Archiv der Kategorie 'Antikapitalismus/Klassenkampf'

Gedanken zum 9. November


In einer Aktion wurden Gedenkkreuze für deutsche Mauertote an der EU-Außengrenze angebracht

Heute, am 9. November, wird einer wichtigen Sache gedacht: Der Reichspogromnacht, die 1938 von den Nazis veranstaltet wurde und in der 1400 Synagogen, jüdische Wohnungen und Geschäfte zerstört und über 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden. Aber diesem Ereignis gedenken heute wohl die wenigsten, schließlich berichten fast alle Medien in der üblichen gleichgeschaltet-wirkenden Manier vor allem über das Ereignis des 25. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer. Die mächtigste Propagandainstitution Deutschlands sorgte mit ihrem bundesweiten Einwurf von Zeitungen dafür, dass sich ihre Deutungshoheit über diesen Tag durchsetzt: Die Bild ließ eine gratis-Sonderausgabe ungefragt in alle Briefkästen werfen. Somit gehen im öffentlichen Bewusstsein viele wichtigen Tatsachen unter. Denn gleichzeitig mit der erfreulichen erweiterten Reisefreiheit, die mit dem Mauerfall für viele eintrat, bedeutete der Anschluss der DDR an die BRD auch für viele eine Verschlechterung der Lebensbedingungen. Hätte der Mauerfall eine demokratische Wende in die DDR gebracht, wäre vielleicht wirklich der basisdemokratische Sozialismus verwirklicht worden, auf den viele Dissidentinnen* in der DDR gehofft hatten. Aber stattdessen, wie wir alle wissen, wurde Ostdeutschland nur dem kapitalistischen Westen angegliedert, die sozialen Fortschritte der DDR abgebaut (z.B. die flächendeckende Versorgung mit Kinderkrippen), und fast die gesamte DDR-Industrie und -Kultur zerstört. Viele der so strukturell abgewerteten Ostdeutschen suchten verzweifelt Trost in der Abwertung von Nicht-Deutschen und der damit verbundenen Selbstaufwertung als „Deutsche“. Die Folgen, Pogrome auf Asylbewerberheime in Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Mölln und andere, sind bekannt.
Erwähnt werden sollte, dass es nicht nur an der deutsch-deutschen Grenze Tote gab. Allein zwischen 1946 und 1952 sind 33 Menschen an der deutsch-belgischen Grenze erschossen worden. Nur wurden diese als „Schmuggler“ eingestuft und somit als minderwertige Menschen betrachtet. Dass Republikflucht eine ebenso sinnlos als „Verbrechen“ eingestufte Tat ist wie Schmuggel, in Anbetracht der vielen tausend Toten, die die hiesige Prohibitionspolitik hervorbringt, die mit einem aufgeklärten und entkriminalisierten Umgang mit Drogen nicht sein müssten, steht außer Frage. Der unmenschliche Charakter des „Einsperrens der Bürger“ wird zurecht skandalisiert, es sollte aber nicht ausgeblendet werden, dass dieselbe Logik, die dazu führte, hierzulande selbstverständlich praktiziert wird: Wenn eine Arbeitnehmerin eine Fortbildung macht, die vom Betrieb bezahlt wird, verpflichtet sie sich eine bestimmte Zeit im Betrieb zu verbleiben, bis diese „Investition“ in sie als „Humankapital“ sich für den Betrieb gelohnt hat. Die DDR hat, indem sie ihren Bürgern Bildung kostenlos zur Verfügung stellte, ebenso in diese „investiert“ und wollte verhindern, dass ihr diese „Investition“ weglief. Die Entwicklungsländer haben eben dieses als „brain drain“ bezeichnete Problem. Eine hier wie dort unmenschliche Praxis, weil Menschen zu Kapital degradiert werden, mit dem Zusatz, dass in der „freien Welt“ ökonomische Zwänge die formell freien Bürgerinnen zwingen, was im Gegensatz zum staatlichen Zwang einen gewissen Fortschritt darstellen kann. Doch auch subjektiv war die DDR für ihre Bewohnerinnen nur begrenzt ein „Gefängnis“; die Minderheit der Bevölkerung, die ihre Zwangslage erkannte, die Überwachung wahrnahm und sich gefangen fühlte, könnte etwa der hiesigen Minderheit entsprechen, die hier die Überwachung wahrnimmt und ihre (ökonomische) Zwangslage erkennt. Fest steht, dass weder die DDR noch die BRD befreite Gesellschaften waren und sind, und sich unsere Vorstellung von einer demokratischen und sozialistischen Gesellschaft heute weder am (damals) real-existierenden Sozialismus, noch an der real-existierenden Demokratie orientieren kann.
Der wichtigste Widerspruch der Feierlichkeiten zum Mauerfall ist jedoch der, dass mit dem Abbau der innerdeutschen und innereuropäischen Grenzen der Aufbau einer der verheerendsten Grenzen überhaupt einherging: Der EU-Außengrenze. An dieser Grenze sterben jährlich tausende Menschen, die aus vielen guten Gründen fliehen und nach Europa einreisen wollen. Das will die Initiative zum ersten europäischen Mauerfall aufzeigen, welche die Feierlichkeiten zum Anlass nimmt, in einer Aktion des zivilen Ungehorsams die europäische Außengrenze zu durchbrechen.

* wir schreiben im generischen Femininum, also der weiblichen Form für alle Geschlechter, weil lange genug die männliche Form genutzt wurde und damit „auch die Frauen gemeint“ waren.

Veröffentlichung zu Marxismus und Tierbefreiung: „Dem Schlachten ein Ende setzen!“

Die Tierrechtsgruppe Zürich hat eine Schwerpunktnummer der Zeitung „antidotincl.“ herausgegeben. Das 40-seitige Heft beleuchtet das Verhältnis von Marxismus und Tierbefreiung; die Publikation liegt der Wochenzeitung „WOZ“ vom 6. November bei; sie versammelt Beiträge von Wissenschaftlern, Journalisten und Aktivisten wie Moshe Zuckermann, Susann Witt-Stahl, Marco Maurizi, Christian Stache und John Lütten. Auf den Seiten 10 und 11 findet sich ein Artikel unseres Aktivisten Matthias Rude zum Thema „Die Befreiung von Mensch und Tier: Ein Kampf mit linker Tradition“; auf Seite 38 eine Rezension des Antispeziesismus-Buches. Das Poster in der Mitte des Heftes verbildlicht einen Aphorismus von Max Horkheimer, der auch dem Antispeziesismus-Buch vorangestellt ist; darin wird die kapitalistische Gesellschaft als Wolkenkratzer beschrieben, dessen Dach eine Kathedrale und dessen Keller ein Schlachthof ist.
Das Editorial und Inhaltsverzeichnis kann hier als pdf-Datei eingesehen werden. Hier könnt ihr das Poster in der Mitte des Heftes mit dem Wolkenkratzer anschauen und herunterladen. Es beruht auf dem Aphorismus „Der Wolkenkratzer“ von Max Horkheimer (als pdf). Alle Informationen zu den Bestellmöglichkeiten der Zeitung finden sich auf der Homepage der Tierrechtsgruppe Zürich.

Einladung zum Blockupy-Festival | 20.-23. November | Frankfurt am Main

blockupy11.2014banner

Das Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy”, an dem die Antispeziesistische Aktion teilnimmt, läd alle Tierrechtler*innen und Tierbefreier*innen zur Beteiligung an dem Blockupy-Festival vom 20.-23.11.2014 in Frankfurt ein und bittet um Mithilfe in der einen oder anderen Schicht.

Unter dem Label „Blockupy” sammelt sich seit 2012 in Frankfurt ein breites Bündnis von linken Gruppen, Gewerkschaften und Netzwerken, um gegen die grausame europäische Krisenpolitik zu protestieren. Tierbefreier*innen und Tierrechtler*innen waren von Anfang an mit dabei, weil die Krisenpolitik eine Schwachstelle im kapitalistischen System – der Ursache der Ausbeutung von Mensch und Tier – darstellt. Nach den Massenblockaden der Europäischen Zentralbank 2012 und 2013 und den dezentralen Aktionen im Mai 2014 laden wir mit Blockupy im November zu einem Festival ein (siehe http://blockupy.org/festival2014).

Unter den Hashtags #talk #dance #act wird Blockupy Ende November in Frankfurt mit einem Festival von Diskussionen, einem Party- und Kulturprogramm und einem Aktionstag seine Proteste gegen das kapitalistische Krisenregime fortsetzen. Während sich die Krisenverwalter zur Euro Finance Week in Frankfurt für Gespräche treffen und die Europäische Zentralbank ihren Umzug in ihren neuen Palast gestaltet, werden wir uns mit anderen linken Gruppen dort treffen, um ihnen in die Suppe zu spucken. Seid dabei und kämpft mit!

Vom 20.-23. November 2014 werden an verschiedenen Orten in Frankfurt zahlreiche Workshops und auch Stadtführungen zur Ausbeutungs-, Austeritäts- und Ausgrenzungspolitik der kapitalistischen Krisenprofiteure angeboten. Daneben werden fünf mehrtägige Arbeitsgruppen wichtiger Bestandteil des Festival-Programms sein, in denen inhaltlich über zentrale Fragen diskutiert und Positionen erarbeitet werden sollen (siehe blockupy.org…/arbeitsgruppen). An den Abenden wird es Parties, Kino und Konzerte geben, u.a. mit den HipHop-Allstars von ticktickBoom.

Auch wir, das Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy”, werden uns und das Thema Tierbefreiung einbringen und veranstalten am Freitag, 21.November von 14-16 Uhr einen Workshop auf dem Blockupy-Festival, zu dem ihr herzlich eingeladen seid:
Natur und Tiere in der gesellschaftlichen Krise
Im Keller des Gesellschaftsbaus: Krisengespräche für eine grenzübergreifende Befreiung
(voraussichtlicher Ort: Café ExZess, Leipziger Straße 91. Bitte schaut vorher nochmals auf das Programm des Blockupy-Festivals, online unter: blockupy.org…/programm )
Eine Beschreibung des Workshops findet Ihr unter:
tierbefreiung2blockupy.blogsport.de…blockupy-festival

Am Aktionstag, Samstag den 22. November 2014, wollen wir symbolisch beim Umzug der Europäischen Zentralbank (EZB) mit anpacken. Wir bringen ihr all das in Umzugskartons zurück, was auf den Müllhaufen der Geschichte gehört: Neben der Ausbeutung, Ausgrenzung und Unterdrückung von Menschen, neben Kriegen, der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und vielem mehr gehört zu diesem Müll natürlich auch die systematische Gewalt gegen Tiere in der menschlichen Gesellschaft!

Zur Zeit ist Blockupy der größte Versuch, über Bewegungsgrenzen hinweg das kapitalistische System an empfindlichen Stellen zu treffen. Unser Engagement dabei hat deutlich dazu beigetragen, die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Bewegungen voranzubringen und Tierbefreiung auch dort zu einem Thema zu machen.
Deshalb unterstützt bitte die Aktionen, nehmt an den Veranstaltungen teil und bringt eigene Ideen ein!
Es ist Zeit, grenzübergreifende Solidarität Praxis werden zu lassen und bewegungsübergreifend zur Tat zu schreiten, um die Befreiung aller Ausgebeuteten zu verwirklichen. Nur gemeinsam sind der Angriff auf die Herrschaftsverhältnisse und eine solidarische Produktionsweise möglich!

    Aufruf aus dem Blockupy-Newsletter: „Helfer*innen fürs Festival gesucht!

Blockupy ist immer das, was wir gemeinsam daraus machen. Auch fürs Blockupy-Festival gibt es kein Büro, keine Jobs – dafür jede Menge Handarbeit. Nur damit wird’s gelingen. Gesucht werden jetzt viele Menschen mit Begeisterung für das was nötig ist – Technik und Anmeldung, Info und Wegweiser, Auf- und Abbauen, Stände, Plakate, Flipcharts und vieles mehr. Wir freuen uns über alle, die anpacken!“

Falls ihr genügend Kapazitäten habt, teilt uns bitte mit, ob ihr euch als Helfer_innen für Aufgaben, die im Rahmen der Durchführung des Festivals entstehen, anbieten könnt (Gebt hierbei bitte auch die Tage an und von Euch gewählte Zeiträume.)
Wir suchen hierfür Leute in der Tierbefreiungsbewegung!

Wenn Ihr Schlafplätze braucht, wendet Euch frühzeitig an uns:
tierbefreiung2blockupy@riseup.net

Wenn Ihr auf dem neuesten Stand der Dinge rund um Tierbefreiung goes Blockupy sein
wollt, dann schreibt uns eine Email und wir tragen euch auf dem Newsletter ein.

Euer Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy”

Email: tierbefreiung2blockupy@riseup.net
Internet: http://tierbefreiung2blockupy.blogsport.de

Einladung zum Blockupy-Festival | 20.-23. November | Frankfurt am Main

blockupy11.2014banner

Das Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy”, an dem die Antispeziesistische Aktion teilnimmt, läd alle Tierrechtler*innen und Tierbefreier*innen zur Beteiligung an dem Blockupy-Festival vom 20.-23.11.2014 in Frankfurt ein und bittet um Mithilfe in der einen oder anderen Schicht.

Unter dem Label „Blockupy” sammelt sich seit 2012 in Frankfurt ein breites Bündnis von linken Gruppen, Gewerkschaften und Netzwerken, um gegen die grausame europäische Krisenpolitik zu protestieren. Tierbefreier*innen und Tierrechtler*innen waren von Anfang an mit dabei, weil die Krisenpolitik eine Schwachstelle im kapitalistischen System – der Ursache der Ausbeutung von Mensch und Tier – darstellt. Nach den Massenblockaden der Europäischen Zentralbank 2012 und 2013 und den dezentralen Aktionen im Mai 2014 laden wir mit Blockupy im November zu einem Festival ein (siehe http://blockupy.org/festival2014).

Unter den Hashtags #talk #dance #act wird Blockupy Ende November in Frankfurt mit einem Festival von Diskussionen, einem Party- und Kulturprogramm und einem Aktionstag seine Proteste gegen das kapitalistische Krisenregime fortsetzen. Während sich die Krisenverwalter zur Euro Finance Week in Frankfurt für Gespräche treffen und die Europäische Zentralbank ihren Umzug in ihren neuen Palast gestaltet, werden wir uns mit anderen linken Gruppen dort treffen, um ihnen in die Suppe zu spucken. Seid dabei und kämpft mit!

Vom 20.-23. November 2014 werden an verschiedenen Orten in Frankfurt zahlreiche Workshops und auch Stadtführungen zur Ausbeutungs-, Austeritäts- und Ausgrenzungspolitik der kapitalistischen Krisenprofiteure angeboten. Daneben werden fünf mehrtägige Arbeitsgruppen wichtiger Bestandteil des Festival-Programms sein, in denen inhaltlich über zentrale Fragen diskutiert und Positionen erarbeitet werden sollen (siehe blockupy.org…/arbeitsgruppen). An den Abenden wird es Parties, Kino und Konzerte geben, u.a. mit den HipHop-Allstars von ticktickBoom.

Auch wir, das Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy”, werden uns und das Thema Tierbefreiung einbringen und veranstalten am Freitag, 21.November von 14-16 Uhr einen Workshop auf dem Blockupy-Festival, zu dem ihr herzlich eingeladen seid:
Natur und Tiere in der gesellschaftlichen Krise
Im Keller des Gesellschaftsbaus: Krisengespräche für eine grenzübergreifende Befreiung
(voraussichtlicher Ort: Café ExZess, Leipziger Straße 91. Bitte schaut vorher nochmals auf das Programm des Blockupy-Festivals, online unter: blockupy.org…/programm )
Eine Beschreibung des Workshops findet Ihr unter:
tierbefreiung2blockupy.blogsport.de…blockupy-festival

Am Aktionstag, Samstag den 22. November 2014, wollen wir symbolisch beim Umzug der Europäischen Zentralbank (EZB) mit anpacken. Wir bringen ihr all das in Umzugskartons zurück, was auf den Müllhaufen der Geschichte gehört: Neben der Ausbeutung, Ausgrenzung und Unterdrückung von Menschen, neben Kriegen, der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und vielem mehr gehört zu diesem Müll natürlich auch die systematische Gewalt gegen Tiere in der menschlichen Gesellschaft!

Zur Zeit ist Blockupy der größte Versuch, über Bewegungsgrenzen hinweg das kapitalistische System an empfindlichen Stellen zu treffen. Unser Engagement dabei hat deutlich dazu beigetragen, die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Bewegungen voranzubringen und Tierbefreiung auch dort zu einem Thema zu machen.
Deshalb unterstützt bitte die Aktionen, nehmt an den Veranstaltungen teil und bringt eigene Ideen ein!
Es ist Zeit, grenzübergreifende Solidarität Praxis werden zu lassen und bewegungsübergreifend zur Tat zu schreiten, um die Befreiung aller Ausgebeuteten zu verwirklichen. Nur gemeinsam sind der Angriff auf die Herrschaftsverhältnisse und eine solidarische Produktionsweise möglich!

    Aufruf aus dem Blockupy-Newsletter: „Helfer*innen fürs Festival gesucht!

Blockupy ist immer das, was wir gemeinsam daraus machen. Auch fürs Blockupy-Festival gibt es kein Büro, keine Jobs – dafür jede Menge Handarbeit. Nur damit wird’s gelingen. Gesucht werden jetzt viele Menschen mit Begeisterung für das was nötig ist – Technik und Anmeldung, Info und Wegweiser, Auf- und Abbauen, Stände, Plakate, Flipcharts und vieles mehr. Wir freuen uns über alle, die anpacken!“

Falls ihr genügend Kapazitäten habt, teilt uns bitte mit, ob ihr euch als Helfer_innen für Aufgaben, die im Rahmen der Durchführung des Festivals entstehen, anbieten könnt (Gebt hierbei bitte auch die Tage an und von Euch gewählte Zeiträume.)
Wir suchen hierfür Leute in der Tierbefreiungsbewegung!

Wenn Ihr Schlafplätze braucht, wendet Euch frühzeitig an uns:
tierbefreiung2blockupy@riseup.net

Wenn Ihr auf dem neuesten Stand der Dinge rund um Tierbefreiung goes Blockupy sein
wollt, dann schreibt uns eine Email und wir tragen euch auf dem Newsletter ein.

Euer Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy”

Email: tierbefreiung2blockupy@riseup.net
Internet: http://tierbefreiung2blockupy.blogsport.de

Neuerscheinung: „Antifa heißt Luftangriff!“

Ende Juni ist ein Sammelband erschienen, dessen Beiträge aktuelle Entwicklungen eines Antifaschismus analysieren, der sich zwar revolutionär gibt, doch zunehmend systemfromm und affirmativ ist. Die Herausgeber, Susann Witt-Stahl und Michael Sommer, weisen darauf hin, dass Antifaschismus und Antikapitalismus für die Linke traditionell zusammengehören. Doch, so heißt es in der Buchbeschreibung, „seit den 1990er-Jahren verschieben sich die Fronten: Nazi-Gegner unterstützen die imperialistischen Kriege der NATO. Historische wie gegenwärtige antikapitalistische Bewegungen – von KPD bis Blockupy – dagegen diskreditieren sie mit abstrusen Antisemitismusvorwürfen. Den Ausbau des Westens zu einem autoritären Hochsicherheits- und Überwachungsregime erkennen sie nicht als reale Gefahr. Wenn Nazis morgen, wie im Fall NSU, reicht die Fantasie meist nur für ein NPD-Verbot. Auf die drohende Machtübernahme von militanten Nationalisten in der Ukraine und die Kollaboration der Bundesregierung reagiert die Mehrheit der deutschen Anftifaschisten bestenfalls mit Schweigen. Susann Witt-Stahl, Michael Sommer und andere marxistische Autoren unterziehen diese Regression einer genuin revolutionären Bewegung einer gründlichen Analyse und Ideologiekritik.“

Mit Beiträgen von Moshe Zuckermann, Jürgen Lloyd, Wolf Wetzel, Eberhard Schulz, Matthias Rude, Maciej Zurowski.

Im Beitrag unseres Aktivisten Matthias Rude, „Nie wieder Faschismus“ – immer wieder Krieg. Ein bürgerliches Trauerspiel in drei Akten wird nachgezeichnet, wie seit dem Ende des realsozialistischen Experiments einige deutsche Linke selbst eine politische „Wende“ vollzogen und in den Chor der neoliberalen Kriegstreiber eingestimmt haben, die längst gelernt haben, die Durchsetzung ihrer Interessen als „humanitäre Interventionen“ zu kaschieren; seither werden uns die Kriege der Herrschenden als „antifaschistisch“ verkauft.

Auf kritisch-lesen.de findet sich eine Rezension des Bandes: Christin Bernhold: Killing Antifaschismus softly.

Das Buch ist in der Theorie-Reihe des Laika-Verlags erschienen.

Bauernaufstand feiern oder seine Niederschlagung?

Tübingen feiert den Tübinger Vertrag. Dieser wurde vor 500 Jahren vom Tübinger Herzog Ulrich mit dem wohlhabenden Bürgertum abgeschlossen und gilt als Meilenstein in der Geschichte der Demokratie. Der manchmal als „Magna Charta Baden-Württembergs“ gefeierte Vertragsabschluss wird dieses Jahr in Tübingen mit einer teuren Ausstellung „Macht Gewalt Freiheit“ in der Tübinger Kunsthalle feiert. Stadt und Land steuern für diese eine Halbe Millionen Euro bei (siehe Tübinger Tagblatt). Die Tübinger Öffentlichkeit ist inzwischen soweit, den Abschluss des Tübinger Vertrags dahingehend kritisch zu bearbeiten, dass immer wieder eingeflochten wird, er sei auf dem „Rücken der Bauern“ ausgetragen worden.

Aber welche Rolle spielten die Bauern? In wie fern ist der Vertrag ein Schritt in die Demokratie? Wem ist dieser Schritt zu verdanken?



So feiert Tübingen seinen Vertrag. Leider war Freiheit in Wirklichkeit nicht das Ende der Tragödie.

Nicht nur ein kleiner Teil der linken Gegenöffentlichkeit in der Region Tübingen versuchen die andere Seite der Geschichte darzustellen. Auch die Städte Fellbach, Schorndorf, Waiblingen und Weinstadt feiern ganz offiziell, wenn auch mit weniger Geldmittel als Tübingen ihre historische Seite des Vertrages: Der Aufstand der Bauern vor allem im Remstal! Dieser Bauernaufstand, der auch in anderen deutschen Königreichen und Fürstentümern Anfang des 16. Jahrhunderts stattfand, wurden hier von der aufständischen Bauernorganisation Namens der Arme Konrad maßgeblich getragen. Der Name bezieht sich auf einen damaligen Bauernwitz, da die Betroffenen sich in der Lage häufig auf Nord-Schwäbisch sagten: „Do hän i kon Rat!“.
Die bis dahin recht braven Bäuerinnen1 gerieten vor allem durch die Rücksichtslosigkeit und Prunksucht des Herzogs Ulrich in schlimme Not. Der Herzog verprasste die gesamten Ersparnisse, die die Herzöge seit Generationen von der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern durch Abgaben und Frohndienste abpressten, durch große Feierlichkeiten für sich und seine adeligen Freunde aus den benachbarten Fürstentümern. Um wieder an Geld zu kommen erhöhte der Herzog die Steuern und Abgaben. Zudem fütterten die Handlanger des Herzogs die Wildtiere in den Wäldern und verboten den Bäuerinnen diese zu töten, um dem Herzog das „Vergnügen“ der Jagd zu ermöglichen, wodurch die Tiere großen Schaden auf den Feldern anrichteten. Dabei ritten der Herzog und seine adeligen Gäster rücksichtslos über die mühsam gepflegten Felder der Bäuerinnen und Bauern. Nicht selten kam es vor, dass der Herzog oder einer seiner Gäste eine Bäuerin oder Bürgerin im Vorbeireiten tot schlug. Durch die Macht des Herzog hatte er den Richterspruch nicht sonderlich zu fürchten. Hunger und Not breitete sich in der Bauernschaft aus, und damit auch der Wille zum Widerstand.2
Die Jagd war schon damals ein „Sport“ für die Herrschenden. Das Leben der Bäuerinnen basierte auf Ackerbau, die ärmeren bearbeiteten ihre Felder ohne Hilfe von Tieren. Bei der Jagd des Herzogs waren manchmal auch sie Opfer. Selbstverständlich beschreibt das die Situation der Bäuerinnen und Bauern, nicht per se deren Bewusstsein oder Forderungen, die u.a. das Recht auf Holzschlag, Fischen und Jagen beinhalteten.

Die geheime Bauernorganisation der Arme Konrad breitete sich schnell aus und auch einige Bürgerinnen und Bürger nahmen sich der Sache der Bäuerinnen und Bauern an oder waren ebenfalls von den neuen Steuern betroffen. Zur Hochzeit des Armen Konrad besetzten die aufständischen Bäuerinnen sogar einige Städte, großteils friedlich wenn auch bewaffnet. Der Arme Konrad, wie die gesamte Bauernbewegung dieser Zeit kann als eine frühe und emanzipatorische, soziale Bewegung bezeichnet werden. Die zwölf Artikel, die zwanzig Jahre später im oberschwäbischen Bauernaufstand unter anderem vom aus Rottenburg am Neckar stammenden Sebastian Lotzer verfasst wurden, gehören zu den frühesten Forderungen der Abschaffung der Leibeigenschaft. Darüber hinaus beinhalten sie demokratische Forderungen nach der Wahl des Pfarrers (welcher in den Dörfern mehr als diskursive Macht ausübte) und soziale Forderungen nach Gemeingütern (heute meist: Commons). Die Umsetzung dieser Zwölf Artikel wäre ein wirklicher Schritt in eine wirkliche Demokratisierung gewesen. Deren Umsetzung hätte aber mindestens eine massive Einschränkung der Macht der Herzogs bedeutet und kamen von Herrschaftsseite nicht in Frage.




Dem Herzog fehlte das Geld um Söldner zur Niederschlagung zu bezahlen. Deshalb war er gezwungen auf das Angebot einiger reicher Bürgerinnen und Bürger einzugehen, die ihm Geld anboten, wenn sie in Zukunft gewissen politische und bürgerliche Rechte dafür bekämen. Dazu zählte eine gewisse politische Mitbestimmung und Schutz vor willkürlicher Verhaftung. Dieser Handel wurde im sogenannten Tübinger Vertrag festgehalten. Daraufhin wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen und viele Aktive, die mit dem Armen Konrad in Verbindung gebracht wurden öffentlich hingerichtet und ihre Köpfe teilweise auf Anweisung Herzog Ulrichs auf Pfählen aufgesteckt zur Abschreckung aufgestellt. Noch heute wird der Feldherr der die Niederschlagung durchführte Ernst von Fürst dafür in Tübingen durch einen Straßennamen geehert.



Der Vertrag kann also als typsiche Vereinnahmung einer emanzipatorischen Bewegung, hier der Bauernbewegung, verstanden werden; als Öffnung der Macht des Adels gegenüber dem reichen Bürgertum um die ärmeren Bürgerinnen und die Bauernschaft weiter auszubeuten und von politischen und bürgerlichen Rechten auszugrenzen. Zwar ist der Vertrag ein kleiner Schritt in Richtung Demokratie, auch den Bäuerinnen und Bauern wurden einige wenige Rechte danach gewährt, diente aber dazu einen großen Schritt in Richtung richtige Demokratie zu verhindern. Es ist die typische Bewegung, die seither immer wieder zu sehen ist: Nur wer alles fordert, erreicht auch kleine Verbresserungen. Diese werden im Nachhinein als die fortschrittlichen Taten der Herrschenden dargestellt, um das kämpferische Bewusstsein zu dämpfen.

Unsere Aufgabe ist es daher, darüber aufzuklären, dass nicht die Herrschaft sondern nur die Rebellion der Massen gegen die Herrschaft Fortschritte erkämpfte. Dass unsere Vorfahren und Vorgängerinnen dadurch uns all die Vorzüge die wir als einfach Leute heute genießen (bzw. heute die traurigen Reste von Sozialstaat und Demokratie) erstritten haben. Und dass wir, wenn wir auch nur kleine Schritte vorwärts kommen wollen, alles fordern müssen.

Für alle Interessierte gibt es heute Abend in Waldenbuch im Zuge einer Veranstaltungsreihe einen Vortrag zum Armen Konrad von der Stadtarchivarin Debora Fabriz. In Tübingen gibt es ebenfalls eine paar Veranstaltungen die die Seite der Bäuerinnen und Bauern vertritt. So finden im Club-Voltaire immer wieder Veranstaltungen dazu statt. Außerdem wird das diesjährige Sommertheater des Theaters Lindenhof das Stück „Der Arme Konrad“ von Friedrich Wolf auf der Neckarinsel in Tübingen aufführen. Friedrich Wolf war ein hechinger Arzt, Kommunist und Author, der sich auch für eine vegetarische Ernährung stark machte und im Generalstreik gegen Hitler involviert war. Dass er dies nicht nur aus Gesundheitsgründen tat beweist er mit seiner berühmten Geschichte „Die Weihnachtsgans Auguste“.

  1. Wir verwenden das generische Femininum, d.h. wir verwenden die weibliche Form und meinen damit alle Geschlechter, ob weiblich, männlich, intersex, trans, usw. [zurück]
  2. Wilhelm Zimmermann: Der große deutsche Bauernkrieg. 1999 (1845) [zurück]

Blockupy Proteste: Großdemos und Schlachthofblockaden

An den Blockupy-Krisendemonstrationen am 17.Mai in Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und Berlin haben je 1.500-3.000 Menschen teilgenommen. Es gab eine Mobilisierung von Tierbefreier-/Tierrechtlerinnen, die in Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg mit je 20-40 Aktiven vertreten waren. In den Aktionen in den Innenstädten nach den Demonstrationen wurden Care-Arbeit, Produktionsbedingungen in der Textilindustrie, Zeitarbeit aber auch Ausbeutungssituationen wo Menschen und Tiere betroffen sind thematisiert, v.a. in der Fleischindustrie. Ein ausführlicheren Bericht zu den Demos und Aktionen findet ihr auf der Homepage des Bündnisses Tierbefreiung goes Blockupy.

Im Rahmen der europaweiten Mai-Aktionstage von 15.-25.Mai fanden aber noch viele weitere Aktionen statt. Eine große Gruppe geflüchteter Menschen begann in dieser Zeit ihren Marsch von Straßburg bis Brüssel, um für Bewegungsfreiheit zu demonstrieren. Mehr Infos auf ihrer Seite FreedomNotFrontex.

Auch im Kontext der Blockupy-Aktionstage wurden am 19.Mai zwei Geflügelschlachthöfe von Tierbefreiungsaktivistinnen mehrere Stunden lang blockiert. Einmal der Wiesenhof-Schlachthof bei Möckern und einmal der berüchtigte Schlachthof Rothkötters bei Wieze, welcher den größten Schlachthof Europas darstellt. Aktivistinnen hatten sich an Betonfässen gefesselt und den Schlachthofbetrieb um einige Stunden aufhalten können. Ein ausführlichen Aktionsbericht mit Infos über die Hintergründe findet ihr
hier
.


Die Schlachthofblockade bei Möckern.


Die Antspeziesistische Aktion Tübingen war an der Organisation beteiligt und natürlich in Stuttgart vor Ort.

Aufruf Blockupy 2014

Viel wird beim Kampf um eine be­frie­de­te und so­li­da­ri­sche Ge­sell­schaft, in der sich Men­schen und Tiere frei ent­wi­ckeln und frei leben kön­nen, davon ab­hän­gen, in­wie­weit die Frei­heit von Men­schen und Tie­ren als mit­ein­an­der ver­bun­den er­kannt wird. Nicht we­ni­ger wird Vor­aus­set­zung sein, dass Men­schen ein Be­dürf­nis ent­wi­ckeln, die ge­gen­wär­ti­gen re­pres­si­ven Ver­hält­nis­se zu über­win­den, und be­reit sind, diese Über­win­dung in der all­täg­li­chen und po­li­ti­schen Pra­xis zu­sam­men mit an­de­ren eman­zi­pa­to­ri­schen Kräf­ten zu er­kämp­fen.
Die Block­u­py-​Pro­tes­te gegen Ka­pi­ta­lis­mus, Aus­beu­tung, Aus­gren­zung und Ver­elen­dung hal­ten ein Po­ten­zi­al be­reit, sich in den ge­mein­sa­men Kampf ein­zu­brin­gen und die Fremd-​ und Selbst­ver­en­gung der Tier­be­frei­ungs­idee und -​pra­xis auf­zu­he­ben. Das Bünd­nis „Tier­be­frei­ung goes Block­u­py“ ruft in­so­fern auf, sich auch 2014 bei Block­u­py zu en­ga­gie­ren und die­ses Po­ten­zi­al zu nut­zen.

Im No­vem­ber 2013 wurde auf der trans­na­tio­na­len Ak­ti­ons­kon­fe­renz in Frank­furt so­dann be­schlos­sen, im Mai bei de­zen­tra­len Ak­ti­ons­ta­gen trans­na­tio­nal gegen den Ka­pi­ta­lis­mus, gegen die Troi­ka und die damit zu­sam­men­hän­gen­de Ver­elen­dungs­po­li­tik und Ver­schär­fung der Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­se an­zu­ge­hen und sich gleich­zei­tig einer jeg­li­chen rechts­po­pu­lis­ti­schen und na­tio­na­lis­ti­schen Eu­ro­pa­kri­tik ent­ge­gen­ge­stellt. Der Kampf um So­li­da­ri­tät, Com­mons (Ge­mein­gü­ter) und De­mo­kra­tie (von unten) wurde von einem Teil der Teil­neh­mer_in­nen als ers­tes ge­mein­sa­mes Ziel be­schlos­sen. Au­ßer­dem wurde die Stö­rung der Er­öff­nungs­fei­er der neuen EZB im Herbst/Win­ter 2014 in Frank­furt aus­ge­ru­fen. Da das ge­naue Datum der Er­öff­nungs­ze­re­mo­nie noch nicht fest­steht, wird zum „Tag X“ mo­bi­li­siert.
Wie auch im Jahr zuvor soll die­ses Groß­er­eig­nis ein­ge­bun­den sein in eine fünf­tä­gi­ge Ak­ti­ons-​ und Theo­rie­wo­che mit ver­schie­de­nen Pro­tes­ten, mit in­halt­li­cher Ar­beit sowie Dis­kus­si­ons-​ und Ver­net­zungs­mög­lich­kei­ten. Hier­für soll es unter an­de­rem er­neut ein Camp geben und eine Kon­fe­renz durch­ge­führt wer­den.

Ak­ti­vis­t_in­nen aus der Tier­be­frei­ungs­be­we­gung waren bei fast allen Tref­fen be­tei­ligt und haben be­schlos­sen, sich ver­mehrt bei Block­u­py – in die Pro­tes­te aber auch in die Vor­be­rei­tung und Or­ga­ni­sa­ti­on – ein­zu­brin­gen und Block­u­py zu un­ter­stüt­zen. Als Ar­beits­ti­tel des Bünd­nis­ses wurde bei einem Tref­fen im März „Tier­be­frei­ung goes Block­u­py“ ge­wählt. Vier, mit­ein­an­der ver­schränk­te Auf­ga­ben sind die­sem Zu­sam­men­schluss zen­tral:

1. In­ner­halb des Block­u­py-​Bünd­nis­ses und der ra­di­ka­len Lin­ken die Be­frei­ung der Tiere als le­bens­not­wen­dig für die tier­li­chen In­di­vi­du­en und als wich­ti­gen Teil des Kamp­fes gegen Un­ter­drü­ckung, Ka­pi­ta­lis­mus und Klas­sen­ge­sell­schaft be­wusst ma­chen und zu­gleich für die kämp­fen­de Pra­xis neue Bünd­nis­part­ner su­chen;
2. Im Rah­men der Block­u­py-​Pro­tes­te die Tier­rechts-​ und Tier­be­frei­ungs­be­we­gung auf­for­dern und un­ter­stüt­zen, ihre Ar­beit an der Ge­sell­schafts­ana­ly­se vor­an­zu­trei­ben, die der­zei­ti­gen un­ter­schied­li­chen Po­si­tio­nen und deren ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Kon­se­quen­zen of­fen­zu­le­gen und Wi­der­sprü­che auf­zu­zei­gen;
3. Zu­sam­men mit den an­de­ren Ak­ti­ven der Tier­be­frei­ungs­be­we­gung er­ar­bei­ten, warum deren Ziele mit den an­de­ren Zie­len der ra­di­ka­len Lin­ken ver­bun­den sind;
4. In­ner­halb des Block­u­py-​Bünd­nis­ses und aus der ge­mein­sa­men kämp­fen­den Pra­xis her­aus eine eman­zi­pa­to­ri­sche Ge­sell­schafts­kri­tik ent­wi­ckeln und ge­mein­sam Mög­lich­kei­ten zur grund­le­gen­den Ge­sell­schafts­ver­än­de­rung er­ar­bei­ten und durch­zu­set­zen ver­su­chen.

Um diese Auf­ga­ben wahr­neh­men zu kön­nen, be­nö­ti­gen wir die Un­ter­stüt­zung und Ein­mi­schung mög­lichst Vie­ler. Wir rufen hier­mit auf, sich an den Pro­tes­ten zu be­tei­li­gen und sich im Zu­sam­men­schluss „Tier­be­frei­ung goes Block­u­py“ und/oder im Block­u­py-​Bünd­nis ein­zu­brin­gen. In­for­ma­tio­nen und kon­kre­te An­ga­ben fin­det ihr auf den unten ste­hen­den Web­sei­ten. Unten ste­hen zudem die vor­erst wich­tigs­ten Ter­mi­ne.

Zu den de­zen­tra­len Ak­ti­ons­ta­gen im Mai haben wir ver­ein­bart, un­se­re Pro­tes­te auf die Fleisch­in­dus­trie zu kon­zen­trie­ren: von den Stäl­len, den Trans­port­un­ter­neh­men und Schlacht­hö­fen, bis hin zu den Zer­le­ge-​ und Ver­ar­bei­tungs­be­trie­ben, dem Groß- und Ein­zel­han­del und den klei­nen Metz­ge­rei­en. Hier­bei soll so­dann im Sinne des Block­u­py-​Ge­dan­kens nicht nur gegen die an den Tie­ren ver­üb­te Ge­walt, ihre Ge­fan­gen­hal­tung, Un­frei­heit, Un­ter­drü­ckung und Tö­tung pro­tes­tiert wer­den, son­dern auch gegen die Ent­frem­dungs-​ und Un­ter­drü­ckungs­pro­zes­se, denen die in den Be­trie­ben ar­bei­ten­den Men­schen aus­ge­setzt sind; nicht zu­letzt auch gegen die mit der Fleisch­pro­duk­ti­on ver­bun­de­nen Herr­schafts­ver­hält­nis­se ge­gen­über Men­schen im­pe­ria­lis­tisch un­ter­wor­fe­ner Län­der und man­nig­fal­ti­gen de­struk­ti­ven Ein­grif­fen in die Natur.

Ter­mi­ne:
Mai-​Ak­ti­ons­ta­ge 2014: Eu­ro­pa­wei­te de­zen­tra­le Ak­ti­ons­wo­che vom 15. bis 25. Mai 2014

15. Mai: Pro­tes­te zum Jah­res­tag der spa­ni­schen 15M-​Be­we­gung sowie gegen den EU-​Gip­fel in Brüs­sel
16. Mai: lo­ka­le Ak­tio­nen in zahl­rei­chen Städ­ten in Eu­ro­pa
17. Mai: grö­ße­re Pro­tes­te in den vier deut­schen Städ­ten Ber­lin, Ham­burg, Düs­sel­dorf und Stutt­gart
vom 15. bis 25. Mai: de­zen­tra­le Pro­tes­te der Tier­be­frei­ungs­be­we­gung gegen die Fleisch­in­dus­trie

Ak­ti­ons­ta­ge im Herbst/Win­ter 2014:

Mo­bi­li­sie­rung nach Frank­furt zum „Tag X“
Ak­tio­nen gegen die Er­öff­nung des neuen Ge­bäu­des der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB)
Ak­tio­nen gegen Ka­pi­ta­lis­mus, Aus­beu­tung, Un­ter­drü­ckung, Zer­stö­rung, Ver­elen­dung etc.
Camp
Kon­fe­renz

Die Antispeziesistische Aktion Tübingen mobilisiert zum Tierbefreiungsblock der Blockupy-Demonstration am 17.Mai in Stuttgart um 12 Uhr. Gemeinsame Anfahrt von Tübingen 9:32 auf Gleis 2 am Hbf Tübingen, in Reutlingen 9:43 auf Gleis 1.

Weitere Infos und Material auf der Homepage von Blockupy goes Tierbefreiung

NachtTanzDemo Reutlingen

Aufruf zur Nachttanzdemo in Reutlingen:

Die Stadt gehört allen!?!

Durch ständige Modernisierung und Aufwertung sollen Städte anhand ihres Erscheinungsbilds zu Aushängeschildern der jeweiligen Gemeinden werden, in der ewigen Konkurrenz als Unternehmensstandorte und Einkaufsstädte. Daher gibt es, z.B. in Reutlingen, zig Möglichkeiten auf unterschiedlichste Weise Geld los zu werden: Viele ’schicke‘ Cafes, eine große Auswahl an Bekleidungsgeschäften, eine ‚wunderschöne‘ Stadthalle und weitere, von Konsumzwang geprägte Räume, in denen man sich wunderbar wohlfühlen kann.
Doch wo gehst du hin, wenn du gerade kein Geld ausgeben möchtest oder ausgeben kannst? Wenn du dich in einem ungezwungenen Rahmen mit Freunden treffen möchtest? Wenn du genau das machen möchtest, worauf du gerade Lust hast? Dann sieht die Lage in Städten weniger rosig aus. Aus Cafeś wird man raus geworfen, in Einkaufszentren vergrault man angeblich die zahlungskräftige Kundschaft und in einem Klamottenladen abzuhängen, ohne etwas Schönes kaufen zu können, war ja auch noch nie sehr verlockend.
Die wenigen Orte wie z. B. Parks, Plätze und Soziale Zentren, die uns für ein selbstbestimmtes Zusammenleben verbleiben, werden täglich von sogenannten Ordnungskräften durchstreift und kontrolliert, um die Gesetze durchzusetzen und jegliche Ansätze von selbstbestimmten und spontanen Zusammenkünften von Menschen zu unterbinden, also die sogenannte öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.
So wird beispielsweise in Reutlingen in der Pomologie, einem Stadtpark, nach 23 Uhr jede Ansammlung von Menschen, die als Jugendliche eingestuft werden, konsequent aufgelöst; zur Not auch mal mit Hilfe eines Polizeihubschraubers, der ’sowieso gerade in der Nähe war‘.



Das autonome Jugend- und Kulturzentrum Zelle: Basisdemokratisch und konsequent unkommerziell

In Reutlingen läuft halt alles etwas ordentlicher ab

Beim Autonomen Jugendzentrum „Kulturschock Zelle“ schaut man deswegen bei Partys auch mal genauer hin und analysiert die Aufbauten bei größeren Veranstaltungen: Der Bauzaun mit befestigten Planen sei dazu da, Drogenkonsument*innen zu schützen und beim Chilloutbereich handle es sich um den Drogenmarktplatz, der nur dazu einlade, Drogen zu kaufen und anschließend zu konsumieren.
Nicht nur bei den kreativen Bauten ist ein geschultes Auge gefragt. Auch bei der Inspektion des Intimbereichs einiger junger Gäste auf illegale Substanzen geht man gründlich vor. Man will ja nicht aufgrund von verhältnismäßigem und stichprobenartigem Vorgehen mit leeren Händen nach Hause gehen. Auch wenn mal keine Party ist, weiß sich die Polizei hier zu helfen und schickt bei einer Mitarbeiter*innen-Versammlung gleich sechs Einsatzfahrzeuge zur Zelle, um unter einem Vorwand die Personalien der interessierten Menschen und Mitarbeiter*innen festzustellen.

Zelle vs. Stadtverwaltung

Dieses Vorgehen knüpft nahtlos an das der Reutlinger Stadtverwaltung an. Diese versucht mithilfe einer Gaststättenkonzession einen angemessenen Hebel zu finden, um die Autonomie der Zelle einzuschränken und in den Zapfhahn des Gaststättenrechts zu pressen. Durch eine Konzession müssten einmal mehr Verantwortliche deklariert werden, die im Falle eines Vergehens gegen die Rahmenbedingungen den Kopf hinhalten müssten. Doch das ist nicht der Grund, warum die Konzession von der Zelle so konsequent verweigert wird. Ein solch juristisches Konstrukt öffnet der Stadtverwaltung Tür und Tor für nahezu alle nur erdenklichen Repressionsmaßnahmen.
Als hätte die Stadt nicht schon über diverse Verfügungen genügend Spielraum, um den Leuten der Zelle das Leben schwer zu machen. Ein Beispiel wäre da noch die aktuellste Idee des Ordnungsamtsleiters Albert Keppler. Dieser versuchte, mithilfe einer Verfügung, der Polizei Zutritt zu Veranstaltungen in der Zelle zu verschaffen. Bei Nichtbeachtung seitens der Zelle wurde ein Ordnungsgeld in Höhe von 5000 € angedroht. Diese Verfügung zog er allerdings nach Kritik der Zelle zurück. Ob der rechtliche Rahmen dafür nichts hergibt oder ob Herr Keppler seinen „guten Willen“ zeigen wollte, ist zunächst noch unklar.


Die Zelle besteht seit 1968 und ist ein Freiraum im doppelten Sinne: Gäste sind frei von Konsumzwängen und oft auch von Eintrittspreisen; Alle können frei mitarbeiten und basisdemokratische alle Regeln mitgestalten. Natürlich nur so frei wie es in den kapitalistischen Widersprüchen geht, wo (gegenseitiger und innerer) Konsumzwang und Geld- und damit Zeitnot Standard sind.

Wer uns am selbstbestimmten Leben hindert, soll unseren Widerstand spüren!

Fakt ist: Wir werden uns als Gäste der Zelle weiterhin konsequent gegen Polizisten auf der Insel wehren und dies auch mit dem notwendigen zivilen Ungehorsam durchsetzen. Wer uns bei Demonstrationen verhaut, uns auf offener Straße, gegen unseren Willen, in die Unterhose fasst und uns am selbstbestimmten Leben auch nur im kleinsten hindert, sollte unseren Widerstand spüren! Wir erklären uns außerdem ausdrücklich solidarisch mit den Menschen in Hamburg, Berlin und überall auf der Welt, die diesen Repressalien noch viel schlimmer ausgesetzt sind als wir!
Rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen mehren sich in unserer Gesellschaft. Deutschlandweit wurden in den letzten Monaten Flüchtlingsunterkünfte angegriffen. Die Polizei tappt so gut wie immer im Dunkeln und kann angeblich keine rassistischen Motive erkennen. Die meisten Flüchtlingsunterkünfte befinden sich oft weit ab der Kernstadt in abgelegenen Gebieten. Da Flüchtlinge entgegen populistischen Aussagen hier nicht wie „Gott in Frankreich“ leben, können sie sich oft nicht leisten, überhaupt in irgend einer Weise am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Es macht uns wütend, wenn Menschen die vor Kriegen und Mißständen aus ihrer Heimat fliehen, auch dort wo sie Schutz suchen, um ihr Leben fürchten müssen. Wir stellen uns gegen Europas menschenverachtende Politik der Abschottung gegen Flüchtlinge, denn sie kostet täglich Menschen das Leben. Neben Frontex und prügelnden Cops sind auch die homo- und transphoben Proteste gegen den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg gemeint, auf die wir besonders aufmerksam machen wollen. Wir sehen darin nur die Spitze eines homophoben Eisbergs in dieser Gesellschaft. Häufig darf man sich in diesem Diskurs Sätze anhören wie ‚Ich bin ja nicht homophob, aber wenn mein Sohn schwul wäre, würde ich mir Sorgen machen‘. Wir glauben, dass Homo- und Transphobie große Probleme in dieser Gesellschaft sind, in der die heterosexuelle Orientierung als Norm betrachtet wird.

The Problem isn‘t that I see sexism everywhere – the Problem is that you don‘t!

Es ist einfach ekelhaft, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihres äußeren Erscheinungsbilds oder ihres Verhaltens diskriminiert werden. Dass Menschen anhand ihres Verhaltens diskriminiert werden, steht oft im Zusammenhang mit dem sexistischen Normalzustand. Dieser Zustand beschreibt zwei konstruierte Geschlechter, denen dann auch bestimmte Verhaltensweisen und Eigenschaften zugeschrieben werden. Die sogenannte ‚Frau‘ wird als weich, gefühlvoll, schwach und ängstlich beschrieben, wogegen der sogenannte ‚Mann‘ als stark, unbeugsam, gefühlskalt und rational dargestellt wird. Wenn ‚Frauen‘ wechselnde Sexualkontakte haben, gelten sie als ‚Schlampen‘, ‚Männer‘ hingegen als besonders ‚männlich‘.
Reutlingen ist, wie vermutlich jede andere Stadt, eine Projektionsfläche genau dieses sexistischen Normalzustands in unserer Gesellschaft. So lassen z. B. Clubs junge ‚Frauen‘ als Engel verkleidet in der Fußgängerzone Flyer verteilen oder Bilder auf ihre Plakate drucken, die das ‚weibliche‘ Geschlecht nur noch auf Äußerlichkeiten reduziert. Doch als wäre das nicht genug, setzt ein Reutlinger Club noch eins drauf. Dort ersetzen leicht bekleidete ‚weibliche‘ Schaufensterpuppen hinter einer Scheibe die Keramik der Pissrinne.
Nicht nur Clubs versuchen ganz nach dem Motto ’sex sells‘ Werbung zu machen. Auch auf großen beleuchteten Litfaßsäulen sieht mensch die Werbung der ‚Bildzeitung‘ oder die von ‚West‘-Zigaretten auf denen immer wieder dieselben Muster zu erkennen sind.


Die Zelle ist nicht nur physisch, sondern auch im übertragenden Sinne auf einer Insel: Abseits der kleinen Großstadt mit hoher Millionärsdichte, deren größter Zeitungs-Chefredakteur Vorstand des evangelikalen Medienverbandes ist.

Zurück zur Stadtpolitik

Wenn man also eine moderne Stadt wie Reutlingen betrachtet, ist diese kaum noch ein Raum für diejenigen, die dort leben wollen. Vielmehr steht bei der modernen Stadtplanung die profitorientierte Verwertung der Menschen über ihren Bedürfnissen. Das zeigt sich beispielsweise beim neuesten Projekt der Stadt Reutlingen: Beim sogenannten ‚Bebauungsplan K8′ geht es darum Altstadthäuser abzureißen und diese durch ein Einkaufsparadies mit Wohnmöglichkeiten auf ‚hohem Niveau‘ zu ersetzen. Das Schema wiederholt sich derzeit überall auf der Welt, die bisherigen Mieter*innen, die nicht in das Bild einer schicken Stadt passen oder sich die Wohnungen nicht mehr leisten können, werden auf die Straße gesetzt, die Wohnungen aufgewertet damit sie mit mehr Profit abwerfen.
Wir wollen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies nur Beispiele in der Stadtentwicklung von Reutlingen sind, diese aber andere Städte als Vorbilder haben. Es ist uns auch wichtig das unsere Kritik, die wir formulieren, nicht den Luxus oder die Modernisierung der Stadt angreift, sondern die daraus resultierende Verdrängung der Menschen die sich diese Entwicklungen nicht leisten können oder das nicht wollen.
Diesen Zustand sehen wir als Teil eines großen Gesamtproblems, allerdings wollen wir nicht bis zu einer herbeigeredeten ‚Revolution‘ damit warten, uns den öffentlichen Raum wieder anzueignen.
Ihr könnt euch spontan ohne Erlaubnis zusammen finden, die Stadt malerisch verschönern, Streetart betreiben, für kulturelle Zentren kämpfen und euch an bestehenden Zentren beteiligen. Vielleicht wäre es auch mal wieder Zeit das Ordnungsamt mit feierwütigen Menschen zu besuchen oder sich den öffentlichen Raum durch gemeinsame Aktivitäten wie Outdoorkino, Straßenfest und vieles mehr zurück zu erkämpfen!
Wir wollen jedenfalls hier und jetzt beginnen und zwar mit dem was wir am allerliebsten machen: Feiernd mit Hunderten von Menschen denen es ähnlich geht wie uns!
Wir rufen daher zur überregionalen Nachttanzdemo in Reutlingen auf. Kommt zahlreich und beteiligt euch mit kreativen und vielfältigen Aktionen an der Demo!

Samstag 26.04.2014 um 16 Uhr am Hauptbahnhof in Reutlingen

Die Antispeziesistische Aktion Tübingen ist Unterstützerin der Nachttanzdemo. Pennplatzbörse, Aufruf auf Englisch, aktuelle Infos und mehr auf der Homepage der Nachttanzdemo. Infos über das autonome reutlinger Kultur- und Jugendzentrum auf der Homepage der Zelle.

Vegan-Hype: Ursachen und Vereinnahmung aus kämpferischer Perspektive

Was heute alltäglich ist, hätte noch vor fünf Jahren kaum jemand aus der Tierrechtsszene für möglich gehalten: Geschäfte werben damit, dass sie vegane Artikel führen, große, bürgerliche Zeitungen wie die „Süddeutsche“ oder „Die Zeit“ behandeln den Veganismus in ganzseitigen Artikeln, im Privatfernsehen wird über Veganismus gesprochen, große Fleischkonzerne bringen vegane Produktlinien heraus.1 Sind wir dabei zu gewinnen? Nein und ja…

Der Hype in Zahlen

Es herrscht ein Vegan-Hype, das ist nicht zu leugnen. Und an seinem Aufkommen sind „wir“ Tierbefreierinnen maßgeblich beteiligt.2 Seit Jahrzehnten stehen sich Generationen von Tierrechtlerinnen und Tierbefreierinnen3 auf den Straßen dieser Welt die Beine in den Bauch, um Veganismus-Flyer zu verteilen, streiten sich mit Laden- und Restaurantbesitzerinnen, um etwas ohne Milch, Ei und Fleisch zu bekommen und sorgen mit nächtlich sabotierten Tierbetrieben ab und zu für Schlagzeilen. Den Vegetarismus und den Veganismus in der Welt bekannt zu machen, hat „uns“ Jahrzehnte der Mühe, Arbeit, des Aktivismus, der gemeinsamen Kämpfe, der Kreativität und so weiter gekostet. Das war nicht umsonst, denn ohne „uns“ gäbe es diesen Vegan-Hype heute sicher nicht. Da können wir uns getrost gegenseitig auf die Schultern klopfen und feiern!
Dennoch sollten wir uns auch von diesem ersten großen Erfolg nicht blenden lassen. Schließlich bedeutet der Vegan-Hype keineswegs, dass dadurch weniger Tiere4 gefangen gehalten, gequält und ermordet werden. Obwohl sich die Zahl der Vegetarierinnen in Deutschland laut einer Studie der Universitäten Göttingen und Hohenheim seit 2006 verdoppelt5 hat (laut diesen Zahlen auf 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung, andere Zahlen geben schön länger weit höhere Prozentsätze an) und dem Meinungsforschungsinstitut forsa nach rund 52 Prozent der Bundesbürgerinnen angeben, weniger Fleisch essen zu wollen, kann der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie gelassen berichten, dass der Pro-Kopf-Jahresfleischverbrauch in Deutschland von 2001-2012 stabil war und erst 2013 um 2,1 Kilo auf 59,2 Kilo sank.6 Dies bestätigt die Prognose des marxistischen Antispeziesisten Marco Maurizi, dass der Veganismus nicht die Ausbeutung der Tiere* beenden kann.7 Die individuelle Konsumhaltung ist im Kapitalismus nicht direkt mit der Produktion verknüpft, da dort nicht zur Befriedigung von Bedürfnissen, sondern für Profite produziert wird. So kann beispielsweise eine starke vegane Bewegung dazu führen, dass das Fleisch billiger wird und die fleischkonsumierende Bevölkerung umso mehr Fleisch isst. Genau das könnte auch die momentane Situation erklären, ist aber nur eine der vielen komplexen Wechselwirkungen der Ökonomie. Hinzu kommt, dass die Fleischindustrie durch die EU und die Bundesländer auch noch millionenschwer subventioniert wird; die PHW-Gruppe („Wiesenhof“) erhielt beispielsweise alleine vom Land Niedersachsen im Jahr 2007 4,2 Millionen Euro.8

Reaktionen der Fleischindustrie

Doch die Fleischindustrie reagiert schon früh auf den Trend des reduzierten Fleischkonsums. Einerseits wird verstärkt auf den Export gesetzt; so erhöhte sich der Anteil des jährlich exportierten Fleisches von 2001 bis 2010 um 250 Prozent auf 3,7 Millionen Tonnen.9 Zwar scheinen Fleischexporte im Wert von 8,17 Milliarden Euro10 bei einem insgesamten Exportvolumen von 951 Milliarden Euro11 nur wenig Bedeutung zu haben, jedoch ist das im Autoland und Exportvizeweltmeister Deutschland bereits schon sehr viel (Zahlen für 2010). So werden in Deutschland die dritt-meisten Schweine weltweit geschlachtet: 59 Millionen Tiere im Jahr, während es bei den beiden Spitzenreitern China 661 Millionen und in den USA 110 Millionen sind.12 Diese Masse an Produktion erreicht Deutschland, wie andere Produktionsstandorte, auch durch intensive Massentierhaltung, extremes Lohndumping und Ausbeutung oft migrantischer Arbeiterinnen, Billigfuttermittelimporte usw. Die Ausbeutung osteuropäischer Arbeitskräfte zu einem Stundenlohn von 3-5 Euro erfolgt unter schlimmsten Bedingungen und strengen Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die Betroffenen ihre Bedürfnisse erkämpfen können (Kasernierung, Redeverbote). Diese Umstände haben sogar den niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies dazu bewegt, die Verhältnisse in den Schlachtfabriken mit „moderner Sklaverei“ zu vergleichen.13

Die zweite Reaktion der Fleischindustrie ist die Entdeckung des Wachstumsmarkts „vegane Produkte“. Da dieser Markt noch sehr wenig bedient wird, sehen auch große Fleischkonzerne hier enorme Wachstumsmöglichkeiten. Der Fleischkonzern Vion, größter Schweinefleischverarbeiter Europas und weltweit unter den Top 10, betreibt neben den Marken „Lutz“ (Kochschinken) und „Weimarer“ („Echte Thüringer“ Wurst) auch die Marke „Vegetaria“, die seit 2013 auf Anstoß der Albert-Schweitzer-Stiftung von vegetarischen auf vegane Produkte umstellte.14 Gut für arme oder geizige Veganerinnen, schlecht für die Seitan- und Tofu-Pioniere wie Topas in Mössingen oder Taifun in Freiburg. Solange die Lebensmittel industriell hergestellt werden, ist jedoch eine großindustrielle Produktion von speziell veganen Fleischersatzprodukten wohl ein notwendiger Schritt, damit Veganismus zum Massenphänomen werden kann. Vegane Landwirtschaft mit lokalen Produktions- und Verteilungsstrukturen in Gesellschaftseigentum und unter basisdemokratischer Kontrolle dagegen wäre das, was wir anstreben würden. In diesem Spannungsfeld kann diese Entwicklung gesehen werden.

Krisen und neue Märkte

Letztlich sind solche „neue“ Märkte, die durch Labels wie „Bio“, „Vegan“ oder „Fairtrade“ entstehen, notwendig für das Kapital. Schließlich durchleben wir seit 2007 eine der heftigsten weltweiten Wirtschaftskrisen überhaupt, auch wenn deren Folgen durch die Transformation Deutschlands zum Niedriglohnland und der hiesigen Euro-Politik noch großteils kaschiert werden können. Krisen zeichnen sich dadurch aus, dass das Kapital sich nicht mehr verwerten kann, d.h. „zu wenig“ Profit bei Investitionen herausspringt oder „zu wenig“ Zinsen bei Kapitaleinlagen entstehen. Stagnierendes Wachstum, also z.B. gleichbleibende statt wachsende Nachfrage nach Produkten, ist, auch wenn das an sich für eine nachhaltige Gesellschaft notwendig wäre, für die kapitalistische Wirtschaft eine Katastrophe und kann zum Auslöser einer Krise werden. Insgeamt sind Krisen jedoch ein Teil des kapitalistischen Wirtschaftssystems, und solange der Kapitalismus herrscht, kommt es regelmäßig zu Krisen. Daher kann das Aufkommen von Krisen in Zyklen beschrieben werden, auch wenn die klassische und neoklassische Wirtschaftstheorie dies bestreitet und stets menschliches „Versagen“ für Krisen verantwortlich macht. Damit das kapitalistische Wirtschaften fortgesetzt werden und die Krise als überwunden gelten kann, müssen neue Wachstumsmöglichkeiten gefunden werden.15
Ein „neuer“ Markt, also zuvor nicht dagewesene Nachfrage nach neuen Produkten, sorgt für Wachstum und das Kapital strömt in die Produktion, in die Werbung und den Vertrieb dieses Marktes, was heißt, dass Kapital dort investiert wird. Ein Siegel oder Label, welches diesen neuen Markt umreißt, ist dazu ideal. „Bio“ machte eine ähnliche Bewegung durch wie Veganismus heute: Jahrzehnte lang organisierte und ackerte (oft auch im wörtlichen Sinne) die Umweltbewegung, um Bewusstsein und Verfügbarkeit von Produkten ohne Kunstdünger und Gifte zu erreichen. Verbunden war dies oft mit einer (wenn auch mitunter diffusen) Kritik am Kapitalismus und mit der damit verbundenen Entfremdung der wichtigsten aller Produkte: der Nahrung. Entfremdung heißt auch, dass niemand mehr weiß, wer die Nahrungsmittel angebaut hat und wo genau, wie und wann sie angebaut wurden. Die Beziehung zur Ökobäuerin um die Ecke, zum Hofladen und zum kleinen noch halbwegs transparenten Bioladen sollte dagegenwirken: Sowohl Intransparenz als auch Konkurrenz sollten durch lokale und regionale Versorgungswege verhindert oder zumindest abgemildert werden.
Jedoch nahm das Kapital die Wachstumschancen des Bio-Sektors dankend an und bediente diesen Markt vor allem mithilfe des EG-Bio-Siegels: Klare, aber minimale Regeln, die ein Produkt zum Bio-Produkt machen, ermöglichten es, innerhalb des Bio-Minimal-Konsens (insofern die Regeln überhaupt eingehalten werden) denselben Wahnsinn von Konkurrenz (Lohndruck) und Werbung (Intransparenz) weiterzutreiben. Landgrabbing und Vertreibungen, Monokultur und Mega-Plantagen, Regenwaldabholzung und Vernichtung von Ökosystemen, Lohndumping, Sklaverei, Massentierhaltung, irreführende Verpackungen, verblendende Werbekampagnen – all das ist seither auch bei den meisten Bio-Produkten Standard. Nur noch strengere Labels, die dafür nur teurere Produkte schmücken und deshalb auf dem Markt schlechtere Zukunftsaussichten haben, wie Bioland, Naturland oder Demeter, schränken genannte Phänomene ein. Denn schließlich müssen diese Labels, die „echte“ Biowaren kennzeichnen, im (Bio-)Supermarkt mit EG-Bio-Plantagenprodukten konkurrieren.

Ähnliches geschieht mit der Fairtrade-Bewegung: Auch hier baute eine Bewegung in Abgrenzung zum herkömmlichen Kapitalismus und zu den Supermärkten eigene Läden, eigene Vertriebstrukturen und unzählige Kooperativen auf. Auch hier wurde versucht, über Aufklärung in den Weltläden und über solidarische Ökonomie der Intransparenz und der Konkurrenz entgegenzutreten. Aber auch hier entstand ein Label, das Max-Havelaar-Fairtradelabel, welches kreiert wurde, um den fairen Handel in die Supermärkte zu bringen, so die ungehemmte Kommerzialisierung vereinfachte und dessen Mindestanforderungen an soziale Arbeitsbedigung in der Herstellung der Produkte weit unter denen der traditionellen Fairhandelshäuser liegen. Seit 1997, nach der Fusion mit zwei anderen Siegeln, heißt das Label nun nur noch „Fairtrade-Siegel“.
Da im Fairtrade-Bereich das ehrenamtliche Engagement und das solidarische Wirtschaften eine größere Bedeutung hat als im Bio-Sektor,16 wich diese Entwicklung etwas von der der Bio-Bewegung ab: Die Weltläden verstanden sich großteils noch bis in die 1990er und 2000er Jahre sowohl als Aufklärungskollektive als auch als Verkaufsorte, waren also besser über die Umstände und Arbeitsbedingungen informiert und begannen daher früh, das „Fairtrade-Siegel“ abzulehnen. Dagegen wurde sich eher auf die traditionellen Fairtrade-Häuser El Puente, DWP und Gepa verlassen, die durch konsequenten fairen Handel ein gewisses Vertrauen errungen hatten. Auch das größe Fairtrade-Haus Gepa, welches als einziges auch auf Supermärkte setzt, nahm das „Fairtrade-Siegel“ von seinen Verpackungen und steht lieber mit eigenem Namen für die Arbeitsbedigungen.17
Das liegt daran, dass das „Fairtrade-Siegel“ in Kritik geriet. Denn „Fairtrade“ boomt wie „Bio“ und „Vegan“: In Frankreich stieg der Umsatz im Fairtrade-Bereich von 94 Mio. Euro im Jahr 2004 auf 408 Mio. Euro, also um 334 Prozent, im Jahr 2012. Die arte-Dokumentation „Fairer Handel auf dem Prüfstand“ zeigt aber auf, dass die Anforderungen des „Fairtrade-Siegels“ (Mindestlohn, ein freier Tag in der Woche, Organisationsfreiheit, Diskriminierungsverbot) kaum kontrolliert werden und so unterbezahlte Knochenarbeit und elende Lebensbedingungen der abhängig Beschäftigten, die auch noch Übergriffen ausgesetzt sind, vorkommen. Und dabei liegen diese ohnehin weit unter den Selbstverpflichtungen der traditionellen Fairtradehäusern. Zwar sind die Waren in den Weltläden vor solchen Katastrophen bisher sicher, doch die enormen Wachstumsraten spiegeln sich nur zu einem kleinen Teil in den Weltläden wieder. Auch hier kann davon gesprochen werden, dass das Kapital18 die Bewegung zu einem großen Teil vereinnahmt und dadurch sinnentleert hat, und dennoch kleine Erfolge erzielt wurden.

Vereinnahmung in der Herrschaft

Im Kapitalismus, wie auch in der Entwicklung von Herrschaft allgemein, lassen sich immer wiederkehrende Bewegungen ausmachen. Eine Bewegung gegen Herrschaft wird unter der Bedingung von Kompromissen selbst an der Herrschaft beteiligt, wodurch die Herrschaft erneuert und stabilisiert wird. Diese Herrschaftstechnik wurde schon immer verwendet und ist schon in der römischen Parole „teile und herrsche“ („divide et impera“) ausgedrückt. Ein sehr gutes Beispiel zeigt sich unter Otto von Bismarck in den 1880er Jahren; Bismarck ließ zwar Sozialdemokratinnen und Kommunistinnen verfolgen, führte aber Sozialgesetze ein, um nicht durch die Forderungen der damals sehr starken Arbeiterinnenbewegung gefährdet zu werden. Er gestand offen, dass er dies tat, um den Sozialistinnen „die Wurzel abzugraben“, also keineswegs aus eigenem Interesse an der Situation der Arbeiterinnen, auch wenn er ironischerweise trotz seiner sonstigen Verbrechen dafür bis heute geehrt wird. Die Vereinnahmung geschah durch die teilweise Erfüllung der Forderungen bei gleichzeitiger Verfolgung und Unterdrückung der Bewegung. Ähnlich verlief die Vereinnahmung bei der SPD 1914, welche durch den Wechsel zu einem Pro-Kriegs-Kurs unter ihrem rechten Flügel mit Noske und Ebert, welche selbst linke Sozialdemokratinnen verfolgen ließen, zur Regierungsmacht werden konnte.
Ähnliches geschah auch mit der grünen Partei 1998, die ohne Zusagen an die neoliberalen Reformen Gerhard Schröders wohl nie eine Regierungsbeteiligung erreicht hätte. Diese Erkenntnis erhärtet sich in Anbetracht des Falls der Ernennung Gerhard Schröders zum Kanzlerkanditaden der SPD 1998. Es wurde nachgewiesen, wie die Leitmedien die SPD dazu drängten, Schröder, nachdem er 1996 vor dem Wirtschaftsrat der CDU vorsprach, zum Kanzlerkandidaten zu machen. Sowohl „Bild“ als auch „Der Spiegel“ und andere bürgerliche Medien machten klar, dass sie nur im Falle von Schröders Kandidatur, welcher in einer Urabstimmung der SPD zuvor abgewählt worden war, die SPD als wählbar darstellen würden.19

Um kämpferische Perspektiven zu analysieren, können solche gesellschaftlichen Entwicklungen als Klassenkämpfe zwischen der Kapital-Seite und der Seite der Ausgebeuteten angesehen werden. Es entsteht also immer von Seiten der Unterdrückten eine linke Strömung, Initiative, Partei, oder ähnliches, die, wenn sie stark genug wird, vonseiten des Kapitals vereinnahmt wird, um die Ausbeutungssituation zu erneuern und zu stabilisieren. Dabei erringen je nach Kräfteverhältnis natürlich auch die Unterdrückten größere oder kleinere Erfolge, welche auch als Zugeständnisse der Kapital-Seite gesehen werden können: Sozialgesetzgebung, demokratische Wahlen, Frauenrechte, Atomausstieg und aktuell die Wiedereinführung des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) in Baden-Württemberg. All diese erkämpften Zugeständnisse sind zugleich einerseits kleine Siege im Klassenkampf wie andererseits Teil der, wenn man es mit Mercuse so nennen mag, Konterrevolution. Solche Erfolge können als Ausdruck einer relativen Schwäche des politischen Gegners gewertet werden: Der militaristische Adelige Bismarck wird während der Einführung der Sozialgesetze mit den Zähnen geknirscht haben; die konservativen Machteliten werden Bauchschmerzen gehabt haben, als sie freie Wahlen zulassen mussten und als sie hundert Jahre später die Beteiligung der Grünen an der Regierung erlauben mussten. Solche Vereinnahmungen sind daher auch Zeichen unserer relativen Stärke: Die Herrschenden können nicht ihre Ziele kompromisslos durchsetzen, sondern sind gezwungen, zumindest kleine Schritte auf unsere Forderungen zuzugehen. Ohne diese Form von Teilerfolgen, auch wenn sie immer gleichzeitig Gegenstrategien der Herrschenden waren, um unseren Widerstand zu brechen, lebten wir heute auch hier noch in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Hunger, je nachdem, von wo wir in der Betrachtung ausgehen. Wir müssen also weiterkämpfen, um Sklaverei, Leibeigenschaft und Hunger weltweit und für alle, auch für Tiere, abzuschaffen!20

Vereinnahmung durch das Kapital

Ähnliche Bewegungen lassen sich auch im wirtschaftlichen Bereich finden. Die sexuelle Befreiung der 68er, die vor allem Frauen aus biederen und patriarchalen Normvorstellungen und Herrschaftsverhältnissen befreite, wurde von der Porno- und Prostitutionsindustrie vereinnahmt, welche durch die vermehrte Ausbeutung ärmerer Frauen Milliardengewinne einstreicht. Die Anti-AKW-Bewegung hat durch Jahrzehnte der Öffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen und direkten Aktionen einen (langsamen) Atomausstieg in der Politik erreicht; worauf die Industrie mit einem Ausbau von Kohlekraftwerken reagiert, die Treibhausgase in Massen ausstoßen. Der Natur und somit nicht zuletzt uns werden Tonnen von Pestiziden und Kunstdüngern erspart, jedoch wird dafür heute hektarweise Land z.B. in Osteuropa angeeignet (Landgrabbing) und Regenwald in Südamerika abgeholzt, um quadratkilometergroße Monokulturplantagen anzulegen.
Aber die Bewegung hört an diesen Punkten nicht auf: Die ausgebeutete Seite, die nicht auf der Seite des Kapitals die Ausbeutung vorantreibt, muss ihre Lage erkennen und darauf reagieren. So kämpft seit Jahren die Frauenbewegung gegen Ausbeutung durch Prostitution, eine Anti-Kohlekraft-Bewegung mobilisiert seit 2005 mithilfe von Klimacamps und großangelegten Besetzungsaktionen gegen den Klimawandel und die jährlichen Demonstrationen gegen die industrielle Landwirtschaft unter dem Motto „Wir haben es satt!“ werden trotz (oder wegen?) der Kommerzialisierung des Bio-Booms immer größer (dieses Jahr über 30.000 Teilnehmerinnen).
Horkheimer und Adorno beschreiben im „Kulturindustrie“-Kapitel der Dialektik der Aufklärung, wie das Kapital kulturelle Gegenbewegungen als Wachstumsmöglichkeiten vereinnahmt und so rebellische Ideen zu handelbaren Waren macht. Doch auch die kommerzielle Vereinnahmung von Gegenkultur kann, wenn richtig mit ihr umgegangen wird, gegen dessen sinnentleerende Wirkung, politisieren.21 Die Dinge realistisch zu sehen heißt also zu erkennen, dass sowohl unsere Seite als auch die Seite des Kapitals immer weiter kämpft, gewinnt und verliert, und dadurch sozialer Wandel in Gang gesetzt wird.

Vereinnahmung von Veganismus

Was also mit dem Veganismus passiert, ist die ganz normale Vereinnahmung durch das Kapital. Ein Merkmal, welches für die kapitalistische Vereinnahmung optimal ist, ist die Konsum-Orientierung. Kein Wunder also, dass von allen Elementen der Tierbefreiung vor allem der Veganismus zur Zeit boomt. Einige Bedingungen, die die Vereinnahmung ermöglichen oder optimieren, lassen sich an einem zentralen scheinbaren Protagonisten des Vegan-Hype ablesen: dem veganen „Starkoch“ Attila Hildmann. Der eigentliche Akteur hinter ihm ist das Kapital, also die Profitlogik im Kopf der Kapitalbesitzerinnen und Managerinnen, die sich der Maximierung des Kapitals widmen. Diese tritt dann in der Politik, z.B. des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 Media AG zu Tage. Denn noch einige Jahre vor dem Vegan-Hype fiel ProSieben in seiner Pseudo-Wissenschaftssendung „Galileo“ dadurch auf, dass es unterschwellig Fleischkonsum massiv bewarb: In jeder Folge von Galileo war Fleisch ein Hauptthema; mal ging es dabei um Zusammensetzung des Fleisches selbst, mal um die Funktionsweise von Wok-Pfannen, die natürlich anhand des Bratens von Schweinefleisch getestet wurden. Über Jahre hinweg war die Fleisch-Werbung bei Galileo so ausnahmslos anzutreffen, dass wirtschaftliche Verbindungen zur Fleischindustrie mehr als wahrscheinlich sind. Und gerade diese Sendung verschaffte Attila Hildmann im Juli 2010 seinen ersten großen Fernsehauftritt. Es sind Medienkonzerne wie ProSiebenSat.1, die sich unter allen Veganköchinnen und sonstigen möglichen Protagonistinnen der Bewegung für den Veganismus ausgerechnet Hildmann aussuchen.
Aber warum Attila Hildmann? Einerseits, weil seine Schwerpunkte, wie die Titel seiner bekanntesten Kochbücher „Vegan for Fit“ und „Vegan for Fun“ zeigen, auf egoistisch orientierten Themen liegen. (Die eigene) Fitness und (die eigene) Gesundheit sind zentrale Themen derjenigen Menschen, die von Marktforscherinnen zum Konsummilieu der LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability) gerechnet werden. Da es dabei um die eigenen Vorteile wie die individuelle Gesundheit geht – alles andere ist in der kapitalistisch-individualistischen Grundstimmung ohnehin schon verdächtig –, profitiert der „Bio“-Boom davon ebenso wie der „Vegan“-Boom. „Fairtrade“, mit seinem ethischen Schwerpunkt, trifft dieses Bedürfnis nicht, versucht aber über das Bewerben der besonders hohen Qualität seiner Produkte, auch auf diesen Zug aufzuspringen.
Zum anderen ist Hildmann der Mann für den Boom, weil er sich im Gegensatz zu den meisten Vegan-Köchinnen in seinen Statements fast völlig vom politischem Anspruch der Tierbefreiung lossagt und ihre Aktivistinnen sogar noch als Dogmatiker und Hippies beschimpft.22 Genau diese Eigenschaft ist wichtig für das Kapital, um Veganismus hypen zu können, hat es doch in der Angst um seine Profite durch die Fleischindustrie dafür gesorgt, dass in den großen Medien das Bild von Veganismus und Veganerinnen durch Angst und Lächerlichkeit bestimmt ist. Um trotzdem plötzlich Veganismus verkaufen zu können und ohne Tierbefreiungsaktivismus dadurch aufzuwerten, war ein Vegan-Koch, dem es um „Fitness, Lifestyle, Spaß“ geht (so ist Hildmanns Homepage überschrieben) und der von Gesellschaftskritik und Politaktivismus nichts wissen will, genau der richtige; genau das ist es, was für die Vereinnahmung des Veganismus gebraucht wird. Hat deshalb ProSieben im Jahre 2010 Hildmann so gepuscht, der erst danach bei den kleineren Sendern MDR und WDR auftauchte?
„Die Zeit“ schreibt zum neuen, hippen Vegan-Image: „Die neuen Veganer pflegen keinen Überlegenheitsmythos. Sie gehen nicht mit ihren politisch-moralischen Ansprüchen hausieren und sie begreifen Veganismus nicht als Ideologie“.23 Dass Veganismus nicht eine Erfindung der Hildmanns und Co. ist, sondern wir „Radikalen“ die Basisarbeit leisteten, gibt diese bürgerlich-liberale Wochenzeitung wie auch die Ernährungstrendforscherin Karin Frick in einem Interview mit dem Bio-Werbemagazin „Schrot&Korn“ zu: „Es braucht immer die Radikalen, die die Ideen hervorbringen. Die Extremen sind die Impulsgeber, diejenigen, die die neuen Themen in die Welt bringen.“24 Auf die Vereinnahmung anderer Bewegungen geht auch „Die Zeit“ im bereits zitierten Artikel ein: „Die Ideen der Grünen oder der Frauenrechtsbewegung gehören heute nur deswegen zum bildungsbürgerlichen Standardrepertoire, weil sie in ihrer Frühzeit nicht ungehört verhallten“.

Für die wirtschaftliche Vereinnahmung ist es also am besten, wenn die politische Dimension einer Strömung entsorgt wird. Des Weiteren ist die Konsumierbarkeit wichtig, denn nur dadurch lassen sich neue Produkte erzeugen und neue Märkte erschließen. Für diese ist der egoistische Gewinn ein bedeutender Teil – und diesen nicht als primäre Motivation zu haben gilt im patriachalen Kapitalismus nicht nur als sentimental, sondern, wie Horkheimer und Adorno schon festgestellt haben, gar als Abfall von der Kultur. Ideal ist, wenn das dann auch noch mit dem laufenden Fitness-Boom und der verstärkten Privatisierung der Gesundheit (in der jede selbst für ihre Gesundheit verantwortlich ist und diese Frage keine gesellschaftliche oder politische mehr sein kann) verknüpfbar ist. Dies bietet der Veganismus ebenso wie „Bio“ und „Fairtrade“ immerhin zu Teilen, oder, ein Jahrhundert vorher, die Lebensreformbewegung, deren bekanntestes Überbleibsel die „Reformhaus“ genannten Geschäfte sind. Aus linker Sicht ist die Lebensreformbewegung ambivalent zu beurteilen, als positive Folge ist sicherlich zu verzeichnen, dass die relativ starke Verbreitung von Vegetarismus, ökologischem Bewusstsein, Naturheilkunde und FKK in der BRD heute zu Teilen auf sie zurückgeführt werden kann; es muss aber auch beachtet werden, dass Teile der insgesamt eher bürgerlichen Lebensreformbewegung sich reaktionär, antisemitisch und völkisch orientierten, wie etwa die noch existierende Kommune „Eden“ in Oranienburg. Wie unser Aktivist Matthias Rude im Kapitel über die Lebensreformbewegung im theorie.org-Buch Antispeziesismus herausgearbeitet hat, zeichnete sie sich durch die Privatisierung der sozialen Frage, durch die Beschränkung auf den Appell ans individuelle Konsumverhalten aus. Hierbei handelt es sich, so Rude, „um eine Einstellung, die auch heute wieder in weiten Teilen der veganen Bewegung anzutreffen ist und die entsprechend kritisiert werden muss.“25

Veganismus als Weg?

Wie Marco Maurizi darlegt, kann Veganismus alleine keine Tierbefreiung erreichen. In Anbetracht der mäßig erfolgreichen Kampagne gegen Coca-Cola prognostiziert er einem Boykott einer so breiten, unspezifischen Produktpalette wie tierlichen26 Produkten wenig Erfolg bei der Abschaffung der Tierausbeutung. Selbst wenn sich direkte Tierprodukte nicht vermarkten ließen, würde das Kapital Tierausbeutung trotzdem weiter überall betreiben, wo es am Ende nicht im Produkt erkennbar ist. Aber Maurizi macht sich trotzdem für den Veganismus stark, auch abseits seiner Funktion des ökonomischen Boykotts. Schließlich zeigen Veganerinnen auf, dass es von der Konsumentinnenseite her schon mal möglich ist, ohne Tierausbeutung zu leben. Die Vermassung des Veganismus, deren ersten großen Schritt wir jetzt geschafft haben, ist eine ausgezeichnete Basis für weitere Tierbefreiungsarbeit, auch wenn jetzt die Taktik geändert werden muss. Wenn tierliche Produkte nicht mehr Teil der Nahrung, also der unmittelbarsten Basis des menschliches Lebens der meisten Menschen sind, können diese Menschen wahrscheinlich leichter ihr „ja“ zur Tierbefreiung geben. Je mehr Menschen also vegan leben, desto einfacher ist die politische Forderung von Tierbefreiung, auch in einem revolutionären Prozess, durchsetzbar.
Gleichzeitig sollte hier aber auch betont werden, dass diese Forderung auch von nicht-vegan lebenden Menschen mitgetragen werden kann. Veganismus ist sicher ein wichtiges Element, um sich dem Ziel der Befreiung von Mensch und Tier* zu nähern, aber er muss nicht unbedingt die Grundlage politischen Kampfes, nicht der einzige Weg und nicht einmal der unproblematischste sein. So liegt Veganismus heute z.B. vielen Unterschichtsjugendlichen ferner denn vielen anderen, weil sie im Gegensatz zu Mittelschichtsjugendlichen weniger Zeit und Energie haben, sich um Probleme zu kümmern, die nicht direkt die ihrigen sind. Dazu kommt, dass vegane Produkte mit vergleichbarem Geschmack einfach noch um ein Vielfaches teurer sind als Tierprodukte. Wem es also nicht passiert, sich der Tierausbeutung derart bewusst zu werden, dass sie die Kraft schöpft, die Konditionierung auf Fleisch abzulegen, ist draußen aus dem (durch die Struktur unserer Gesellschaft noch elitären) Kreis der Veganerinnen. Vegan zu leben ist entgegen dem bürgerlichen Schein nur zum Teil der eigene Verdienst und zu einem beachtlichen Teil eben eine von außen herangetragene Möglichkeit, die, mit einigen Zufällen durchmischt, strukturell ungleich auf die Gesellschaft verteilt ist.
Eine politische Vereinnahmung des Veganismus und/oder der Tierbefreiungsbewegung könnte, wenn wir nicht aufpassen, in einigen Jahren dazu führen, dass die Ausbeutung der Unterschichten mit dem Argument ihres mangelnden ethischen Verhaltens gegenüber Tieren* legitimiert wird oder dass Kriegsakte gegen ein Land außerhalb des NATO-Bündnisses mit dessen grausamen Verhalten gegenüber Tieren* gerechtfertigt werden.27 Allerdings können wir, was das angeht, stolz auf uns als Tierbefreiungsbewegung sein, denn im Gegensatz zur Tierschutzbewegung ist bei uns bisher konsequent jeder Vereinnahmungsversuch von rechts abgewehrt worden, durch ausreichend politisches Bewusstsein und wachsame, aktive Gruppen und Einzelpersonen innerhalb der Bewegung. Dennoch gilt es, weiterhin wachsam zu bleiben und besonders dem Elitarismus gegenüber kritischer zu werden.

Fazit für die Bewegung

Das Fazit aus diesen Überlegungen und Analysen müssen die Akteurinnen der Tierrechtsbewegung selbst ziehen. Da es psychologisch gesehen wichtig ist, Siege zu feiern, läge das Fazit nahe, den Vegan-Hype trotz aller Kritik erstmal als Teilerfolg zu feiern. Aus der Reflektion des laufenden Vereinnahmungsversuchs könnte diese Feier dann zum Anlass genommen werden, ein geändertes Verhältnis zum Veganismus einzuläuten: War früher die Bewerbung des Veganismus an sich schon ein politischer Akt, so wird diese mühsame Arbeit heute für die sicherliche begrenzte Zeit des Booms von Attila Hildmann mit einer Auflage von 100.000 Stück seines Kochbuchs „Vegan for Fit“, durch die Sonderausgaben „Schrot&Korn: Vegan&Bio“ und anderen Mainstream-Medien übernommen.28
Wir könnten nun einerseits versuchen, klar zu machen, dass der Veganismus mit politischen Schlussfolgerungen fest verknüpft war, ist und bleiben sollte, um somit auch die Neu-Veganerinnen zu politisieren und zu radikalisieren. Denn auch wenn Menschen aus Gesundheitsgründen ihre Ernährungsweise umgestellt haben, können sie sich dann vielleicht trotzdem eher eine Welt ohne Tierausbeutung vorstellen. So könnte an der neuen Massen-Identität angeknüpft werden, egal aus welcher Motivation heraus sie entstand, wobei dabei mit dem elitären Potential der Identität vorsichtig umgegangen werden muss.
Oder wir könnten uns dafür entscheiden, dafür einzutreten, dass emanzipatorische Politik nicht mit einem Konsumstil verknüpft sein muss oder darf und uns auf den Aufbau einer politischen Bewegung abseits des Veganismus konzentrieren. Schließlich könnten viel mehr Menschen, vielleicht auch größere Teile der Unterschicht, die doch ein wichtiger Teil der ausgebeuteten Klasse ist, sich für Tierbefreiung als eine von vielen wichtigen Forderungen begeistern, wenn bei dieser nicht der Verzicht im Hier und Jetzt im Vordergrund stände, sondern das zu erkämpfende gute Leben für alle! Das würde jedoch eine Menge Überzeugungsarbeit innerhalb der bisherigen Tierbefreiungsbewegung bedeuten, die teilweise noch wenig zwischen Veganismus und Tierbefreiung zu unterscheiden scheint.
Welche Konsequenzen auch gezogen werden, für uns ist klar, dass eine befreite Gesellschaft für Mensch und Tier* nur erreicht werden kann, wenn der Kapitalismus besiegt wird. Die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien, worunter auch die Lebensmittelindustrie fällt, und eine Konversion der tierverarbeitenden Fabriken in Werke für vegane Lebensmittel, die als Commons29 unter basisdemokratische Kontrolle gestellt würden, wäre eine mögliche Richtungsforderung,30 die einen wichtigen Schritt hin zu einer Gesellschaft ohne Ausbeutung bedeuten würde.

  1. https://de-de.facebook.com/permalink.php?story_fbid=556929351067831&id=134443886649715 [zurück]
  2. Wir machen hier die Kollektivindentität Tierrechtlerinnen und Tierrechtler/Tierbefreierinnen und Tierbefreier auf, in dem Bewusstsein, dass das keine Vereinheitlichung sein soll und wir sehr unterschiedlich sein können, aber auch, dass Kollektividentitäten sehr viel Stärke verleihen können, die für emanzipatorische Kämpfe unabdingbar ist. [zurück]
  3. In diesem Text verwenden wir das generische Femininum, wenn allgemeine Begriffe zur Bezeichnung von Personen gleich welchen Geschlechts verwendet werden. [zurück]
  4. Korrekt müsste es statt „Mensch und Tier“ „Mensch und andere Tiere“ heißen. Da wir jedoch an das Alltagsbewusstsein andocken wollen und unsere Sprache nicht zu sehr fremd machen wollen, sprechen wir trotzdem von „Mensch und Tier“ und erinnern mit einem Sternchen „*“ daran, dass dies ein sehr unkorrekter und speziesistisch-ideologischer Begriff ist. [zurück]
  5. http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Verbraucher/Verbraucher-in-Deutschland-kaufen-immer-weniger-Fleisch-und-Alkohol_article1331799063.html [zurück]
  6. http://www.bvdf.de/presse/mgv2013_pressemeldung/“>http://www.bvdf.de/presse/mgv2013_pressemeldung/ [zurück]
  7. http://www.tierrechtsgruppe-zh.ch/?p=1344 [zurück]
  8. http://www.welt.de/wirtschaft/article118425725/Deutschland-ist-Europas-Schlachthaus.html [zurück]
  9. http://www.taz.de/!86176/ [zurück]
  10. http://www.v-d-f.de/zoom/deutschland_aussenhandel_2010 [zurück]
  11. http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-02/export-deutschland [zurück]
  12. Heinrich-Böll-Stiftung: Fleischatlas 2014, S. 19 [zurück]
  13. http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/fleischindustrie115.html [zurück]
  14. http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/vegetaria-produkte-jetzt-vegan [zurück]
  15. Neues Wachstum zu erwirken kann häufig als Zerstörung charakterisiert werden: Entweder Zerstörung im Krieg, der entweder die gegnerische oder die eigene Wirtschaft zerstört und wo der Wiederaufbau zeitweise unbegrenzt wirkendes Wachstum ermöglicht, oder durch Abbau von Industrie, was zwar eine sanfte „Zerstörung“ bedeutet, aber trotzdem Massenarbeitslosigkeit und Elend zur Folge hat. Eine Mischform ist die Durchsetzung ultra-neoliberaler Politik. Durch massiven Sozialabbau, Lohndumping, Verelendung der Ärmsten kann ein Land so billig produzieren, dass die Arbeitslosigkeit und das dadurch entstehende Elend nicht im eigenen Land erscheint, sondern in den Ländern, die den Konkurrenzkampf verlieren. Das passiert gerade in Europa: Während Deutschland durch ultra-neoliberale Politik die Krise im eigenen Land leugnet (trotz um 15 Prozent gesunkener Reallöhne in den letzten Jahren), wird nur in den anderen Ländern Europas die Krise wirklich deutlich: Spanien, Italien, Griechenland, Portugal, Irland aber auch Frankreich und England. Wenn diese neoliberale Attacken und Ausbeutungsformen sich wegen zu großem Widerstand der Arbeiterinnenbewegung nicht durchsetzen lassen, tendiert das Kapital dazu, Faschismus als autoritäre Form kapitalistischer Ausbeutung zu installieren. [zurück]
  16. In Deutschland gibt es inzwischen 700 „Weltläden“. Das mangelnde Bewusstsein über die unfairen und neokolonialen Welthandelsverhältnisse war neben den fehlenden Alternativen ein zentrales Problem für die sog. „Dritte-Welt-Bewegung“ in den 1970er Jahren. Die „Dritte-Welt-Läden“, später in „Eine-Welt-Länden“ und schließlich nur noch „Weltläden“ umbenannt, verkauften daher nicht nur faire gehandelte Produkte, sondern führten zahlreiche Zeitschriften und Bücher, die sich mit dem Welthandel beschäftigten – natürlich aus linker Perspektive und der Perspektive der Ausgebeuteten im globalen Süden selbst. Informationsveranstaltungen und Demonstrationen waren ebenso wichtig wie fairer Kakao, Rohrzucker, Tee und Kaffee. Im Laufe der 1990er und 2000er Jahre jedoch wandelten sich Weltläden immer mehr zu nur noch „schönen“ Geschäftchen, die sich auf Kunsthandwerk und Schokolade spezialisierten und die Bücher und Zeitschriften verbannten. In Tübingen vollzog sich dieser Wandel erst 2006; anstatt der lern- und wissensorientierten Studierenden übernahmen vermehrt wohltätig gesonnene Menschen oft im Rentenalter die ehrenamtlichen Verkaufsschichten. In Baden-Württemberg ist vor allem der Weltladen Konstanz zu nennen, der dem „alten“ Prinzip treu geblieben ist und neben der üblichen breiten, fairen Produktpalette noch ein breites Sortiment an Fachbüchern zu diesem Thema führt. [zurück]
  17. http://www.gepa.de/service/faq/frage//show/3-warum-tragen-jetzt-viele-gepa-produkte-kein-fairtrade-siegel-mehr.html [zurück]
  18. Wir sprechen von „dem Kapital“, weil dies im Kapitalismus den eigentlichen Akteur darstellt. Zwar sind es Managerinnen und Kapitaleignerinnen, die stellvertretend für das Kapital die rücksichtslose Profitlogik umsetzen und ihr oder das von ihnen verwaltete Vermögen in die Ausbeutung von Mensch, Tier* und Natur investieren, um es zu vermehren. Aber diese Personen sind austauschbar, und was mit dem Vermögen getan wird, ist relativ unabhängig davon, wer konkret damit hantiert. [zurück]
  19. isw-Report Nr. 80: Kapitalmacht oder Pressefreiheit: Medien und Demokratie in Deutschland [zurück]
  20. Diese klassenkämpferische Geschichtsperspektive wird u.a. im (Post-)Operaismus vertreten, welcher im deutschsprachigen Raum am häufigsten in der linken Zeitschrift „Grundrisse“ diskutiert wird. Das Kapital ist dabei nicht eine Ansammlung moralisch „böser“ Menschen, sondern die Ausbeutungs- und Profitmaximierungslogik des Reichtums, welches sich selbst zu vergrößern trachtet und sich in den Handlungen von Großgrundbesitzern, Kapitaleignern, Managern aber manchmal auch kleineren Kapitalisten oder ihren Handlangern äußert. Die Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse ist in uns allen vertreten und tritt für das gute Leben je von sich selbst wie von allen gemeinsam ein. Verkörpert wird diese Klasse oder Multitude durch alle, Arbeitende, Hausarbeitende, Arbeitslose, Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete, auch außerhalb des Arbeitsverhältnis marginalisierter wie Schwule und Lesben, Bi- und Transexuelle, aber ein Stück weit auch durch die Seite im Manager oder dem Kapitalisten, welche gegen die Profitlogik handelt, alles hinwerfen und aussteigen will. Kämpfende Äußerungen der Arbeiter(innen)klasse oder Multitude sind die Arbeiterinnenbewegung und die sozialen und ökologischen Bewegungen aber auch unorganisierte Streiks und Sabotageakte, Aufruhr und Aufstände, mit all ihren Widersprüchen. [zurück]
  21. Wie z.B. die Band „Rage against the Machine“ trotz ihrer MTV-Laufbahn weltweit Jugendliche antikapitalistische Motivationen näher brachte. [zurück]
  22. https://www.facebook.com/AttilaHildmannOfficial [zurück]
  23. http://www.zeit.de/community/2013-11/veganismus-social-media-blogs/seite-2 [zurück]
  24. http://www.schrotundkorn.de/2014/201403b01.php [zurück]
  25. Matthias Rude: Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken, Stuttgart 2013, S. 84. [zurück]
  26. Da die Endung mit „-isch“ im Gegensatz zu der auf „-lich“ meist negativ konnotiert ist (z.B. „kindisch“ gegenüber „kindlich“, „weiblich“ gegenüber „weibisch“), verwenden wir ier das Wort „tierlich“ statt „tierisch“. [zurück]
  27. Vergleiche: Kriegerische Stimmung wird gegen geopolitisch interessante Länder wie den Iran unter der Fokussierung auf die Verletzung der Menschenrechte vor allem gegenüber Frauen dort geschaffen, während Saudi-Arabien, welches frauenrechtlich noch einiges schlimmer ist als der Iran, weiterhin Bündnispartner des Westens bleibt. [zurück]
  28. http://www.buchmarkt.de/content/57190-media-control-jahrescharts-der-hundertjaehrige-siegt-erneut.htm; http://www.schafschoki.de/shop/Sehen-Hoeren-Mehr/Buecher/Schrot-Korn-Vegan-Bio-Der-neue-Genuss-1-Stueck.html [zurück]
  29. http://arranca.org/ausgabe/41/die-commons-in-zeiten-der-cholera [zurück]
  30. http://arranca.org/ausgabe/41/transformationen-des-kapitalismus-und-revolutionaere-realpolitik; http://arranca.org/ausgabe/47/eine-konstituierende-perspektive-radikaler-politik [zurück]



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: