten Reste einer demokratisch strukturierten Hochschule und jede Ansätze einer Stadtentwicklung von unten.

Stattdessen fordern wir:

→ Eine Offenlegung aller Pläne und Strukturen des Cyber Valley;

→ Keine Ansiedelung des Amazon-Konzerns in Tübingen, da der Konzern für schlechte Arbeitsbedingungen und umfangreiche Ausspähung der Konsument*innen bekannt ist;

→ Eine solide Grundfinanzierung und Demokratisierung der Hochschulen, statt immer größerer Abhängigkeit von Drittmitteln, Stiftungsprofessuren und Industrie;

→ Keine Zusammenarbeit mit Militär und Rüstung;

→ Keine öffentliche Unterstützung für Projekte, die die schnelle Umsetzung neuer Technologien in die Praxis ohne öffentliche Diskussion und Technikfolgenabschätzung zum Ziel haben;

→ Sozialen Wohnungsbau und eine Stadt für alle und statt als Standort im „Kampf um die besten Köpfe“.

Ergänzender Aufruf, Themen Militarismus und Überwachung: Tueinfo.

Osterakademie: Die Zukunft der Bewegung

Vom 30. März bis zum 1. April findet in Hamburg eine Osterakademie zum Thema „Die Zukunft der Bewegung: ierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation“ statt.

Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung ist gegenwärtig mit mindestens drei Herausforderungen konfrontiert:

Trotz umfangreichen, vielfältigen Aktivismus und vereinzelter Erfolge gerät sie im Kampf mit den politischen und ökonomischen Profiteuren der Tierausbeutung zusehends ins Hintertreffen. Die Fleisch- und andere Tierindustrien blühen, ihre willigen Vollstrecker in den Staatsapparaten sorgen für politische und ideologische Rückendeckung und die entsprechende Kultur feiert – wie etwa die Pelzmode – fröhliche Urständ. Dennoch führt die „Bewegung“ keine strategischen und organisatorischen Diskussionen, sondern hält am Eingeübten und einst Bewährten fest. Unsere Proteste vereinzeln, die politische Wirkung versiegt, noch bevor sie sich entfalten könnte. Zu jedem Zirkus eine Demo, vor jedem Laden eine Kundgebung, zu jedem Thema eine Kampagne – seien sie auch noch so aussichtslos und die Beteiligungen gering.

Gleichzeitig greifen etablierte Institutionen, wie z.B. Staatsapparate, Parteien, Stiftungen, Zeitungen, Universitäten usw., die verschiedenen Forderungen einzelner Bewegungsakteure auf. Dies erscheint zunächst positiv. Mit dieser Entwicklung ist allerdings auch die Gefahr der politischen Neutralisation verbunden. Ob Fortschritt oder nicht – die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung reagiert darauf bislang überwiegend unkritisch affirmativ. Hauptsache „aktiv für die Tiere“ lautet scheinbar die Devise. Dabei haben etwa die Heinrich-Böll-Stiftung oder die DIE LINKE keineswegs per se die Absicht, etwas für die Tiere oder die Tierbefreiungsbewegung zu tun. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen, für deren Durchsetzung politische Bewegungen und AktivistInnen bisweilen eher nützliche IdiotInnen statt BündnispartnerInnen sein sollen. Ganz zu schweigen von den social-media-affinen Ich-AGs und NGOs, für die Tiere und das Mitleid mit ihnen in erster Linie eine lukrative Geschäftsidee sind. Auch die vegane Sub- und Gegenkultur wird durch Unternehmer wie Attila Hildmann, mit jedem entpolitisierten Konsumfest und jeder Konzern-Kooperation Schritt für Schritt dem bürgerlichen Lifestyle preisgegeben.

Schließlich erodiert allmählich das ohnehin sehr brüchige inhaltliche und politisch-strategische Fundament der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Auf Großereignissen der Bewegung wie bei Bündnistreffen klammert man Widersprüche eher aus, als sie auszutragen. Politische Bildung geht nicht über den rudimentären alltagstauglichen Polit-Wortschatz hinaus. Organisationsdebatten münden in die Vermessung bewegungs- und gruppeninterner Wohlfühlzonen. So nimmt es nicht Wunder, dass schwer erkämpfte politische Positionen nach innen und außen unterminiert werden, mühselig erarbeitete linke gesellschaftskritische Theoriebestände versickern und von wissenschaftlich und gesellschaftlich genehmen, liberalen Human-Animal-Phrasen überlagert werden. In logischer Konsequenz wird u.a. die ALF aus der Bewegung heraus als „gewalttätig“ dämonisiert, Tierschutz als Ziel des Kampfes für die Tiere akzeptabler, historischer Materialismus und Marxismus werden plump denunziert und das bürgerliche Recht sogar als Verhandlungsgrundlage zur „Befreiung“ der Tiere akzeptiert.

Auf diese Herausforderungen müssen wir politisch und organisatorisch reagieren, wenn wir wollen, dass die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung nicht den Weg der Affirmation beschreitet, sondern den der Opposition durch revolutionäre Realpolitik. Nur letzterer bietet die Möglichkeit, wieder Erfolge zu erringen und gleichzeitig die Perspektive für die Befreiung von Mensch und Tier zu verbessern.

Mit der Osterakademie 2018 möchten wir, das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung, dazu beitragen, die skizzierten Probleme anzugehen und Argumente für die richtige Richtungsentscheidung zu sammeln. Mit Workshops, einführenden Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Gästen aus der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung wollen wir Lösungsvorschläge debattieren und organisatorische Perspektiven entwickeln.

Programm, Gäste, Formalitäten der Teilnahme und Anmeldung unter osterakademie.jimdo.com.

Tierethik-Comic

Kürzlich ist im Wilhelm Fink Verlag das Werk „Tierethik – Der Comic zur Debatte“ erschienen. Die Texterin Julia Kockel und der Zeichner Oliver Hahn zeichnen die Debatten um das Tier von der Antike bis heute nach. Sie stellen tierethische, tierrechtliche und Positionen der Tierbefreiung vor und befassen sich mit der Frage nach den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen für eine angewandte Ethik zwischen Mensch und Tier. Dabei nehmen sie auch aufs Antispeziesismus-Buch Bezug und zitieren etwa Max Horkheimer, Henry Stephens Salt oder Leonard Nelson.

Das Buch hat eine eigene Facebook-Seite. Weitere Informationen zum Buch und verschiedene Leseproben finden sich beim Verlag.

„The End of Meat“ im Kino Arsenal

Am 18.September 2017 präsentiert die Antispeziesistische Aktion Tübingen im Kino Arsenal um 19 Uhr den Dokumentarfilm „The End Of Meat“ mit anschließender Diskussion: Wie sähe unsere Welt aus, würden wir kein Fleisch mehr essen?

Ein Dokumentarfilm über die Vision einer Welt ohne Fleisch, der PhilosophInnen, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und AktivistInnen vorstellt, die sich mit Alternativen des Zusammenlebens von Menschen und Tieren beschäftigen. In dem Film wagt Filmemacher Marc Pierschel den Blick in eine Zukunft ohne Fleisch sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellte, spricht mit den Pionieren der veganen Revolution in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten „Nutztieren“ in Freiheit, trifft auf WissenschaftlerInnen, die am tierfreien Fleisch forschen, das den 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkt revolutionieren soll, und vieles mehr. „The End of Meat“ zeigt eindrucksvoll die versteckten Auswirkungen des Fleischkonsums, untersucht die Vorteile einer pflanzlichen Ernährungsweise und wirft kritische Fragen über die zukünftige Rolle der Tiere in unserer Gesellschaft auf.

Zur Facebook-Veranstaltung.
Trailer: theendofmeat.com.

Soli-Hausbar für verhaftete Tierrechtler

Morgen ist Solibar um 21 Uhr in der Schellingbar in der Schellingstraße 6 in Tübingen für die Tierrechtsaktivist_innen, die beim Dokumentieren der Zustände in einer Putenmastfarbrik verhaftet wurden.

Am 11. Mai 2015 betraten Aktivist_innen eine Putenmastfarbrik in Ilsenhofen, Kreis Schwäbisch Hall, um dort das zu dokumentieren, was die „moderne“ Tierhaltung mit sich bringt: Verletzte und eingeschüchterte Tiere, die in Massen zusammengepfercht werden.

„ Abgeschottet von jeglichem Tageslicht vegetierten mehrere tausend Tiere auf engstem Raum in einer Halle. Im Stall fand sich kaum Einstreu; die Tiere mussten auf einem harten und feuchten Boden in ihren eigenen Exkrementen stehen. Die Männer dokumentierten kranke, verletzte, im Sterben liegende und bereits tote Tiere. Der gesamte Bestand war verdreckt und hatte Schäden am Gefieder. Mehrere Tiere wiesen deutliche Wunden auf, viele zeigten zudem Fehlstellungen an den Beinen und Druckgeschwüre an der Brust – ein eindeutiges Indiz für mangelhafte Haltung.“ (Zitat: Act for Animals e.V.-Newsletter)

Um solche Zustände öffentlich zu machen, nahmen die drei das Risiko staatlicher Verfolgung auf sich und wurden dabei vom Eigentümer der Putenmast erwischt, der sie mit einem Stock attackierte.
Trotz der grausamen und lebensverachtenden Zustände in der Fabrik steht nicht der Putenmäster vor Gericht, sondern die Whistleblower, da sie mit ihrer Aktion das Eigentumsrecht des Putenmästers, nämlich lebende und fühlende Wesen so zu behandeln, wie er will, beschneiden wollten.

Da es sich bei den jungen Aktivist_innen um Studierende und Universitätsmitarbeiter_innen handelt, können sie die entstehenden Gerichtskosten nicht alleine tragen und sind daher auf unsere Solidarität angewiesen. Daher möchten wir die Aktivist_innen durch die Cocktailbar sowohl finanziell als auch gedanklich unterstützen.

Ankündigung: Demonstration gegen Tierversuche

Unter dem Motto „Tierversuche abschaffen. Jetzt erst recht!“ findet am 27. Mai ab 13 Uhr in Tübingen eine Demonstration statt.

Die Primatenversuche am Max-Planck-Institut sind zwar beendet, wie das Schwäbische Tagblatt am 18. April berichtete, doch das bedeutet nicht das Ende der Affenversuche; diese finden nach wie vor an drei Tübinger Instituten statt: Am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften, am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und am Institut für Neurobiologie.

Gegen die Primatenexperimente und gegen die zahllosen anderen Tierversuche, die in Tübingen betrieben werden, richtet sich die Demonstration am 27. Mai, die von verschiedenen Gruppen und Initiativen ausgerichtet und unterstützt wird. Wir werden im Rahmen der Demonstration einen Redebeitrag halten.

13:00 h: Treffpunkt an der Neckarinsel

13:30 h: Auftaktkundgebung

14:00 h: Start des Demonstrationszugs

17:30 h: Kreideaktion (vom Holzmarkt zum Marktplatz)

Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es hier.

Soli-Party für verurteilte Tierrechtler

Heute veranstalten wir im Wohnprojekt Schellingstraße eine Soli-Hausbar zur Unterstützung von in erster Instanz verurteilten Tierrechtlern, die tierschutzwidrige Zustände aufgedeckt haben. Die Aktivisten hatten im Mai 2015 Undercover-Aufnahmen in einer Putenmästerei gedreht, wobei sie dann vom Eigentümer entdeckt und angegriffen worden sind. Mehr Infos gibt’s bei Act for Animals.

Los geht’s ab 21 Uhr mit (auch alkoholfreien) Cocktails und Musik. Wir freuen uns auf euch!




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: