Der grüne Marx

Christian Stache, Autor des Buches „Kapitalismus und Naturzerstörung“ (2017), über Marx‘ Ökologie; aus der Ausgabe der Schweizer sozialistischen Zeitung Vorwärts zum 1. Mai:

Noch 200 Jahre nach Karl Marx‘ Geburt hält sich hartnäckig das Gerücht über den antiökologischen, sogenannten prometheischen Marx. Sowohl das philosophisch-ideologiekritische Früh- als auch das ökonomietheoretische Spätwerk weisen in die diametral entgegengesetzte Richtung. Marx war der erste Ökosozialist. (…)

Den ganzen Artikel gibt es auf vorwärts.ch.

Gemeinsam gegen die Fleischindustrie

Im Kapitalismus werden LohnarbeiterInnen und Tiere ausgebeutet – höchste Zeit, dass Tierbefreiungsbewegung und revolutionäre Linke ihn auch zusammen bekämpfen. Eine Positionierung vom Bündnis „Marxismus und Tierbefreiung“ im re:volt magazine.

Naturzerstörung, Klimawandel, Tierversuche, Massentierhaltung, „Gammelfleisch“ – es gibt viele gute Gründe, einen radikal anderen gesellschaftlichen Umgang mit Natur und Tieren zu fordern. Wer als Linke oder Linker jedoch die Befreiung der Tiere als Bestandteil einer sozialistischen Bewegung propagiert, erntet schräge Blicke – und zwar von gleich zwei Seiten: Von vielen marxistischen und kommunistischen Linken, weil sie mit Tierbefreiung nichts anfangen können, und von der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, weil sie von Marxismus und sozialistischer Politik nichts wissen will. Trotzdem haben ihre Kämpfe mehr miteinander zu tun, als beide Seiten glauben. Schließlich haben sie den selben Gegner: Das Kapital, das Arbeitskraft, die Natur und Tiere verheizt. MarxistInnen und TierbefreierInnen müssen sich zusammentun, um ihn wirksam bekämpfen zu können.

Profit auf Kosten der ArbeiterInnen, Natur und Tiere

Milliarden Tiere – das heißt leidensfähige Individuen – werden jährlich ausgebeutet und umgebracht. Sie müssen unter Qualen Milch und Eier produzieren, in Zoos und Zirkussen stumpfsinnige Shows vorführen, werden in Laboren gequält und ermordet, oder landen auf dem Teller. Die Fleischindustrie lässt im Akkord töten, verschwendet dafür natürliche Ressourcen wie Wasser und Soja und verpestet die Umwelt und das Klima – Tendenz steigend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2017 in Deutschland ganze 8,11 Mio. Tonnen Fleisch „produziert“ – darunter 57,9 Mio. getötete Schweine, 3,5 Mio. getötete Rinder, rund 1,5 Mio. Tonnen Hühnerfleisch und etwa 20,600 Tonnen getötete Lämmer und Schafe. Der deutsche Markt ist oligopolistisch organisiert: Kleine und bäuerliche Betriebe müssen zusehends schließen, wenige Konzerne – u.a. Tönnies, Vion, Westfleisch – teilen die Mordsprofite unter sich auf. Professionelle Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit sorgt für die propagandistische Legitimation des Geschäfts und die Hegemonie der Fleischkultur. Sie soll die Profiteure u.a. als nachhaltig wirtschaftende Unternehmen inszenieren.

Auch die Arbeiterinnen und Arbeiter haben derweil nichts zu lachen: Sie arbeiten zu Hungerlöhnen unter miesen Bedingungen und werden schikaniert. Der aktuelle Tarifvertrag zwischen der Fleischwirtschaft und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) sieht Mindestlöhne von mageren neun Euro vor. Es gibt mittlerweile genug Belege dafür, dass sogar dieser Hungerlohn systematisch von den Konzernbossen unterlaufen wird. Leiharbeit, informelle Beschäftigungsverhältnisse und Werkverträge, die die Löhne noch weiter nach unten drücken, sind die Regel. Gewerkschaftliche Organisierung wird massiv bekämpft, um die NiedriglöhnerInnen – meist ArbeitsmigrantInnen aus Osteuropa – ungestört ausbeuten zu können.

Wie keine andere versinnbildlicht die Fleischindustrie den rücksichtslosen Verschleiß von Mensch, Natur und Tieren durch das Kapital. Für ihre Profite nimmt die Bourgeoisie nicht nur das Ende des Planeten, wie wir ihn kennen, und das Elend der arbeitenden Klasse in Kauf. Sie geht auch buchstäblich über Leichen: Die Ursache der milliardenfachen industriellen Tötung von Tieren für die Fleisch-, Leder-, Milch-, Eier-, Pelzproduktion usw. ist das Kapital, das die Klasse der KapitalistInnen daraus schlägt – nicht bloß das falsche Denken „der“ Menschen über „die“ Tiere, wie Teile der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung meinen. Der Kampf gegen die Tierausbeutungsindustrie, wie ihn Initiativen wie Kampagnen gegen Tierfabriken, LPT Schließen, die Offensive gegen die Pelzindustrie und andere betreiben, ist daher begrüßenswert und fortschrittlich.

Klassenfrage Tierausbeutung

Die marxistische Linke hat zwar begriffen, dass es das systematische Streben der KapitalistInnen nach Profit ist, das Ausbeutung, Imperialismus, Naturzerstörung und millionenfaches Leid verursacht. Ihr Antikapitalismus hat jedoch einen blinden Fleck, wenn sie sich weiterhin weigert, die Frage nach der Befreiung der Tiere als Feld linker und sozialistischer Politik zu begreifen und ernsthaft zu diskutieren. Das Beispiel der Fleischindustrie zeigt, wie eng die Ausbeutung der Tiere mit der sozialen Frage und der Zerstörung der Natur verbunden ist. Dass die Linke sich ihrer bislang kaum angenommen hat, ist nicht nur angesichts der objektiven Bedeutung dieser Branche sowie der durch sie verursachten gravierenden Schädigung allein von Mensch und Natur verwunderlich. Für MarxistInnen gibt es darüber hinaus zwingende Gründe, die Tiere in den Kreis derer aufzunehmen, die es von Ausbeutung und Klassenherrschaft zu befreien gilt.

Für das Kapital sind nicht nur LohnarbeiterInnen, sondern auch Tiere bloß Instrumente der Verwertung: Die einen als Arbeitskraft und variables Kapital, die anderen als Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, sprich konstantes Kapital. Und für beide bedeutet das die schmerzvolle Abstraktion von ihren eigentlichen Bedürfnissen: Sie werden ausgebeutet und leidvoll verschlissen, die Tiere sogar systematisch umgebracht und zerstückelt. Die Interessen beider sind dem Kapital letzten Endes gleichgültig. Sie stehen in objektiver Gegnerschaft zur herrschenden Klasse und sitzen letztlich im selben Boot. Warum prangert man das Leid der einen an, lässt die anderen aber unberücksichtigt?

Dass sich die Ausbeutung von Arbeiterklasse und Tieren qualitativ unterscheidet – Tiere sind keine doppelt freien LohnarbeiterInnen, produzieren keinen Mehrwert und gehören nicht zur Arbeiterklasse – tut dem keinen Abbruch. Nur zum Vergleich: Marxistisch gesehen unterscheidet sich auch die Ausbeutung von SklavInnen qualitativ von jener der Lohnarbeit. Taugt das zum Argument gegen ihre Befreiung? Wohl kaum. Wir meinen: Wer als MarxistIn die Menschheit vom Elend des Kapitalismus befreien will, muss auch die Tiere befreien wollen. Die Arbeiterklasse leidet unter der Herrschaft des Kapitals, und die Tiere tun es nicht minder – also muss der Klassenkampf auch im Interesse beider organisiert werden.

Alles nur Moralismus?

Das halten einige GenossInnen nun für bürgerlichen Moralismus und entgegnen, Leiden und Moral könnten nicht die Grundlage kommunistischer Politik sein. Schließlich sei das Leiden der Menschen ja ein ganz anderes als das der Tiere. Und außerdem haben Marx, Engels, Lenin und andere ja nicht bloß die Leiden der Arbeiterklasse beweint, sondern konkrete Analysen der gesellschaftlichen und historisch-spezifischen Bedingungen und Ursachen dieses Leidens vorgenommen, um dann organisiert für die Interessen der Arbeiterklasse kämpfen zu können. Nicht sentimentale Appelle, sondern wissenschaftliche Analyse war und ist daher die Grundlage revolutionärer Strategie und Politik. Und das stimmt zweifelsohne, dennoch werden hier zwei Dinge übersehen: Erstens ist auch der Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse sehr wohl moralisch angetrieben, und zweitens ist Moral nicht mit Moralismus zu verwechseln.

Man will den Kapitalismus ja nicht abschaffen, weil er den Widerspruch von Gebrauchs- und Tauschwert hervorbringt, zur Monopolbildung treibt oder weil ihm der tendenzielle Fall der Profitrate innewohnt. So analysiert man ihn, aber diese Analyse liefert keine Begründung für die Notwendigkeit seiner Abschaffung. MarxistInnen wollen den Kapitalismus abschaffen, weil er Ausbeutung, Verelendung, Konkurrenz, Hunger, Krieg und dergleichen bedeutet – kurz: gesellschaftlich produziertes Leid. Ohne den Drang, dieses zu mildern und aus der Welt zu schaffen, wären auch alle objektiven Widersprüche des Kapitalismus letztlich egal und jeder Klassenkampf gegenstandslos. Insofern ist Leid eine zentrale Kategorie des historischen Materialismus. Auch dem Marxschen Imperativ, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«, liegt ein moralischer Impuls zugrunde.

MarxistInnen belassen es jedoch nicht bei diesem Impuls und sind sich immer über die gesellschaftlichen und historischen Grenzen der Moral im Klaren. Einen moralischen Antrieb haben und ihn zum Ausgangspunkt für Analyse und Organisation nehmen – das ist daher etwas ganz anderes als Moralismus, der die Verhältnisse moralisieren muss, weil er ihren inneren Zusammenhang nicht begreift.

Insofern verwundert die Ignoranz, mit der einige Genossinnen und Genossen sich einreden, der Kampf für die Befreiung der Tiere sei per se moralistisch und reine „Privatsache“. Natürlich kann man das Leid der Tiere und das der Menschen nicht gleichsetzen. Daraus aber zu schließen, dass man das eine abschaffen muss und das andere ignorieren darf, ist bürgerlicher Idealismus: man unterschlägt nämlich, dass der Mensch selber auch ein Tier ist (woran Marx und Engels als historische Materialisten übrigens keinen Zweifel ließen) und sich auch in der Leidensfähigkeit nur graduell vom Tier unterscheidet. Die Verachtung für das Mitleid mit den Tieren ist also vor allem eins: doppelmoralisch, antimaterialistisch und bürgerlich. Ihr liegt dieselbe Kälte zugrunde, mit der die Bürgerlichen auf den Wunsch der Linken nach Freiheit, Solidarität und Frieden herabsehen.

Tierausbeutung ist heute fortschrittsfeindlich

Darüber hinaus ist der Fortbestand der Fleisch- und Tierindustrie heute objektiv irrational und zivilisationsfeindlich. Die großindustrielle Ausbeutung der Tiere ist nicht nur längst überflüssig, sondern mittlerweile ein Hindernis für die Weiterentwicklung der menschlichen Gattung: Für die „Produktion“ von Fleisch verbraucht sie wichtige Ressourcen wie Getreide und Wasser, die wir anders viel besser einsetzen könnten. Sie holzt den Regenwald ab, um Flächen für den Anbau von Tierfutter für weidendes Schlachtvieh zu schaffen. Gleichzeitig gilt die Fleischindustrie u.a. als ein Hauptverursacher des Klimawandels. Mit dem massenhaft produzierten Billigfleisch der imperialistischen Zentren werden zudem periphere Ökonomien überschwemmt und zerstört. Damit trägt die Fleischindustrie zur Vernichtung von Existenzgrundlagen bei und zwingt Menschen zum Verlassen ihrer Länder.

Ohne Frage waren Fleischkonsum und die Domestikation von Tieren wichtig für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Das ist allerdings kein Argument, sie hier und heute noch fortzuführen. Der Entwicklungsstand der Produktivkräfte macht es nötig und problemlos möglich, die Menschheit zu ernähren und zu kleiden, ohne dabei auf die Ausbeutung und Tötung von Tieren zurückzugreifen. Die ökologischen und sozialen Vorteile ihrer Abschaffung liegen auf der Hand. Sowohl moralisch als auch ökonomisch ist es daher geboten, die industrielle Tötung und den Verschleiß der Tiere zu beenden.

Fleischindustrie enteignen – Kapitalismus abschaffen!

Die Tierbefreiungsbewegung und die sozialistische Linke führen den gleichen Kampf: Die einen für die Befreiung der lohnabhängigen Klasse, die anderen für die Befreiung der Tiere – und beide gegen die Bourgeoisie, weil sie ArbeiterInnen und Tiere zu bloßen Mitteln der Kapitalverwertung degradiert. Sie müssen sich zusammentun und eine revolutionäre Politik für die Befreiung von Mensch, Tier und Natur entwickeln. Dazu müssen die einen begreifen, dass die Tiere zwar nicht Subjekt, wohl aber Objekt der Befreiung seien müssen; und die anderen müssen ihre Vorbehalte und mitunter antikommunistischen Vorurteile gegenüber marxistischer Gesellschaftskritik ablegen und ihre Politik auf ein radikales, antikapitalistisches Fundament stellen.

Eine erste gemeinsame Forderung könnte die Enteignung der Fleisch-KapitalistInnen sowie die Vergesellschaftung und Konversion ihrer Industrie sein. Warum nicht zusammen den Umbau der Tier-Industrie im Sinne einer ökologisch nachhaltigen, vernünftigen Produktion unter planmäßiger Kontrolle der Gesellschaft fordern? Angesichts der horrenden Ausbeutungsverhältnisse in den Tierindustrien, ihrer Zerstörung von Umwelt und Klima und des täglichen Massenmords an Tieren wäre es längst an der Zeit.

Das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung ist ein Zusammenschluss von Aktiven der marxistischen Linken und Tierbefreiungsbewegung, welcher seit 2014 besteht und sich um die Vereinigung von linker und Tierbefreiungspolitik auf einer revolutionären, historisch-materialistischen Grundlage bemüht. Das Bündnis beteiligt sich an Veranstaltungen der Tierbefreiungsbewegung sowie der sozialistischen Linken und publiziert außerdem eigene Flyer und Texte wie das ausführliche Thesenpapier „Marxismus und Tierbefreiung“. Vom 30. März bis 1. April organisiert es in Hamburg eine Osterakademie unter dem Motto „Die Zukunft der Bewegung – Tierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation“.

Wir gegen Wiesenhof

Solidarität mit den acht SchlachthofbesetzerInnen von Bogen und Wietzen-Holte

„Wer im Stich läßt seinesgleichen, läßt ja nur sich selbst im Stich“ (Bertolt Brecht).

Ende Februar und Anfang Mai wird acht Tierbefreiungs- und TierrechtsaktivistInnen aus ganz Deutschland vor dem Amtsgericht im bayrischen Straubing und vor dem niedersächsischen Landgericht Verden der Prozess gemacht. Ihnen wird „Sachbeschädigung“, „Nötigung“ und „Hausfriedensbruch“ vorgeworfen.

Faktisch sitzen alle acht aber nicht wegen der Bagatelldelikte auf der Anklagebank, die ihnen zur Last gelegt werden, sondern wegen ihres Protests und Widerstands gegen die kapitalistische Ausbeutung und Tötung von Tieren durch Deutschlands Geflügel-Schlachter Nummer eins: die PHW-Gruppe. Das niedersächsische Unternehmen ist in der Öffentlichkeit besser bekannt unter dem Namen Wiesenhof, eine der PHW-Tochtergesellschaften und das Flaggschiff des Firmenimperiums der Kapitalistenfamilie Wesjohann.

Blockaden und Besetzungen von Schlachtfabriken

Hintergrund der juristischen Verfahren sind zwei Aktionen des kollektiven zivilen Ungehorsams gegen den Wiesenhof-Konzern. Im Februar 2016 besetzen 30 TierbefreiungsaktivistInnen Baukräne und das Baubüro auf einer Baustelle in Bogen bei Straubing, verteilten Flyer und hängten Transparente auf. Dort sollte eine Hühnerschlachtfabrik wiederaufgebaut werden, die zuvor abgebrannt war. Sie ist Eigentum von Deutschlands führenden Geflügelfleischproduzenten. Sieben der 30 Beteiligten werden nun in Straubing dem Richter vorgeführt.

Im August 2016 wurde ebenfalls ein Schlachthof des Geflügelfleisch-Monopolisten im niedersächsischen Wietzen-Holte blockiert. Ein Aktivist nahm dabei auf einem LKW Platz und räumte ihn für mehrere Stunden nicht. Der Nienburger Amtsrichter Jan-Hauke Förtsch verurteilte ihn dafür zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Der Justizbeamte war der Auffassung, eine besonders drakonische Strafe verhängen zu müssen, weil der Angeklagte mutmaßlich „in der Unrechtstradition politischer Straßenkämpfer wie der SA“ gestanden habe, „derer Methoden er sich im Kern bedient hat“. Gegen dieses Urteil beginnt im Mai am Landgericht Verden die Berufungsverhandlung.

Respekt, Solidarität und Unterstützung

Wir können das Handeln unserer FreundInnen und GenossInnen gut verstehen. Unzählige Male standen Tierrechts- und TierbefreiungsaktivistInnen schon vor Unternehmenstoren, ignoranten Konzernchefs oder FilialleiterInnen, die nur ihre Profite im Kopf haben, und teilnahmslosen PassantInnen. Wir sagen ihnen immer wieder, dass uns die Produktion, Verkauf und Verzehr von Fleisch von Wiesenhof und anderen nicht passt. Unsere FreundInnen und GenossInnen haben sich vor diesem Hintergrund entschieden, dafür zu sorgen, dass zumindest an einigen Orten das Schlachten beendet wird; dass das, was ihnen und uns nicht passt, auch nicht mehr länger geschieht. Dafür gebührt ihnen größter Respekt, unsere Solidarität und Unterstützung.

Das Nachtreten der Staatsapparate wirkt angesichts 240 Millionen geschlachteter Vögel und einem Umsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro im Jahr der PHW-Gruppe für das industrielle Töten wie eine Marotte bornierter BürokratInnen. Doch Repression ist ein notwendiges Übel im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Tier. Das haben auch die Verfahren und Gesetzesverschärfungen der letzten Jahre in Westeuropa und den USA gezeigt. Es war also nicht anders zu erwarten. Gesetz und Ordnung sind überall und immer Gesetz und Ordnung derjenigen, welche den etablierten Gesellschaftsbau schützen. Sie treffen jene, die ihn in Frage stellen.

Deswegen sitzen zwar acht vor den Richtern, aber die Anklage gilt uns allen. Wir werden uns aber nicht vom juristischen Schmierentheater beirren lassen. In der Geschichte sind nie grundlegende Fortschritte ohne Widerstand und außergesetzliche Mittel gemacht worden, sofern die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben. Was sind besetzte Kräne, blockierte Zufahrtswege und ein paar Transparente gegen Elektrowasserbäder für Puten und Hühner oder vollautomatisierte Schlachtstraßen? Was ist die Blockade eines Schlachthofs gegen den Bau eines Schlachthofs?

UnterzeichnerInnen:

Animal Climate Action, Animal Uni Tierbefreiungsgruppe der Berliner Hochschulen, Assoziation Dämmerung, Berliner Tierbefreiungsaktion, Bündnis Marxismus und Tierbefreiung, die tierbefreier e.V., Kampagne gegen Tierfabriken, Offensive gegen die Pelzindustrie, Tierbefreiung Hamburg, Tierfabriken-Widerstand, Tierrechtsgruppe Zürich, Tierrechtsinitiative Hamburg, Twelve Monkeys – Vegankrams, Dr Pogo Veganladenkollektiv, Tierbefreiungsoffensive Saar e.V., Tierrechtsgruppe Gießen, Gerborg Glanz, Anarchistische Tierbefreiungsoffensive Kiel, Tierrechtstreff Münster, Antispeziesistische Aktion Tübingen, Albino, Free Animal e.V., Mastanlagen Widerstand, Tierrechtstreff Münster, Rettet das Huhn e.V., Dana Haas.

Mehr Infos unter kampagne-gegen-tierfabriken.info.

Juristische Verfahren kosten Geld. Spendet auf folgendes Konto:
DE29 5139 0000 0092 8818 06
VBMHDE5F
Volksbank Mittelhessen
Verwendungszweck: Kampagne gegen Tierfabriken (bitte unbedingt angeben)

Demonstration: Hände weg von Afrin!

Heute fand in Tübingen die Demonstration „Hände weg von Afrin“ statt.

Der Aufruf lautete:

Seit dem 20. Januar 2018 überfallen türkische Truppen mit Unterstützung von islamistischen Kräften völkerrechtswidrig die demokratische kurdische Region Afrin in Syrien. Während also in Syrien der Kampf gegen den IS seinem Ende naht, hat das Erdogan-Regime einen neuen Krieg entfacht. Es versucht in Afrin das demokratische und emanzipatorische Projekt zu zerschlagen, das unter größten Anstrengungen und Opfern in nunmehr 5 Jahren aufgebaut und verteidigt wurde. Afrin ist Zufluchtsort vieler Flüchtlinge aus anderen syrischen Regionen. Heute greift das Erdogan-Regime mit deutschen Waffen diejenigen Kräfte an, die am entschiedensten gegen den faschistischen IS mit Erfolg gekämpft haben. Wir protestieren gegen den Einsatz von Waffen aus Deutschland! Wir protestieren gegen die Rückendeckung des Erdogan-Regimes durch die Berliner Regierung! Solidarität mit den kurdischen und anderen demokratischen Selbstverteidigungskräften! Stoppt den militärischen Angriff gegen die kurdische Region Afrin in Nordsyrien!

Mehr Fotos von der Demonstration gibt es auf unserer Facebook-Seite.

Mahnwache gegen Tierversuche

Am 2. Dezember fand in Tübingen erneut eine Mahnwache gegen Tierversuche auf dem Holzmarkt statt. „‚Wir leben im 21. Jahrhundert, aber betreiben immer noch Forschung wie im Mittelalter‘, tönte es bei Temperaturen um die 0 Grad aus dem Megafon“, berichtet das Schwäbische Tagblatt Tübingen heute, und weiter: „25 Tierschützer hielten am Samstagabend der Kälte zum Trotz eine Mahnwache auf den Stufen der Stiftskirche ab. Mit Kerzen und Plakaten erinnerten sie an die in Tübinger Laboren verstorbenen Tiere. ‚Die Affenversuche am Max-Planck-Institut wurden zwar eingestellt, aber es gibt trotzdem noch drei weitere Institute in Tübingen, in denen Affen gehalten werden‘, sagte Jaqueline Kraft von ‚Animal Paws‘. Die Grundlagenforschung sei nutzlos und diene nur der Profilierung der Forscher, so Matthias Ebner der Partei ‚Mensch Umwelt Tierschutz‘. Dabei gebe es vielversprechende technologische Alternativen zu den Tierversuchen, sagten die Aktivisten. Doch noch immer entreiße man Affenbabys ihren Familien in Mauritius und setze sie grausamen Experimenten aus, so Kraft. Sie betonte: ‚Vor Weihnachten wollen wir zeigen, dass es so nicht weitergehen kann.‘“

Osterakademie: Die Zukunft der Bewegung

Vom 30. März bis zum 1. April findet in Hamburg eine Osterakademie zum Thema „Die Zukunft der Bewegung: ierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation“ statt.

Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung ist gegenwärtig mit mindestens drei Herausforderungen konfrontiert:

Trotz umfangreichen, vielfältigen Aktivismus und vereinzelter Erfolge gerät sie im Kampf mit den politischen und ökonomischen Profiteuren der Tierausbeutung zusehends ins Hintertreffen. Die Fleisch- und andere Tierindustrien blühen, ihre willigen Vollstrecker in den Staatsapparaten sorgen für politische und ideologische Rückendeckung und die entsprechende Kultur feiert – wie etwa die Pelzmode – fröhliche Urständ. Dennoch führt die „Bewegung“ keine strategischen und organisatorischen Diskussionen, sondern hält am Eingeübten und einst Bewährten fest. Unsere Proteste vereinzeln, die politische Wirkung versiegt, noch bevor sie sich entfalten könnte. Zu jedem Zirkus eine Demo, vor jedem Laden eine Kundgebung, zu jedem Thema eine Kampagne – seien sie auch noch so aussichtslos und die Beteiligungen gering.

Gleichzeitig greifen etablierte Institutionen, wie z.B. Staatsapparate, Parteien, Stiftungen, Zeitungen, Universitäten usw., die verschiedenen Forderungen einzelner Bewegungsakteure auf. Dies erscheint zunächst positiv. Mit dieser Entwicklung ist allerdings auch die Gefahr der politischen Neutralisation verbunden. Ob Fortschritt oder nicht – die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung reagiert darauf bislang überwiegend unkritisch affirmativ. Hauptsache „aktiv für die Tiere“ lautet scheinbar die Devise. Dabei haben etwa die Heinrich-Böll-Stiftung oder die DIE LINKE keineswegs per se die Absicht, etwas für die Tiere oder die Tierbefreiungsbewegung zu tun. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen, für deren Durchsetzung politische Bewegungen und AktivistInnen bisweilen eher nützliche IdiotInnen statt BündnispartnerInnen sein sollen. Ganz zu schweigen von den social-media-affinen Ich-AGs und NGOs, für die Tiere und das Mitleid mit ihnen in erster Linie eine lukrative Geschäftsidee sind. Auch die vegane Sub- und Gegenkultur wird durch Unternehmer wie Attila Hildmann, mit jedem entpolitisierten Konsumfest und jeder Konzern-Kooperation Schritt für Schritt dem bürgerlichen Lifestyle preisgegeben.

Schließlich erodiert allmählich das ohnehin sehr brüchige inhaltliche und politisch-strategische Fundament der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Auf Großereignissen der Bewegung wie bei Bündnistreffen klammert man Widersprüche eher aus, als sie auszutragen. Politische Bildung geht nicht über den rudimentären alltagstauglichen Polit-Wortschatz hinaus. Organisationsdebatten münden in die Vermessung bewegungs- und gruppeninterner Wohlfühlzonen. So nimmt es nicht Wunder, dass schwer erkämpfte politische Positionen nach innen und außen unterminiert werden, mühselig erarbeitete linke gesellschaftskritische Theoriebestände versickern und von wissenschaftlich und gesellschaftlich genehmen, liberalen Human-Animal-Phrasen überlagert werden. In logischer Konsequenz wird u.a. die ALF aus der Bewegung heraus als „gewalttätig“ dämonisiert, Tierschutz als Ziel des Kampfes für die Tiere akzeptabler, historischer Materialismus und Marxismus werden plump denunziert und das bürgerliche Recht sogar als Verhandlungsgrundlage zur „Befreiung“ der Tiere akzeptiert.

Auf diese Herausforderungen müssen wir politisch und organisatorisch reagieren, wenn wir wollen, dass die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung nicht den Weg der Affirmation beschreitet, sondern den der Opposition durch revolutionäre Realpolitik. Nur letzterer bietet die Möglichkeit, wieder Erfolge zu erringen und gleichzeitig die Perspektive für die Befreiung von Mensch und Tier zu verbessern.

Mit der Osterakademie 2018 möchten wir, das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung, dazu beitragen, die skizzierten Probleme anzugehen und Argumente für die richtige Richtungsentscheidung zu sammeln. Mit Workshops, einführenden Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Gästen aus der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung wollen wir Lösungsvorschläge debattieren und organisatorische Perspektiven entwickeln.

Programm, Gäste, Formalitäten der Teilnahme und Anmeldung unter osterakademie.jimdo.com.

Tierethik-Comic

Kürzlich ist im Wilhelm Fink Verlag das Werk „Tierethik – Der Comic zur Debatte“ erschienen. Die Texterin Julia Kockel und der Zeichner Oliver Hahn zeichnen die Debatten um das Tier von der Antike bis heute nach. Sie stellen tierethische, tierrechtliche und Positionen der Tierbefreiung vor und befassen sich mit der Frage nach den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen für eine angewandte Ethik zwischen Mensch und Tier. Dabei nehmen sie auch aufs Antispeziesismus-Buch Bezug und zitieren etwa Max Horkheimer, Henry Stephens Salt oder Leonard Nelson.

Das Buch hat eine eigene Facebook-Seite. Weitere Informationen zum Buch und verschiedene Leseproben finden sich beim Verlag.

Climate March in Tübingen

Heute fand unter dem Motto „System change, not climate change“ der Tübinger Climate March statt.

Die 23. UN-Weltklimakonferenz (COP23) wird vom 6. bis 17. November in Bonn unter Schirmherrschaft der FidschiInseln ausgetragen. Die COP23 ist die wichtigste globale Klimakonferenz, etwa 20.000 Teilnehmer aus den 193 UN-Mitgliedstaaten werden dort über den weltweiten Klimavertrag verhandeln. Die Zeit drängt. Schon heute zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels, Wassermassen auf der einen Seite, Wasserknappheit auf der anderen. Schätzungen gehen von 300 Millionen Menschen aus, die bereits jetzt unter der Erderwärmung leiden. Um die Erderwärmung einzuschränken, wurde sich 2015 bei der COP21 in Paris in einem neuen Klimavertrag darauf geeinigt, die Erderwärmung auf unter 2°C zu beschränken. Dies ist jedoch eine große Herausforderung, und bei der COP23 sollen hierzu die Details ausgehandelt werden. Die Differenzen zwischen den Regierungen sind groß, insbesondere einige Regierungen des globalen Nordens zeigen sich wenig kompromissbereit. Auch Deutschland wird das Klimaziel für das Jahr 2020, den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, deutlich verfehlen.

Wir fordern einen gerechten Weltklimavertrag, der den Bedürfnissen aller Menschen gerecht wird. Zusammen sagen wir: System change, not climate change.

Mehr Fotos gibt es auf unserer Facebook-Seite.

Ein Zeitungsartikel über die Demonstration findet sich hier. Leider unerwähnt bleibt in dem Artikel der Redebeitrag von Act for Animals, in dem gesagt wurde, dass die Produktion von Tierprodukten mit der größte Erzeuger von schädlichen Klimagasen ist. Wie eine Studie der Universität Wien zeigte, verursacht die Produktion eines Kilogramms Rindfleischs dieselben Treibhausgas-Emissionen wie eine Autofahrt von 1600 Kilometern. Laut dem World Watch Institute ist die Produktion tierischer Nahrungsmittel für über die Hälfte der weltweit von Menschen zu verantwortbaren Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die UNO hat hinsichtlich des Klimawandels daher schon 2010 festgestellt: „Eine wirkliche Verringerung der Auswirkungen wäre nur mit einer grundsätzlichen, weltweiten Ernährungsumstellung möglich, weg von Tierprodukten.“

Tübinger Wohnprojekt wochenlang videoüberwacht

Ausspähen unter Nachbarn – das geht gar nicht!

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie erfahren würden, dass Ihr Haus ohne Ihr Wissen mit einer Kamera überwacht werden sollte? Jedes Kommen und Gehen gefilmt und erfasst werden sollte? An was würde es Sie erinnern, wenn staatliche Behörden versuchen, Ihre Nachbar_innen zu überreden, Überwachungstechnik gegen Sie einzusetzen und Sie zu bespitzeln?

Der Haupteingang des Wohnprojektes Schellingstraße 6 wurde im Juli 2016 knapp einen Monat lang heimlich von der Tübinger Polizei gefilmt. Zuvor hatte die Tübinger Polizei versucht, Nachbar_innen des Projektes dafür einzuspannen, Kameras an ihren Häusern, Vorgärten oder in ihren Wohnräumen anbringen zu lassen, um ihre Nachbar_innen heimlich zu bespitzeln.

Davon erfuhren die Betroffenen nur zufällig und zunächst gerüchteweise von einem Nachbarn, der das fragwürdige Ersuchen der Polizei abgelehnt hatte. Laut Gesetz ist das nachträgliche Informieren der durch die heimliche Überwachungsmaßnahme betroffenen Personen vorgesehen (§ 101 StPO). Diese Vorschrift wird von der Polizei allerdings regelmäßig missachtet, wie rechtswissenschaftliche Studien belegen.

Diesem skandalösen Umstand will die Meldestelle etwas entgegensetzen: Wir wollen nicht nur einen guten nachbarschaftlichen Zusammenhalt fördern, sondern auch einen Rechtsschutz gegen die oft widerrechtlichen Überwachungsmaßnahmen ermöglichen. Wenn niemand von den Maßnahmen weiß, kann der Rechtsweg nicht beschritten werden, und eine Kontrolle von Polizei und Staatsanwaltschaft findet nicht statt. Die heimlichen Überwachungsmaßnahmen sind nicht nur illegitim, sondern stellen sich im Nachhinein – sofern sie überhaupt gerichtlich überprüft werden – häufig als gesetzeswidrig heraus.

meldestelle.mtmedia.org

Eine Auswahl der Medienberichte über die rechtswidrige Überwachung des Tübinger Wohnprojekts Schellingstraße:

netzpolitik.org​

Schwäbisches Tagblatt Tübingen​

neues deutschland​

taz. die tageszeitung​

Für weitere Artikel: Pressespiegel auf meldestelle.mtmedia.org.

„The End of Meat“ im Kino Arsenal

Am 18.September 2017 präsentiert die Antispeziesistische Aktion Tübingen im Kino Arsenal um 19 Uhr den Dokumentarfilm „The End Of Meat“ mit anschließender Diskussion: Wie sähe unsere Welt aus, würden wir kein Fleisch mehr essen?

Ein Dokumentarfilm über die Vision einer Welt ohne Fleisch, der PhilosophInnen, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und AktivistInnen vorstellt, die sich mit Alternativen des Zusammenlebens von Menschen und Tieren beschäftigen. In dem Film wagt Filmemacher Marc Pierschel den Blick in eine Zukunft ohne Fleisch sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellte, spricht mit den Pionieren der veganen Revolution in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten „Nutztieren“ in Freiheit, trifft auf WissenschaftlerInnen, die am tierfreien Fleisch forschen, das den 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkt revolutionieren soll, und vieles mehr. „The End of Meat“ zeigt eindrucksvoll die versteckten Auswirkungen des Fleischkonsums, untersucht die Vorteile einer pflanzlichen Ernährungsweise und wirft kritische Fragen über die zukünftige Rolle der Tiere in unserer Gesellschaft auf.

Zur Facebook-Veranstaltung.
Trailer: theendofmeat.com.




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