Archiv der Kategorie 'Feminismus/Frauenbewegung'

Angela Davis: „Veganismus ist Teil einer revolutionären Perspektive“

Angela Davis

Die US-amerikanische Bürgerrechtlerin und marxistische Philosophin Angela Davis wird heute 75 Jahre alt. In den 1970er-Jahren wurde sie zur Symbolfigur der Bewegung für die Rechte von politischen Gefangenen in den USA. Zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren gehörte sie zu den prominenten Führungsmitgliedern der Kommunistischen Partei der USA. In ihrem Studium hörte Davis Vorlesungen von Herbert Marcuse. Auf seine Vermittlung hin studierte sie ab September 1965 in Frankfurt am Main Philosophie und Soziologie, unter anderem bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. In Frankfurt schloss sie sich dem SDS an und nahm an Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg teil. Sie promovierte an der Ost-Berliner Humboldt-Universität.

Anfang der 1970er-Jahre wurde sie in den USA verhaftet und angeklagt: Dem bereits seit seinem 18. Lebensjahr in Haft sitzenden George Jackson, der im Gefängnis Mitglied der Black Panther Party wurde, schlug Davis vor, ein Buch über seine Haftbedingungen zu schreiben, was er mit Soledad Brother auch tat. Im August 1970 lieferte sich Jacksons Bruder Jonathan bei einem missglückten Befreiungsversuch in einem Gerichtssaal eine Schießerei mit der Polizei, bei der vier Menschen getötet wurden. Davis wurde vorgeworfen, die Waffe für diesen Überfall geliefert zu haben. Sie wurde daraufhin vom FBI auf die Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA gesetzt, einige Wochen später wurde sie verhaftet. Ihr drohte wegen des Vorwurfs der „Unterstützung des Terrorismus“ die Todesstrafe. Gegen ihre Verhaftung entwickelte sich eine über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinausreichende Welle des öffentlichen Protests. So schickten ihr tausende Menschen aus der DDR unter dem Motto „Eine Million Rosen für Angela Davis“ Postkarten mit Rosen ins Gefängnis. Nach zwei Jahren wurde Davis am 4. Juni 1972 in allen Punkten der Anklage freigesprochen. In der Tageszeitung junge Welt ist heute unter dem Titel „Kämpferin für Gerechtigkeit“ ein Artikel zum Thema erschienen; darin heißt es: „Einige Leserinnen und Leser der jungen Welt werden sich vielleicht noch an den 26. Januar 1971 erinnern, als aus Anlass des 27. Geburtstags der jungen Kommunistin in Berlin, der Hauptstadt der DDR, eine Solidaritätskampagne für die politische Gefangene initiiert wurde. Denn es entsetzte in der DDR viele Menschen, dass die linke Professorin dem damaligen republikanischen Gouverneur von Kalifornien, Ronald Reagan, ein Dorn im Auge war und für lange Zeit weggesperrt werden sollte.“

Davis ist emeritierte Professorin an der University of California in Santa Cruz in den Fachbereichen Geschichte des Bewusstseins und Feministische Studien. Im Dezember 2013 trat sie die erste Angela-Davis-Gastprofessur für internationale Gender- und Diversity-Studies an der Universität Frankfurt am Main an. Schwerpunkt ihrer Arbeit der vergangenen Jahre ist die Untersuchung des „Gefängnis-Industrie-Komplexes“, vor allem in den USA. Mehrmals hat sie sich aber auch zum Thema Tierbefreiung und Veganismus geäußert. Im Februar 2012 hat sie öffentlich dafür plädiert, Tierbefreiung als notwendigen Teil linker Gesellschaftskritik zu begreifen. Das entsprechende Video gibt es auf der Website von Assoziation Dämmerung. Im März desselben Jahres führte sie an der University of California in Berkeley ein Gespräch mit Grace Lee Boggs mit dem Titel „On Revolution“, in welchem sie abermals auf das Thema einging. Der englische Original-Text ist hier einsehbar; wir wollen hier einige Sätze daraus übersetzt wiedergeben:

Ich denke, das Feld der Ernährung wird die nächste große Arena für unsere Kämpfe bilden. Ich bin manchmal wirklich enttäuscht, dass viele unter uns sich für so radikale Aktivisten halten, aber gar nicht darauf kommen, über das Essen nachzudenken, das wir unseren Körpern zuführen. Wir realisieren nicht das Ausmaß, wie sehr wir in den gesamten kapitalistischen Prozess eingebunden sind dadurch, dass wir unkritisch an jener Lebensmittel-Politik partizipieren, welche uns von den großen Konzernen aufgetischt wird. Ich erwähne normalerweise nicht, dass ich vegan bin, aber da habe ich mich entwickelt… Ich denke, dass es der richtige Moment ist, darüber zu sprechen, weil es Teil einer revolutionären Perspektive ist – wie können wir nicht nur zu Menschen ein Verhältnis entwickeln, das von Mitgefühl geprägt ist, sondern wie können wir ein empathisches Verhältnis auch zu den anderen Lebewesen entwickeln, mit denen wir diesen Planeten teilen, und das würde bedeuten, der gesamten kapitalistischen industriellen Art der Nahrungsmittelproduktion eine Kampfansage zu machen. […] Die meisten Menschen denken nicht über die Tatsache nach, dass sie Tiere essen. Wenn sie ein Steak essen oder Hühnerfleisch, denken die meisten Menschen nicht über das enorme Leid nach, das diese Tiere ertragen, nur um Lebensmittel-Produkte zu werden, damit sie von Menschen konsumiert werden können. Ich denke, dass die fehlende kritische Auseinandersetzung mit der Nahrung, die wir essen, demonstriert, wie sehr die Warenform die primäre Art und Weise geworden ist, mit der wir die Welt wahrnehmen. Wir gehen nicht über das hinaus, was Marx den Tauschwert des tatsächlichen Objektes genannt hat – wir denken nicht über die Verhältnisse nach, die dieses Objekt verkörpert und die maßgeblich für den Produktionsprozess dieses Objekts waren, ob es sich dabei nun um unser Essen, unsere Kleidung, unsere iPads oder alle anderen Dinge handelt, die wir verwenden, um eine Ausbildung an einer Institution wie dieser zu erwerben. Das würde wirklich revolutionär sein, eine Gewohnheit zu entwickeln, sich die menschlichen und nichtmenschlichen Verhältnisse hinter all den Objekten, die unsere Umwelt bilden, vorzustellen.

Mary Shelley: Frankensteins „Monster“

Boris Karloff als Frankensteins Monster im Film Frankenstein (1931) von James Whale.

Seit dem 27. Dezember läuft auch in den deutschen Kinos der Film A Storm In The Stars – der deutsche Titel lautet schlicht: Mary Shelley. Es handelt sich um eine Filmbiografie von Haifaa Al Mansour über die britische Schriftstellerin, die als Autorin von Frankenstein in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Der Film soll die „wahre Geschichte“ der Entstehung des Romans schildern. Leider findet vor allem ein Aspekt keine Beachtung.

Dieser Text wurde zuerst auf der Facebook-Seite des Antispeziesismus-Buchs veröffentlicht.

Die Bedingungen, die im Jahr 1816 am Genfer See zur Entstehung des Romans Frankenstein führten, sind längst selbst zur Legende geworden. Es handelte sich um das „Jahr ohne Sommer“: Auf der Insel Sumbawa, östlich von Java gelegen, war der Vulkan Tambora ausgebrochen – mit einer unvorstellbaren Sprengkraft von 170.000 Hiroshima-Bomben. Hunderte Kilometer weit verdunkelte sich der Himmel fast vollständig, ein Schleier legte sich um den Erdball; dann kam der vulkanische Winter. Es kam zu schweren Un­wettern, in der Schweiz schneite es plötzlich mitten im Sommer. Missernten und Hungers­nöte waren die Folge, Chronisten erzählen, dass „die Kinder oft im Gras geweidet haben wie die Schafe“. Mary Shelley erinnerte sich später: „Die Jahreszeit war kalt und regnerisch, und an den Abenden drängten wir uns um ein loderndes Kaminfeuer und vertrieben uns gelegentlich mit ein paar deutschen Gespenstergeschichten, die wir zufällig entdeckt hatten, die Zeit. Diese Geschichten weckten einen spielerischen Wunsch zur Nachahmung.“ [1] Im Alter von nur 18 Jahren schuf sie mit ihrem Roman ein literarisches Werk von Weltrang, das heute gleichermaßen als Höhepunkt der Gothic Novel und Geburtsstunde des Science-Fiction-Genres gilt. [2] Es handelt von einem Naturforscher namens Victor Frankenstein, der aus Leichenteilen und Teilen geschlachteter Tiere ein künstliches Wesen schafft, das sich schließlich gegen seinen Schöpfer wendet und dessen Existenz zerstört.

Heute ist der Name „Frankenstein“ so fest im kollektiven Bewusstsein verankert, dass die bloße Erwähnung genügt, um eine Kette von Assoziationen auszulösen: „Unwillkürlich sehen wir sofort Bilder aus dem Filmklassiker von James Whale vor uns: Wir erinnern uns an Boris Karloff, der mit merkwürdig flachem Schädel und schwarzumrandeten Augen unbeholfen durch die Pappkulissen tappt“, merkt Alexander Pechmann im Nachwort der von ihm neu übersetzten und 2013 herausgegebenen Urfassung von Frankenstein an. Die Popkultur habe den Frankenstein-Mythos ganz und gar vereinnahmt und in immer neuen Variationen und Parodien herausgebracht: „Frankenstein wurde zum Inbegriff des verrückten Wissenschaftlers, der gegen die göttliche Ordnung verstößt und dafür konsequent bestraft oder zum Besseren bekehrt wird. Wie wenig dies mit der Radikalität der ursprünglichen Romanvorlage zu tun hat, offenbart sich erst durch einen Vergleich mit der Urfassung von 1818.“ [3] Denn Mary Shelleys Werk ist weit mehr als eine Parabel über die ethische Verantwortung der Wissenschaft. Als Zeugnis eines radikalen Lebensentwurfes der jungen Autorin hat der Roman eine dezidiert politische Dimension. [4]

Richard Rothwell: Mary Shelley (1840).

Richard Rothwell: Mary Shelley (1840).

Höchstmaß an politischer Subversion

Als Tochter von Mary Wollstonecraft und William Godwin waren Mary Shelley progressive politische Ansichten gewissermaßen in die Wiege gelegt: Mit A Vindication of the Rights of Woman (1792) war Wollstonecraft zur Begründerin der radikalen Frauenrechtsbewegung geworden; Godwin gilt aufgrund seines Werkes Enquiry Concerning Political Justice (1792), in dem er die Abschaffung der Nationen und Regierungen, der Klassenunterschiede, der Ehe und der etablierten Religion forderte, als einer der Begründer des Sozialismus im Allgemeinen sowie des politischen Anarchismus im Besonderen. Sein Name stand, wie es in einer Biografie über Mary Shelley heißt, „für atheistisches Freidenkertum und damit für ein Höchstmaß an politischer Subversion“. [5] Die Wichtigkeit dieser Prägungen wird im Film auch ausreichend thematisiert: Die Beziehung Marys zu ihrem Vater und das Andenken an die Mutter – diese starb elf Tage nach der Geburt ihrer Tochter am Kindbettfieber – spielen darin eine große Rolle.

Ihren späteren Ehemann Percy Bysshe Shelley lernte die junge Mary Wollstonecraft Godwin kennen, als der Dichter im November 1812 die Verlagsbuchhandlung ihres Vaters in der Skinner Street in London besuchte. Shelley war fasziniert von den politischen Theorien Godwins und versuchte, sie in eine politische Praxis zu übersetzen. So beteiligte er sich etwa an Protestkampagnen für inhaftierte Radikaldemokraten; in Dublin riefen er und seine erste Frau Harriet mit selbst verfassten Flugblättern die Iren zum Aufstand gegen England auf. In seinem ersten großen Gedicht Queen Mab (1813), das Harriet gewidmet ist, versuchte Shelley, wie der Schriftsteller Wolfgang Koeppen einmal schrieb, „das Godwinsche Vernunftevangelium in Poesie zu übersetzen“. [6] Wie Percy und Mary sich kennenlernen, wie sie sich am Grab von Mary Wollstonecraft ihre Liebe gestehen, ihre Beziehungen zu Claire Clairmont und George Gordon Byron – all das wird in der Filmbiografie treffend dargestellt.

Dass sie, was ihre politischen Überzeugungen, ihr Engagement und ihren persönlichen Lebenswandel angeht, recht fortschrittlich waren, vermittelt der Film ebenfalls. Ein Aspekt aber wird leider komplett ausgeblendet: Mary und Percy Shelley zählten nicht nur in Bezug auf die Proklamation der freien Liebe und die Emanzipation der Frauen, nicht nur, was die Solidarität mit der Arbeiter- und mit Revolutionsbewegungen angeht, zu den progressiven Kräften ihrer Epoche – sie vertraten auch, ihrer Zeit weit voraus, einen radikalen Vegetarismus, den sie explizit politisch verstanden wissen wollten. Hier gilt dasselbe, was etwa auch am Film „Suffragette“ (2015) zu bemängeln ist: Zwischen der Frauen- und der ersten Tierrechtsbewegung im 19. und frühen 20. Jahrhundert bestanden enge Verbindungen, einige der Suffragetten, die für das Frauenwahlrecht kämpften, waren auch radikale Vegetarierinnen – im Drama der Regisseurin Sarah Gavron zum Thema spielt das aber keine Rolle. „Kaum eine andere emanzipatorische Forderung verhallte im Gang der Geschichte immer wieder derart ungehört wie der Ruf nach der Befreiung der Tiere“, heißt es gleich zu Beginn des Antispeziesismus-Buchs: Es handelt sich um ein Stück „geheime“ – vergessene, verdrängte, verschwiegene – Geschichte. Nicht ohne Grund liegt in der von Max Horkheimer mit der Metapher eines Wolkenkratzers aphoristisch beschriebenen kapitalistischen Gesellschaftspyramide die „Tierhölle“ im Keller und befindet sich damit unterhalb des gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins. Das 2013 in der theorie.org-Reihe des Stuttgarter Schmetterling-Verlags erschienene Buch wirft deshalb in einem Streifzug durch die Geschichte modernen emanzipatorischen Denkens einige Schlaglichter auf diese Tradition, um sie aus ihrem Schattendasein zu holen; und in diesem Zusammenhang ist auch der englischen Romantik, im Speziellen – neben William Blake – den Shelleys und Byron, ein Kapitel gewidmet.

Alfred Clint: Percy Bysshe Shelley (1919).

Alfred Clint: Percy Bysshe Shelley (1919).

„Vegetable system“

Neben William Godwin hat den jungen Percy Shelley in erster Linie John Frank Newton und dessen Werk The Return to Nature, or, a Defence of the Vegetable Regimen (1811) beeinflusst. Newton war ein Patient des Lon­don­er Arztes William Lambe, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre lang ve­gan ernährte und 1809 sein erstes Buch über vegane Ernährung als Therapie für bestimmte Er­krankung­en veröffentlicht hatte (später verfasste er noch ein zweites Buch zum Thema). Zusammen mit seiner Frau schloss Shelley sich im Jahr 1812 der Kommune Newtons in Berkshire an, die eine Kombination aus Nudismus und konsequentem Vegetarismus nach Lambe praktizierte. In seinen Anmerkungen zu Queen Mab, die auch gesondert unter dem Titel A Vindication of Natural Diet (1813) gedruckt wurden, begründete der Dichter, der unter anderem dafür bekannt war, auf Londons Märkten Fluss­krebse zu kaufen, um sie wieder in die Themse zu entlassen, seinen radikalen Vegetarismus, der eng mit seinen politischen Überzeugungen zusammenhing. So führte er beispielsweise die Verschwendung von Ackerflächen, die für die intensive Produktion von tierischem Eiweiß genutzt werden und so für die Ernährung ärmerer Schichten verloren gehen, und den daraus resultierenden Hunger auf das auf Fleisch- und Wollgewinnung ausgerichtete englische Ernährungssystem zurück, sah also klar den Zusammenhang zwischen den Veränderungen im Ernährungsbereich und der Entwicklung der Produktionsverhältnisse von einer agrarischen Subsistenzwirtschaft zu einer industriell orientierten Woll- und Lammfleischproduktion. Die Schafe würden, so Shelley, pro Mahlzeit einen Morgen nutzbares Ackerland auffressen. [7] Unter Bezugnahme auf Newton und den Autor von Paradise Lost (1667), den großen revolutionären Dichter John Milton, der ebenfalls Vegetarier war, empfahl Shelley in A Vindication of Natural Diet ein „vegetable system“ als Grundlage für einen „Zustand der Gesellschaft, in der alle Energien des Menschen in die Schaffung gänzlichen Glücks gelenkt werden sollen“. [8]

Am 26. Juni 1814 erklärten sich Percy und Mary ihre Liebe. Wegen seiner unkonventionellen Lebensweise – Percy war auf dem Papier noch immer mit Harriet verheiratet – sah sich das junge Paar massiven Anfeindungen ausgesetzt. „Mann und Frau sollten so lange verbunden sein, wie sie einander lieben: Jedes Gesetz, das sie auch nur für einen Augenblick zum Zusammenleben zwingt, nachdem ihre Zuneigung erloschen ist, wäre völlig unerträgliche Tyrannei“, lässt Haifaa Al Mansour Percy Shelley im Film sagen – es handelt sich um ein Zitat aus seinen Anmerkungen zu Queen Mab. Gemeinsam mit Marys Stiefschwester Claire Clairmont beschlossen die beiden, vor allen sozialen Konventionen in die Schweiz zu fliehen. In Luzern zwang Geldmangel sie allerdings zur Aufgabe ihrer Pläne. Die Rückreise über Straßburg, Mannheim, Mainz, Bonn, Köln und Rotterdam sollte von Marys Romanheld Victor Frankenstein wiederholt werden. Frankenstein entstand im Zuge einer zweiten Reise in die Schweiz, wo das Trio den Dichter Lord Byron traf, der ebenfalls, seit seinem 23. Lebensjahr, vegetarisch lebte.

Byron, der bis heute nicht nur für seine literarischen Werke, sondern auch für seine Teilnahme an der Griechischen Revolution in den 1820er-Jahren bekannt ist, musste England im April 1816 aufgrund diverser Skandale um seine Person verlassen. Vier Jahre zuvor hatte ihn die Veröffentlichung der ersten beiden Gesänge von Childe Harold’s Pilgrimage (1812) – das poetische Tagebuch einer zweijährigen Reise, die ihn auf die Iberische Halbinsel, in die Türkei, nach Griechenland und nach Albanien geführt hatte – schlagartig berühmt gemacht. Im selben Jahr hielt er seine Antrittsrede im britischen Oberhaus, in der er die Lage der arbeitenden Klassen thematisierte: In Nottinghamshire, einem Zentrum der Textilindustrie, hatte im Jahr 1811 der Aufstand der Maschinenstürmer begonnen und schnell auch andere Grafschaften erfasst. Um die Aufstände niederzuschlagen, schickte London Soldaten – über 14.000 bis zur Jahresmitte. Byron hielt eine flammende Rede, in der er sich für die entlassenen Weber einsetzte, die Maschinen zerstört und Fabriken in Brand gesetzt hatten – doch der Frame Breaking Act, das Gesetz, das die Zerstörung von Webstühlen unter Todesstrafe stellte, wurde zu seiner großen Enttäuschung sowohl vom Oberhaus als auch vom Unterhaus angenommen.

Auch Byrons Ehe mit Anne Isabella verlief nicht glücklich. Charakterliche Diskrepanzen, ständige Geldschwierigkeiten und Byrons exzessiver Genuss von Laudanum – einer zu dieser Zeit populären Opiumlösung, der auch Percy Shelley sehr zugetan war [9] – führten im Jahr 1816 schließlich zur Trennung. Zu diesem Zeitpunkt soll Byron bereits ein Verhältnis mit Claire Clairmont gehabt haben. Als dann Gerüchte über ein inzestuöses Verhältnis Byrons zu seiner Halbschwester die Runde machten und einen Sturm der Entrüstung in der Öffentlichkeit auslösten, musste er im April 1816 England in Richtung Schweiz verlassen. Im Juni mietete er die Villa Diodati am Genfer See, da er glaubte, dass John Milton sich 1638 dort aufgehalten hätte, wo ihn Percy, Mary und Claire dann im Sommer besuchten – und wo die Idee zu Frankenstein entstand.

Lord Byron, a coloured engraving (1873).

Lord Byron, a coloured engraving (1873).

Schrecklicher Wachtraum

Neben dem Konsum von Alkohol und Opium – auch dies wird im Film dargestellt – dientem dem Zirkel um Byron in dem verregneten Sommer des Jahres 1816 intellektuelle Diskussionen als Zeitvertreib. Eines der Gespräche zwischen Byron und Percy Shelley drehte sich um die Frage nach der Natur, der Grundlage des Lebens und darum, wie die Elektrizität damit zusammenhängt – eine Diskussion, die von Luigi Galvanis Experimenten angefacht worden war: Die Beine toter Frösche bewegten sich, nachdem der italienische Arzt sie mit einem geladenen Metallgegenstand berührt hatte. Galvanis Neffe, der Physiker Giovanni Aldini, führte solche Versuche an Leichen von Enthaupteten und Erhängten durch. So legte er etwa zwei Köpfe aneinander und setzte sie unter Strom. „Die Grimassen, die beide Gesichter einander machten, waren wunderbar und beängstigend“, sollte er später berichten – und dass bei diesem Anblick die ersten Zuschauer in Ohnmacht gefallen seien. [10]

In der Einleitung zur überarbeiteten Ausgabe von Frankenstein aus dem Jahr 1831 gab Mary Shelley die Überlegungen aus dem Gespräch am Kaminfeuer folgendermaßen wieder: „Vielleicht könnte man eine Leiche wiederbeleben; galvanische Experimente hatten für solche Dinge den Beweis geliefert: Vielleicht könnte man einzelne Teile einer Kreatur herstellen, zusammensetzen und mit Lebenswärme versorgen.“ [11] Die zündende Idee für ihren Roman kam ihr dann durch einen, wie sie sich ausdrückte, „schrecklichen Wachtraum“: „Ich sah – mit geschlossenen Augen, aber scharfem geistigem Blick – ich sah den bleichen Schüler unheiliger Künste neben dem Ding knien, das er zusammengesetzt hatte. Ich sah das bösartige Phantom eines hingestreckten Mannes und dann, wie sich durch das Werk einer mächtigen Maschine Lebenszeichen zeigten und er sich mit schwerfälligen, halblebendigen Bewegungen rührte.“ [12] Frankensteins Monster war geboren.

Zwei Jahre später erschien der Roman – anonym und, wie damals üblich, in drei Teilen, mit einem Vorwort von Percy Shelley. Er wurde zum Bestseller, auch wenn er bei den meisten Literaturkritikern überhaupt nicht gut ankam. „Gegen die Tagträume des Grauens, die von den unnatürlichen Reizen dieser neueren Schule erzeugt werden, müssen wir protestieren; und wir fühlen uns nach der Lektüre dieser drei geisteszermürbenden Bände genauso mitgenommen wie nach einer Überdosis Laudanum oder einem quälenden Alptraum“, hieß es etwa in The British Critic. „All diese monströsen Einfälle sind die Folgen der wilden und ungebührlichen Theorien unserer Zeit“, meinte der bekannte Verleger John Murray. [13]

Insgesamt gilt die Romantik als die Zeit der Verinnerlichung politischer Konflikte. Teilweise hat das zu Interpretationen geführt, die Mary Shelley unterstellen, sie habe Frankenstein in Auseinandersetzung mit den radikalen Theorien ihrer Eltern geschrieben und diese letztlich abgelehnt. Die Botschaft sei: Alle revolutionären Experimente gebären Monster; Frankensteins Kreatur stünde dann für die Angst der bürgerlichen Philanthropen vor der Hässlichkeit des im Prozess der Industrialisierung „aus Abfällen“ wie aus „gesellschaftlichem Unrat“ gebildeten Proletariats – so der Heidelberger Anglist Horst Meller. [14] Wolfram Sailer, ebenfalls Anglist in Heidelberg, der diesen Aspekt in einer Studie zum Thema ausführlich beleuchtet, widerspricht dieser Vorstellung: Der Versuch, Mary Shelley in eine nervöse Konservative zu verwandeln, werde der Sympathie mit dem Monster, die der Roman auch den Lesern vermittelt, nicht gerecht. [15] Für ihn spiegeln sich in dem Roman vielmehr die ersten Ansätze zu einer Selbstverständigung des englischen Proletariats als Klasse wider, die sich zum Zeitpunkt seiner Entstehung in Form der maschinenstürmenden Ludditen und der Chartisten zeigten.

„Victor Frankenstein becoming disgusted at his creation“: Steel engraving to the revised edition of Frankenstein by Mary Shelley (1831).

„Victor Frankenstein becoming disgusted at his creation“: Steel engraving to the revised edition of Frankenstein by Mary Shelley (1831).

Opfer der Aufklärung

Der Scheidungsprozess von Produzent und Produktionsmittel bildet die Grundlage für die kapitalistische Produktionsweise: Indem der Ackerbauer das Eigentum an Grund und Boden verliert, werden ihm seine Mittel zur Selbstversorgung entrissen, was ihn, in Marxscher Terminologie, „doppelt frei“ macht – frei, seine Arbeitskraft zu verkaufen, an wen er will, aber auch „frei“ von Eigentum an Produktionsmitteln. Er wird zum Proletarier. Im Zuge des bereits angesprochenen Aufschwungs der Wollmanufaktur war das „Losungswort“, so heißt es im Kapital von Marx, „Verwandlung von Ackerland in Schafweide“. [16] Zuvor hatte der Großteil der Bevölkerung aus selbst wirtschaftenden Bauern bestanden, die am Gemeindeeigentum beteiligt waren; nun wurden die Gemeingüter zu Privatbesitz gemacht, das Gemeindeland eingehegt, die Bauern gewaltsam enteignet. In Mary Shelleys Roman wird darauf Bezug genommen. So vergleicht Frankenstein seine Situation mit der eines enteigneten Bauern, als er über das Monster sagt: „Würde er aber besiegt, dann war ich ein freier Mann. Allerdings was für eine Freiheit? Eine Freiheit, deren sich der Landmann erfreut, nachdem er gesehen hat, wie seine Familie hingeschlachtet, seine Hütte verbrannt, seine Felder verwüstet werden, und dann heimatlos, verarmt und allein, aber frei seines Weges zieht.“ [17]

Das Monster wiederum entwickelt eine dezidiert kritische Sicht auf, wie es sagt, „das seltsame System der menschlichen Gesellschaft“, als es „von der Aufteilung der Besitzstände, von ungeheurem Reichtum, erbärmlicher Armut, von Rang, Abstammung und edlem Blut“ hört. Zu Frankenstein sagt es: „Ich erfuhr, daß der Besitz, den deine Artgenossen am meisten schätzen, eine noble und makellose Abstammung in Verbindung mit Reichtum war. Ein Mann könnte vielleicht mit nur einer dieser Eigenschaften respektiert werden, aber ohne eine der beiden würde er, außer in sehr seltenen Ausnahmen, als Herumtreiber und Sklave betrachtet, der dazu verurteilt ist, seine Lebenskraft dem Profit einiger Auserwählter zu opfern.“ [18]

Sailer zieht Parallelen zu den Eigenschaften des Monsters und dem im Zuge der Industrialisierung entstehenden Proletariat: „Das Monster wie das Proletariat sind kollektive und artifizielle Geschöpfe: das Monster, aus Leichenteilen von den Friedhöfen, Totenhäusern und Schlachtfeldern der instrumentalisierten Aufklärung bestehend, das Proletariat aus den im Zusammenbruch des feudalen Systems ,frei‘ gewordenen Landarbeitern und Kleinpächtern, die – in England durch die enclosures von ihrem Land vertrieben – sich in den Slums der neuen Großstädte des heraufdämmernden Industriekapitalismus zu jenem neuen Wesen zusammenfanden.“ Für Karl Marx ist das Kapital „verstorbene Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit“. Die Angst, die die von citoyens zu bourgeois degenerierten Aufklärer vor dem Kollektivwesen hatten, das sie doch selbst hervorgebracht hatten und nun für ihre Zwecke nutzten, gleiche, so Sailer, der Angst Frankensteins; sie sei die Furcht vor dem eigenen Totengräber: „Marx und Engels nennen in ihrem Kommunistischen Manifest das Proletariat den von der Bourgeoisie selbst produzierten Totengräber; Frankenstein nennt sein Geschöpf ,meinen eigenen Vampir, meinen eigenen Geist losgelassen vom Grabe und gezwungen, alles zu vernichten, was mir lieb war‘.“ [19]

Das Monster droht – wie die Arbeiterbewegung –, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden, unverhohlen mit der Umkehrung des Verhältnisses von Herr und Knecht. Indem Frankenstein den Torso der fast fertigen Partnerin zerstört, welche sich das Monster gewünscht hat, um seiner Isolation zu entkommen, klärt er das Verhältnis zu seiner Kreatur für den Rest des Romans: Das Monster nennt Frankenstein seinen Sklaven; dieser sei zwar sein Schöpfer, es selbst aber sei nun Frankensteins Herr. Sailer merkt dazu an: „Die Entfremdungen, denen Frankenstein sich in seinem Arbeitsprozeß unterwirft, führen letztlich allesamt dazu, daß das Verhältnis des Produzenten zu seinem Produkt sich langsam, aber unausweichlich umkehrt. Die Entfremdung von der Natur reflektiert Frankensteins zerrissenen inneren Zustand, die Entfremdung von Freunden und Familie läßt ihn mit seiner Arbeit und seiner Aufgabe allein, die von seinem Produkt schließlich entfremdet ihn auch von sich selbst als produzierenden Menschen. Mary Shelley nimmt mit dieser Darstellung vorweg, was Karl Marx etwa dreißig Jahre später in seiner Entfremdungstheorie formulierte“. [20] Gerade auch in seinen Äußerungen zur Natur nehme Marx in wissenschaftlicher Form Mary Shelleys Ansätze auf, in welchen sie Frankensteins Versuche kritisiere, der Natur mit Gewaltmitteln der Naturwissenschaft auf die Schliche zu kommen. So zieht Sailer den Schluss: „Das Monster läßt sich als Metapher für die Opfer der Aufklärung (in wissenschaftlicher wie in politischer Hinsicht) lesen.“ [21]

Insofern handelt es sich um eine Fehlinterpretation, wenn Muriel Spark das Monster als „den isolierten Intellekt“ Frankensteins betrachtet. [22] Wie Sailer anhand zahlreicher Textstellen nachweist, ist das Gegenteil der Fall: Das Monster steht nicht nur für alle „Verdammten dieser Erde“, sondern auch allgemein für die innere und äußere Natur, die von Frankenstein als die „Verkörperung eines männlich-zielgerichteten Prinzips“ unterdrückt wird. [23] In der Dialektik der Aufklärung (1944), dem Hauptwerk der Kritischen Theorie, in dem Max Horkheimer und Theodor W. Adorno eine Wissenschaft kritisieren, die in „scheußlichen physiologischen Laboratorien wehrlosen Tieren“ den „blutigen Schluß“ abzwingt, heißt es entsprechend: „Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war.“ [24]

Editorial cartoon by Bob Satterfield, depicting the spirit of war as a Frankenstein's monster, bringing with it hatred, malice, envy, and ambition (1915).

Editorial cartoon by Bob Satterfield, depicting the spirit of war as a Frankenstein’s monster, bringing with it hatred, malice, envy, and ambition (1915).

Utopisches Moment

Denn die Opfer der Aufklärung – oder, um mit den Worten Horkheimers und Adornos zu sprechen, der instrumentellen Vernunft – sind nicht nur Menschen. Das „Monster“, das in vielen Punkten menschlicher dargestellt wird als Frankenstein, zeichnet sich allgemein durch die Fähigkeit zur Empathie aus – so bricht es etwa, als es vom Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern hört, in Tränen aus –, und diese ist die Voraussetzung für Solidarität, die auch mit Tieren geübt werden kann. Horkheimer schrieb dazu einmal: „Eigentlich ist ja die Solidarität, die wir mit den Menschen in Not fühlen dieselbe wie die mit dem Tier, in der Qual erweist sich ihre Identität und das Weh fließt zusammen.“ [25] Tatsächlich erwächst die politische Kritik, die das Monster übt, aus den basalen Wahrnehmungen von Lust und Schmerz; es sagt: „Ich las von Menschen, die im Dienste der Öffentlichkeit ihre Artgenossen regierten oder abschlachteten. Ich spürte, wie sich in mir eine große Begeisterung für die Tugend regte und ein Abscheu vor Lasterhaftigkeit, soweit ich die Bedeutung jener Begriffe verstand, da sie nach meiner Auffassung offenbar nur Lust und Schmerz entsprechen konnten.“ [26]

Das Monster muss bald erkennen, dass es im von ihm entworfenen Klassenraster noch nicht einmal auf der Stufe der Ärmsten der Armen steht, sondern noch unter ihnen: Es sei, so sagt es, „nicht einmal von derselben Art wie der Mensch“. [27] Sein Wunsch, den es gegenüber dem alten, blinden de Lacey äußert, ist, „nicht aus der Gesellschaft und vom Mitgefühl Ihrer Artgenossen“ [28] – im Original: „not be driven from the society and sympathy of your fellow creatures“, [29] ein Begriff, der Menschen und Tiere umfasst – ausgeschlossen zu werden. Es sagt: „Sollte irgendeine Kreatur mir gegenüber Wohlwollen empfinden, dann würde ich es hundertfach und tausendfach vergelten. Wegen dieses einen Wesens würde ich Frieden mit seiner gesamten Spezies schließen!“ [30] Doch dies wird ihm verwehrt. Die Autorin und Aktivistin Carol J. Adams schreibt dazu in ihrem Buch The Sexual Politics of Meat: A Feminist-Vegetarian Critical Theory (1990): „Frankensteins Geschöpf bezieht Tiere in seinen Moralkodex ein, wird jedoch hintergangen und zutiefst enttäuscht, als es danach strebt, in den Moralkodex der Menschen einbezogen zu werden. Es lernt, dass, ungeachtet seiner eigenen moralischen Maßstäbe, der Kreis der Menschen so gezogen ist, dass sowohl es selbst wie auch die anderen Tiere davon ausgeschlossen bleiben.“ [31] Und allein das ist der Grund, warum es destruktiv wird – es sagt: „Ich trug, wie Satan persönlich, eine Hölle in mir, und da es niemanden gab, der Mitleid mit mir hatte, wollte ich die Bäume ausreißen, Chaos und Vernichtung um mich herum verbreiten.“ [32]

Kurz allerdings blitzt im Roman ein utopisches Moment der Versöhnung mit Mensch und Natur auf, wenn sich das Monster seine Zukunft mit einer zu ihm passenden Gefährtin ausmalt: „Meine Nahrung ist nicht die blutige der Menschen. Ich vernichte nicht Lämmer und Ziegen, um meinen Hunger zu stillen; Nüsse und Beeren genügen mir. Da meine Genossin ebenso beschaffen sein wird wie ich, wird auch sie mit der gleichen Nahrung vorlieb nehmen.“ [33] Zu Frankenstein sagt es: „Das Bild, das ich dir beschreibe, ist friedlich und menschlich, und du mußt spüren, daß du es mir nur aus Willkür und Grausamkeit verweigern kannst.“ [34] Während das „Monster“ Lamm und Zicklein nicht zerstört, um seinen Appetit zu befriedigen, foltert Frankenstein lebende Tiere, um das leblose Material seiner technischen Menschenproduktion zu beseelen; das Leid der gequälten Kreatur hat, so Wolfram Sailer, für ihn nur Bedeutung, insofern sie ihn selbst mit Schrecken füllt. [35] Er verwehrt seinem Geschöpf die Verwirklichung der Utopie, die es ihm geschildert hat. Entsprechend heißt es am Ende des Kapitels über die englischen, revolutionären Romantiker im Antispeziesismus-Buch: „Statt in einen Zustand des Friedens mit Menschen, Tieren und der Natur einzutreten, findet Frankensteins vegetarisches Monster sein Ende im Feuer eines Scheiterhaufens.“ [35]

Louis Édouard Fournier: The Cremation of Percy Bysshe Shelley (1889). Percy starb 1822 nach einem Schiffsunfall. Mary lebte noch bis 1851. In ihrer Schreibtischschublade wurde später eine Kopie des Gedichtes Adonaïs von Percy gefunden; eine Seite war um ein kleines Päckchen gefaltet, das etwas von seiner Asche und Überreste seines Herzens enthielt.

Louis Édouard Fournier: The Cremation of Percy Bysshe Shelley (1889).
Percy starb 1822 nach einem Schiffsunfall. Mary lebte noch bis 1851. In ihrer Schreibtischschublade wurde später eine Kopie des Gedichtes Adonaïs von Percy gefunden; eine Seite war um ein kleines Päckchen gefaltet, das etwas von seiner Asche und Überreste seines Herzens enthielt.

Zum Weiterlesen:

Ein thematisch ähnlicher Text von Matthias Rude ist im Jahr 2016 anlässlich der 200. Jährung der Entstehung des Romans Frankenstein unter dem Titel Höchstmaß an politischer Subversion im Feuilleton des Nachrichtenmagazins Hintergrund erschienen; der Artikel kann auf der Website von Hintergrund bestellt werden.

Im Buch Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken (Stuttgart 2013) findet sich auf den Seiten 64 bis 74 das Kapitel „‚Earth groans beneath religion’s iron age, making the Earth a slaughter-house‘: Revolutions-Romantik – Shelleys brennendes Herz, Frankensteins vegetarisches Monster“. Darin geht es neben dem Dichter William Blake vor allem um die Shelleys und um Byron. Inhaltsverzeichnis, Vorwort und Leseprobe des Buches finden sich auf der Website des Verlags; das Buch ist über den Buchandel erhältlich (ISBN: 3-89657-670-4).

Vom Autor ist im Magazin Melodie und Rhythmus auch ein Artikel zum Frankenstein-Motiv in der Popkultur und dessen politischer Interpretation erschienen; der Text ist inzwischen vollständig online einsehbar: Schrecklicher Wachtraum: Vor 200 Jahren entstand Mary Shelleys berühmter Roman »Frankenstein« – sein Einfluss auf die Popkultur ist bis heute ungebrochen, Melodie und Rhythmus 4/2016, S. 108f.

Ein frei zugänglicher Text zu den Verbindungen zwischen der Frauen- und der ersten Tierrechtsbewegung im 19. und frühen 20. Jahrhundert findet sich hier. Vgl. dazu auch das Kapitel „‚The emancipation of men will bring with it another and still wider emancipation – of animals‘: Tierbefreiung in Arbeiterbewegung, sozialistischen und feministischen Strömungen“ im Antispeziesismus-Buch (S. 88-100).

Anmerkungen:

Titelbild (oben): Boris Karloff als Frankensteins Monster im Film Frankenstein (1931) von James Whale.

[1] Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Die Urfassung. Aus dem Englischen neu übersetzt und herausgegeben von Alexander Pechmann, München 2013, S. 8.

[2] So die allgemeine Meinung der Experten. Beispielsweise heißt es dazu in einer 2001 erschienenen Biografie über Mary Shelley: „Sie läßt diese ,gotischen‘ Erzählungen hinter sich, bedient sich nicht mehr ihrer konventionellen Muster und Figuren, sondern schreibt einen futuristischen Roman, der schon auf die Science-fiction-Literatur verweist“ (Karin Priester: Mary Shelley. Die Frau, die Frankenstein erfand. Biographie, München 2001, S. 120).

[3] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 286f.

[4] Zum Frankenstein-Motiv in der Popkultur und seiner politischen Interpretation vgl. auch: Matthias Rude: Schrecklicher Wachtraum: Vor 200 Jahren entstand Mary Shelleys berühmter Roman »Frankenstein« – sein Einfluss auf die Popkultur ist bis heute ungebrochenMelodie und Rhythmus 4/2016 (S. 108f.).

[5] Karin Priester: Mary Shelley (Anm. 2), S. 29. – Später vertrat Godwin allerdings mehr und mehr einen politischen Reformismus und brachte wohl auch Percy Shelley „nach und nach auf einen linksliberalen Kurs, der mit dem Radikalismus der noch jungen englischen Arbeiterbewegung, den Gewerkschaften und der Bewegung des Chartismus, nicht viel zu tun hatte, auch wenn Shelleys Werk ,Queen Mab‘ gerade in diesen Kreisen begeistert aufgenommen und geradezu als eine Art Bibel gelesen wurde“ (ebd., S. 84).

[6] Wolfgang Koeppen (Hg.): Percy Bysshe Shelley: Das brennende Herz, München, Wien, Basel 1958, S. 13.

[7] Wolfram Sailer: Wissen, Arbeit und Liebe in Mary Shelleys Frankenstein.Studien zur romantischen Mythenumdeutung (Anglistik in der Blauen Eule, Bd. 16, zgl.: Heidelberg, Univ., Diss., 1991), Essen 1994, S. 89.

[8] Percy Bysshe Shelley: The Complete Poetry of Percy Bysshe Shelley. Volume two. Edited by Donald H. Reiman and Neil Fraistat, Baltimore, London 2004, S. 307; Übersetzung zitiert nach: Matthias Rude: Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken, Stuttgart 2013, S. 72.

[9] Der Gebrauch von Laudanum und Opium war in der Romantik eher die Regel als die Ausnahme. „Angesichts dessen kann man sich leicht ausmalen, unter welchen Vorzeichen die Texte in der Villa Diodati entstanden sind“, heißt es in einem Artikel zum Thema (Christoph Hombergs: Laudanum, in: Alexander Eilers (Hg.): „The Summer of 1816“ – Von Monstern, Geistern und Vampiren. Dokumentation der gleichnamigen Ausstellung in der Universitätsbibliothek Gießen (15.4.-13.5.2009), Fernwald 2010, S. 43-47, S. 47.). Vgl. auch: Matthias Rude: Laudanum: Glückseligkeit für einen Penny (7.11.2018).

[10] Reto U. Schneider: Der Frankenstein von Bologna, NZZ Folio, August 2003.

[11] Entsprechend lässt Mary Shelley Victor Frankenstein im Roman sagen: „One of the phenomena which had peculiarly attracted my attention was the structure of the human frame, and, indeed, any animal endued with life. Whence, I often asked myself, did the principle of life proceed?” (Mary Shelley: Frankenstein. English | German. Übersetzt von Heinz Widtmann. Berliner bilinguale Ausgabe, 2015, S. 31).

[12] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 269f.

[13] Ebd., S. 277f.

[14] Horst Meller: Prometheus im romantischen Heiligenkalender, in: Hans-Joachim Zimmermann (Hg.): Antike Tradition und Neuere Philologien. Symposium zu Ehren des 75. Geburtstages von Rudolf Sühnel, Heidelberg 1984, S. 151-175, S. 168.

[15] Wolfram Sailer: Wissen, Arbeit und Liebe in Mary Shelleys Frankenstein (Anm. 7), S. 168.

[16] Im Kapitel über „Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Band 23, Berlin 1962, S. 746.

[17] „If he were vanquished, I should be a free man. Alas! What freedom? Such as the peasant enjoys when his family have been massacred before his eyes, his cottage burnt, his lands laid waste, and he is turned adrift, homeless, penniless, and alone, but free“ (Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 11), S. 141).

[18] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 127.

[19] Wolfram Sailer: Wissen, Arbeit und Liebe in Mary Shelleys Frankenstein (Anm. 7), S. 174f.

[20] Ebd., S. 210.

[21] Ebd., S. 173.

[22] Muriel Spark: Mary Shelley. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Angelika Beck, Frankfurt am Main und Leipzig 1992, S. 211.

[23] Wolfram Sailer: Wissen, Arbeit und Liebe in Mary Shelleys Frankenstein (Anm. 7), S. 272.

[24] Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt am Main 1988, S. 262, S. 40.

[25] Max Horkheimer: Briefwechsel 1941-1948 (Gesammelte Schriften, Band 17). Herausgegeben von Gunzelin Schmid Noerr, Frankfurt am Main 1996, S. 797.

[26] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 138. Im Original heißt es: „I read of men concerned in public affairs, governing or massacring their species. I felt the greatest ardour for virtue rise within me, and abhorrence for vice, as far as I understood the signification of those terms, relative as they were, as I applied them, to pleasure and pain alone“ (Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 11), S. 93).

[27] „I was not even of the same nature as man“ (ebd., S. 87).

[28] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 145.

[29] „I trust that, by your aid, I shall not be driven from the society and sympathy of your fellow creatures” (Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 11), S. 98).

[30] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 158.

[31] Carol J. Adams: Zum Verzehr bestimmt. Eine feministisch-vegetarische Theorie. Übersetzung aus dem Englischen von Susanna Harringer, Wien, Mühlheim a.d. Ruhr 2002, S. 128.

[32] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), S. 147. – Es handelt sich hierbei um eine Anspielung auf das vierte Buch von Paradise Lost, wo es über Satan, der heimlich den Garten besucht, heißt: „horror and doubt distract / His troubled thoughts, and from the bottom stir / The hell within him, for within him hell / He brings, and round about him, nor from hell / One step no more than from himself can fly / By change of place“ (John Milton: Das verlorene Paradies, Werke. Englisch – Deutsch, Frankfurt am Main 2008, S. 168).

[33] „My food is not that of man; I do not destroy the lamb and the kid to glut my appetite; acorns and berries afford me sufficient nourishment. My companion will be of the same nature as myself and will be content with the same fare” (Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 11), S. 108).

[34] Mary Shelley: Frankenstein (Anm. 1), München 2013, S. 159.

[35] Wolfram Sailer: Wissen, Arbeit und Liebe in Mary Shelleys Frankenstein (Anm. 7), S. 272.

[36] Matthias Rude: Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken, Stuttgart 2013, S. 74.

Demonstration: Hände weg von Afrin!

Heute fand in Tübingen die Demonstration „Hände weg von Afrin“ statt.

Der Aufruf lautete:

Seit dem 20. Januar 2018 überfallen türkische Truppen mit Unterstützung von islamistischen Kräften völkerrechtswidrig die demokratische kurdische Region Afrin in Syrien. Während also in Syrien der Kampf gegen den IS seinem Ende naht, hat das Erdogan-Regime einen neuen Krieg entfacht. Es versucht in Afrin das demokratische und emanzipatorische Projekt zu zerschlagen, das unter größten Anstrengungen und Opfern in nunmehr 5 Jahren aufgebaut und verteidigt wurde. Afrin ist Zufluchtsort vieler Flüchtlinge aus anderen syrischen Regionen. Heute greift das Erdogan-Regime mit deutschen Waffen diejenigen Kräfte an, die am entschiedensten gegen den faschistischen IS mit Erfolg gekämpft haben. Wir protestieren gegen den Einsatz von Waffen aus Deutschland! Wir protestieren gegen die Rückendeckung des Erdogan-Regimes durch die Berliner Regierung! Solidarität mit den kurdischen und anderen demokratischen Selbstverteidigungskräften! Stoppt den militärischen Angriff gegen die kurdische Region Afrin in Nordsyrien!

Mehr Fotos von der Demonstration gibt es auf unserer Facebook-Seite.

Sexistische Grillsaison


Lidls sexistische Werbung: Profit auf Kosten von Frauen und Mädchen, mithilfe der Triebe manipulierter Hetero-Männer.

Die Themen Sexismus und Fleischkonsum haben eine traditionelle Verbindung. Es ist nur eine Facette davon, dass doppelt soviele Frauen im deutschsprachigen Raum vegetarisch leben wie Männer. Die Sprache des Jägers, der dem zum Objekt gemachten Wildtier nach dem Leben trachtet, wird seit jeher vom patriachalen und sexistischen Mann, der die Frau zum Objekt im sexuellen Verhältnis machen will, verwendet: Ledige Frauen und Mädchen sind dann „Freiwild“, im Männerbund der „Schürzenjäger“ wird von „Hasenjagd“ gesprochen usw. Andersherum kommen einige sexistische Schimpfworte aus der Jagd, so ist das „Luder“ ein als „Lockmittel“ verwendetes weibliches Wildtier und die ebenfalls als Lockmittel verwendete „Schnalle“ ist das aus ihr herausgeschnittene Geschlechtsteil.

Heute wird der Fleischkonsum durch die massive Bewerbung des „Grillens“ massiv gesteigert. Auch da wird an „ur-männliche“ Werte appeliert. So ist Sexismus und Grillen in der diesjährigen Lidl-Werbung eine prominente Kombination (siehe Bierfass).

Lidl geriet über die sexistische Bierfassgestaltung in Kritik, den Verlauf und Umgang damit kommentierte die antisexistische Initiative Pinkstinks. Lidl wirbt in ihrem Prospekt mit alten Männerbildern: harte Cowboys, die „ihr“ Fleisch grillen und dabei männertypische Preise gewinnen können. Für Frauen wird extra mageres Fleisch oder Fisch angeboten.

Ein weiteres Kuriosum jenseits des Abgrundes männlicher „Fleischeslust“ ist das Männermagazin Beef!. Während es zu 90% einfach nur Fleischwerbung darstellt, wird auch mit anderen „Männerthemen“ in Verbindung mit Feisch gelockt.

Diese Männerzeitschrift macht selbst nochmal ihre Verbindung zwischen Sexismus und Speziesismus überdeutlich: Die Frau wird ebenso wie das Fleisch als (Konsum-)Objekt des männlichen Subjekts nahegelegt.

Wer gerne etwas tiefer in dieses Thema einsteigen will, dem seien die großartigen Broschüren der inzwischen leider verstorbenen Birgit Mütherich, die im Jahre 2004 von der Autonomen Tierbefreiungsaktion Hannover herausgegeben wurden, wärmstens empfohlen. Mit einem Schwenk über die Geschichte der monotheistischen Religionen bis ins 19.Jahrhundert arbeitet sie elegant und unterhaltsam geschrieben die Grundzüge der drei bekanntesten Unterdrückungsideologien – Rassismus, Sexismus und Speziesismus – und den diesen zugrunde liegenden Geist-Natur-Dualismus heraus.



Auch wenn die Broschüren sich teilweise überschneiden sind sie doch jeweils sehr lesenswert:
Die soziale Konstruktion des Anderen (.pdf)hier auch als Fließtext befasst sich eher explizit noch mit Rassismus und Sexismus, während „Speziesismus, soziale Hierarchie und Gewalt (.pdf)“ mit extra Kapiteln zu Speziesismus und der westlichen Kultur aufwartet. Beide sind im Broschürenformat gespeichert und daher zwar druckfertig aber am Bildschirm etwas schwerer zu lesen.

Termine: One Billion Rising und Mahnwache gegen Affenversuche


Am Freitag den 14. Februar 2014 findet in Tübingen die zweite Tanzdemo gegen Gewalt gegen Frauen One Billion Rising statt. Da jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens statistisch gesehen mindestens einmal Opfer von Gewalt wird, wollen sich eine Milliarde Menschen (engl. one billion) dagegen erheben. Ab 17 Uhr am Europaplatz (vor dem Hauptbahnhof) kann jede aktiv teilnehmen und jeder solidarisch mitmachen!


Am Samstag den 15. Februar 2014 findet auf dem Holzmarkt um 11-13 Uhr eine Mahnwache gegen Affenversuche statt. Die Mahnwache will an das 5-jährige bestehen der Kampagne gegen Affenversuche in Tübingen erinnern. Teilnahme in dunkler Kleidung ist erwünscht.

Frigga Haug: Die 4-in-1-Perspektive – Rekapitulation eines Vortrags

Bereits am 7. Mai 2013 veranstaltete iL Tübingen, die hiesige Gruppe des bundesweiten Zusammenschlusses interventionistische Linke, einen Vortrag zur „4-in-1-Perspektive“ von und mit Frigga Haug (hier gibt es den Vortrag zum Nachhören). Die Veranstaltung stand auch im Zeichen der Mobilisierung zu Blockupy 2013.1 Wir wollen den Vortrag an dieser Stelle noch einmal rekapitulieren.

Da die „4-in-1-Perspektive“ den Anspruch hat, feministische wie kommunistische und radikal-demokratische Forderungen zusammenzubringen und weil einige von uns Blockupy-Erfahrung und/oder -Interesse mitbrachten, waren mehrere unser AktivistInnen dort. Was genau hinter der 4-in-1-Perspektive steckt, konnte sich zuvor niemand von uns vorstellen.

Mit dem Untertitel „Block crisis regime, occupy acitivity: Gegen die Verarmungs- und Privatisierungspolitik der EU – Eine andere gesellschaftliche Verteilung von Zeit erkämpfen“ warb die iL Tübingen für ihre Veranstaltung mit der bekannten marxistischen Feministin Frigga Haug. Gemeinsam mit lokalen Gewerkschafts-, Aktions- und Parteigruppen lud sie in die Neue Aula der Universität.

Die mittlerweile 77-jährige Berlinerin war in den 60ern beim SDS (Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband) aktiv, gibt die sozialistische Zeitschrift „Das Argument“ heraus und ist seit 1968 auch in verschiedenen feministischen Zusammenhängen aktiv. Dass sie sowohl das „Historisch-kritische Wörterbuch des Marximus“, wie auch das „Historisch-kritische Wörterbuch des Feminismus“ mitherausgibt, zeigt, dass sie sich mit dem Versuch der Überwindung der Grenzen dieser Ansätze beschäftigt.

Ihren Vortrag begann sie mit einer Interpretation des Marx-Zitates über den Menschen: „Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus.“ Während sie einerseits klarlegte, dass es sich um ein Missverständnis handelt, da Marx im Kontext mit „Zuhause“ die Utopie meint, welche nicht mit „Arbeit“ im heutigen Sinne einhergehen kann, teilt sie auch den feministischen Protest gegenüber der falsch verstandenen Parole, weil deren falsches Verständnis auf einen Arbeitsbegriff hindeutet, der jegliche Hausarbeit, Erziehungsarbeit und Beziehungsarbeit vollkommen ausblendet.
Als aktuelles Beispiel dieser Auffassung erwähnt sie einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), in dem drei Gruppen aufgezählt werden, die noch „beschäftigt“ werden müssten, um die Vollbeschäftigung erreichen zu können: Alleinerziehende Frauen, Frauen mit Kindern bis zu drei Jahren (auch mit PartnerIn) und Frauen zwischen 51 und 64. Es handelt es sich um kein Missverständnis, dass der Autor des FAZ-Artikels gerade die am meisten mit Arbeit belasteten Personengruppen als „arbeitslos“ ansieht.

Da Haug in der einfachen Erweiterung des Arbeitsbegriffs keine Lösung sieht – die vorübergehende feministische Strategie, die sich in der Parole „Bezahlung von Hausarbeit“ niederschlägt, führe nämlich zu einer vollendeten Monetarisierung des Privatlebens und wäre nicht umsonst sogar von der CDU aufgegriffen worden – , suchte sie andere Wege.2 In der 4-in-1-Perspektive versucht sie feministische wie auch marxistische Forderungen zusammenzubringen und daraus eine Perspektive zu konstruieren, unter der Fatima- und Otto-Normal-Mensch sich etwas vorstellen kann.
Aus der ArbeiterInnen-Bewegung nimmt sie die Forderung nach einer radikalen Arbeitszeitverkürzung zu täglich vier Stunden Lohn- oder Produktionsarbeit, wobei sie betont, dass vier Stunden am Tag eigentlich zu viel seien und eine sozialistische Gesellschaft mit weitaus weniger auskommen würde. Als Forderung aus der Frauenbewegung nimmt sie als zweites aber auch den Anspruch von vier Stunden Reproduktionsarbeit für jede und jeden (!) auf. Bisher wird diese Arbeit immernoch großteilig nur von Frauen geleistet, meistens ohne jede Anerkennung und häufig bei zusätzlicher Belastung durch den dazukommenden Zwang zur Lohnarbeit. Da „Reproduktionsarbeit“ aber einen Begriff aus der Perspektive des Kapitals darstellt, vermeidet sie ihn, schließlich ist die Reproduktion von Arbeitskraft gemeint, also sowohl das Entspannen der/des ArbeiterIn um für den nächsten Arbeitstag fit zu sein, als auch das Aufziehen von Kindern als die Arbeitskräfte der Zukunft. Stattdessen spricht sie lieber von „Lieben, Hegen, Pflegen“, wo sonst von Reproduktionsarbeit gesprochen wird und betont, dass Arbeit die heute in der Form von Lohnarbeit geleistet wird, z.B. Krankenpflege, eher in die erste Kategorie von Lohnarbeit gehört, weil sie entsprechend mit Stress und Entfremdung verbunden ist.
Als drittes nimmt sie eine demokratische Forderung mit auf, wobei allerdings nicht der „Demokratie“-Begriff gemeint ist, der durch den Missbrauch durch parlamentarisch-kapitalistische Regimes der EU und USA geprägt ist. Diese real existierenden Demokratien haben mit wirklicher Demokratie ähnlich wenig zu tun, wie der real existierende Sozialismus der UdSSR mit wirklichem Sozialismus, weshalb manche lieber von Basis-Demokratie, Radikaldemokratie, Rätedemokratie oder Anarchismus sprechen. Haug fordert nämlich vier Stunden „Politarbeit“ täglich für alle, was sie als notwendig bezeichnet, damit sich ein System selbst „demokratisch“ nennen kann. Wenn zu Polit-Arbeit gehört, sich vernünftig über die Welt zu informieren, wird klar, wie recht sie hat. Schließlich haben selbst im antiken Griechenland die Bürger*3 mehr demokratische Rechte gehabt und mehr mitbestimmen können, als es heutzutage in modernen „Demokratien“ der Fall ist. Denn dort wurden damals Entscheidungen unter allen Bürgern* der Stadt getroffen, weshalb diese teilweise in riesigen Stadien diskutiert wurden.

Als letzte der vier Forderungen plädiert Haug für vier Stunden Muße, Selbstverwirklichung und Kreativität am Tag. Dazu kann das Lernen von Instrumenten, Sprachen, künstlerische oder kulturelle Projekte, Spiel, Spaß und jede andere Form von Selbstentfaltung gehören. Im Gegensatz zu den drei anderen Forderungen ist diese offenbar nicht einer einzelnen Bewegung zuzuorden, jedoch ein wichtiges Element der Mensch-Werdung, welches zur Zeit breiten Bevölkerunggruppen vorenthalten wird.
Aus der Sicht einesR Einzelnen könnte so jeder Tag (oder Wochentag?) 16 Stunden dieser je vier Wachtätigkeiten umfassen, womit die restlichen acht Stunden Zeit zum Schlafen übrig wären.
Natürlich ist das keine konkrete Forderung, die genau so eingefordert werden kann, und schon gar keine individuelle Forderung, die von einzelnen so umgesetzt werden soll. Vielmehr handelt es sich um eine Art „Richtungsforderung“ (siehe dazu den Artikel in der arranca!) die mehrere Bewegungen zusammenbringen könnte und ihren Einzelforderungen eine gemeinsame Basis verleihen würde. Also als ein mittelfernes Ziel, ein Stück Utopie, auf das aber konkrete Kämpfe eingehen können, um Stück für Stück Befreiung zu erreichen.

Den zweiten Teil ihres Vortrags widmete Frigga Haug dem „Herrschaftsknoten“. Dieses Bild soll verdeutlichen, dass die verschiedenen Herrschaftsstränge nicht hierarchisch angeordnet seien, sondern miteinander „verknotet“ sind. Damit widerspricht Haug der gängigen (aber falschen4) Interpretation der Haupt-Nebenwiderspruchsthese, in der der Widerspruch „Arbeit-Kapital“ der einzige zentrale sei und eventuelle weitere Widersprüche hierarchisch gegliedert nachfolgen würden. Herrschaft sei vielmehr ein Knoten aus mehreren vielfältigen Herrschaftsstrukturen, die gerade durch ihren gegenseitigen Zusammenhalt der Herrschaft die unerfreuliche Stabilität verleihe. Das Bild des Knotens ermöglicht weiter anzudeuten, wie diese Herrschaft auflösbar sei: es muss an den verschiedenen Herrschaftsideologien gleichzeitig gezogen werden, denn das Ziehen an nur einem Strang verfestige den Knoten nur.
Also, konkret gesprochen, wenn nur gegen Sexismus oder nur gegen Kapitalismus gekämpft würde, könnte sich der Herrschaftsknoten dadurch sogar verfestigen. Ein Kampf gegen alle diese Herrschaftsformen gleichzeitig sei daher notwendig.
An dieser Stelle scheint Haug aber selbst wieder vier Widersprüche gewählt zu haben, wobei andere unter den Tisch fallen. Eine Frage aus dem Publikum zielte in diese Richtung: Wo denn bei dieser Überlegung der „Trikont“5 bleibe. Haug scheint diesbezüglich eine modernere Auffassung zu haben. Den Menschen im „Trikont“ würde das Konzept ebenso vorgestellt wie allen anderen und sie hätte viele positive Rückmeldungen dazu auch von dort bekommen.

Eine antispeziesistische Betrachtung

Nun folgt natürlich die Frage, wie wir AntispeziesistInnen und TierbefreiungsaktivistInnen diesen Vortrag bewerten. Zunächst können wir uns ähnlich wie die Nachfrage um die Bewegungen des globalen Südens darüber beklagen, dass die Idee der Tierbefreiung, sowie alle Bewegungen um Ökologie in diesem Konzept einen nur sehr marginalen Platz einnehmen. Aus dem Vortrag kann herausgehört werden, es gehe beim „Lieben, Hegen, Pflegen“ es um die „Reproduktion“ von Mensch und Natur, hier wurde also der Widerspruch Geist-Natur, der oft Kennzeichen speziesistischer Ideologie ist, implizit genannt.6 An dieser Stelle würden wir aber hervorheben, dass es nicht um den Stolz einer Einzelbewegung gehen darf, im Mittelteil genannt zu werden, sondern eher betonen, dass die praktischen Folgen dieser Forderung eine der direktesten Wege zur gesamtgesellschaftlichen Tierbefreiung darstellt, da alle vier Bereiche indirekt zur Tierbefreiung beitragen:
1. Wenn die Ausbeutung der Menschen bekämpft wird, liegt die Bekämpfung der Ausbeutung der nichtmenschlichen Tiere7 nahe. Eine radikale Arbeitszeitverkürzung, die nur über die Aufhebung der kapitalistischen Wirtschaft möglich ist, bringt voraussichtlich auch die kapitalistische Ausbeutung der Tiere ins Wanken.
2. Wenn „Lieben, Hegen und Pflegen“ Teil des Lebens eines jeden Menschen wird, ist die massenhafte Haltung und Tötung von Tieren unwahrscheinlicher, da regelmäßig praktiziertes Einfühlungsvermögen die Menschen prägt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dieses auch auf andere Tiere anzuwenden. Nicht ohne Grund leben Frauen doppelt so häufig vegetarisch als Männer, sind sie doch die, die in dieser Gesellschaft früh auf die unbezahlten Pflegearbeiten in der Familie vorbereitet werden, während Männern früh Empathielosigkeit und Härte (z.B. als „coolness“) als „männliche“ Werte suggeriert wirden.
3. Die Zeit für politische (Selbst-)Bildung und politische Mitbestimmung ermöglicht auch viel größere Verbreitung der Tierbefreiungsidee. Verdeckte Missstände, wie die „Nutztier“-Haltung und -Schlachtung, könnten nicht mehr so leicht der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Erst wenn Entscheidungen auch gemeinsam getroffen werden, können die Menschen Verantwortung für ihre Mitmenschen, Tiere und die Umwelt übernehmen. Wie das heutige parlamentarische Regime funktioniert, wird am Beispiel der Grünen deutlich: Eine Partei wird nur dann für regierungsfähig empfunden und von der Presse entsprechend behandelt, wenn sie fast allen ihren Idealen abschwört. Einmal an der Macht, sorgen dann Lobbygruppen und Korruption dafür, dass kaum was aus dem Wahlprogramm oder dem Koalitionsvertrag übrig bleibt: Auslandseinsätze, Harz IV, Stuttgart21, die Affenversuche in Tübingen…
4. Letztlich gibt auch die Zeit der Muße dem Menschen die Möglichkeit sich über alles mehr Gedanken zu machen und eine – heute sehr seltene – Ausgeglichenheit zu erreichen; das sind zwei Faktoren, die dem Töten und dem Töten-Lassen (auch) von Tieren entgegenstehen. Die ständige Arbeitsüberlastung des Großteils der Bevölkerung begünstigt dessen gewaltvollen Konsum, der sowohl dem eigenen Geist und Körper schadet, als auch die unter schlechten Bedingungen Produzierenden, die Tieren und die Umwelt mehr oder minder zu Grunde richtet.

Die Idee, dass alle Kämpfe zugleich geführt werden müssen, scheint uns in keinster Weise neu zu sein. Bereits in dem von uns organisierten Vortrag mit Andre Gamerschlag zu „Unity of Oppression“ und „Intersektionalität“ im Oktober 2011 wurde von der langen Geschichte dieser Überlegungen, begonnen von den Black Feminists in den 70ern, erzählt. Die Überlegungen scheinen aber in die etablierte Linke, Linkspartei, Attac, Gewerkschaften, in denen Frigga Haug unterwegs ist, noch wenig Eingang gefunden zu haben. Deshalb ist es wohl wichtig diese Idee in diesem Umfeld zu verbreiten und das tut sie ganz elegant mithilfe vieler Zitate von Luxemburg, Bloch und Gramsci.
Im Gegensatz zu Gamerschlag scheint Haug dabei allerdings nicht den Verdacht nahe zu legen, jegliche Aktualität des Kapitalismus zu vernachlässigen und aus einer komplexen Verschachtelung von Herrschaftsformen eine bloße Aneinanderreihung zu unternehmen.
Leider müssen wir allerdings bei Frigga Haug auf die Anerkennung der Ausbeutung der Tiere leider ganz verzichten. Kein einziges Mal wurde Tierausbeutung im Vortrag explizit genannt. Dennoch ist in ihrem Prinzip, wie Kämpfe zusammengebracht werden, die Einbindung von Tierbefreiung möglich und für uns nur logisch und konsequent.

Auch das Bild des Herrschaftsknotens hat für uns etwas Neues und Erfrischendes: Die ‚Lösung des Knotens‘ macht das Zusammenspiel unserer Kämpfe nochmal etwas bildlicher. Wenn es um konkrete Ansätze ging, forderte Haug mehr die Kreativität der Aktiven, als dass sie selbst ausgeklügelte Konzepte anzubieten hatte. „Ihr seid doch in den Bewegungen aktiv; also überlegt ihr doch, wie das funktionieren könnte!“ war ihre Botschaft, sowie der Ansatz, „an allen Punkten gleichzeitig“ anzusetzen. An dieser Stelle hätten wir uns doch mehr Hinweise erhofft.

Tatsächlich ließe sich aber aus unserer Erfahrung als politisch aktive Gruppe einiges zum Problem des Herrschaftsknotens berichten. Das fängt immer dann an, wenn es darum geht alle Bewegungen im Blick zu haben, auch wenn es für die Effektivität einer Gruppe praktisch unabdingbar ist, konkret ein Thema in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. So können wir unsere Bemühungen bei Infotagen und Demonstrationen zu Tierversuchen nennen, die regressiven Tendenzen, die es, wie in jeder auch in unserer Bewegung gibt, zu bekämpfen: gegen die sexistischen Werbeplakate für Tierrechte von Peta, Verhinderung von Holocaustvergleichen durch EinzelaktivistInnen und offensives Vorgehen gegen faschistische Forderungen wie „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder!“.

Außerdem versuchen wir in unseren Texten und Überlegungen, verschiedene soziale und ökologische Kämpfe miteinander zu verbinden und so diesen „Herrschaftsknoten“ zu lösen: So die Verbindung von Tierversuchen und Militärforschung, die vielfältigen gemeinsamen Kämpfe des Feminismus mit dem Antispeziesismus, als auch unsere Versuche Antispeziesismus mit Antikapitalismus zu verbinden. TierrechtsaktivistInnen auf Blockupy Frankfurt mit den Flyern zu Krise und Tierausbeutung, wir auf der Demo zum Mössinger Generalstreik, unsere Redebeiträge und Broschüren zu den letzten Weltfrauentagen und nicht zuletzt das theorie.org-Buch Antispeziesismus sind Beispiele von Versuchen, den „Herrschaftsknoten“ zu lösen, bzw. den Kampf für allgemeine Befreiung vor Ausbeutung und für Selbstbestimmung weiterzuführen.

Über diese Anfänge von Theorie und Praxis sind wir aber noch nicht sehr weit hinaus gekommen. Noch ist Antispeziesismus in den anderen sozialen/ökologischen Bewegungen marginal, und noch sind antikapitalistische Ideen dem Großteil der Bevölkerung fremd. Eine Fortführung unserer Theoriearbeit bei gleichzeitiger Entwicklung von Perspektiven daraus sehen wir als unbedingt notwendig an. Der 4-in-1-Ansatz ist dazu ein guter Schritt in die richtige Richtung und eine Hilfe beim Versuch, sich mit anderen sozialen- und Umweltbewegungen zu einer revolutionären Kraft zu verbinden, ähnlich übrigens wie das Konzept der Commons (siehe den Artikel in der arranca!) oder der Sozialen Infrastruktur. Wie zu erwarten war, ist die 4-in-1-Perspektive für uns allerdings auch nicht mehr als ein Schritt.

  1. Infos zur Veranstaltung auf Homepage der iL-Tübingen: http://il-tue.mtmedia.org/veranstaltungen.
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  2. Zu dieser Diskussion ein interessanter Rückblick in der Zeitschrift „Grundrisse“: http://www.grundrisse.net/grundrisse37/Lohn_fuer_Hausarbeit.htm. [zurück]
  3. Wir schreiben „Bürger*“ um zu betonen dass dier Begriff des Bürgers nicht dem heutigen entspricht und Frauen, Sklaven und Nicht-Griechen ausgeschlossen waren. [zurück]
  4. „Trikont“ meint die drei kolonisierten Kontinente (Latein-)Amerika, Afrika und Asien, wenn die abwertende Bezeichnung „dritte Welt“ vermieden werden soll. Der Begriff ist nicht mehr sehr gebräuchlich, inzwischen wird eher „der globale Süden“ gesagt. [zurück]
  5. Zum Geist-Natur-Dualismus gibt es einen Vortrag von Susan Witt-Stahl unter http://vimeo.com/66107702. [zurück]
  6. Unserer Anschauung nach hierarchisiert die marxistische Basis-Überbau-Theorie nicht die Widersprüche. [zurück]
  7. Obwohl, wenn „Tiere“ gesagt wird, eigentlich „nichtmenschliche Tiere“ gemeint sind – schließlich sind Menschen ja auch Säugetiere –, bleiben wir aus Verständlichkeitsgründen beim in der Gesellschaft etablierten Begriff der „Tiere“. [zurück]
  8. Rein moralisch liegt die gleichwertige, aber aber einfach nebeneinanderliegende Aufzählung aller Herrschaftsformen nahe: Alle sind gleich wichtig und keinem „Opfer“ einer dieser Formen soll erzählt werden, ihr/sein Leid sei unwichtiger. Um aber Analysen und Strategien anfertigen zu können, müssen wir uns deutlich machen, dass die liberale Ideologie und die neoliberalen Akteure selbst ein Interesse daran haben, „Diskriminierungen aller Art“ zu bekämpfen und die Hierachisierung alleine auf Leistungs- und Eigentumsfragen zu verlagern. Deshalb versuchen auch staatlich geförderte Gleichstellungsbeauftragte wie Anti-Diskriminierungs-Ämter daran zu arbeiten, dass nur noch Kapital und Leistung zählt. Wenn Kapitalismus bekämpft werden will, müssen sich andere strategische Prämissen ergeben, als wenn nur die rein moralische Verurteilung das Ziel sein soll. Dafür wäre die bloße Aufeinandereihung ausreichend. Deshalb müssen wir als Linke und Antikapitalisten uns ein Stückweit auf Kapitalismus als dominante und dominanter werdende Herrschaftsform einstellen.[zurück]
  9. Quelle: taz vom 4.1.2014, http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2014%2F01%2F04%2Fa0154. [zurück]

Brown Dog Riots: Allianzen zwischen Arbeiter-, Antivivisektions- und Frauenbewegung

Im Jahr 1906 wird das erste „Brown Dog“-Denkmal in Battersea enthüllt, jenem Stadtteil Londons, der damals als Hochburg der Gewerkschafts- und anderen sozialen Bewegungen sowie als Wiege für radikale Klassenpolitik gilt. Das Denkmal, das symbolisch für die Opfer der Vivisektion errichtet wird, wird schnell zum Ausgangspunkt für die heftigsten und militantesten Auseinandersetzungen, welche die britische Tierrechtsbewegung bis zu diesem Zeitpunkt geführt hat.

Die englische Antivivisektionsbewegung im 19. Jahrhundert ist mit der feministischen Bewegung der Zeit derart überlagert, dass die Medizinstudenten des University College, die ab 1906 gegen die Aufstellung des Denkmals protestieren, Antivivisektions- und Frauenwahlrechtsbewegung gleichsetzen: Sie stören zahlreiche Veranstaltungen letzterer, um gegen erstere vorzugehen. Medizinstudenten versuchen immer wieder, das Denkmal zu zerstören, stoßen dabei aber auf den vehementen Widerstand der Vivisektionsgegner sowie der Bevölkerung des Arbeiterviertels, die in dem Hund offenbar ein Symbol für ihre eigene Unterdrückung sieht. Über Jahre hinweg, zwischen 1903 und 1910, wird der Konflikt, bekannt als Brown Dog Riots, ausgetragen. Ort der Auseinandersetzungen ist sowohl Battersea als auch das Londoner Zentrum, wo auf dem Trafalgar Square Demonstrationen mit mehreren Tausend Teilnehmenden stattfinden. Unter dem Druck der Kontroverse wurde die Statue 1910 vom Bezirksrat geheim entfernt.
Die neue Statue, die man hier auf den Fotos sieht, wurde erst 1985 im Battersea Park errichtet – gestiftet von der British Union for the Abolition of Vivisection und der National Anti-Vivisection Society. 1992 wurde die Statue innerhalb des Parks an den Rand eines Pfades nahe des Old English Garden versetzt, wo sie kaum auffindbar ist. Auf dem Sockel finden sich unter anderem folgende Inschriften: In Memory of the Brown Terrier Dog Done to Death in the Laboratories of University College in February 1903 after having endured Vivisection extending over more than Two Months and having been handed over from one Vivisector to Another Till Death came to his Release. Also in Memory of the 232 dogs Vivisected at the same place during the year 1902. Men and women of England how long shall these things be?, und: Animal experimentation is one of the greatest moral issues of our time and should have no place in a civilised society.

Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert existieren nicht nur bemerkenswerte Allianzen zwischen der Antivivisektions- und der Arbeiterbewegung – prominente Vertreter der Arbeiterbewegung unterzeichnen 1896 ein Manifest gegen die Vivisektion, in dem es heißt: „such experimentaion on living animals is opposed to the right feelings and true interests of the working classes“ –, auch zwischen der Frauen- und der ersten Tierrechtsbewegung bestehen enge Verbindungen. Der Begriff „Suffragetten“ bezeichnet zu Anfang des 20. Jahrhunderts jene Frauenrechtlerinnen in Großbritannien und den USA, die mit verschiedenen Methoden für das Frauenwahlrecht kämpfen. In ihrer militanten Erscheinungsform übernimmt die Frauenwahlrechtsbewegung in diesen Jahren Methoden, die den Protestformen der radikalen Arbeitertradition entliehen sind und auf die sich wiederum die Tierrechtsbewegung bezieht. Die erklärte Absicht der militanten Suffragetten war, niemals Menschen oder Tiere zu gefährden – aber, so Emmeline Pankhurst (1858-1928), Mitglied der Independent Labour Party und Mitbegründerin der Women’s Social and Political Union (WSPU), im Jahr 1913: „Wenn es dafür notwendig ist, um das Wahrecht zu erhalten, werden wir soviel Schaden an Eigentum anrichten, wie wir können.“ Die Maßnahmen reichen von der Durchführung von Demonstrationen und der Störung von Parlamentssitzungen über Streikposten, Ankettungen und Angriffe auf Regierungsmitglieder bis hin zur Zerstörung von Fensterscheiben, Briefkästen und Briefsendungen, dem Einsatz von Brandbomben und der Brandstiftung an Häusern, Bahnhöfen und Schlössern. Des Weiteren verweigern sich einige der Zahlung von Steuern. „Es gibt etwas, um das sich Regierungen viel mehr Sorgen machen, als um menschliches Leben, und das ist die Sicherheit des Eigentums. Und so ist es durch das Eigentum, dass wir den Feind bekämpfen werden. Seid militant, jede auf ihre Art“, lässt Emmeline Pankhurst verlautbaren, und weiter: „Das Argument der zerbrochenen Fensterscheibe ist das wertvollste Argument moderner Politik.“ Ab 1912 ist die WSPU praktisch eine illegale Organisation, ihre Anführerinnen befinden sich entweder im Gefängnis oder im Exil in Paris, von wo aus sie die Leitung aus dem Untergrund weiterführen.
Abgesehen von der Wahl der Mittel, bestehen auch personelle Überschneidungen zwischen der Frauenwahlrechts-, der Tierrechts- und der Arbeiterbewegung. Frances Power Cobbe (1822-1904) etwa ist nicht nur Teil des Exekutivkomittees der 1868 gegründeten National Society for Woman Suffrage, sondern auch Begründerin der Victoria Street Society – der Vorgängerorganisation der noch heute bestehenden National Anti-Vivisection Society – sowie der British Union for the Abolition of Vivisection. Die Sozialistin Isabella Ford (1855-1924) engagiert sich für die Rechte der Frauen aus der Arbeiterklasse und ist gleichzeitig gegen Vivisektion und andere Tierausbeutung in der von Henry Salt (1851-1939) gegründeten Humanitarian League aktiv. Zwischen der League und der sozialistischen Bewegung bestehen wechselseitige Verbindungen, die Arbeit der Gesellschaft und die Themen Vegetarismus und Tierrechte werden auch in sozialistischen Zeitungen wie The Labour Annual, Clarion oder Justice vorgestellt und unterstützt. Kropotkin präsentiert sein Werk Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (1902), in dem er die Rolle des Konzepts der Solidarität im Gegensatz zum populären des Überlebens des Stärkeren in der Evolution betont, auf einer Veranstaltung der League. Salt ist der Meinung, dass es einer Veränderung hin zu einer Ökonomie bedarf, die nicht auf Profit ausgerichtet ist, damit sich das Verhalten gegenüber den Tieren überhaupt grundlegend ändern kann. In einem Artikel mit der Überschrift The Animal Question and the Social Question (1898) schreibt er: „So long as pecuniary profit and self-interest are accepted as guiding principles of trade, it will remain impossible to secure the right treatment for animals; because it is absurd to suppose that mankind will agree to exempt the lower races from the results of an economic tyranny of which men are also victims.“ Die Forderung nach der Befreiung der Tiere sieht er als Fortsetzung der menschlichen Emanzipationsbestrebungen. In Animals‘ Rights. Considered in Relation to Social Progress (1892) schreibt er hierzu: „The emancipation of men will bring with it another and still wider emancipation – of animals“, und: „It is not human life only that is lovable and sacred, but all innocent and beautiful life: the great republic of the future will not confine its beneficence to man.“ Die Befreiung von Mensch und Tier sind für Salt untrennbar miteinander verbunden, eine ohne die andere gar nicht möglich. In der Autobiografie des Engländers, die den ironischen Titel Seventy Years among Savages (1931) trägt, heißt es: „The emancipation of men from cruelty and injustice will bring with it in due course the emancipation of animals also. The two reforms are inseparably connected, and neither can be fully realized alone.“ Entsprechend gelte es Folgendes zu überwinden: „The exploitation of one race by another race, of one class by another class, of the lower animals by mankind.“
Die Humanitarian League wird auch von Louise Lind-af-Hageby (1878-1963) unterstützt; sie ist Mitglied der Women’s Freedom League (WLF), 1909 gründet sie die Animal Defence and Anti-Vivisection Society, außerdem ist sie, in ihren eigenen Worten, militante Vegetarierin – für ihren strengen Vegetarismus wird sie ab 1944 in der durch Donald Watson (1910-2005) gegründeten Vegan Society Gleichgesinnte finden.
Emily Wilding Davison (1872-1913), eine der militantesten Suffragetten, ist der Meinung, dass Tierrechte die logische Erweiterung feministischer Forderungen sein müssen. Sie initiiert zahlreiche Brandanschläge und bekennt sich außerdem zum Anschlag auf das Privathaus des Premierministers Lloyd George im Jahr 1913. Zur Märtyrerin der Frauenwahlrechtsbewegung wird sie, als sie noch im selben Jahr beim Derby vor das Pferd des Königs läuft und an den Folgen ihrer Verletzungen stirbt. Zu ihrem Freundeskreis zählen andere Suffragetten, die ihr Tierrechtsinteresse teilen, etwa ihre spätere Biografin Gertrude Baillie Weaver (1857-1926). Sie und ihr Ehemann Harold, aktives Mitglied der Men’s League for Women Suffrage, gründen gemeinsam das National Council for Animals‘ Welfare Work. Für Harold Baillie Weaver ist Tierausbeutung die „abscheulichste Form der Ausbeutung der Schwachen durch die Starken“.
Die Sozialistin und spätere Sinn Féin-Aktivistin Charlotte Despard (1844-1939) fungiert zunächst als führendes Mitglied der WSPU und ist 1907 Mitbegründerin der WLF. Im Alter von 47 Jahren wird sie, inspiriert von Texten von Percy Shelley, Vegetarierin und tritt der London Vegetarian Society bei; 1920 übernimmt sie die Präsidentschaft der Gruppe. Im Jahr 1906 begleitet Despard die Enthüllung des Brown Dog-Denkmals in Battersea. Dort ist noch heute eine Straße nach ihr benannt, die „Charlotte Despard Avenue“.

Für Teile der Frauenbewegung im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Feminismus und der Aktivismus gegen Tierausbeutung Teile desselben Kampfes gegen Unterdrückung. „Nichts könnte mich dazu bringen, ein Huhn zu essen oder die grausame Behandlung unschuldiger Tiere um ihres Pelzes willen stillschweigend zu dulden. Es läuft mir entsetzlich kalt über den Rücken, wenn ich auf einer Versammlung zum Wahlrecht für Frauen sehe, wie Frauen grässliche Trophäen von Schlachtopfern mit sich herumtragen“ – so eine Wortmeldung bei der Versammlung der National American Woman Suffrage Association im Jahr 1907. Es handelt sich um eine von vielen Stimmen, welche von jenen, die Geschichte geschrieben haben, zum Schweigen verurteilt worden sind: In der späteren Literatur über die Suffragettenbewegung findet sich das Zitat kaum noch irgendwo. Carol J. Adams, die Autorin des Buches The Sexual Politics of Meat: A Feminist-vegetarian Critical Theory (1990) merkt dazu an: „Die Allianz von Frauen und Vegetarismus in der Geschichte und in der Literatur wurde verzerrt und das aufschlussreiche Netzwerk von Feministinnen und VegetarierInnen daher überhaupt nie dargestellt. Teile der Theorien von vegetarischen Feministinnen wurden verschwiegen. Wir haben es also mit einer doppelt verschwiegenen Geschichte zu tun: der verschwiegenen Geschichte von Frauen und der verfälschten Geschichte des Tierrechtsaktivismus.“

Die hier wiedergegebenen historischen Informationen stammen aus dem in Kürze in der theorie.org-Reihe erscheinenden Buch Antispeziesismus unseres Aktivisten Matthias Rude, der auch die hier gezeigten Fotos der neuen Brown Dog-Statue im Londoner Battersea-Park gemacht hat (ein Foto der Original-Statue von 1906 findet sich z.B. hier). Mehr Fotos, auch von den aufschlussreichen Inschriften am Sockel, finden sich hier.

Frauentag 2013: Gedenken an Louise Michel

„Alles, alles muß befreit werden, die Geschöpfe und die Welt, wer weiß, vielleicht die Welten? Wilde, die wir sind!“ – Louise Michel (1830-1905).

Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Seit über 100 Jahren finden im März große Demonstrationen und Veranstaltungen für Frauenrechte statt. Nachdem der Tag in den USA erstmals 1908 ein Erfolg war, wurde er als weltweiter Aktionstag von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen vorgeschlagen. Wir möchten in diesem Jahr den Tag dazu nutzen, der Feministin, Sozialistin, Anarchistin, Lehrerin und antikolonialen und revolutionären Kämpferin Louise Michel zu gedenken. Die Versailler Bevölkerung nannte sie „La Louve Rouge“, die Rote Wölfin. Louise Michel hat sich nicht nur über das Leid der Tiere politisiert, sie kämpfte auch bis an ihr Lebensende für die Befreiung von Mensch und Tier: Als Lehrerin, zur Verteidigung der Pariser Kommune mit dem Gewehr in der Hand hinter den Barrikaden, im Exil auf Neukaledonien für die Indigenen gegen die Kolonialisierung und den Eurozentrismus und schließlich in Frankreich und England als Agitatorin für die Revolution.

Louise Michel wird am 29. Mai 1830 als Tochter einer Dienstmagd und des Hausherren auf dem Schloss Broucourt im Nordosten Frankreichs geboren. Sie politisiert sich über das direkt erlebte Leid der armen Landbevölkerung sowie der Tiere. In ihren Memoiren (1886) schreibt sie: „Von der Zeit, da ich auf dem Land die Grausamkeiten gegen die Tiere erlebte und das entsetzliche Bild ihrer Lebensbedingungen erfaßte, stammt mein Mitleid für sie und dadurch mein Bewußtsein über die Verbrechen der Macht. So handeln die Führenden mit den Völkern!“ Seit sie das Köpfen einer Gans miterlebt, fällt es ihr schwer, Fleisch zu essen, und sie entwickelt Abscheu sowohl gegen das Schlachten, als auch gegen die Todesstrafe: „Einige Jahre später wurde in einem Nachbardorf ein Vatermörder hingerichtet; zu der Stunde, da er sterben wollte, mischte sich in mein Grauen vor der Todesqual des Mannes meine Erinnerung an die Todesqual der Gans.“

Das Leben auf dem Lande verhilft ihr auch zu ihrem Klassenstandpunkt, da sie die Armut der Bauern miterlebt. Später schreibt sie dazu: „Was die Reichen betrifft, so hatte ich für sie wenig Achtung; und da kam mir der Kommunismus in den Sinn. Die harte Feldarbeit sah ich so, wie sie ist: sie beugt den Menschen wie den Ochsen über die Furchen; das Schlachthaus steht für das Tier bereit, wenn es verbraucht ist; der Bettelsack für den Menschen, wenn er nicht mehr arbeiten kann“.

Michel macht eine Ausbildung zur Lehrerin. Als sie diese 1852 mit einem Eid auf den Staat beenden soll, weigert sie sich – denn Frankreich ist wieder eine Monarchie: Vier Jahre nachdem 1848 Frankreich zum zweiten Mal Republik geworden ist, hat sich Napoleon III. zum Kaiser krönen lassen. Michel ist seit 1867 bei den revolutionären Blanquisten aktiv und demonstriert in Paris gegen Napoleons Krieg gegen das Königreich Preußen – und wird von der Polizei niedergeknüppelt. Das Kaiserreich kollabiert 1870; die danach gebildete bürgerliche Regierung führt den Krieg fort und sieht sich gezwungen, die Bevölkerung von Paris gegen die Preußen mit Kanonen zu bewaffnen. Als 1871 Paris von preußischen Truppen belagert wird, schließt die konservative Zentralregierung Frieden mit Preußen, während Paris seine eigene kommunale Verwaltung wählt, die, unter Einfluss der Blanquisten und der teilweise anarchistisch beeinflussten Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation für eine Fortsetzung des Krieges zur Erhaltung ihrer Freiheiten stimmt. Die Tage der Kommune beginnen damit, dass die bürgerliche Regierung mit Sitz in Versailles der Pariser Bevölkerung die Kanonen wieder abnehmen möchte und dazu zwei Bataillone Soldaten schickt. Pariser Frauen stellen sich zwischen die Soldaten und die Kanonen. Als die Soldaten den Befehl zum Schießen bekommen, wenden sie sich gegen ihre Generäle und stellen sich auf die Seite der Bevölkerung von Paris. Die Pariser Kommune ergreift ihre Autonomie errichtet eine Rätedemokratie, die Anarchisten seither als Vorbild für Basisdemokratie gilt und für Marx und Engels ein Beispiel der Diktatur des Proletariats war. In Paris findet in den folgenden zwei Monaten eine unvergleichliche basisdemokratische und proletarische Revolution statt. Erstmals ergreifen die Arbeiterinnen und Arbeiter direkt die Macht und nehmen u.a. Enteignungen von Teilen des Bürgertums vor und führen die strikte Trennung zwischen Staat und Kirche ein. Es entsteht auch die erste feministische Massenorganisation.


Der Kampf um die Kanonen.

In ihren feministischen Ansichten zieht Michel Verbindungen zur Ausbeutung der Tiere: „Die Engländer züchten Tierrassen für das Schlachthaus; die zivilisierten Menschen bereiten den jungen Mädchen das Schicksal vor, betrogen zu werden, um es ihnen dann als Verbrechen anzurechnen und dem Verführer fast als Ehre. Welch ein Skandal, wenn sich Eigensinnige in der Herde befinden! Wo kämen wir denn da hin, wenn sich die Lämmer nicht mehr schlachten lassen wollten? Es ist wahrscheinlich, daß man sie trotzdem schlachten würde, ob sie den Hals hinhalten oder nicht. Was soll’s! Es ist doch besser, ihn nicht hinzuhalten. Manchmal verwandeln sich die Lämmer in Löwinnen, in Tigerinnen oder Kraken. Recht so! Man hätte die Kaste der Frauen nicht von der Menschheit trennen sollen. Gibt es nicht Märkte, wo die schönen Töchter des Volkes auf der Straße ausgestellt und verkauft werden, und werden nicht die Töchter der Reichen für ihre Mitgift verkauft?“
Nach 71 Tagen wird die Pariser Kommune von der bürgerlichen Regierung, inzwischen im Bunde mit den preußischen Monarchisten, angegriffen und in der „Blutigen Maiwoche“ erstürmt. Louise Michel führt zusammen mit Elisabeth Dimitroff die bewaffneten Frauen von Paris an und verteidigt im 61. Bataillon von Montmartre mit vielen anderen Parisern in Barrikadenkämpfen die Stadt bis zuletzt. Doch die Regierungstruppen siegen; 30.000 Kommunardinnen und Kommunarden werden hingerichtet.


Die Verhaftung der Louise Michel (als Ölgemälde).

Vor Gericht steht Michel zu ihren Taten und verteidigt ihre Vision einer freien Gesellschaft: „Ich habe Paläste angezündet“, gesteht sie. Sie erwartet keine Gnade: „Ich habe getötet, es ist nur gerecht, daß man mich tötet.“ Doch über sie wird kein Todesurteil verhängt – wie 40.000 andere wird sie zu Festungshaft verurteilt, lebenslang. Nach zweieinhalb Jahren im Frauengefängnis wird sie mit vielen anderen nach Neukaledonien, einer zu Frankreich gehörenden Insel östlich von Australien, verbannt. Als im Jahr 1878 die dortige indigene Bevölkerung, die Kanak, unter Häuptling Atai gegen die französischen Kolonialherren revoltieren, stellt sich Michel – im Gegensatz zu vielen anderen verbannten Kommunarden – auf die Seite der Indigenen, mit denen sie bereits Kontakt geknüpft und deren Sprache sie erlernt hat: „Auch sie kämpfen für ihre Unabhängigkeit, für ihr Leben, für die Freiheit. Ich stehe auf ihrer Seite, wie ich auf der Seite des Volkes von Paris stand, das revoltierte, niedergemacht und besiegt wurde“, sagt sie, und, im Rückblick: „Ja, ich liebte sie und liebe sie, und die, die mir zur Zeit der Revolte vorwarfen, ich wünschte, daß sie sich ihre Freiheit erobern mögen, hatten recht. Die Eroberung ihrer Freiheit!“


Aufständische Kanak.

Nach einer Generalamnestie kehrt sie im Jahr 1880 nach Paris zurück, wird drei Jahre später aber schon wieder zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, da sie zur Plünderung von Bäckereien aufgerufen hat. Die Repression macht sie nicht zahmer: „Mein Mitleid für alles, was leidet, für das stumme Tier vielleicht noch mehr als für den Menschen, ging weit; meine Empörung über die sozialen Ungerechtigkeiten ging noch weiter; sie ist gewachsen, immer mehr gewachsen, durch den Kampf hindurch, durch das Gemetzel hindurch; ich habe sie wieder mitgebracht von jenseits des Ozeans, sie beherrscht meinen Schmerz und mein Leben.“ Als sie 1885 erneut begnadigt wird, versucht sie, dies zurückzuweisen. 1888 wird sie von einem Attentäter mit zwei Pistolenschüssen am Kopf verletzt; sie verzichtet auf eine Anzeige.


Das Attentat auf Louise Michel 1888.

Ihr Leben verschreibt sie nach wie vor der Revolution: „Als menschliche Insekten, die wir sind, nagen wir an denselben Abfällen und wälzen uns in demselben Staub, erst in der Revolution werden wir mit unseren Flügeln schlagen. Dann wird die Schmetterlingspuppe ihre Umwandlung hinter sich haben, alles wird für uns vorbei sein, und bessere Zeiten werden Freuden kennen, die wir nicht begreifen.“ – Louise hat keinen Zweifel: „Wenn unsere verfluchte Zeit abgelaufen ist, wird der Tag kommen, da der bewußte und freie Mensch weder Mensch noch Tier quälen wird. Diese Hoffnung ist es wert, durch das Grauen des Lebens hindurchzugehen.“ An anderer Stelle schreibt sie: „Man hat mir oft vorgeworfen, daß ich mehr Sorge für die Tiere als für die Menschen empfinde: warum sollte man die Bestien bedauern, wenn die vernünftigen Wesen so unglücklich sind? Aber es hängt alles zusammen, von dem Vogel, dessen Nest man zertritt, bis zu den Nestern der Menschen, die der Krieg dezimiert. Das Tier krepiert vor Hunger in seinem Loch, der Mensch stirbt daran in fernen Gegenden. Und das Herz des Tieres ist wie das Menschenherz, sein Gehirn ist wie das des Menschen, nämlich fähig, zu fühlen und zu begreifen. Man mag noch so sehr darauf treten, die Wärme und der Funke darin erwachen immer wieder. Bis zur Blutrinne des Laboratoriums vermag das Tier Liebkosungen oder Grausamkeiten zu empfinden.“ In der befreiten Gesellschaft, wie sie sich sie vorstellt, gehören sowohl Tierversuche als auch die Fleischproduktion der Vergangenheit an. Hierbei hofft sie auf den Fortschritt der Wissenschaft: „Vielleicht wird die neue Menschheit statt des fauligen Fleisches, an das wir gewöhnt sind, chemische Verbindungen besitzen, die mehr Eisen und nahrhafte Grundstoffe enthalten als das Blut und das Fleisch, das wir verzehren. O ja, ich träume schon von der Zeit, da alle Brot haben werden, von der Zeit, da die Wissenschaft die Köchin der Menschheit sein wird.“

Sie hält aufstachelnde Vorträge vor der Kundgebung am 1. Mai 1890. Diesmal erfolgt Repression, indem sie für verrückt erklärt wird und in eine Nervenheilanstalt in Lyon eingeliefert wird. Die nächsten Jahre agitiert sie weiter in Frankreich und England; unter anderem hält sie 1904 einen Vortrag zu Feminismus in der Freimaurerloge La Philosophie Sociale. Als sie 1905 stirbt, kommen 120.000 Menschen zu ihrer Beerdigung.

Louise Michel war nicht nur eine große Feministin, Kämpferin, Revolutionärin, Sozialistin und Anarchistin. Für uns antispeziesistische Linke stellt sie eines der konsequentesten Beispiele des Kampfes gegen Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Tier dar.

An diesem 8. März 2013 wollen wir außerdem an eine Sozialistin und Freundin von Rosa Luxemburg erinnern, die an diesem Tag vor 140 Jahren in Berlin zur Welt kam: Mathilde Jacob. Sie schmuggelte für Luxemburg zahlreiche Briefe und politische Schriften aus dem Gefängnis. Ohne ihren Mut wären viele Schriften Luxemburgs heute verschollen. Als Jüdin wurde sie 1942 ins KZ Theresienstadt verschleppt und starb dort ein Jahr später.

Über das Verhältnis Rosa Luxemburgs zu Tieren, das vor allem in ihren Briefen aus dem Gefängnis Thema ist, haben wir im Jahr 2011 einen Text verfasst: Die Tiere Rosa Luxemburgs. Eine gekürzte Version dieses Textes ist auch in der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland unter dem Titel Leiderfahrung und Solidarität: Die Tiere Rosa Luxemburgs erschienen.

Veranstaltungstipp: Freitag, 8. März, 19 Uhr, Kulturscheune Mössingen: Weltfrauentag trifft Generalstreiksfrauen.

Quellen zu Louise Michel:

Louise Michel auf anarchismus.at.

Broschüre zur Pariser Kommune: Auf Krise.Kapitalismus.Kritik.

Michel, Louise: Memoiren. Aus dem Französischen von Claude Acinde. Zweite verbesserte Auflage, Münster 1979.

Kramer, Karin (Hrsg.): Louise Michel: Ihr Leben, ihr Kampf, ihre Ideen (Frauen in der Revolution, Band 1), Berlin 1976.

Fleisch und Sex

Auf dem Mädchenblog ist heute ein Text über Fleisch und Sex publiziert worden, in dem es u.a. heißt: „Es ist kein Zufall, dass ‚die Frau‘ und ‚das Tier‘ […] verglichen werden können; wurden und werden beide noch als ‚das Andere‘ in Naturnähe gerückt“, und die Frage aufgeworfen wird: „hier und heute, können wir als bewusste Feminist_innen noch klar sagen: Feminismus ja, Tierbefreiung nein?“

Neulich an der Bushaltestelle: Ein Lieferwagen fuhr vorbei; ich stutzte. Auf dem Dach des Lieferwagens ragte das Modell eines gebratenen Hähnchens hervor, den Hintern weit in die Luft gestreckt. Auf dem Lieferwagen selber stand drauf: ,,Nimm mich!“ …

Weiterlesen: Mädchenblog: Fleisch und Sex.

Redebeitrag zum Frauenkampftag 2011

Der Redebeitrag, den die Antispeziesistische Aktion Tübingen bei der heutigen Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! halten wird:

Manche werden sich vielleicht fragen, warum die Antispe Tübingen hier einen Redebeitrag hält und einen einen Infostand veranstaltet. Schließlich sind Antispe-Gruppen als Tierrechts-/Tierbefreiungsgruppen bekannt. Mit diesem Beitrag wird jedoch deutlich werden, dass der Kampf für die Befreiung der Tiere nicht nur viel mit anderen Befreiungskämpfen gemeinsam hat, sondern dass diese Kämpfe zusammengedacht werden müssen. Wir zeigen auf, wie sexistische Ideologien mit speziesistischen Ideologien, also jenen Argumentationsmustern, mit denen die Ausbeutung der Tiere in unserer Gesellschaft gerechtfertigt wird, zusammenhängen und wie diese beiden Herrschaftsformen miteinander verflochten sind.
Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse werden von Menschen verinnerlicht als Ideologien, die sich oft tief ins gesellschaftliche Denken einprägen. Zur Rechtfertigung der Herrschaft der Männer über die Frauen wurden im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von „Fakten“ erfunden. So wurden Frauen mit geistiger wie physischer Schwäche, Passivität, Hilflosigkeit, Weichheit, Oberflächlichkeit und Naturnähe in Verbindung gebracht. Das Konstrukt „Mann“ hingegen wurde mit geistiger und physischer Stärke, Aktivität, Selbständigkeit, Härte, Tiefe und Nähe zur Kultur anstatt zur Natur verbunden.
Dieses patriarchale Denken durchzieht die Geschichte der westlichen Zivilisation. Aristoteles steckte noch ganz offen die Frau zusammen mit den „Barbaren“, den Sklaven und den Tieren in eine Kategorie. Dieser setzt er den griechischen Bürger entgegen, der geistig dazu fähig und damit verpflichtet ist, über erstere zu herrschen. Dieser Gedanke wird später meist subtiler ausgedrückt, bildet aber eine Konstante europäischen Denkens. Die Reduktion auf Naturhaftigkeit, Körper und Instinkt sowie die Unterstellung eines Mangels an Vernunft und Individualität, die im Falle der Tiere deren Versachlichung ermöglicht und die totale Herrschaft über ihre Körper sichert, gehört seit über zweitausend Jahren auch zum Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmuster gegenüber Frauen.
Die Teilung der Ideenwelt in zwei gegensätzliche Extrempole entwickelte sich von der Antike über das Mittelalter bis heute zur Basis westlichen Denkens und westlicher Wissenschaft. Die abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam –, die sich auf einen männlich-väterlichen, menschenähnlichen Gott berufen, bildeten dualistische Gegensatzpaare wie Gut/Böse, Gott/Satan usw., wobei das Widergöttliche stets mit tierlichen und weiblichen Attributen belegt wurde. So wird im Christentum der Teufel mit Hörnern und Pferdefuß dargestellt und im Neuen Testament auch schlicht als „das Tier“ bezeichnet; bereits in der Genesis ist es die Frau, die sich vom Teufel verführen lässt, und seit der europäischen Neuzeit führt die Wahnvorstellung, dass vornehmlich Frauen – oft auch sexuell – einen Bund mit dem Teufel eingehen, zu zehntausenden Hinrichtungen. Im berühmten „Hexenhammer“, ein Werk eines Dominikaners zur Legitimation der Hexenverfolgung, werden Frauen u.a. als eine „häusliche Gefahr“ und „ein Übel der Natur“ bezeichnet.
Im vom religiösen Denken geprägten und von Männern betriebenen wissenschaftlichen Diskurs der Moderne kamen Gegensatzpaare dazu wie Geist/Körper, Kultur/Natur, Vernunft/Trieb, Rational/Emotional und eben Mann/Frau, Mensch/Tier. Dabei machte sich der Mann immer zum Standard, zur Norm. Frauen wurden zum defizitären (also benachteiligten) und naturnahen Wesen erklärt. So schrieb beispielsweise der Psychiater Paul Julius Möbius 1907: „Der Instinkt nun macht das Weib tierähnlich (…). Mit dieser Tierähnlichkeit hängen sehr viele weibliche Eigenschaften zusammen. Zunächst der Mangel eignen Urteils (…). Wie die Tiere seit undenklichen Zeiten immer dasselbe tun, so würde auch das menschliche Geschlecht, wenn es nur Weiber gäbe, in seinem Urzustand geblieben sein. Aller Fortschritt geht vom Manne aus (…). Wäre das Weib nicht körperlich und geistig schwach, wäre es nicht in der Regel durch die Umstände unschädlich gemacht, so wäre es höchst gefährlich.“
Die aktuelle Situation von Frauen erklärt sich aus dieser Geschichte. Die Rolle der Frau als Hausfrau etwa wurde lange Zeit als naturgegeben dargestellt. Noch der 1947 verstorbene Physiker Max Planck sah keinen Zweifel daran, „dass die Natur selbst der Frau ihren Beruf als Mutter und Hausfrau vorgeschrieben hat, und dass Naturgesetze unter keinen Umständen ohne schwere Schädigungen (…) ignoriert werden können.“
Auch heute sind Alltagswissen und Wissenschaft noch stark patriarchal geprägt. Ansätze, die unter solchen Bedingungen entstanden sind, müssen hinterfragt werden. Die feministische Sozialistin Donna Haraway etwa kritisiert Theorieansätze, die als abgeschlossen gesehen werden und einen totalen Erklärungsanspruch haben, als „männlichen Allmachtsanspruch“.
Donna Haraway ist übrigens keine Antispeziesistin oder Tierrechtlerin, räumt aber ein, dass die Tierrechtsbewegung nicht auf der irrationalen Verleugnung der Einzigartigkeit des Menschen beruht, sondern, wie sie einmal schreibt, „auf der klarsichtigen Erkenntnis einer sehr realen Verbundenheit, die quer zu dem diskreditierten Bruch zwischen Natur und Kultur verläuft.“
Feministisch inspirierte Wissenschaft hat herausgearbeitet, dass die Mechanismen der „Konstruktion des Anderen“, also die Vorgehensweisen, wie Gruppen als „Andere“ konstruiert, vom „Eigenen“ abgespalten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und so ihre Ausbeutung oder soziale Unterdrückung ideologisch legitimiert wird, sich von ihrer Struktur her gleichen. Donna Haraway schreibt hierzu: „Bestimmte Dualismen haben sich in der westlichen Tradition hartnäckig durchgehalten, sie waren systematischer Bestandteil der Logiken und Praktiken der Herrschaft über Frauen, farbige Menschen, Natur, ArbeiterInnen, Tiere – kurz, der Herrschaft über all jene, die als Andere konstituiert werden“.
Als naturnah oder tierähnlich stigmatisierte Menschen, wie bis ins 20. Jahrhundert hinein Schwarze, und Indigene heute noch, werden zu geborenen Sklaven gemacht oder gelten als rückständig. Letztlich folgte auch die Entmenschlichung der Bewohner jener Gebiete, die man(n) sich erschließen wollte, sei es als Kolonien oder als „Lebensraum im Osten“, dem Muster, „die Bewohner des annektierten Territoriums auf die Stufe eines höheren Affen hinabzudrücken, um dem Kolonialherrn die Rechtfertigung dafür zu geben, daß er sie wie Arbeitstiere behandelt“, wie Jean-Paul Sartre einmal schrieb. Der sog. „jüdisch-bolschewistische Untermensch“ war für Heinrich Himmler „nur ein Wurf zum Menschen hin, mit menschenähnlichen Gesichtszügen – geistig und seelisch jedoch tiefer stehend als jedes Tier.“ Auch der Vorwurf der Fortschrittsfeindlichkeit und Geschichtslosigkeit wurde im 19. und im 20. Jahrhundert auf das Judentum angewendet, welches ja seit tausenden Jahren scheinbar unverändert geblieben sei.
Heute drücken sich solche Ideologien zwar meist subtiler aus, sie sind aber nach wie vor wirkmächtig. So werden beispielsweise männlichen Menschen noch immer andere Werte vermittelt als weiblichen. Meistens werden diese dann als „sachlich“ bezeichnet, während die Einstellungen, die vermehrt Mädchen und Frauen vermittelt werden, als „emotional“ diskreditiert werden. Dazu gehört „Empathie“, Einfühlungsvermögen, welches Jungs und Männern eher aberzogen wird. So wird empathische Parteinahme für die Tiere häufig als „emotional“ verschrien. Dass ein solches Urteil zutiefst patriarchal geprägt ist, fällt dabei selten auf. Ähnliche Muster führen auch dazu, dass unsere Polit-Gruppen hauptsächlich aus Männern bestehen. Es muss nicht nur der Umgang innerhalb der Gruppe sein, es könnte auch an der theoretischen Ausrichtung der Gruppe liegen, wenn diese als männlich definierte Einstellungen vertritt. – Für Donna Haraway ist übrigens Empathie ein wichtiges Mittel, das Eingang auch in die Wissenschaft finden muss. Für uns ist jedenfalls klar, dass die feministische Theorie und die Erkenntnisse aus dem Kampf der Frauen uns wichtiges Handwerkszeug für den Kampf für eine befreite Gesellschaft in die Hand geben. Mehr noch: Feministische Forschung zeigt: Herrschaft in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen verwendet ähnliche Rechtfertigungsmuster, sie legitimierende Ideologien sind vielfach miteinander verflochten. Wenn wir für eine freiere und solidarischere Gesellschaft kämpfen wollen, müssen wir das berücksichtigen und unsere Kämpfe zusammendenken.
Die Demonstration am heutigen Tag ist einer von vielen möglichen Schritten dazu!

Hier gibt es den Redebeitrag als PDF.

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Das themenspezifische Info-Material über das Verbindende von Feminismus und Tierbefreiung, das auf dem Infostand des „Bündnis 8. März“ heute ab 15 Uhr auf dem Holzmarkt ausliegen wird, gibt es hier auch online.

Zu Donna Haraway gibt es einen Text der Tierrechts Aktion Nord: Wer spricht für den Jaguar? Donna Haraways antispeziesistischer Ausflug nach Anderswo.

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